Nr. 20.
Eeite 6. Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung. 5 zu lassen. Er wolle sie nicht durch die In⸗ nicht zurück. Oettinger durfte die Zerstörung N 1 e sinuation beleidigen, sie könnten ihrem Schwur in ihren Zügen nicht wahrnehmen, denn er
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Anterbaltungs Teil.
— g Die Maschine heut und in der Zukunft.
Der Ring der rollenden Weltenuhr weist uns die Verkehrtheit der herrschenden Seit, Sehet, wie heut
Die Wahrheit stehet auf dem Kopf,
Schauet, wie wider die Natur
Der Mensch ist ein lebendiges Ding
In einer toten Nand,
Daß er mit Leib und Seel' ihr diene,
Der Mensch ist Sklave der Maschine!
Wie durch Saubers Bann Ein totes Ding
Für und für
Wendet den lebendigen Menschen an Mit des Dämons Macht Durch Tag, durch Nacht, Durch Schrecken und Graus, In Fabrik und Baus, Mann, Weib und Kind!— Seht, wie die Gier
Not ausbrütet!
Sehet, wie blind
Mammon wütet!
Vorwärts rollt die Weltenuhr,
Vorwärts heut mit beschleunigtem Lauf.— Durch den eisernen Stachel der Not Aufgewühlt,
Wacht der Menschheit Bewußtsein auf, Seht, die Verkehrtheit kehret sich um. Der Mensch, der mit Bewußtsein fühlt, Kann von Natur nicht Sklave sein.
Und in der Sukunft Morgenrot,
In dem neuen Gesellschaftsbau
Die neu gegliederte Arbeiterwelt,
Der natürliche Herr der Maschinen, Bekommt die Maschine in seine Hand Sum Segen, zum Sieg, zur Befreiung, Sur Erlösung der darbenden Menschheit!
Aufhöret die Gier
Und die Not mit ihr,
Aufhöret der Fluch, den Mammon schafft, Und des Dämons gewaltige Kraft,
Die Maschine, sie wird zur Spenderin Von Heil und Glück, zur Wenderin
Von Pein und Weh,
Sie wird zur schönheitstrahlenden Fee, Ihr Wesen ist Schenken.
Aus des Elends Nacht blitzt Sonnenschein, Was nie war, nun will es werden:
Seit haben, zu denken, Seit haben, ein Mensch zu sein, Das ist die Botschaft, die sie singt, Das ist die Gabe, die sie bringt Für alle Menschen gleich auf Erden! Leopold Jacoby.
— vom Stamm gerissen. 191 Roman von E. Langer.
Nachdruck verboten. (Fortsetzung.)
Oettinger verteidigte sich selbst. Beim Be⸗ ginnen der langen Rede des Staatsanwalts war die rerschleierte Dame von Tussy und Herrn Stern hinausgeleitet worden; als der Angeklagte aber das Wort ergriff, erschienen die drei wieder, nahmen jedoch in der Nähe der Thür, wo er sie nicht sehen konnte, Platz. Oettingers Rede war ein Meisterstück an Kraft und Klarheit der Sprache, umfassender Rechts kenntnis und scharfsinniger Widerlegung der gegen ihn erhobenen Anklage. Mit den glück⸗ lichsten Zitaten und Beispielen aus der Geschichte belegt, bildete seine Verteidigung eins der inter- essantesten Aktenstücke der Geschichte der sozialen Bewegung.
