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Mitteldentsche SonntagsZeitung.

Nr II.

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Uunterhaltungs⸗Ceil.

N Aufrechter Gang. Sohn, aufrecht sei Dein Gang und all Dein 5 0 auf⸗ richtig! Aufrechter Gang ist für den Menschen nicht unwichtig.

Von der Natur gewährt, ist er die erste hehrste Gunst, Und ist, vom Kind gelernt, die erste schwerste Kunst.

Die, und die eng mit ihr verbund'ne Kunst der Rede, Begründet und bedingt der andern Künste jede.

och halte sie, o Sohn, und mach' Gebrauch davon; teh' aufrecht, wo Du stehst, nah' oder fern dem Thron.

So geh', aufrechten Haupts, ohn' Hochmut auf der Erde; Aufrichtig sei Dein Sinn, Dein Wort und die Gebärde.

. aufrecht, wie Dich selbst, das Recht, wo Du ver⸗ icht! auf Erliegende und Dich, so Du erlagst.[magst;

Die Sterne winken Dir, zu ihnen aufzurichten Den Blick, und Deinen Gang nach ihrem Lauf zu richten.

(Nach Rückert.)

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vom Stamm gerissen.

Roman von E. Langer. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) Bald saß man im anstoßenden Wohnzimmer im großen Kreise um die hell auflodernden Flammen, die sich in den Schaumperlen des Weines spiegelten und die aufgeregte Stimmung durch ihr trauliches Knistern und Prasseln wohl⸗ thuend beschwichtigten. Herr von Kries war heute unerschöpflich. Er erzählte von seinem Leben in Berlin, von den Gesellschaftskreisen daselbst, der Langweile und Geistesöde derselben, von den hübschen kleinen Soupers mit seinen

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Parteigenossen, den Soireen beim Reichskanzler,

in denen es urgemütlich, fast mit zu wenig Zeremoniell zuging, von der Not unter den Künstlern, besonders den Malern, die mit ihren Stizzen bei den Abgeordneten umherliefen und oft ganz reizende Sächelchen für einen Spott⸗ preis zum Kauf anböten. Er hätte selbst der⸗ gleichen mitgebracht und wollte sie morgen den Seinen zeigen. So plauderte er fort, und als endlich die Hausfrau zum Aufheben der Sitzung mahnte, sah er ganz befremdet auf seine Uhr und fand es noch immer viel zu früh, sich zur Ruhe zu begeben. Indessen wurde er über⸗ stimmt, und als guter Parlamentarier fügte er sich der Majorität.

Zu aller Verwunderung dauerte die animierte Stimmung des Hausherrn auch am folgenden Tage fort. Die Damen saßen noch beim Kaffee, den er schon viel früher in seinem Zimmer ein⸗ genommen hatte, als er mit seinen am Abend zuvor erwähnten Skizzen unter dem Arm erschien. Nachdem sie von allen gebührend bewundert worden, forderte er seine Frau und Valeska auf, ihm sofort einen geeigneten Platz für die kleinen Kunstwerke ausfindig machen zu helfen. Von Baleskas künstlerischem Geschmack von vornherein überzeugt, richtete er bei dem Probieren der Bilder, bald an dieser, bald an jener Wand. zumeist das Wort an sie, wie lästig und peinlich es ihr auch war, dem Ehepaar von Zimmer zu Zimmer folgen zu müssen. Auch Frau v. Kries dauerte die Sache zu lange. Sie verstummte allmählich und entfernte sich endlich unter dem Vorwand, irgend eine Wirtschaftsangelegenheit besorgen zu müssen. Ihr Gatte schien es gar nicht zu bemerken. Er hielt Valeska im Ge⸗ spräche fest, bis er, zur großen Erleichterung des Mädchens, in Geschäften abgerufen wurde.

Seltsamer Mann, dachte Valeska, die sich die plötzliche Verwandlung in dem Benehmen des Herrn von Kries nicht zu erklären wußte.

Nach Tisch forderte er die ganze Gesellschaft auf, ihn nach dem Eisenhammer zu begleiten, den er zu inspizieren hätte. Die Töchter sahen einander verwundert an; Papa war sonst nie für Begleitung auf seinen Geschäftswegen ge⸗ wesen, die er immer zu Pferde abgemacht hatte.

