Ausgabe 
13.8.1899
 
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Seite 6.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Ar. 33.

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Unterhaltungs⸗CTeil. 0

* Die Nämpfer. Gedicht aus den vierziger Jahren.

Die ehr' ich, die mit Ehren fechten, Denn jeder Kämpfer hat sein Recht; Doch nicht die Schaar von feilen Unechten, Der Heuchler niedriges Geschlecht, Die in der Selbstsucht Licht nicht fühlen, Wo es das Wohl der Menschheit gilt, Die mit dem Beiligen nur spielen, Heut dieses, morgen jenes Schild.

Die sich der Fürstenmacht verkaufen, Von Volkeslieb' und Treue baar; Die nur nach Gold und Ehren laufen, Sich selbst nur dienen am Altar; Die nur mit Diplomatenlisten Jetzt, wo das Leben Wahrheit heißt, Der Lüge noch das Leben fristen, Die uns so lange schon getäuscht.

Sie stehen nicht mit Mannesehre Im Riesenkampf der großen Seit, Nein Rämpfer sucht sie mit dem Speere, Sie sind der Schande nur geweiht. Den Baben werden sie zur Beute, Sie, die kein ehrlicher begräbt; Sie sterben morgen oder heute, Genug, sie haben nie gelebt.

Siehst du die Fünengräber ragen, Dort wo des Nordens Woge rollt d Nicht nach dem Namen darfst du fragen, Da ist kein Marmor und kein Gold: Die Kämpfer schlafen doch in Ehren, Die Woge singt von Beldenruhm, Und jeder Cenz, wer mag es wehren, Legt Kränze auf ihr Heiligtum.

So ragt dereinst aus unsern Tagen Ein Beldengrab in künft'ge Seit, Und wenn die Wandrer stehn und fragen, Buhmvollen Nämpfern ist's geweiht. Bier ruhen die mit Ehren starben, Vereint zu Odins Göttersaal; Shrlose Kämpfer nur erwarben Rein Grab sich und kein Todtenmal.

Fr. Baltzer.

Michael Kohlhaas.

Historische Erzählung von H. von Kleist. (H. Fortsetzung.)

Der Landvoigt, der wohl einsah, daß eine Resolution dieser Art keinesweges beruhigen konnte; denn nicht nur, daß mehrere kleine Vor⸗ teile, die der Roßhändler an verschiedenen Punk⸗ ten vor der Stadt erfochten, über die Stärke zu der er herangewachsen, äußerst unangenehme Gerüchte verbreiteten: der Krieg den er in der Finsternis der Nacht durch verkleidetes Gesindel, mit Pech, Stroh und Schwefel führte, hätte, unerhört und beispiellos wie er war, selbst einen größeren Schutz als mit welchem der Prinz von Meißen heranrückte, unwirksam machen können. Der Landvoigt, nach einer kurzen Ueber legung, eutschloß sich daher, die empfangene Resolution ganz und gar zu unterdrücken. Er plackte bloß einen Brief, in welchem ihm der Prinz von Meißen seine Ankunft meldete, an die Ecken der Stadt an; ein verdeckter Wagen, der beim Ausbruch des Tages aus dem Hofe des Herrenzwingers kam, fuhr von vier schwer bewaffneten Reitern begleitet auf die Straße nach Leibzig hinaus, wobei die Reiter auf eine unbestimmte Art verlauten ließen, daß es nach der Pleißenburg gehe; und da das Volk über den heillosen Junker, au dessen Dasein Feuer und Schwert gebunden, dergestalt beschwichtigt war, brach er selbst mit einem Haufen von dreihnudert Manu auf, um sich mit dem Prin⸗ zen Friedrich von Meißen zu vereinigen. In⸗ zwischen war Kohlhaas in der That durch son⸗ derbare Stellung, die in der Welt einnahm, auf hundert und neun Köpfe heraugewachsen: und

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da er auch in Jessen einen Vorrat an Waffen