Lautlose Stille lag über der Versammlung, über welche sich das weiche Abendlicht des langen nordischen Sommertages zu breiten be— ann. Die vor Aufregung blassen Züge des tedners sahen in demselben wie verklärt aus, als er sich jetzt an die Geschworenen wandte und sie warnte, bei ihrem Spruch sich nicht von Vorurteilen und Parteileidenschaft leiten
untreu werden und wider Pflicht und Gewissen statt aufgrund des vorliegenden Beweismaterials ihr Verdikt abgeben; allein das Gewissen sei, wie schon Owen gesagt, ein Produkt der gesell⸗ schaftlichen Verhältnisse, in denen wir lebten, und es sei äußerst schwierig, auch für den Ge⸗ wissenhaftesten, sich dem Einfluß dieser Ver⸗ hältnisse zu entziehen.„Nicht über Handlungen haben Sie Ihr Verdikt abzugeben“, so schloß er,„denn ich bin keiner Handlungen angeklagt — Sie haben Ihr Verdikt darüber abzugeben, ob es Recht oder Unrecht ist, einen Mann wegen seiner Meinungen und Grundsätze zu verfolgen, ob die Partei, welche ich vertrete, außer Gesetz gestellt werden soll oder nicht, ob Sie die fried⸗ liche Lösung der sozialen Frage und statt des Kampfes die Versöhnung wollen. Wie auch Ihr Verdikt ausfallen möge— meine Ueber⸗ zeugung wird es nicht ändern. Sie können mich auf Jahre in den Kerker schicken, die Ideen, die ich vertrete, bleiben davon unberührt. Es giebt für mich nur einen Weg: den der Pflicht, nur ein Banner: das Banner der Ge⸗ rechtigkeit und des Menschentums.“
Der Eindruck der Rede war ein mächtiger, selbst der Gerichtshof konnte sich demselben nicht entziehen. Durch das Publikum ging ein Murmeln, welches wie das erste Aufstöhnen des Meeres nach lang anhaltender Windstille klang. Der Präsident mußte zur Ruhe mahnen. Jetzt zogen sich die Geschworenen in das Be— ratungszimmer zurück. Wie Blei lag es auf der Versammlung, bis sie in dem mittlerweile erleuchteten Saale wieder erschienen. Der Wahrspruch lautete auf„Schuldig“. Als der Obmann ihn verkündigte, ertönte ein leiser Schrei im Saale und dann entstand ein Geräusch von scharrenden Füßen, als ob mehrere Per- sonen etwas hinaustrügen.
Oettinger war totenbleich geworden, nicht sowohl wegen des Spruchs der Geschworenen, welchen er kaum anders erwartet hatte, als wegen des Aufschreis, von dem er wußte, daß er von Valeska kam. Nur an sie dachte er. Er hörte kaum noch auf das Urteil, welches der Präsident verkündete und welches auf zwei Jahre Gefängnis lautete. Wie ein dichter Nebel legte es sich auf seine Sinne, aber er bewahrte seine feste männliche Haltung, und als er gefragt wurde, ob er noch etwas zu sagen hätte, verbeugte er sich stumm und schritt dem Ausgange zu.
Valeska wurde in bewußtlosem Zustande
nachhause gebracht. In den Wochen, welche die Voruntersuchung in Anspruch genommen, hatte sie nur selten das Bett verlassen können. Ein verzehrendes Fieber sog ihr die Kräfte aus. Umsonst kämpfte ihr starker Geist gegen die zunehmende Schwäche des Körpers— umsonst fachte die Hoffnung auf Oettingers Freisprechung die Lebensflamme von Zeit zu Zeit wider an, sodaß sich die Kranke zuweilen erheben konnte und eine schein⸗ bare Besserung in ihrem Zustande eintrat. Sie welkte dennoch unaufhaltsam dem Grabe ent⸗ gegen.
Zwei der geschicktesten Aerzte der Stadt standen ratlos und die Ohnmacht ihrer Kunst bejammernd an diesem Krankeulager.
Den mehrtägigen Verhandlungen beizuwoh— nen, war für Valeska, so sehr sie danach ge— strebt, ein Ding der Unmöglichkeit. Der Vater mußte ihr jeden Abend berichten, und sie sah seiner Rückkehr stets mit heißer Ungeduld ent⸗ gegen. Ihr Zustand verschlimmerte sich dadurch zusehends, in den Nächten phantasierte sie. Den Tag der Eutscheidung aber wollte sie miterleben. Sie wollte, sie mußte den Triumph des Ge— liebten teilen, denn ob freigesprochen oder ver— urteilt, er blieb für sie der Triumphierende. Als der Tag herankam, raffte sie mit der Willenskraft, die ihr zu Gebote stand, ihre Kräfte zusammen, ließ sich von Tussy ankleiden und von dem Vater die Treppe hinab in eine Droschke tragen. Vor dem Gerichtsgebäude
angekommen, that sie sich, um kein Aufsehen zu erregen, soweit Gewalt an, um selbst aus⸗ zusteigen, und, auf die Ihrigen gestützt, in den Den Schleier aber schlug sie
Saal zu gehen.
brauchte heute alle seine geistigen Fähigkeiten. Der Schritt Valeskas war ein gefährliches Experiment, welches ihren Tod unmittelbar zur Folge haben konnte; aber wer hätte es vermocht, sie davon abzuhalten, das letzte bittere Glück zu kosten, sie, die dem Tode doch geweiht war. Selbst die Aerzte wendeten nichts da— gegen ein.
