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Mitteldeutsche Sonutags⸗Zeitung.
Nr. 20.
scheitern, dann wollen wir dem Volke bei der kommenden n hen klaren Wein über dieses Verhalten eingießen.
se Man 1 65 mit 1 5 Faktoren der Zukunft rechnen“,— dieser Satz ist in der Debatte aus⸗ gesprocheu worden. Er enthält eine große Wahrheit. Möge die Regierung sie beherzigen!
pon Nah und Lern.
itteilungen aus unserem Leserkreise sind jederzeit willkommen.
Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissen⸗
haftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten alle
zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben.
Gießeuer Lokalnachrichten.
P. B. Am 11. I. Mts., nachmittags 1 Uhr, stürzte der 13 jährige Sohn des Taglöhers Johannes Trank dahier von einer Scheuer in der Lindengasse herunter und verletzte sich derart, daß er in die Klinik verbracht werden mußte. Nach Angabe der Aerzte erlitt derselbe einen Schädelbruch.— Am Freitag Morgen 6/ Uhr wurden in einem Garten in der Hammstraße dahier mehrere Herrenkleidungsstücke als Rock, Weste, Stiefel, Strümpfe, sowie eine Taschen⸗ uhr aufgefunden. Nach dem Inhalt der Papiere, welche sich im Rock befanden, gehören die Sachen einem jungen Mann, welcher hier als Schreiner in Arbeit steht. Derselbe hatte am Himmel⸗ fahrtstage dem Alkohol etwas stark zugesprochen und wurde heute Morgen von seinen Mitar⸗ arbeitern nur in Hose und barfuß in der Werk⸗ stätte aufgefunden, wo er seinen Rausch in den Hobelspähnen ausschlief.
Oeffentliche Bücher⸗ und Lesehalle.
Man schreibt uns: Wenn hie und da ver⸗ mutet wurde, daß mit dem Frühjahr eine Ver⸗ minderung der Benutzung unserer Bibliothek eintreten würde, so hat man sich darin getäuscht. Die Ausleihe hat sich vielmehr von Monat zu Monat gehoben. Im April waren es 1652 Bände, die verliehen wurden, gegen 1471 im März. Das Amt des Bibliothekars ist bei dem roßen Andrang ein sehr schweres. Deshalb sollte man nicht— wie das so oft vorkommt— durch kleine Kinder die Rückgabe und das Ab⸗ holen von Büchern besorgen lassen. Das er⸗ schwert nur den Geschäftsgang. Ebenso störend ist das Austauschen von Büchern oder deren Weitergabe an dritte Personen, die nicht zu dem Hausstand des Entleihers gehören. Des⸗ halb wurde letzteres untersagt. An die Dienst⸗ herrschaften und Arbeitgeber richten wir die Bitte, ihre Bediensteten möglichst auf unsere Anstalt hinzuweisen und ihnen Gelegenheit zum Entleihen guten Lesestoffes zu geben. Der Er⸗ folg wird nicht in letzter Linie ihnen selber zu gute kommen. Schließlich bitten wir, uns auch fernerhin gute Bücher, besonders Reise⸗ beschreibungen und populäre naturwissenschaft⸗ liche Werke, zuwenden zu wollen.
Eine neue Organisation.
