Ausgabe 
12.2.1899
 
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Seite 6.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Nr. 7.

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Unterhaltungs⸗CTeil.

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An viele. Von Gustav Falke.

Ich kann Eure großen Worte nicht leiden, Eure Priestermanieren;

Mußt Ihr Euch erst als Propheten kleiden, Werdet darüber das Beste verlieren.

Sprecht, wie Euch der Schnabel gewachsen, Frisch weg, damit wir's frisch erfassen.

Der rechte Mann wirkt ohne viel Faxen, Die Wahrheit wagt sich nackt auf die Gassen.

(Jugend.)

vom Stamm gerissen.

61 Roman von E. Langer. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.)

Wie taktvoll sich Oettinger aber auch benahm, wie vorsichtig auch die Liebenden waren, es gab doch jemanden in ihrer Umgebung, der mit dem Scharfblick der Eifersucht ihr Verhältnis erriet. Dies war Vetter Rudolf. Nachdem er der alten, damals noch im Hause befindlichen Regine, die hin und wieder Briefe zu Oettinger trug, auf⸗ gelauert und sich so Gewißheit verschafft hatte, ging er stracks in den kleinen Laden an der Wasserseite des Hauses und hinterbrachte dem Onkel, was er ausgekundschaftet hatte. Dieser blieb mitten im Ausmessen eines Stück Zeuges mit offenem Munde, die Elle in der erhobenen Linken, wie eine Salzsäule stehen und starrte den Sprecher an, der alle Mühe hatte, ihn von der Wahrheit des Gehörten zu überzeugen.

Na, da soll doch gleich das Donnerwetter dreinschlagen. Da seh' mir einer die Lumpen⸗ bande! schrie er so laut, daß die Vorüber⸗ gehenden stehen blieben und in den Laden hineinschauten.Den will ich mir doch ab fangen. Du kannst jetzt gehen, brummte er den Neffen an.Hast Deine Schuldigkeit ge⸗ than. Bist ein ordentlicher Mensch. Das Pulver hast Du aber nicht erfunden und darum kannst Du Dir trotzdem den Mund wischen.

Er schloß diesen Abend seinen Laden früher als gewöhnlich und legte sich in dem finstern Flur auf die Lauer. Indessen wartete er heute und die nächsten Tage vergebens. Rudolf hatte

ihm somit falsch berichtet, wenn er behauptet,

daß der junge Mann alltäglich die Damen be⸗ suchte und um die Zeit des Ladenschlusses sich fortschliche. In übelster Laune und aus seinen kleinen blitzenden Augen mißtrauische Blicke um sich schießend, verbrachte er die Abende mit den Seinen. Als er das drittemal vergeblich gelauert hatte und Valeska nicht im Wohnzimmer fand, fragte er nach ihr.

Sie ist in unserer Stube und schreibt, sagte Tussy

Aha, sie schreibt! dachte er und begab sich schnurstracks nach dem Zimmer seiner Töchter.

Wirklich fand er Valeska schreibend.

An wen schreibst Du da? fragte er sie barsch. Wie Du das fragst! Erst sagt man doch Guten Abend, Vater, und damit reichte sie ihm mit ihrer gewöhnlich neckischen Anmut die Hand hin.

Nur keine Flausen; an wen schreibst Du?

An Ella Harbrücker, ich muß ihre nächste Gesangsstunde auf eine andere Zeit verlegen.

Warum? Weshalb? Was hast Du vor? frug er hastig.

Ich habe mit einer anderen Schülerin ein Duett zu einer Soiree einzuüben.

Er hätte gern gesagt:Zeig' mir den Brief, aber er wagte es nicht, er hatte zu viel Respekt vor seiner Tochter. Durchdringende Blicke bald auf das Blatt, bald auf die Schreiberin heftend, stand er eine Weile da. Valeska sah ihn ver⸗

wundert an, dann reichte sie ihm, ohne ein Wort zu sagen, das Billet.

