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Frankfurt, Gießen,

punkt ändern wird.

Nr. II.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 5.

Mainz, Offenbach, Darmstadt, Hanau und Umgegend, außerdem waren von zwei Vereien beistimmende Erklär⸗ ungen eingegangen. Nach einer längeren Debatte, welche sich in der Hauptsache um die eventuell

zu leistenden Beiträge drehte, und in welcher sich

faßt alle Redner für die Gründung des Bundes erklärten, wurde beschlossen, daß der Eintritt 2 Mk. und der Quartalsbeitrag höchstens 2 Mk. für jeden Verein betrage, wogegen denselben die

von der Liedergemeinschaft herausgegebenen Chöre

in einer noch festzusetzenden Anzahl von Stimmen gratis zu liefern sind. Die Endabstimmung ergab darauf die Zustimmung von 29 Vereinen für die Gründung, 1 Verein und zwar Lassallia⸗ Union⸗Offenbach dagegen, während 11 Vereine eine bestimmte Zusage noch nicht geben konnten. Bei dem Verein Lassallia⸗Union steht jedoch zu erwarten, daß derselbe seinen ablehnenden Stand⸗ Durch dieses Resultat war somit der Arbeiter⸗Sängerbund für Rhein⸗ und Maingau zur Thatsache geworden, was allseitig freudig begrüßt wurde. Neuanmeldungen sind an A. Hofmann, Frankfurt a. M., Hermann⸗ straße 14 Part., zu richten.

Lohnbewegung der hessischen Pfarrer.

Nachdem schon aus verschiedenen Orten in Oberhessen ähnliches berichtet wurde, kommt nun auch aus dem Odenwald und zwar aus Rimbach wieder eine Notiz, die uns verkündet, daß die Pfarrer mit ihren Löhnen unzufrieden sind und mehr haben wollen:

Die Konferenz der evangelischen Geist⸗

lichen des Dekanats Erbach schloß sich ei n⸗ stimmig den Schritten, welche die Vorstände des Evang. Pfarrvereins, der Evang. Konferenz, sowie der Frankfurter Konferenz bezüglich so⸗ fortiger Aufbesserung der Lage des Pfarrstandes gethan haben, an und giebt sich der Hoffnung hin, daß diese Schritte bei den in Betracht kommenden Faktoren den ge⸗ wünschten Erfolg haben werden.

Wenn aber der gewünschte Erfolg nicht ein⸗ tritt, was dann? Organisierte Arbeiter würden in diesem Fall wahrscheinlich zum Streik schreiten.

Aus Marburg.

f. Am Sonnabend, 4. März, fand hier im Lokale von C. Müller, Hirschberg 12 eine ziemlich gut besuchte Parteiversammlung statt. Dieselbe beschäftigte sich hauptsächlich mit der Frage über die Veranstaltung einer Märzfeier. Allgemein wurde der Wunsch laut, die diesjährige Märzfeier in würdiger Weise, der jetzigen ernsten Zeit entsprechend, zu begehen. Nach kurzer De⸗ batte wurde folgender Antrag des Gen. Stumpf Beantrage: Zur würdigen Begehung der dies⸗ jährigen Märzfeier einen tüchtigen Redner heran⸗ zuziehen und die Feier durch eine Versammlung mit nachfolgendem gemütlichen Zusammensein zu begehen, einstimmig angenommen. Der für heute Abend festgesetzte Bericht der Revisoren konnte eingetretener Umstände wegen nicht er⸗ folgen und mußte bis zur nächsten Versammlung zurückgestellt werden. Unter Verschiedenes wurde noch über die Agitation zur Gewinnung neuer Abonnenten für unser Parteiblatt ge⸗ sprochen und die Genossen aufgefordert, sich an einer demnächstigen Verbreitung derM. S.⸗Z. recht zahlreich zu beteiligen. Auch wurde darauf hingewiesen, die hiesigen Geschäftsleute, welche in unserer Zig. inserieren, mehr zu unterstützen, als seither geschehen. Hierauf wurde die Versammlung, die nur eine Stunde in Anspruch genommen hatte, geschlossen.

Der gute Ton im Gerichtssaal.

Eine Frage von prinzipieller Bedeutung ent⸗ schied kürzlich das Schöffengericht in Nordhausen. Es verurteilte einen Richter, welcher vor einiger Zeit als Vorsitzender der Strafkammer von einem Angeklagten sichUnverschämtheiten verbeten hatte, zu 30 Mark Geldstrafe. Auf das Urteil der zweiten Instanz, die in diesem Falle angerufen werden soll, ist man in juristi⸗ schen Kreisen sehr gespannt.