Am Sonntag Nachmittag ist in Gießen eine Zahlstelle des„Verbandes der Fabrik-, Land⸗ und Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands“ gegründet worden. Den ersten Anstoß zur Gründung gab der Umstand, daß vor einigen Wochen auf der Dampfziegelei und Thonwarenfabrik des Kommerzienrats Gail, der gleichzeitig großer Zigarrenfabrikant ist, mehr als ein halbes Hundert pol nische und galizische Arbeiter ein—kaserniert wurden. Dem Verband sind bereits über 100 Mit⸗ glieder beigetreten. Wenn die gewählten Bevollmächtigten ihre Schuldigkeit thun, dann kann die neue Organisation gerade im Kreis Gießen mit seinen vielen nichtgewerblichen Ar⸗ beitern außerordentlich segensreich wirken. Mit⸗ glied des Verbandes kann jeder Arbeiter und jede Arbeiterin nach zurückgelegtem 16. Lebeus⸗ jahre werden. Der Verband gewährt Unter⸗ stützung für Gemaßregelte, Reisegeld, Umzugs⸗ geld, Rechtsschutz und eine einmalige Unterstützung für die Hinterbliebenen verstorbener Mitglieder. Das Eintrittsgeld beträgt 20 Pfg., der wöchent⸗ liche Beitrag 15 Pfg. für männliche, 7¼ Pfg. für weibliche Mitglieder.
Oeffentliche Schneiderversammlung. * Am Montag Abend find im Orbigs ben
Lokale eine öffentliche Schneiderversammlung statt. Dieselbe war gut besucht. Der Vor⸗ sitzende des Schneiderverbandes, Herr Holz⸗ häuser aus Stuttgart, hielt einen ausgezeich⸗ neten, fast zweistündigen Vortrag über das Thema: Welche Stellung haben die Arbeiter den heutigen Produktionsverhältnissen gegenüber einzunehmen? In klarer, leichtverständlicher Weise schilderte der Referent die kapitalistische Produktion und alle die Unzuträglichkeiten, die diese im Gefolge hat. Er ging dann auf das Verhalten des Staates in den Fragen der Sozialreform ein und wies an treffenden, aus der Praxis entnommenen Beispielen nach, wie viel auf diesem Gebiete noch zu thun bleibt. Hatte der Redner bis dahin mehr allgemeine Zustände erörtert, so ging er im zweiten Teil seines Vortrags auf die Verhältnisse im Schneider⸗ gewerbe speziell ein. Die Akkordarbeit und die Hausindustrie schilderte Holzhäuser mit großer Sachkenntnis. Er verlangt die Errichtung von Betriebswerkstätten und die Unterstellung der Hausindustrie unter die Gewerbeaufsicht. Zum Schluß wies er dann nach, wie alle diese Mittel allerdings keine durchgreifende Hilfe bringen könnten. Wahrhaft gerechte Zustände wären unter der Herrschaft des Kapitalismus über⸗ haupt nicht denkbar. Damit sei auch die Stel⸗ lung, welche die Arbeiter dem Kapitalismus gegenüber einzunehmen hätten, klar vorgezeichnet. Ziel⸗ und pflichtbewußtes Arbeiten für die ge⸗ werkschaftlichen und politischen Organisationen müsse die oberste Aufgabe der Arbeiter sein.— Lang anhaltender Beifall lohnte den Redner für seinen vorzüglichen Vortrag. Auf eine Diskussion wurde verzichtet.
National⸗soziale Versammlung.
