Ausgabe 
15.1.1899
 
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Nr. 3.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 7.

I 8 8 175 am unteren Ende in einer Entfernung von fünf

da eine recht unliebsame Erfahrung. Diese

ie jungen Leute, dem Aussehen nach alle aus guten Familien und wie mein Inspektor gewiß nicht ohne Bildung, nahmen hier die Stellung von Dienstboten ein. ie. Wort an ihn gerichtet wurde. i N folgend, wollte ich mit Herrn Thäns, so heißt der Inspektor, sofort ein Gespräch über unsere gemeinschaftliche Fahrt anknüpfen, doch bemerkte

Keiner sprach, ohne daß das Meinem Impulse

ich noch zeitig genug, daß ich ihm damit eine

Verlegenheit bereitet haben würde. Die Herren

aßen stumm ihr Essen in sich hinein, nachdem

sie einige wirtschaftliche Fragen seitens der Haus⸗

frau, die allerdings in freundlich höflichem Tone gestellt wurden, beantwortet hatten. Das Pein⸗ liche der Situation wurde durch das alberne

Kichern der jungen Mädchen noch erhöht. Mein

demokratisches und humanes Gefühl empörte sich gegen dieses Sichetwasbesseresdünken und diese Geringschätzung der ehrlichen Arbeit. Betrübt wurde ich aber, als ich auch sah, daß die so Behandelten, Herrn Thäns ausgenommen, keinen Stolz und kein Selbstbewußtsein bewiesen, denn

beim Hinausgehen wagte keiner derhöheren

Gesellschaft den Rücken zu zeigen, sondern alle

drehten und wandten sich so durch die Thür, daß ihre Front uns immer zugekehrt blieb. Ganz trostlos stand ich vom Tische auf.

Noch eine halbe Stunde oder so verbrachten wir in tastendem Gespräch, wie man es zu führen pflegt, wenn Menschen in ein neues Verhältnis zu ein⸗ ander treten. Mein Zimmer, im ersten Stock gelegen, in welchem ich gleich nach der Ankunft meine Toilette geordnet hatte, schien mir, als ich mich nun zurückzog, ein wenig besser eingerichtet. Eine Chaise longue hatte ich wenigstens vorhin nicht darin bemerkt. Das Stubenmädchen, welches mich bedient, sowie das andere Hausgesinde be⸗ trachtet mich mit respektvoller Neugier. Es scheint mir fast, als ob Herrschast und Dienstleute sich etwas viel Simpleres unter demFräulein für Gesang und Sprachen vorgestellt haben. Um

so besser! Ich kann mit dem Eindruck jedenfalls

zufrieden sein und hoffe, mich hier ganz wohl zu befinden. Laß Dich dies über unsere Tren⸗ nung trösten, liebes Mütterlein, und sei ver⸗ sichert, daß ich im Geiste immer bei Euch bin. Jetzt aber zu Bett, Mitternacht ist vorüber. In zwei bis drei Tagen erhältst Du weitere Nachricht. Ich küsse Deine lieben Hände und Augen. Grüße Tussy und den Vater und ge⸗

denke, so heiter als Du immer kannst, Deiner

Dich innig liebenden, dankbaren Tochter Valeska. g Herr Stern, welcher während des Lesens mehrmals seine Bemerkungen gemacht hatte, die seitens seiner Frau mit unwilligem Stirnrunzeln aufgenommen worden waren, schlug jetzt eine breite Lache auf und rief:

Nun sage mir einer, daß ich nicht das Richtige getroffen! Da paßt sie hin, das ist ihr Platz! Wird denen schon zeigen, was eine Harke ist! Und dabei kommt die Liebelei hier Lehr' mich einer die Frauen

aVerschone mich nur mit den weisen Aus⸗ sprüchen Deines Philosophen, für den wohl die Trauben sehr sauer gewesen sein mögen, gab

(seine Frau bissig zurück. 14

fHa, ha, mag wohl sein, hast einen guten Witz gemacht, Frau Aber nun laß uns Regine etwas zu essen bringen, ich habe einen recht⸗ schaffenen Ja, Regine! Ist keine Regine mehr da! Länger konnte ich die ewige Not um den Lohn nicht ertragen. Ich habe sie entlassen, obgleich die treue Seele nicht gehen wollte. Was brauchen wir auch jetzt einen Dienstboten, da Valeska nicht mehr im Hause ist. Jetzt wird uns nie⸗ mand besuchen, vor dem man sich wohlhabender stellen muß, als man ist. Hast auch recht, was habt Ihr Frauen⸗

zimmer zu thun, das bischen Aufräumen und N Kochen! Du lieber Gott, Ihr habt eigentlich ewige Ferien!

