al. erte her⸗
hen
lli⸗
inz⸗ det üg⸗ ten⸗ hne
r
letzt in ahn ande den Ge⸗ dann rund
— E e eee ee
ten
II.
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Seite 8. 5
wir schlechterdings nicht daran, daß sich in den Scharsmacherorganen auch für diese Bereicherung sozialpolitischer Fürsorge für die deutschen Arbeit⸗
nehmer begeisterte Verteidiger finden werden.
Gegen die Arbeiterfahrkarten.
Im preußischen Abgeordnetenhause wurde der Antrag Wetekamp(fr. Vp.), der gegen die Aufhebung der Arbeiterrückfahrt⸗ und Wochenkarten gerichtet war, gegen die Stimmen der Freisinnigen und des Zentrums abgelehnt.
Da hat sich die Arbeiterfreundlichkeit der Junker und ihrer Bundesgenossen im hellsten Lichte gezeigt. Wenn allerdings das Blatt des Abg. Köhler schon mit den billigen Arbeiter- fahrkarten unzufrieden ist, darf man sich dann wundern, wenn die ostelbischen Junker nichts davon wissen wollen?
Heilig ist das Eigentum.
Wegen des unerhörten Verbrechens, daß er den gutsherrlichen Schweinen die Nahrung stahl, um damit seine hungernden Kinder satt zu machen, ist dieser Tage ein n— natürlich— zu der schweren
trafe von einem Jahr Gefängnis ver⸗ urteilt worden. Die Gerichtsverhandlung trug sich zu in Schwerin. Unserm mecklenburgischen Parteiorgan wird über den Fall aus Schwerin geschrieben:„Am 27. November v. J. wurde dei dem Schweinefütterer Adalbert Przykodo auf dem Gute Gr⸗Flöte Haussuchung gehalten, wobei im Bettstroh ein Beutel mit 24 Pfund noch ungekochtem Roggen und Erbsen gefunden und beschlagnahent wurde. Der Angeklagte räumte vor der Strafkammer in Schwerin unter Thränen seine Schuld ein und bekannte, daß er sich aus Not das bei ihm gefundene Korn, von dem für die Schweine be⸗ stimmten, angeeignet habe, um es in seiner Familie zu benutzen. Der Angeklagte wurde zu einem Jahre Gefängnis verurteilt.“
Die Militärvorlage gesichert.
Das Zentrum hat in der Mittwochs⸗ Sitzung der Kommission des Reichstags für die Militärvorlage alle von der Regierung f Neuformationen bewilligt. Die
egierungsvorlage verlangte eine Erhöhung der Präsenzstärke um 861 Offiziere, 3299 Unter⸗ offiziere und 23 277 Gemeine. Die Festsetzung der Zahl der Unteroffiziere und Gemeinen ge⸗ schieht durch den Etat. In dem Gesetze sind statt der verlangten 23 277 Gemeinen 16271 Gemeine bewilligt. Eine kleine neue Aenderung der Regierungsvorlage besteht darin, daß die festgesetzte Präsenzerhöhung bis auf den letzten Mann nicht schon im Rechnungsjahre 1902, sondern erst im Rechnungsjahre 1903 zu be⸗ willigen ist.
Für die Bewilligung stimmten in der Kom⸗ mission die Vertreter des Zentrums, der Nationalliberalen, der freisinnigen Vereinigung und der Antisemiten.— Merkt Euch die Leute, Ihr schon schwer genug belasteten Kleinen in Dorf und Stadt, vergeßt nicht, welche Parteien aufs neue Euch Mil⸗ lionenlasten aufbürden.
Ankauf der Karolinen.
Aus Madrid wird gemeldet:„Der deutsche Botschafter hatte mit dem Mirnisterpräsidenten Silvela eine lange Unterredung. Es scheint sich 2 betätigen, daß Deutschland den Ankauf der
arolinen beabsichtigt.“
Seit Monaten wird von solcher Absicht Deutschlands gesprochen. Und da wir bekannt⸗ lich noch nicht genug Krakehl mit allen möglichen Nationen wegen aller möglichen Kolonialange⸗ legenheiten haben, so ist es dringendes Erfordernis, daß wir uns noch einige neue Kolonien zulegen, um die diplomatischen Schwierigkeiten und die von Deutschland aufzubringenden Kosten zu ver⸗
größern.
