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Seite 6. Mitteldeutsche Sonntags-Zeitung. 14 1 Tussy bemächtigte sich sogleich des Briefes, sein. Ihre Schwägerin, Fräulein Adele v. Kries, 5 8—— 8 so um ihn vorzulesen. Er enthielt eine Menge mit ist das ganze Gegenteil, eine große volle Gestalt
Antecgaltungs, eli.
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Drei Dinge. Drei Dinge haben hier im Leben Macht: Der Neid, die Hoffahrt und die Niedertracht. Doch, wenn sie dich auch noch so schön bespucken, Am Ende wirst du sie zu Boden ducken!
Verloren aber bist du auf der Welt, Wenn sich die Dummheit dir entgegenstellt: Sie setzt Spinoza hinter Löbel Pintus Und hat die Weisheit aller Zeiten intus!
Sie lacht wie ein Kretin dir ins Gesicht.
Und lästert alles, nur sich selber nicht.
Und nichts bleibt übrig dir von diesem Viehchen,
Als sacht dich in dich selber zu verkriechen! Arno Holz.
vom Stamm gervissen.
21 Roman von E. Langer.
Nachdruck verboten. (Fortsetzung.)
Frau Stern war jetzt eine verhärmte, ver⸗ kümmerte Gestalt, und doch zeigte das blasse, längliche Gesicht, von leicht ergrautem, kastanien⸗ braunem Haar umrahmt, noch Spuren einstiger Schönheit. Die sanften braunen Augen, die weiche Stirn, die feine Nase hatten selbst noch etwas jugendliches bewahrt; der Mund allein, dieser Verräter so des wahren Alters wie der Seelenschmerzen seines Besitzers, ließ ahnen, wie viel schweres Leid diese Frau durchgemacht hatte.
Ihre jüngere Tochter war von der Natur weniger reich als Valeska veranlagt. Zwar stand sie noch in den Entwickelungsjahren, sodaß man nicht wußte, was noch werden konnte. Das kluge, runde Gesichtchen mit den nußbraunen Augen sah vorzeitig ernst und gesetzt in die Welt. Ueber der niedrigen, sanft gewölbten Stirn war das reiche, glänzendschwarze Haar, ganz im Gegensatz zu der herrschenden Mode, wie mit einem Lineal gescheitelt, und, die Stirn ganz freilassend, im Nacken schlicht aufgesteckt. Wegen dieses spiegelglatten, ins bläuliche spielenden Haares hatten ihre Mitschülerinnen ihr den Bei⸗ namen„Krähenköpfchen“ gegeben. Gelernt hatte die Kleine fast ebenso viel, wie ihre Schwester, mit der sie die Privatstunden zusammen hatte nehmen müssen, weil diese für zwei verhältnis⸗ mäßig billiger waren, und weil sie Valeska auf ihren Gängen zur Stunde als Schutz und Duenna dienen mußte. Unverdrossen war Tussy in Schnee und Regen neben der Schwester einhergetrabt, wenn auch manchmal einige heimliche Thränen vergießend. Ihre Liebe und Hingebung für Valeska gingen bis zur völligen Selbstentäußerung. Sie und die Mutter beteten diese an.
Kehren wir nun in das Haus am Wasser und in die Stube, welche Herr Stern eben be⸗ treten, zurück.
Nachdem dieser brummend sich seines defekten Pelzes, der sein Ladenkostüm im Winter bildete, mit Hilfe seiner Tochter entledigt hatte, setzte er sich in eine Ecke des altmodisch steifen Sophas zurecht, rieb sich die frostgeschwollenen Hände und schaute Frau und Tochter abwechselnd mit spähenden Blicken über seine Brille an. Als indessen beide Frauen, ohne auf ihn zu achten, die jüngere zum Buch, die ältere zu einer Hand⸗ arbeit griffen, fuhr er ungeduldig auf:
„Na, könnt ihr denn nicht reden? Sollen denn die Leichenbittermienen so fortdauern? Ich habe sie jetzt satt. Die Geschichte ging nicht länger— aus dem Hause mußte sie— also basta! Und nun Kopf in die Höhe— hier ist ein Brief von ihr.“
Das Wort wirkte wie ein Zauber. Die trüben Augen der Frauen erhellten sich, die ernsten Züge lächelten, selbst die Lampe schien heller zu brennen.
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kleinen festen Zügen eng beschriebener Blätter und lautete wie folgt: f Herzliebste Mutter!