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aufgetrieben, und seine Schaar auf das Voll⸗ ständigste damit ausgerüstet hatte; so faßte er, von dem doppelten Ungewitter das auf ihn heran⸗ zog, benachrigtigt, den Entschluß, demselben mit der Schnelligkeit des Sturmwinds, ehe es über ihn zusammenschlüge, zu begegnen. Demnach griff er schon Tags darauf den Prinzen von Meißen in einem nächtlichen Ueberfall bei Mühl⸗ berg an, bei welchem Gefechte er zwar zu seinem großen Leidwesen den Herse einbüßte, der gleich durch die ersten Schüsse an seiner Seite zusammen⸗ stürzte: durch diesen Verlust erbittert aber, in einem drei Stunden langen Kampfe, den Prin⸗ zen, unfähig sich in dem Flecken zu sammeln, so zurichteie, daß er bei Anbruch des Tages mehrere eignen Wunden, und einer gänzlichen Unordnung seines Haufens wegen, genötigt war den Rückweg nach Dresden einzuschlagen. Durch diesen Vorteil tollkühn gemacht, wandte er sich ehe dersele noch davon unterrichtet sein konnte, zu dem Landvoigt zurück, fiel ihn bei dem Dorfe Damerow am hellen Mittag auf freiem Felde an, und schlug sich, unter mörderischem Verlust zwar, aber mit gleichen Vorteilen, bis in die sinkende Nacht mit ihm herum. Ja, er würde den Landvoigt, der sich in den Kirchhof geworfen hatte am andern Morgen unfehlbar mit dem Rest seines Haufens wieder angegriffen haben, wenn derselbe nicht durch Kundschafter von der Niederlage, die der Prinz bei Mühlberg erlitten, benachrichtigt worden wäre und somit für ratsamer gehalten hätte, gleichfalls bis auf einen bessern Zeitpunkt nach Wittenberg zurück zukehren.

Fünf Tage nach Zersprengung dieser beiden Haufen stand er vor Leipzig, und steckte die Stadt an drei Seiten in Brand. Er naunte sich in dem Mandat, das er bei dieser Gelegenheit ausstreute,einen Stadthalter Michaels, des Erzengels, der gekommen sei an Allen, die in dieser Sreitsache des Junkers Partei ergreifen würden, mit Feuer und Schwert die Arglist, in welche die ganze Welt versunken sei, zu bestrafen. Dabei rief er von dem Lützner Schloß aus, das er überumpelt, und worin er sich sestgesetzt hatte, das Volk auf, sich zur Errichtung einer besseren Ordnung der Dinge, an ihn anzuschließen; und das Mandat war mit einer Art von Verrückung unterzeichnet:Gegeben auf dem Sitz unserer provisorischen Weltregierung, dem Erzschlosse zu Lützen. Das Glück der Einwohner von Leipzig wollte, daß das Feuer wegen eines anhaltenden Regens der vom Himmel fiel nicht um sich griff, dergestalt, daß bei der Schnellig keit der bestehenden Löschanstalten nur einige Kramläden, die um die Pleißenburg lagen, in Flammen aufloderten. Gleichwohl war die Be⸗ stürzung in der Stadt über das Dasein des rasenden Mordbrenners, und den Wahn in welchem derselbe stand, daß der Junker in Leip zig sei, unaussprechlich; und da ein Haufen von hundert achtzig Reisigen, den man gegen ihn ausschickte, zersprengt in die Stadt zurückkam: so bieb dem Magistrat, der den Reichtum der Stadt nicht aussetzen wollte, nichts anders üb rig, als die Thore gänzlich zu sperren, und die Buürgerschaft Tag und Nacht außerhalb der Mauern wachen zu lassen. Vergebens ließ der Magistrat auf den Dörfern der umliegenden Gegend Declarationen anhesten, mit der bestimm ten Versicherung, daß der Junker nicht in der Pleißenburg sei; der Roßkamm, in ähnlichen Blättern, bestand darauf, daß er in der Pleißen⸗ burg wäre, und erklärte, daß wenn derselbe nicht darin befindlich, er mindestens verfahren würde, als ob er darin wäre, bis man ihm den Ort mit Namen genannt, werde angezeigt haben, worin er befindlich sei. Der Kurfürst, durch einen Eilboten von der Not, in welcher sich die Stadt Leipzig befand, benachrichtigt, erklärte, daß er bereits einen Heerhaufen von zweitausend Menn zusammenzöge, und sich selbst an dessen Spitze setzen würde, um den Kohlhaas zu fan⸗ gen. Er erteilte dem Herrn Otto von Gorgas einen schweren Verweis, wegen der zweideutigen und unüberlegten List die er angewendet, um des Mordbrenners aus der Gegend von Witten⸗ berg loszuwerden; und niemand beschreibt die Verwirrung, die ganz Sachsen und iusbesondere die Residenz ergriff, als man daselbst erfuhr,

daß auf den Dörfern bei Leipzig, man wußte nicht von wem, eine Declaration an den Kohl⸗ haas angeschlagen worden sei, des Inhalts: Wenzel, der Junker, befinde sich bei seinen Vettern Hinz und Kunz in Dresden.