— 2
Aus dem Reichstag ·
* Am Freitag hat sich bei der Beratung des Militäretats der bekannte Zuckermann Professor Dr. Paasche(Fraktion Drehscheibe) wieder einmal glänzend blamiert. In einer früheren
Reichstagssitzung erklärte der vielen unserer Leser von Marburg her bekannte nationallib. Professor daß es ihm leider an Zeit fehle, sonst würde er die Sozialdemokratie mit Leichtigkeit vernichten — nicht etwa durch denaturierten Zucker, Gott bewahre, nein, rein geistig natürlich. Da er leider immer noch keine Zeit gefunden zu haben scheint für den Vernichtungskampf, so benützte er am Freitag die günstige Gelegenheit, sich vor⸗ läufig einmal gründlich zu blamieren. Er, der gewandte Weltmann, der schwer gelehrte natio⸗ nalliberale
Professor Paasche markierte den frommen Maun!
Er will dem Volke die Religion erhalten und deklamierte mit Pathos:
Schuld an der zunehmenden Verrohung der Jugend ist, daß der Glaube an die seligmachende Kirche dem Volke h) abhanden gekommen ist. (Lebh. Lachen b. d. Soz.) Das sage ich, das sagt ein Nationalliberaler, das sagt der Abge⸗ ordnete Paasche!(Stürmische Heiterkeit b. d. Soz.) Sie wissen ja gar nicht, was Sie dem Volke nehmen, indem Sie ihm den Glauben an den all⸗ mächtigen Gott rauben(Sehr wahr! rechts) und es nur auf das Materielle verweisen.(Heiterkeit b. d. Soz.) Wenn der Glaube an jede Autorität ver⸗ loren geht, dann kann es nicht wunder nehmen, daß Diebstahl und Betrug nur immer mehr über⸗ hand nehmen. ö
Im weiteren Verlaufe der Rede, die den eigenen Parteifreunden des Professors kein gelindes Gruseln verursachte, entschul⸗ digt der Abg. Paasche ausdrücklich den Ritt⸗ meister v. Stolberg, der einen Sergeanten durch einen Säbelhieb derart verletzte, daß er kurz darauf starb.
Der Zentrumsabg. Gröber schickte den plötzlich so fromm gewordenen Nationalliberalen famos heim. Er erinnerte an das Verhalten der Nationalliberalen im sogenannten
Kulturkampf; dieser gerade habe nicht zum wenigsten mit zur Verrohung beigetragen. Denken Sie an Ihr Ver⸗ halten, rief er den Drehscheibenmännern zu, als es den Einfluß der Kirche auf die Schule galt. Jetzt reden Sie von der Irreligiosität der Masse; aber Sie selbst haben sie der Religion entfremdet. (Lärm rechts und bei den Nationalliberalen. Zu⸗ rufe rechts.), a Noch weit gründlicher rechnete Bebel mit dem Abg. Paasche ab. Er wies ausführlich nach, daß dort, wo die Sozialdemokratie am stärksten ist, Verbrechen und Ver⸗ gehen am wenigsten vorkommen.(Siehe unsere betr. Notiz unter„Polit. Rundschau“. Und bezüglich der Frömmigkeit des national⸗ liberalen Professors führte Bebel u. a. aus:
Sie klagen über abnehmende Religiosität. Da⸗ bei leben wir ja im Zeitalter der Kirchenbauten, und ich würde einer gewissen Person im deutschen Reiche sehr gern einmal für die künftige Geschichte den Namen„der Kirchenbauer“ beilegen. Wir haben gehört, daß in allen Kasernen Andachtsübungen gehalten werden und also auch da für die Religiosität ausgiebigst gesorgt wird. Gewiß hat auch die katho⸗ lische Kirche noch einen großen Anhalt im Volke. Ich weiß also nicht, woran es liegt, daß der religiöse Sinn immer mehr schwindet. Nun sollen wir daran schuld sein, meint Herr Paasche. Ich habe mich sehr gewundert, daß gerade Herr Paasche hier so für den allmächtigen Gott eingetreten ist. Herr Gröber hat ihn ja schon an seine Ver⸗ gangenheit erinnert, ich besinne mich übrigens, das früher Herr Gröber gerade den National⸗ liberalen vorwarf, die Professoren ihrer Partei untergraben auf den Universitäten und in ihren Schriften die Religiosität. Auch Windthorst hat oft gesagt: Gewiß, die Sozialdemokraten sind schlimm, aber schlimmer noch diejenigen, die den Sozialdemokraten erst die irreligiösen Lehren beibringen, und das sind Sie meine Herren Nationalliberalen. (Heiterkeit.) Sie werden mir auch zugeben, daß die Philosophen David Strauß, Renan, Feuerbach keine Sozialdemokraten waren. Uebrigens muß ich offen sagen, ich habe den Abg. Paasche bisher immer für einen großen Weltmann gehalten(Heiterkeit), und Weltmänner haben nicht die Gepflogenheit, sehr religiös zu sein. Ich konnte es nicht unterlassen, mich zu fragen, ob der Abg. Paasche wohl selbst an den von ihm so gepriesenen allmächtigen Gott laube. Ich glaube nicht zu viel zu sagen, aber ich enke, in unseren religibsen oder antireligiösen Ueber⸗ zeugungen ist zwischen dem Abg. Paasche und mir kein großer Unterschied.(Große Heiterkeit.)