Gestern Abend gegen sieben Uhr bin ich so abenteuerlos, wie Du es nur wünschen kannst, hier angelangt; oder Du müßtest es für ein Abenteuer halten, daß Deine stolze Tochter statt in der Guts⸗Equipage auf einem simplen Stell⸗ wagen und statt in Begleitung der Gutsfräulein in der des Inspektors von der Bahnstation ab⸗ fahren mußte. Das ging nämlich so zu: In W. angekommen, schwenkte ich, auf dem Perron auf⸗ und abgehend, wie brieflich verabredet, mein Taschentuch nach Kräften, jedoch vergebens: weder ein Fräulein noch sonst jemand näherte sich mir. Endlich fragte ich nach, ob kein Wagen von Adlig⸗Triberg da sei und erhielt zur Antwort, ein Wagen wohl, aber nur der des Inspektors. Die Gutskutsche sei auch dagewesen, aber bereits wieder fort. Was blieb da übrig, als mir ganz einfach den Herrn Inspektor rufen zu lassen. Der höfliche und, nebenbei gesagt, recht stattliche Mann war voll Bedauern über meine Lage; ich nahm dieselbe aber keineswegs tragisch, das ist nicht meine Art, wie ihr wißt, und war herzlich froh, auf seinem Wagen, mit dem er Spiritus zur Bahn gebracht hatte, Platz zu finden. Bald saß ich, die Füße im warmen Heu verpackt, neben ihm und flugs ging's in die Winterland⸗ schaft hinaus. Ach, Mütterchen, Tussy, war das eine Pracht! Wir armen Stadtmenschen be⸗ kommen so etwas gar zu selten zu sehen. Der mondlose, sternenfunkelnde Himmel droben und unten die weite, schneebedeckte Ebene! Alle meine geliebten Sternbilder, wie die Kassiopeja, der Orion und all' die anderen strahlten in sonnenhaftem Glanze; es war ein Glitzern und Schimmern, daß man die Augen schließen mußte Manchmal ging es durch schneebeladenen Tannen⸗ wald oder an Häuschen mit traulich erleuchteten Fenstern vorüber, aber auch an manchem stolzen Gehöft. Ich war ganz entzückt und hätte nur immer so weiter fahren mögen. Mein Gefährte erwies sich als ein sehr intelligenter, gut unter⸗ richteter Mann, der mir viel über die bäuerlichen Verhältnisse der Gegend zu erzählen wußte. Der Schulmeister hätte hier, meinte er, noch viel zu thun. Es stünde um die Volksbildung noch schlimm genug. Die Tribergschen Leute würden gut gehalten, besonders die Hofleute, dafür sorgte die gnädige Frau, was mich sehr für diese ein⸗
nahm. Der Herr sei ein vorzüglicher, sehr eigener Wirt. Mehr bekam ich über diesen nicht zu hören.
Doch wie alles Schöne im Leben, so hatte auch diese Fahrt ein Ende. Wir hielten vor dem zweistöckigen Gutshause, dessen Erdgeschoß glänzend erleuchtet ist, und indem ich die breite Treppe zur Veranda hinaufsteige, zeigt sich mir durch die Glasthür ein gutsherrliches Familien⸗ bild, so lockend behaglich wie es nur einem er⸗ scheinen kann, der an einem frostklaren Winter⸗ abend auf offenem Wagen über Land gefahren ist. Aber nur unbesorgt, Mütterchen, ich war trotzdem so warm wie ein Pfannkuchen. Im Kamin loderte ein mächtiges Feuer und auf einem Tischchen davor stand die Theemaschine; alles wie in einem englischen Roman. Um den Tisch herum saßen fünf Damen, von denen vier mit Handarbeiten beschäftigt waren, während die fünfte vorlas. Große Verwunderung, als ich eintrat, denn die beiden jüngsten Fräulein waren mit der Nachricht von der Station heimgekehrt, daß niemand, der ihrer zukünftigen Peinigerin gleichsähe, mit dem Zuge angekommen wäre. Welches Ungeheuer mögen sich die jungen Däm⸗ chen wohl in mir vorgestellt haben! Genug, ich war da und der Empfang ließ nichts zu wünschen übrig.
Ich will Euch nun die Damen der Reihe nach vorführen.