* Am Mittwoch Abend sprach Herr Redakteur H. von Gerlach aus Berlin in Steins Saalbau über das zeitgemäße Thema: Mehr Zuchthaus oder mehr Freiheit? In eingehender Weise schilderte der Referent den heutigen Zuchthauskurs, erkannte an, daß das von der Sozialdemokratie geprägte Wort Klassenjustiz be⸗ rechtigt sei und trat ein für den weiteren Ausbau des Koalitionsrechts. So wie seiner Zeit das Sozialisten⸗ gesetz die Sozialdemokratie zusammengeschweißt habe, wie später die angedrohte Umsturzvorlage eine Spaltung der Partei verhütete, so würde jetzt die angekündigte Zuchthausvorlage die Sozialdemokratie abermals vor einer Spaltung bewahren. Nie sei in der Partei mehr Brennstoff angehäuft gewesen als jetzt. Redner führt dann die„Fälle“ Schippel, Peus, Heine und Bernstein an. Das Buch des letzteren besprach er ausführlicher. Durch Zwangsgesetze komme man der Sozialdemokratie nicht bei, je mehr man ihr Freiheit lasse, um so schneller würde sie in sich selbst zerfallen. Die Ansichten der Heine und Bernstein würden sich mehr und mehr durch⸗ bohren und schließlich werde aus der internationalen revolutionären Sozialdemokratie werden eine nationale sozialistische Reformpartei.— An der Diskussion beteiligte sich nur Genosse Scheidemann. In mehr als ein⸗ stündiger Rede ging er auf die Ausführungen des Refe⸗ renten ein. Herr v. Gerlach habe in der ersten Hälfte, in der der heutige Kurs gekennzeichnet wurde, den rück⸗ haltlosen Beifall der anwesenden Arbeiter gefunden. Die zahlreich anwesenden Kapitalisten hätten dagegen die Nase gerümpft. Umgekehrt sei es bei dem zweiten Teil des Vortrags gewesen, in dem Herr v. Gerlach seine sogen. nationalen Pläne entwickelt habe. Die Nationalsozialen wollten zwei Herren dienen und das ginge nicht an. Auf der einen Seite den sozialistischen Klassenkampf als berechtigt anerkennen, um auf der andern Seite staats⸗ nationale Weltmachts⸗Abenteuerpolitik gutzuheißen und zu fördern, sei ein Unding. Den Kampf um die Futter⸗ plätze mit Kriegsschiffen und Kanonen habe der bekannte wirtschaftspolitische Schriftsteller May sehr richtig als Bestienmoral bezeichnet. Redner ging dann auf die be⸗ reits erwähnten Fälle Heine, Schippel und Bernstein ein. Verschiedenen Erörterungen des letzteren stimme er zu, anderen stehe er strikte ablehnend gegenüber. Daß es wegen Bernsteins Buch zu einer Spaltung in der Sozialdemokratie kommen werde, sei eine trügerische Hoffnung der Gegner. Die große Masse der zur Sozialdemokratie gehörenden Arbeiter lasse es vollständig kalt, wenn sich etnige Theoretiker wegen irgendwelcher Theorien in die Haare geraten. So wenig wie von irgend einer anderen Partei werden sich die zum Klassen⸗ bewußtsein erwachten Arbeiter von den Nationalsozialen einfangen lassen, denn diese wären genau so unzuverlässig, als alle anderen bürgerlichen Parteien. Bei den letzten Reichstagswahlen sind die Nationalsozialen in den Wahl⸗ kreisen Leipzig, Dithmarschen und Jena, als es sich in der Stichwahl um Sozialdemokraten und National- liberale handelte, für die letzteren eingetreten, ein⸗ getreten für Nationalliberale, die heute Abend erst Herr
v. Gerlach selbst als eine ganz kurzsichtige, reaktionäre Gesellschaft gekennzeichnet habe. Die Arbeiter bleiben Soziald emokraten und die Sozialdemokratie bleibt, was
sie war.— In seinem Schlußwort bedauerte es Herr
v. Gerlach, daß auch hier, trotzdem alle Parteien ver⸗ treten wären, nur ein Sozialdemokrat sich an der De⸗ batte beteilige. Auch die Gießener liberalen Partei⸗ männer schienen nur Mut zu haben, wenn sie hübsch unter sich wären.(Sehr richtig!) Redner ging dann auf die Einwendungen Scheidemanns ein und suchte die national⸗soziale Weltmachtspolitik zu rechtfertigen.— Die Versammlung war zu drei ziemlich gleichen Teilen zu⸗ sammengesetzt aus Arbeitern, Akademikern und Kuddel⸗ muddelliberalen.