In der Nacht steigerten sich die Fieber⸗ phantasien. Sie sah den Geliebten mit ge⸗ fesselten Händen wie auf jenem Transport von Neukirch auf das Bezirksgericht, Männer um⸗ ringten ihn und einer schlug mit Hacke und Spaten auf ihn ein, und sie mühte sich, ihn zurückzureißen, um den Geliebten mit ihrem Leibe zu decken. Dann sah sie ihn wieder im Gefängnis, in einer feuchten dumpfen Höhle, abgemagert und blaß, und man wollte sie nicht zu ihm lassen, sie streckte jammernd die Arme nach ihm aus und rief seinen Namen in herz⸗ er eee Tönen. Dazwischen sprach sie von
er Hochzeit und wie sie geschmückt sein wollte,
und nannte die Brautjungfern, die sie haben wollte. Tussy lag, von Fieberschauern geschüttelt, vor dem Bett der Schwester auf den Knieen, die alte Regine suchte beide zu beruhigen. Herr Stern saß zusammengekauert bald in diesem, bald in jenem Winkel, scheue Blicke auf die Kranke werfend, oder schritt im Nebenzimmer schwerfällig auf und ab. So verging die kurze Sommernacht.
Auf dem Wege aus dem Sitzungssaal war Oettinger von einem der Gerichtsdiener ein Zettel zugesteckt worden. Als er ihn in seiner Zelle auseinanderschlug, erkannte er Tussys Schriftzüge.„Fordern Sie, daß Sie Ihre Braut noch einmal sehen dürfen. Es hat die höchste Eile“— stand mit Bleistift darauf. In halbem Wahnsinn schritt er in seiner Zelle hin und her. Heute war nichts mehr zu thun, der Gefängnis⸗ wärter aber, welcher ihn während seiner Unter⸗ suchungshaft lieb gewonnen hatte, wie ihn jeder aus dem Volk, der ihm nahe trat, lieb gewann, versprach ihm, gleich morgen früh sein Gesuch beim Gefängnis⸗Inspektor vorzubringen. Es war ihm schon mehrmals abgeschlagen worden, aber jetzt konnten sie es ihm nicht weigern, bevor er die Strafhaft antrat, die Seinigen noch einmal zu sehen. Wird doch dem zum Tode verurteilten gemeinen Verbrecher eine letzte Bitte gewährt. So durfte er, von zwei Schutz⸗ leuten begleitet, in einer Droschke nach dem Hause am Wasser fahren.
Gegen zehn Uhr hielt die Droschke vor der
Thür. Mit drei, vier Sprüngen war Oettinger oben. So leicht sein Schritt gewesen, Tussy hatte ihn erkannt und trat ihm auf dem Flur entgegen. Unwillkürlich schloß er das bleiche Kind in seine Arme.
„Wie steht es, Tussy, um Gottes willen“, hauchte er. b
„Schlecht, armer Kurt. Sie werden sie sehr verändert finden. Fassen Sie sich.“
O Gott, war das Valeska, das lebensvolle, schöne Wesen, welches dort wachsbleich mit ein⸗ gesunkenen Zügen und bläulichen Lippen auf dem Bette lag? Laut aufweinend stürzte er neben der Geliebten auf die Kniee und barg sein Gesicht in ihren Kissen.
Sie hatte ihn anfangs nicht erkannt. Dann aber kam ein seliges Lächeln in die schon todes— starren Züge und, ihre Wangen an die seine schmiegend, streichelte sie ihm das Lockenhaar.
„Ich kenne Dich, Du bist mein Kurt. Ich bin noch nicht so krank. mir. Wir trennen uns nicht mehr, nicht wahr? Ich singe Dir auch schöne Lieder vor, weißt Du, das von der Liebestreu, das Du immer so gern hörtest— besonders den Schluß. Wie ist es doch?“— und sich mit der letzten Kraft ein wenig aufrichtend, sang sie mit erlöschender Stimme:
„O Mutter, und splittert der Fels auch im Sturm,
Meine Treue, sie hält ihn aus.“—
Sie hatte die letzten Worte nur geflüstert — sie sank zurück— vom Arm des Geliebten umfangen, hauchte sie nach kurzem Kampfe sanft ihr Leben aus. Ziehen wir einen Schleier über das, was folgte.—.
Jetzt bleibst Du bei
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