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Frau Stern warf ihrem Gatten nur einen verächtlichen Blick zu. Das Thema war so oft zwischen ihnen verhandelt worden und Herr Stern hatte immer dieselbe Geringschätzung für die häusliche Thätigkeit der Frauen zu erkennen gegeben, daß es sich nicht verlohnte, etwas dar auf zu erwidern. Die arme gebrochene Frau saß ganz still da und streichelte nur den Brief auf ihrem Schoß.(Fortsetzung solgt.)

Feierabend.

Draußen vor den Thoren der Stadt spannt sich ein grauer, verräucherter Himmel über einen Wald von schmutzigen Schornsteinen.

Die Fabrikpfeifen haben das Feierabendsignal gegeben, das Stampfen der Maschinen hat auf⸗ gehört, und aus den weitgeöffneten Pforten der Fabrik wälzt sich ein dichter Menschenstrom heraus.

Erst kommt ein jüngerer Mensch, dann an⸗ dere, erst zu zweien, dann zu größeren Trupps.

Um einen graubärtigen älteren Arbeiter drängen sich verschiedene jüngere Kollegen und suchen auf ihn einzusprechen. Der Alte giebt nur kurze, abgerissene Antworten und setzt schleppend seinen Heimweg fort. Er ist seit dreißig Jahren in der Fabrik thätig und hat jahraus jahrein immer seine Schuldigkeit gethan. Jetzt ist ein neuer Meister in die Fabrik ge⸗ kommen, in welcher der Alte arbeitet. Der neue Meister möchte gern Neuerungen einführen und sich bei seinen Vorgesetzten lieb Kind machen; er giebt viel auf sein Aeußeres, ist forsch und energisch; das ist ein Ueberbleibsel aus seiner Soldatenzeit.

Der Alte ist dem neuen Meister schon vom ersten Tage an ein Dorn im Auge. Der Alte hat etwas Starres, Unbeugsames an sich, das er, gestützt auf sein Alter und seine jahrelange Facherfahrung, offen zur Schau tragen zu dürfen glaubt. Außerdem belauschte der neue Meister vor einigen Tagen den Alten, wie er einen jüngeren Kollegen während der Frühstückspause zum Beitritt in die gewerkschaftliche Fachorgani⸗ sation aufforderte, zu deren Vorstand der Alte gehörte.

In den nächsten Tagen chikanierte der Meister den Alten, wo er nur irgend konnte; er gab ihm die schlechteste Arbeit und hatte stets etwas zu tadeln. Schließlich arbeitete ihm der Alte zu langsam, sodaß er vorgeben konnte, ihm des⸗ wegen Lohnabzüge machen zu können. Die Be⸗ schwerden des Alten bei der Direktion ergaben nur, daß man ihm die Wahl stellte, entweder aus dem Vorstand der Gewerkschaft auszutreten oder, trotz seiner langjährigen treuen Dienste, die Arbeit zu verlassen.

Da ging der Alte

Er, der dreißig lange Jahre frisch und fröh lich mit dem Jüngsten um die Wette gearbeitet, geht heute mit müden, verschleierten Augen und mit krummem Rücken. Er ballt nicht die Faust. Er sieht heute zum erstenmale, daß er alt ge⸗ worden ist und daß er dort drüben im Dienste der Maschinen Kraft und Saft eines Menschen⸗ lebens verloren hat.

Er weiß, daß er keine Arbeit mehr finden wird!

Dreißig Jahre! Dreißig Jahre! Er schüttelt langsam den grauen Kopf und schwankt weiter.

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Aerztliehe Experimente

mit

Men sehen material.

Schwere Anklagen sind in letzter Zeit gegen gewisse Aerzte und Professoren der Medizin in Spitälern, Kliniken und Irrenhäusern erhoben worden. Danach wird vielfach mit dem Leben armer Kranker wie mit dem von Kaninchen und Hunden gespielt.

Einen Professor in Königsberg interessierte die Wirkung des Koch schen Tuberkulins an Neugeborenen. In dem Vortrage desselben Gelehrten heißt es:Die Frage machte es mir wünschenswert, ein ausreichendes Material zu

finden, und es wurde mir dieses durch die freundliche Bereitwilligkeit unseres Herrn Vor⸗ sitzenden(Professor Dohrn, Direktor der königl. Universitäts⸗ Frauenklinik!) sogleich in reichem Maße zu teil: mit seiner Erlaubnis habe ich die Neugeborenen auf der hiesigen geburtshilf⸗ lichen Klinik injiziert(eingespritzt unter die Haut), bisher bereits 40 an der Zahl.