Er sah, daß sie wahr gesprochen hatte und ging brummend hinaus. In der Wohnstube ließ er seinen Aerger an allem aus, was ihm in den Weg kam. Nichts war ihm recht, selbst das Buch, in dem er nach einiger Zeit zu lesen begann, fesselte ihn heute nicht, er warf es weg und stampfte schnaufend auf und ab. Als Valeska später dazu kam, sagte er plötzlich:

Dieser Oettinger läßt sich ja garnicht mehr sehen! Ist doch auffallend, früher kam er sehr oft.

Er bereitet sich, wie Du weißt, zum Examen vor, das ist wohl der Grund, antwortete Valeska ruhig.

So? Zum Examen? Wird ein schönes Examen sein! Er ist ein Bummler wie alle diese Herren Radikalen. Das sitzt in den Kneipen herum und schwätzt. Ich habe mir übrigens gleich gedacht, daß an dem Menschen nicht viel dran ist.

Valeska wußte genug. Ihr blieb nur ein Weg übrig.

Vater, das ist nicht wahr, sagte sie, sich von ihrem Sitze erhebend,ich erlaube Dir nicht, so von Oettinger zu sprechen.

Was, was? Du erlaubst mir nicht

Nein, denn ich habe mich mit ihm verlobt. Die Mutter weiß darum.

Der Alte schritt auf sie zu, bis er ganz dicht vor ihr stand, näherte sein Gesicht dem ihrigen und sah sie mit stechenden Blicken an.

Verlobt! Die Mutter weiß darum! zischte er mit wutunterdrückter Stimme.Seid Ihr toll, Weiber? Mit einem Studenten verlobt! Und dann brach er in ein Lachen aus, daß die Wände dröhnten.

Valeska war keinen Schritt zurückgewichen, während Frau Stern bleich und starr in ihrem Lehnstuhl saß und Tussy sich instinktmäßig er⸗ hoben hatte, um der Schwester im Notfalle zu Hilfe zu kommen.

Wir haben es Dir nicht verschwiegen, um Dich zu hintergehen, Vater, nahm Valeska mit ruhiger Stimme das Wort.Wir wollten Dich

schonen. Wir sahen voraus, daß es Dir nicht angenehm sein würde, nicht angenehm sein konnte. Wir wollten es Dir daher erst sagen,

nachdem Oettinger das Examen gemacht und seine Stellung an der Zeitung angetreten haben würde.

Und es war ja kein Zweifel, daß Väterchen seinen Segen erteilte und das Bettlerpaar dann gleich Hochzeit machen konnte! höhnte Herr Stern seine Tochter, indem er heftig gestikulierend im Zimmer umherlief.Das schlag' Dir aus dem Sinn, das schlag' Dir aus dem Sinn! So lange ich die Augen offen habe, geschieht das nicht. Und Du schritt er dann plötzlich drohend auf seine Frau zu, sodaß beide Mädchen dazwischen sprangen.

Die Mutter hat es auch nur ungern zu⸗ gegeben, rief Valeska.Schütte Deinen Zorn über mich aus. Ich will mich jeder Bedingung fügen, glaube aber nicht, Vater, daß ich von Oettinger lassen werde. Ich will mit ihm lieber betteln gehen, als mit einem anderen in Glanz und Reichtum leben.

Aus der Kehle des Alten kam nur ein gurgelnder Laut, während er mit den Händen wie hilfesuchend in der Luft herumfocht.Mit einem Studenten und einem politischen Hunger⸗ leider dazu! keuchte er wieder und schlug sich wie ein Verzweifelter vor den Kopf. Sein Zorn mußte sich Luft machen. An seiner Tochter wagte er selbst in seiner Leidenschaft nicht sich zu vergreifen, aber da hing ihr Bild, eine Oel⸗ skizze, von einer Freundin gemalt, noch ohne Rahmen. Mit einem Ruck riß er es von der Wand und mit äußerster Kraftanstrengung mitten durch.

Das, das verdienst Du! schrie er mit tonloser Stimme, öffnete das Fenster und wollte die Stücke des Bildes hinauswerfen; Tussy fiel ihm jedoch in den Arm.