Unter diesen Umständen übernahm der Dottor Martin Luther das Geschäft den Kohlhaas durch die Kraft beschwichtigender Worte, von dem Ansehn, das ihm seine Stellung in der Welt gab, unterstützt, in den Damm der mensch⸗ lichen Ordnung zurückzudrücken, und auf ein tüchtiges Element in der Brust des Mordbren⸗ ners bauend, erließ er ein Plakat folgenden Inhalts an ihn, das in allen Städten und Flecken des Kurfürstentums angeschlagen ward:

Kohlhaas der du dich gesandt zu sein vor⸗ gibst, das Schwert der Gerechtigkeit zu hand⸗ haben, was unterfängst du dich, Vermessener, im Wahnsinn stockblinder Leidenschaft, du, den Ungerechtigkeit selbst vom Wirbel bis zur Sohle erfüllt? Weil der Landesherr dir, dem du unterthan bist dein Recht verweigert hat, dein Recht in dem Streit um ein nichtes Gut, er⸗ hebst du dich, Heilloser mit Feuer und Schwert,

und brichst wie der Wolf der Wüste in die

friedliche Gemeinheit, die er beschirmt. Du, der die Menschen mit dieser Angabe voll Un⸗ wahrhaftigkeit und Arglist verführst: meinst du, Sünder, vor Gott dereinst, an dem Tage, der in die Falten aller Herzen scheinen wird, damit auszukommen? Wie kannst du sagen, daß dir dein Recht verweigert worden ist, du, dessen grimmige Brust vom Kitzel schnöder Selbstrache gereizt nach den ersteu, leichfertigen Versuchen, die dir gescheitert, die Bemühun gänzlich aufgegeben hat, es dir zu verschaffen Ist eine Bank voll Gerichtsdienern und Scher⸗ gen, die einen Brief, der gebracht wird, unter⸗ schlagen oder ein Erkenntniß, das sie abliefern sollen, zurückhalten, deine Obrigkeit? Und muß ich dir sagen, Gottvergessener, daß deine Obrig⸗ keit von deiner Sache nichts weiß was sag ich? daß der Landesherr, gegen den du dich auflehnst, auch deinen Namen nicht kennt, der⸗ gestalt, daß wenn dereinst du vor Gottes Thron trittst, in der Meinung ihn anzuklagen, er heiteren Antlitzes, wird sprechen können: diesem Mann, Herr, that ich kein Unrecht, denn sein Dasein ist meiner Seele fremd. Das Schwert, wisse, das du führst, ist das Schwert des Raubes und der Mordlust, ein Rebell bist du und kein Krieger des gerechten Gottes, und dein Ziel auf Erden ist Rad und Galgen, und jenseits die Verdammniß, die über die Missethat und die Gottlosigkeit verhängt ist. Wittenberg, u. s. w. s Martin Luther.

Kohlhaas wälzte eben auf dem Schlosse zu Lützen einen neuen Plau Leipzig einzuäschern in seiner zerissenen Brust herum: denn auf die in den Dörfen angeschlagene Nachricht, daß der Junker Wenzel in Dresden sei, gab er nichts weil sie von Niemand, geschweige denn vom Magistrat, wie er verlangt hatte unter⸗ schrieben war; als Sterbald und Waldmann das Plakat, das zur Nachtzeit an den Thorweg des Schlosses angeschlagen worden war, zu ihrer großen Bestürzung bemerkten. Vergebens hofften sie durch mehrere Tage, daß Kohlhaas, den sie nicht gern deshalb antreten wollten, es erblicken würde; finster und in sich gekehrt, in der Abend⸗ stunde erschien er zwar, aber bloß um seine kurzen Befehle zu geben, und sah nichts: dergestalt, daß sie an einem Morgen, da er ein. Paar Knechte, die in der Gegend wider seinen Willen geplündert hatten, aufknüpfen lassen woll⸗ te, den Entschluß faßten ihn darauf aufmerksam zu machen. Eben kam er, während das Volk von beiden Seiten schlüchtern auswich, in dem Aufzuge, der ihm seit seinem letzten Mandat gewöhnlich war, von dem Richtplatz zurück: ein großes Cherubsschwert auf einem rotledernen Kissen, mit Quasten von Gold verziert, ward ihm vorangetragen, und zwölf Knechte, mit brennenden Fackeln folgten ihm: da traten die beiden Männer, ihre Schwerter unter dem Arm, so daß es ihn befremden wußte um den Pfeiler, an welchem das Plakat angeheftet war, herum.

Kohlhaas, als er mit auf dem Rücken zu⸗ sammengelegten Händen in Gedanken vertieft,

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