Er war ja ganz verändert wiedergekommen! Indessen zerbrachen sie sich nicht weiter den Kopf, sondern folgten alle mehr oder weniger willig der Aufforderung, die für sie Befehl war. Frau von Kries glaubte ihr Jugendglück wieder⸗ gekehrt, als sie an der Seite ihres Gatten bei dem milden Wetter, in dem schon Frühlings⸗ stimmung lag, die noch gefrorenen Waldwege entlang wanderte. Still befriedigt hing sie an seinem Arm und lauschte seiner Unterhaltung mit Valeska, die ihm geistig weit mehr als sie gewachsen war und der sie daher gern das Wort überließ. Sie hatte ihre stille Freude an seinem guten Humor, seiner Geselligkeit und dem Beifall, den Valeska ihm trotz seines anfänglich ab⸗ lehnenden Verhaltens gegen sie abgewonnen hatte. Als sie alle um die lohende Esse des Eisen⸗ hammers standen, in dem ein Geselle ein weiß⸗ glühendes Eisen bearbeitete, bemerkte sie es wohl, wie Herr von Kries das vom Feuerschein an⸗ geglühte schöne Gesicht Valeskas mit leuchtenden Augen betrachtete; aber sie gönnte ihm die Freude an dem Anblick. War sie doch selbst nicht un⸗ empfindlich gegen die Schönheit in einem Menschen⸗ antlitz.

Es verging jetzt kaum ein Tag, ohne daß Herr von Kries einen gemeinsamen Spaziergang in Vorschlag brachte, so bald das Wetter es erlaubte. Die Abende war er meist in seiner Familie und ließ sich vorsingen und spielen, ja eines Abends erschien er sogar mit einem Buche, um es den Frauen vorzulesen. Es war eine politische Satyte, die er eben mit einer Sendung seines Buchhändlers erhalten hatte. Es war durchaus kein für die Seinen geeignetes Buch. Niemand außer Valeska verstand es und fand Geschmack daran. Trotzdem las Herr von Kries unermüdlich. Man war jetzt schon so sehr an Ueberraschungen von Seiten des Gutsherrn ge⸗ wöhnt, daß diese neue, fast aufdringliche Liebens⸗ würdigkeit bei niemand mehr Verwunderung erregte.

Bei niemand?!

Aber was war es denn, was sich während der Leltüre wie Spinngewebe über Sinn und Gemüt der Hausfrau legte? Sie war in den letzten Tagen öfter still und nachdenklich gewesen, als sänne sie einem Rätsel nach. Endlich löste sich das Rätsel, eine Erkenntnis brach sich Bahn, nicht allmählich wie die Tageshelle, sondern plötz⸗ lich, blitzartig, um alles übrige in finstere Nacht zu hüllen.

Ihr Gatte liebte Valeska!

Jede andere Frau in ihren Jahren hätte über solche Verirrung gelächelt nicht so sie, die alles so ernst und schwer nahm, die sich aus ihrer Liebe ein Heiligtum errichtet hatte.

Kein äußeres Zeichen verriet, was in ihr vorging. Trotz ihres weiblich verzärtelten Ge⸗ müts eine entschiedene Natur, behielt sie das Nächste und Notwendige im Auge, ging sie ruhig ihren Geschäften nach, für alle denkend und sorgend. Ihr Streben war nur darauf gerichtet, vor den Töchtern des Vaters seltsamen Zustand zu verbergen, und sie wunderte sich über sich selbft, mit welcher Leichtigkeit sie die harmlosesten Erklärungen für dessen verändertes Wesen fand. Mit ihrer Schwägerin, welche die sichtbare Be⸗ vorzugung Valeskas von Seiten ihres Bruders als eine Beleidigung mehr für sich als für Frau von Kries auffaßte und darüber sehr pikiert war, vermied sie jede Auseinandersetzung. Valeska konnte sie keinen Vorwurf machen. Diese benahm sich durchaus korrekt und beobachtete die äußerste Zurückhaltung, ohne ihrer Natürlichkeit Zwang anzuthun. War sie in der Familie, so gab sie sich unbefangen wie früher, ab sie zog sich so viel wie möglich zurück und wartete stets, bis Frau von Kries die Aufforderungen ihres Gatten unterstützte. Diese wußte ihr dafür Dank, trotz⸗ dem sie nicht die leiseste Gewißheit hatte, ob das Mädchen mit Bewußtsein handelte. Valeskas Feinfühligkeit war dieser instinktartige Takt zu⸗ zutrauen.