Ein ostelbisches Idyll zeichnet ein Mitarbeiter derWelt am Montag nach Wahrnehmungen, die er selbst in den jüngsten Tagen auf einer Reise nach Ostelbien gemacht hat. Der Verfasser entwirft von den Verhält⸗ nissen des schlesischen Dorfes und Ritter⸗ gutes C. im Kreise Wohlau(schade, daß nicht der ganze Name genannt wird!) folgendes ent⸗ zückendes Bild:Der Herr Rittergutsbesitzer, nebenbei natürlich Leutnant d. R., zahlt seinen männlichen Arbeitern im Sommer 80, im Winter 70 Pfg. Tagelohn, den weiblichen im Sommer 40, im Winter 30 Pfg. Davon gehen noch die Bei⸗ träge für dasKlebegesetz ab. Belöstigung wird nicht etwa geliefert. Männer und Frauen haben sich samt ihren Kindern von diesen Löhnen völlig zu ernähren. Die Schule ist so feucht, daß seit Jahrzehnten jeder Bewohner gekränkelt hat. In der Schulstube sind die Dielen ver⸗ fault. Eine Reparatur findet nicht statt, weil der Rittergutsbesitzer nicht die geeigneten Bretter zu besitzen behauptet. Die Lehrerwohnung be⸗ steht aus einem Zimmer und zwei Kabinetten, wovon die beiden Kabinette wegen Feuchtigkeit unbenutzbar sind. Das sogenannte Schlafkabinett kann nicht einmal Schuhen zum Aufenthalt dienen, weil sie sofort schimmeln. Der jetzige Lehrer wagt es nicht, zu heiraten, weil er eine Familie nicht dem sicheren Siechtum aussetzen möchte. Seit acht Jahren berichtet der Orts⸗ schulinspektor jährlich iu den schärfsten Ausdrücken über die Unerträglichkeiten dieser Zustände an das Landratsamt. Seit acht Jahren ist nichts dagegen geschehen. Das Ortsarmenhaus enthält einen Raum, den man wegen seiner unglaub⸗ lichen Verfassung zur Unterkunft für edleres Vieh für ungeeignet halten würde. In diesem einen Raum hausen drei Parteien: eine alleinstehende Frau, eine Witwe mit drei Kindern und ein idio⸗ tischer, an Knochenfraß leidender Mann. Diesen Mann haben seine Mitbewohuer wegen des ent⸗ setzlichen Geruchs seiner Wunden in einen Winkel hinter dem Ofen verbannt, wo er ohne Bett in einer Art von Verschlag Tag und Nacht zubringt. Humor ist das beste Rezept.

Das ist auch die Meinung von Dr. Leonard Williams, dem bekannten englischen Arzte und Humoristen, der für seine zahlreichen Freunde und Patienten stets solche wertvolle Arznei zur Verfügung hat. Wenn das folgende Heilmittel auch nicht ganz neu, so ist es doch sehr wirksam. Ein Papagei entfloh seinem Käfig und setzte sich nach langen Irrfahrten auf das Dach eines Bauernhauses, das weit, weit ab von der Heer⸗ straße der Kultur und all ihrer Errungenschaften gelegen ist. Die braven Landleute dieser Gegend hatten noch nie einen Papagei gesehen und als sie die unbekannte Erscheinung auf dem Dache ihres Nachbars gewahrten, spornten sie ihn an, sich dieses herrlichen Tieres als freiwillige Jagd⸗ beute zu bemächten. Eine Feuerleiter wurde herbeigeschleppt und derglückliche Hausbesitzer mußte sie erklettern; der fremde Vogel mit dem merkwürdigen Schnabel und herrlichen Gefider war noch immer seinGast geblieben. Als der Landmann aber das Dach erreicht hatte, versuchte der Papagei, die Flucht zu ergreifen und schlug mit den erschlafften Flügeln um sich. Das half dem ermüdeten Tier jedoch nichts, so wiederholte es denn in seiner Not, was es so oft nachge⸗ plappert hatte:Was wünschen Sie? Es fehlte nicht viel daran, daß der Bauersmann vor Schreck die Leiter losgelassen und in die Tiefe gefallen wäre. Der Grundzug dieser braven Leute war jedoch natücliche Höflichkeit, so zog der Mann denn auch seine Mütze ab und ent⸗ gegnete:Ich bitte um Entschuldigung, ich glaubte, Sie wären einen Vogel!

Kleine Mitteilungen.

Eine furchtbare Explosion hat in Toulon(Frankreich) stattgefunden. Auf bisher unaufgeklärte Art ist ein Pulvermagazin erplodiert. 70 Menschen büßten ihr Leben ein, 110 wurden schwer verletzt. Auf zwei Kilometer im Umkreise ist alles verwüstet, die Häuser zer⸗

stört und die Felder verheert.

Zahlreiche Schäden sind bis vier Kilometer in die Stadt Toulon hinein angerichtet.