Zigarren, kleinen und großen Maschinen machenden Fabrikanten kamen aus den Verlegenheiten gar nicht heraus. Die kalten Douchen von beiden Rednern hatten sie wohl nicht erwartet. Da wir Sozialdemo⸗ kraten im liberalen Gießen keine Säle zu Versammlungen bekommen, können uns die Nationalsozialen keinen größeren Gefallen thun, als recht oft hier Versamm⸗ lungen abzuhalten. Watzenborn⸗Steinberg.
r. Im Sommerschen Lokale zu Watzenborn fand am Sonntag unsere Maifeier statt. Das Lokal war geradezu überfüllt. Die Fest⸗ rede hielt Gen. Beckmann⸗Gießen, der sich seiner Aufgabe in wirklich trefflicher Weise entledigte und großen Beifall erntete. In schönster Weise verliefen die paar Stunden der Feier bei Konzert und fröhlicher Unterhaltung. Zwei Gendarmen, die zu unserer Ueberwachung geschickt waren, werden bezeugen müssen, daß wir uns ausgezeichnet amüsiert haben.
Aus Friedberg.
b. Unsere Maifeier hat einen glänzenden Verlauf genommen, wie nie zuvor. Vor über⸗ fülltem Saale sprach Gen. Krumm aus Gießen über die Bedeutung des 1. Mai. Seine Aus⸗ führungen ernteten den lebhaftesten Beifall. Daran anschließend fand ein Volksfest statt, das erste, welches hier veranstaltet wurde. Mit dem Erfolg können wir zufrieden sein. Der geräumige Steinhäuser'sche Garten war voll- ständig besetzt, ebenso der Saal. Alt und Jung ergötzte sich an den Spielen der Jugend, welche mil Preisverteilungen endeten.
Aus Lauterbach.
W. Die Maifeier, welche vorigen Sonntag unter großer Beteiligung hier stattfand, wird den Genossen des 3. oberhessischen Wahlkreises, welche an derselben teilnahmen, noch lange in freudiger Erinnerung bleiben. Die Festrede hielt Genosse Schmidt aus Preungesheim. Während seiner Ausführungen wurde er mehr⸗ mals von Beifallskundgebungen unterbrochen. Eine von dem Redner verlesene Resolution fand einstimmige Annahme. Möge die Maifeier nicht ihren agitatorischen Zweck verfehlt, möge die Aufforderung unseres Genossen Schmidt, sich dem Kreiswahlverein anzuschließen, bei allen Arbeitern Gehör gefunden haben.— 2
W. Der an Stelle des verstorbenen freisin⸗ nigen Abg. Neeb für den 8. oberhessischen Wahl⸗ kreis neu gewählte Herr Korell teilt dem„Alsf. Krbl.“ in schwülstiger Form mit, daß er„nicht als Kandidat der vereinigten Freisinnigen und Nationalliberalen gewählt sei, sondern als „freier deutscher Bauer“.— Das ist jedenfalls ein Schlauer.
Eine reiche Gewerkschaft.
Der Verband der deutschen Buchdrucker hat nach dem soeben im„Correspondent“ ver⸗ öffentlichten Jahresbericht 1896 1,1, 1897 1,27, 1898 1,39 Millionen vereinnahmt und 0,87 Millionen Mark verausgabt. Der Ueberschuß der Hauptkasse betrug 1896 0,3, 1897 0,39 und 1898 0,5 Millionen. Das Verbands vermögen hat sich seit 1896 um rund 90268161 Mark vermehrt und beträgt mit dem Vermögen der Zentral⸗Invalidenkasse i. L. 2.8 76.188,05 Mark. Hinzuzurechnen ist noch das Vermögen der Gau⸗ und Bezirkskassen, so daß etwa 3 Millionen 200000 Mark dem Verbande zur Verfügung stehen. Die Mitgliederzahl betrug im ersten Quartal 1896 20 949, im vierten Quartal 1898 26377. Die Zahl der steuernden Mitglieder hat somit in den letzten drei Jahren um 5428, seit dem 1. Januar 1893 um rund 10000 zu⸗
genommen. Die Zahl der Druckorte, in welchen
Verbands mitglieder beschäftigt wurden, betrug 1896 865, 1897 899, 1898 960.
Die zu den letzteren gehörenden, in
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