Valeska hatte während der letzten Tage durch Herrn Thäns Vermittelung mehrmals Briefe mit Oettinger gewechselt. Die beabsichtigte Fahrt nach Neukirch ließ sich unter den obwaltenden

Umständen nicht bewerkstelligen. Als sie eine

sondierende Bemerkung inbetteff des Fuhrwerkes

machte, äußerte Herr von Kries, daß er selbst in den nächsten Tagen in die Stadt müßte, Valeska also nur bestimmen sollte, wann sie zu fahren wünschte. Diese gab den Gedanken daran sofort auf. Sie hatte jedoch mit Herrn Thäns ein Auskunftsmittel vereinbart, dahin gehend, daß Oettinger am ersten Feiertage, zu welchem viele Gäste geladen waren, nach Triberg kommen und Valeska bei dem Inspektor erwarten sollte. Oettinger war davon verständigt worden.

Der Sonnabend vor Ostern war heran⸗ gekommen. Im Hause war alles mit Vorberei⸗ tungen zum folgenden Tage beschäftigt, Herr von Kries schon von morgens an abwesend. Valeska atmete auf. Sie konnte sich endlich ihrem Gedanken an den räumlich ihr jetzt so nahen Geliebten überlassen, dem ihr Herz sehn⸗ suchtsvoll entgegenklopfte. Der selige Augenblick des Wiedersehens konnte nur zu kurz und flüchtig sein. Sie wollte sich im voraus in ihn ver⸗ senken; es sollte ihre Vorfeier des Auferstehungs⸗ festes sein.

Frau von Kries ging still und in sich gekehrt ihren Geschäften nach. Abends überließ sie es ihrer Schwägerin, dem Brautpaare Gesellschaft zu leisten und zog sich früh mit Hans auf ihr Zimmer zurück, las dem Kleinen Märchen vor und half ihm schöne Schlösser mit seinen Bau⸗ steinen aufführen. Nur in der Nacht schluchzte sie einmal laut auf, sodaß Hans, der bei ihr schlief, erwachte und sich in seinem Bettchen aufrichtete.

Mama, was ist Dir? fragte er ängftlich.

Nichts, Kind, schlafe. Mama schläft auch.

Dann haft Du garstige Dinge geträumt.

Kann sein. Schlaf nur, mach die Augen fest zu. Morgen ist Ostern, da mußt Du früh munter sein.

Ach ja, und da ziehe ich meinen neuen Matrosenanzug an, den mir Papa aus Berlin mitgebracht hat. Was hat er Dir mitgebracht, Mama?

Jetzt ist nicht Zeit zu fragen. Lege Dich auf die Seite und schlafe.

Aber wenn Du wieder stöhnst?

Ich werde nicht. Sein ruhig, mein Kind.

Schlaf süß. VI.

Die hell erleuchteten Räume des Triberger Herrenhauses füllten sich allmählich mit Gästen. In großen Familienschlitten, die dieses Jahr wohl zum letztenmale zur Anwendung kamen, denn der Schnee war durch Regen und laue Winde schon sehr morsch und wässerig geworden, fuhren sie vor der Rampe vor und wickelten sich in der Vorhalle aus Pelzen und Tüchern, um darauf in den oberen wohl geheizten Zimmern die etwa gedrückten Toiletten und Frisuren zu ordnen und aufzurichten. Die drei Töchter des Hauses, in blau, rosa und weiß gekleidet, sahen, um mit dem Major zu reden, der stark in trivialen Vergleichen war, wie Zuckererbsen aus. Für Valeska fand er jedoch keinen Vergleich. Man sagt, die Schönheit bedürfe keines Schmuckes, sie wirke durch sich selbst. Und doch kennt nie⸗ mand den vollen Reiz der Schönheit, der sie nicht geschmückt sah. In einem mit Spitzen garnierten, gelblich weißen Kaschmirkleide und roten lebenden Kamelien im Haare und an der Brust, erschien Valeska wie von einem neuen Zauber umflossen Die Kamelien, die sie trug, hatte Herr von Kries mit einer Menge anderer Blumen eigenhändig aus dem Treibhaus gebracht, zur größten Verwunderung seiner Töchter, gegen die er sonst immer karg mit seinen Blumen war:. Indessen hatten sie, ohne viel zu denken, sich mit der duftigen Gabe geschmückt, diese mit Rosen, jene mit weißem Flieder. Die dunkeln Kamelien paßten nicht zu ihren Toiletten, sie fielen Valeska zu. Frau von Kries sah die Reste liegen, zerpflücktes Laub und abgefallene Blütenblätter. Sie blieb sinnend davor ftehen und ließ sie durch ihre Finger gleiten.

Wie ein Nachtwandler geht er dahin, murmelte sie.Mag er seinen Traum aus⸗ träumen noch einmal glücklich sein! Ich will ihn nicht wecken!

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hatte seitdem hn beute d

Haupt mit hängenden!

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