Pfarrer verhaftet. In Pocking(Nieder⸗ bayern) wurde der 68jährige katholische Pfarrer in Untersuchungshaft genommen. Die klerikale Donauzeitung bemerkt, dem Verhafteten würden sittliche Verfehlungen bei Anwendung eines Heil⸗ verfahrens zu Last gelegt. Nach der liberalen Passauer Ztg. handelt es sich um zahlreiche Fälle von Sittlichkeitsvergehen, die der Pfarrer. an Mädchen und Frauen begangen haben soll, und um eine Anschuldigung zur Verleitung zum Meineid. Gegen den Pfarrer war schon früher Untersuchung eingeleitet, aber wieder niederge⸗ schlagen worden. In dieser Untersuchung soll ein Mädchen einen den Pfarrer entlastenden Eid ge⸗ schworen und nun nach Jahresfrist erzählt haben, es habe falsch geschworen und sei dazu verleitet worden. Das liberale Blatt behauptet, auf die Zeugin sei damals mit Hochdruck eingewirkt und ihr gesagt worden, für den Pfarrer dürfte sie schon einen Meineid schwören.

Partei⸗ Nachrichten.

Versammlungs⸗Kalender.

Samstag, den 18. März:

Giestener Wahlverein bei C. Orbig abends pünktlich 9 Uhr. Tagesordnung: 1. Gedächtnisrede z Ehren der Märzgefallenen.(Gen. Beckmann.) Bericht von der Kreiskonferenz.

Wegen der Abhaltung von Volks versamm⸗ lungen im Kreise Gießen wenden fich die Genossen entweder an den Kreisvertrauensmann A. Bock in Gießen, Dammstraße, oder an den Vorsitzenden des Kr.⸗W.⸗Vereins: Ph. Scheidemann, Gießen.

Briefkasten der Redaktion.

M. Kehre erst Ende nächster Woche von einer Agitations⸗Tour ins Rheinland zurück. Ph. Sch.

Für die Dresdener Zuchthausopfer gingen ferner bei der Redaktion ein: H. M. 1. Mk., J. R. 1. Mk., Hahn⸗Krfd. 50 Pfg., Kegler in derStadt Marburg 1.52 Mk., Demokrat.⸗Freis. in A. 10.50 Mk., Weißgerber Wetzlar 4.95 Mk. von den Himbacher Parteigenossen 6.20 Mk., Ph. L.⸗Ebsheim 60 Pfg. Bisher quittiert 106.60 Mk. Jetzt zus. 132.87 Mk.

Unser Parteikassierer Gerisch macht imVorwärts bekannt:Da die bis jetzt eingegangene Summe, in Verbindung mit den noch in den Sammelstellen auf um⸗ laufenden Listen u. s. w. befindlichen Beträgen, nach einer vom Dresdener Unterstützungskomitee gemachten Aufstellung, die Gewährung einer angemessenen Unter⸗ stützung an die ihrer Ernährer beraubten Familien während der Abwesenheit der dem Zuchthaus und Gefängnis Ueberlieferten ermöglicht, bitten wir die weiteren Sammlungen einzustellen und die noch ausstehenden Beträge baldigst einsenden zu wollen, damit in Kürze die Schlußquittung gegeben werden kann.

Im Vorwärts sind bisher schon über 60 000 Mark quittiert worden.

B riefkasten der Expedition.

Quittungen. A. S. und C. G. 18.. F. N 2.20. R. G. 0.60. Preß⸗Fds. 13.33. Z. Ndh. 2.80.

L. G. 3.20. N. P. 2.. Wbch. Rogn. 3.70. W. Lbch. 6.. B. Gbtch. 1.20. Mbg. Fr. 25.. Mbg. P. 72.. Mbg. S. 4.50. L. Othfr. 3.40. Stbg. Sch. 6.20. Kfd. Kch. 7.60. Ich. Gbg. 4.. Eschw. P. 12.50. R. Hchh. 2.. Mbg. P. 1.. Mbg. Pfrn. 6.50. Mbg. G. K. 4.. Dbgn. H. 8.40. Marktberichte. Gießen. Auf dem Wochenmarkte vom 9.

März kostete: Butter per Pfund Mk. 080, 0,90, Hühnereier 2 St. 1011 Pfg., 0 Stück 00 Pfg., Käse per Stück 58 Pfg., Käsematte 2 Stück 58 Pfg., Erbsen pro Liter 20 Pfg., Linsen pro Liter 30 Pfg., Tauben pro Paar Mk. 0,801,00, Hühner pro Stück Mk. 1,201,70, Hahnen pro Stück Mk. 1,30 2,00, Enten per Stück Mk. 1,80 2,40, Gänse pro Pfund 0000 Pfg., Ochsenfleisch per Pfd. 68 74 Pfg., Kuh⸗ und Rindfleisch 6264 Pfg., Schweinefleisch 6876 Pfg., gesalzen 80 Pfg., Kalbfleisch 6466 Pfg. Ham⸗ melfleisch 50 70 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kilo Mk. 5,50 bis 6,50, Zwiebeln pro Zentner Mk. 8,00 9,00, Milch per Liter 16 Pfg.

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