Bebel führte dann noch zahlreiche Vorkomm⸗ nisse in der Armee an, von denen wir unter „Pol. Rundschau“ den„Fall Wiese“ aus⸗ führlicher mitteilen.
Dem blamierten Herrn Paasche wurde später durch seinen nationalliberal a rarischen Freund, den Büdesheimer Grafen v. Priola, Hilfe zuteil. Dieser beschwerte sich darüer, daß die Zentrumsleute die„frommen“ Tiraden seines Gesinnungsgenossen Paasche nicht für bare Münze genommen hätten. Und dann redete der Mann mit dem spanischen oder italienischen Namen vom deutschen Vaterland u. s. w. Die rechte Seite des Hauses, auf der die ostelbischen[lavi⸗ schen Junker sitzen, klatschten Beifall, die linke Seite des Hauses lachte den Grafen mit dem ganz und gar undeutschen Namen aus.
Von unserer Partei sprachen noch in den Sitzungen am Freitag und Samstag über den Militäretat Stadthagen, Hoch, Singer und wiederholt Bebel.— In der Freitagssitzung bewies der freisinnige Vizepräsident Sch nidt aufs neue, daß er zur Führung des Präsidiums nicht befähigt ist.
Am Mittwoch kam es zu einer eingehenden Debatte bei dem Etat des Reichsinvaliden⸗ fonds, wo die Redner aller Parteien der Ueberzeugung Ausdruck gaben, daß für die In⸗ validen ausreichend gesorgt werden müsse. Der Etat wurde nebst zwei dazu von der Budget⸗ kommission beantragten Resolutionen einstimmig angenommen, wonach aus Reichsmitteln allen nach dem Gesetz vom 22. Mai 1895 als berechtigt anerkannten Veteranen Beihilfen von 120 Mark gewährt werden sollen, und wonach ein Gesetzentwurf vorgelegt werden soll, welcher den Wünschen der Militärinvaliden auch in Bezug auf die Hinterbliebenen entspricht.
Den Standpunkt der Sozialdemokraten wahrte Gen. Singer. Er führte den anderen Parteien zu Gemüte, daß das, was sie jetzt als nötig für die Veteranen anerkennen und fordern, be⸗ reits bei der Beratung des Reichs⸗Invaliden⸗ gesetzes 18 95 von der sozialdemokrati⸗ schen Partei gefordert, daß ferner damals statt des ganz unzureichenden Satzes von 120 Mk. Jahresbeihilfe 360 Mk. verlangt worden waren. An diesem Beispiel zeige sich, wie die bürgerlichen Parteien hinter der sozialdemokratischen Partei nachhinken. Warum thun sie nicht sogleich das, was wir vorschlagen? Warum verzögern sie so die Erfüllung von Forderungen, die sie schließlich doch als berechtigt anerkennen müssen? Den Herren in der Mitte und auf der Rechten war diese Beleuchtung ihres heißen Eifers für die Veteranen und Invaliden höchst unbequem.
——
Zur hessisehhen CLandtags⸗ wahl. (Nach einem Vortrag. Siehe den Bericht in voriger Nummer über die Kreis⸗ Konferenz in Hausen).
Es heißt zwar in der hessischen Verfassung (Art. 19):„Die Geburt gewährt Keinem eine vorzügliche Berechtigung zu irgend einem Staats- amt“, aber durch Geburt kann man in Hessen Gesetzgeber werden. Das führt uns nicht allein der Art. 10 des Wahlgesetzes vom 8. November 1872 zu Gemüte, der mit den Worten beginnt:„Die geborenen Mitglieder der ersten Kammer“, sondern das zeigen am trefflichsten die verfassungsgemäßen Bestim⸗ mungen über die Zusammensetzung der ersten Kammer. Dieselbe besteht:
1. aus den Prinzen des großh. Hauses;
2. aus den Häuptern der standesherr⸗
lichen Familien, welche 10 im Besitze einer oder mehrerer Standesherrschaften befinden;
3. aus dem Senior der Familie der Frhrn. v. Riedesel; aus dem kathol. Landesbischof; aus einem protestant. Geistlichen; aus dem Kanzler der Landesuni⸗ versität;
7. aus zwei Mitgliedern, welche der in dem Großherzogtum genügend mit Gru n d⸗ eigentum angesessene Adel aus seiner Mitte wählt;