Ein Professor der Kinder-Heilkunde, Dr. Epstein in Prag, hat von dem an Spulwürmern reichen Kot eines Kindes ein Stück genommen, in ihm eine gut entwickelte Spulwurmbrut ge⸗ züchtet und mit dieser Kot⸗WurmkulturFütte⸗ rungs-Versuche an wurmfreien Kindern gemacht, indem er ihnen diesen Kot mit Würmern in weißem Sirup zu essen gab!!Versuchskinder waren u. a. ein 1 Jahre altes Mädchen, ein 3 Monate altes Brustkind! Drei kranke, aber absolut wurmfreie Kinder in der Klinik von und 6 Jahren!

Dr. Janson in Stockholm berichtete in einem Vortrag(12. Mai 1891) über seine Versuche, schwarzes Blatterngift einzuimpfen:Vielleicht hätte ich zuerst an Tieren Versuche anstellen sollen; die geeignetsten jedoch, nämlich Kälber, waren der Kosten wegen schwer zu beschaffen und zu unterhalten, weshalb ich mit gütiger Erlaubnis des Oberarztes Professor Medin meine Experimente an Kindern(11!) im all⸗ gemeinen Findelhause begann! Die Kinder waren billiger wie die Kälber!

In der königl. Universitäts⸗Ohrenklinik in Halle a. S. hat ein Arzt, den das Wesen der Furunkel u. s. w.wissenschaftlich interessierte, einen zehnjährigen Knaben, der an Blutvergiftung hoffnungslos darniederlug, eine Eiterkultur aus dem Ohrfurunkel eines Mädchens auf die linke Wade eingerieben. Am nächsten Morgen zeigten sich gegen 15 Pusteln auf markstückgroßer Hautfläche. Am Mittag, 24 Stunden nach der Einreibung, ist der Patient gestorben.

(Schluß folgt.) üUZÜànQBü. ů Sprüche zur Lebensweisheit. J

In welchem Lande, von welchen Eltern wir geboren sind, das ist Zufall, aber Menschen zu sein mit dem ernsten Drange nach echter Freiheit und heißliebende Menschenfreunde zu sein, das ist unser selbsteigenstes Besitztum.

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Einzelne Menschen sind nur die großen Handlanger der Zeitidee, und die Gedanken der Weltgeschichte sind das Ergebnis der Hoffnungen und Bedürfnisse des ganzen Volkes. So muß auch der Geist der Freiheit durch viele Menschen⸗ herzen wehen, wenn er von Erfolg gekrönt sein soll.

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Der Geist der Freiheit überlebt die Jahr⸗ hunderte, er ist stärker, als der Tod selber.

Er spricht zu uns durch die stummen Blicke der großen Märtyrer der Freiheit, er redet zu uns durch die gewaltigen Geister der Vernunft und der Aufklärung, er liebt uns durch all' die großen Herzen voll Friedensdrang, voll Menschen⸗ liebe. Er ist gut und groß zugleich und er ist ebenso glühend, als er mild ist.

ä Neu eingelaufene Schriften.

Besprechung wichtigerer Erscheinungen behalten wir uns vor.

Die Schwindsucht u. d. medizinischen Zauberer. Von Franz Stolz. Kommissionsverlag von Friedr. Fleischer, Leipzig. 34 Seiten. Preis 90 Pfg. Der Verfasser fährt schwere Geschütze gegen diewissen⸗ schaftlichen Mediziner auf. Er donnert gegen die Bazillentheorie und spricht mit vielem Selbstbewußtsein über die Heilkunde. Schade, daß Herr Stolz keine Zeit hat, sonst wäre von ihm wohl noch viel zu er⸗ warten cuf dem Gebiete der Heilkunde. Er meint auf Seite 10:Und was nun die Ursache der heilbaren Schwindsucht ist, das mögen nun jene hochgelehrten Professoren herausfinden, die dazu da sind, dafür gut besoldet werden und sonst nicht anderes vorhaben; ich habe genug zu thun, um mein Brot als Kaufmann zu verdienen, und kann nicht meine ganze Zeit dafür opfern, jenen Blödsinn(daß die Bazillen die Schwindsucht verursachen) bis in seine letzten Konsequenzen zu widerlegen. Wie schade, daß Herr Stolz keine Zeit hat. In derselben Lage befindet sich bekanntlich auch der nationalliberale Pro⸗ fessor Paasche, der im Reichstag erklärte, er würde die Sozialdemokratie wissenschaftlich vernichten, leider habe

er nur keine Zeit.