Frau v. Kries ist eine kleine, schmächtige, noch jugendlich aussehende Frau mit schüchternem, aber treuherzigem Wesen. Besonders gefallen hat mir ihr kräftiger Händedruck; es lag darin: du bist mir willkommen, wir werden Freunde
mit auffallender Sicherheit im Auftreten. Die Züge sind hübsch aber hart, woran besonders die knöcherne Stirn und die pechschwarzen Haare und Augen schuld sind. Sie scheint die Intelligenz und Bildung der Familie zu vertreten. ie älteste Tochter, Agnes, ist, obgleich erst neunzehn Jahre alt, fast schon verblüht. Es ist ein eemeinsche nervöses, zartes Wesen. Wenn sie spricht, röte 0 9
sich ihr sofort die Augen und stehen voll Thränen. Palle Rosa, die zweite, ein wirklich schönes Mädchen geen fun mit langen, blonden Locken, ist mit einem n fi
verlobt und scheint in dieser Liebe ganz auf⸗ 125 die a zugehen, wenigstens sitzt sie immer schmachtend 1 elt n
da und wird erst lebendig, wenn von ihm die. iice der Rede ist. Die jüngste, Elfriede, ist ein aller⸗ gien de liebster Backfisch, munter, enthusiastisch, über⸗ dolls schwenglich Natürlich schwärmt sie schon für gegen dies mich. Herr v. Kries befindet sich gegenwärtig Ferne als Reichsbote in Berlin und seiner Abwesenheit pude
habe ich auch nur mein Engagement zu verdanken. Fehndelt Der äußerst musikalische Herr kann nämlich nur Sul und
Meister singen und spielen hören. Die Uebungen Hein Hin, seiner Töchter sind ihm fürchterlich, sodaß sie geaschf nur heimlich betrieben werden können. Wenn buchten u er vom Felde heimkommt, muß das Klavier daß ihre sofort geschlossen werden. Nun, sollte sich die Enz tra Gelegenheit dazu bieten, so würde ich diesen eine halbe hyperempfindlichen Herrn doch etwas abzuhärten uüteden suchen. Der Respekt vor ihm scheint bei Frau 15 und Töchtern enorm, die Schwester dagegen auf
vertrautem Fuße mit ihm zu stehen. Ich sehe Ab schon, daß es hier allerlei zu beobachten giebt.“ 1115 90
Frau v. Kries studiert eifrig die Zeitung resp. die Reichstagsverhandlungen, wahrscheinlich in der Hoffnung, auf eine Rede ihres Gestrenge
mich nun Eine Che nicht dari
zu stoßen. Fräulein Adele belächelt diese„Zei⸗ nich bein tungsleserei“, als wollte sie sagen: du verstehst macher doch nichts davon; die Töchter halten das mir fat Zeitungslesen sogar für unweiblich. Du wirst 1 0 fragen, lieb Mütterlein, und unsere kleine nase⸗ Gen f weise Tussy gleichfalls, wie ich mich unter diesen 0 besa! Leuten zurechtfinden werde? Seid unbesorgt, 159 meine Lieben. Der Vater ist es, das weiß ich; 1 1 der kennt seine Tochter: sie wird sich ihre Stel⸗ 13 10 1
lung schaffen und ihren Plan zu behaupten wissen⸗ schen, d Doch da hätte ich fast vergessen, Euch den jüngeren Je 100 Sprößling der Familie, den kleinen Nachtömm⸗ In 5 ling Hans vorzuführen. Die Art, wie wir Be⸗ J zei kanntschaft machten, war so drollig, daß ich sie chic
Euch erzählen muß. Als alle vorgestellt waren, 9 0 rief die Mama das fünfjährige Kerlchen, das 96 un
mich schon immer über sein Spielzeug hinweg angestarrt hatte, herbei und sagte ihm, daß es.
mir auch die Hand geben möchte. Sofort schritt Herr er auf mich zu, machte eine freundliche Ver⸗ nehrmalz beugung und piepste:„Willkommen, Fräulein fins fe
Sterne!“„Stern heißt die Dame“, belehrt aufgenom ihn die Mutter. Und er darauf:„Ich sage breite 9a Fräulein Sterne.“„Warum denn?“ fragte Nun man. Da hob er sich auf die Fußspitzen, deutete Richtige dann mit seinem Zeigefingerchen erst auf ein iht Nag und dann auf das andere meiner Augen und Harke it sagte mit einem sehr schlauen Gesicht:„Das iz Nerg sind doch zwei.“ Was sagt ihr? Ist das kennen. nicht der geborene Galant? Die ganze Gesell⸗ felge 81 schaft brach in Lachen aus. Der Junge ist Ver seltsam beanlagt. Von seinen Einfällen erzählte rich mir Frau v. Kries im Vertrauen sogleich noch Tauben ein Beispiel. Als er bei Fräulein Adele biblische fine Fa Geschichte und zwar die Vertreibung Adams und 5 Evas aus dem Paradies gelesen— denn er liest Mi ge bereits— hätte er bei dem Fluche, den Gott etpaz 9 über Eva ausspricht, ganz empört ausgerufen: schaffen „Solche Worte nimmt der liebe Gott in den de
Mund? Pfui!“— Ist das nicht prächtig? di Ich sehe schon, der Junge wird mein Liebling ni werden. d
Um acht Uhr wurde zu Tisch gebeten. Das Speisezimmer liegt im Seitenflügel und so durch⸗ schritten wir, bevor wir dasselbe erreichten,
mehrere sehr behaglich, aber ohne Prunk aus⸗ 90 gestattete Räume. Auch das Speisezimmer ist, 9 einfach. Als wir am oberen Ende der Tafel iim a8 Platz genommen hatten, öffnete sich die nach den 1 f Wirtschaftsräumen führende Thür und drei bis e
vier Eleven, an ihrer Spitze mein Reisegefährt, der Inspektor, schritten herein und ließen sich
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