Genug, Vater! rief sie und wollte die Stücke fassen, von denen bei dem kurzen Ringen,

welches entstand, eins zum Fenster hinausflog. Aber im Nu war Tussy auf der Straße. Ohne auch nur ein Tuch umzunehmen, stürzte sie in die Kälte hinaus und kam noch zeitig genug, um das Bildfragment aufzuheben. 5 Herr Stern war durch diesen Exzeß in seiner

Leidenschaft ein wenig ernüchtert. Ein Gefühl der Scham kam über ihn. Er hatte den Kürzeren gezogen.

Valeska erkannte sehr wohl ihren Vorteil, aber sie wollte ihn nicht ausbeuten. Auch sie

hatte ein Unrecht gegen den Vater gut zu machen. i

Auf ihn zuschreitend, legte sie die Hand be⸗ gütigend auf seinen Arm.

Vater, ich bitte Dich, nimm es ruhig. Ich wiederhole es, ich unterwerfe mich jeder Be⸗ dingung, jeder wenn ich mein Ziel auch un⸗ verrückt im Auge behalte.

Herr Stern hatte sie unsicher angeblinzelt. Sie giebt klein bei. Zeit gewonnen, alles ge⸗ wonnen, dachte er. Damit schwoll ihm auch wieder der Kamm.

Vor allen Dingen gehst Du aus dem Hause, sagte er rauh,als Gouvernante, als Gesell⸗ schafterin, als was Du willst, aber fort mußt Du. Du hast was gelernt, sieh Dich in der Welt um. Laß Dir den Star stechen. Hinter den Bergen wohnen auch noch Leute.

Gut, Vater, das soll geschehen. Ich werde noch heute eine Annonce aufsetzen. Aber ich bitte Dich, mache Dir und der Mutter nicht unnütz das Leben schwer. Du siehst, wie sie leidet. Arme Mutter, streichelte sie dieser die bleiche Stirn, die jene nach der furchtbaren Szene in stummer Resignation an das Polster des Stuhles gelehnt hatte.Daß solche Szenen sich nicht wiederholen dürfen, wirst Du einsehen, Vater, wandte sie sich wieder an diesenGieb mir also die Hand darauf, daß wir in Friede und Freundschaft leben, so lange ich noch im Hause bin.

Zögernd mit abgewandtem Gesichte gab er ihr die Hand.

Aber, daß mir der Patron nicht mehr über die Schwelle kommt, setzte er gallig hinzu.

Wenn Du Herrn Oettinger meinst, so bitte ich Dich, in höflicheren Ausdrücken von ihm zu reden. Dagegen darfst Du überzeugt sein, daß er Deine Schwelle nicht eher betreten wird, als bis er es als mein öffentlich Verlobter thun kann.

Damit mußte sich Herr Stern zufrieden geben. Der Abend verlief in dumpfem Schweigen. Tussy war nicht in die Stube zurückgekehrt, sondern saß bei Regine in der Küche, von der alten, treuen Magd sorgfällig in ein großes Tuch ge⸗ hüllt, bis die Schwester sie zum Schlafen in ihr gemeinsames Stübchen holte.

(Fortsetzung folgt.)

Aus der Kulturgeschichte unserer Bauernschaft.

Von Karl Kautsky.

Die Einengung der Dreifelderwirtschaft durch den Großbetrieb der Grundherren.

Wir haben gesehen, wie die städtische In⸗ dustrie das Geldbedürfnis des Bauern vermehrte, aber auch das Geldbedürfnis der Mächte, die aus dem Bauern ganz oder zum Teil ihre Lebens⸗ kraft sogen des Feudaladels und des auf⸗ strebenden modernen Staates. Wir haben auch gesehen, wie dadurch der Bauer gezwungen wurde, Lebensmittel zum Verkauf zu produzieren, für die sich der Markt in den wachsenden Städten aufthat. Schon dadurch aber wurde das Gleich⸗ gewicht der Mark ins Schwanken gebracht, deren ganze Wirtschaftsordnung darauf berechnet war, daß sie sich völlig selbstgenügte, nichts oder so gut wie nichts von außen empfing, aber auch nichts, oder wenigstens nichts von Bedeutung, nach außen abgab.

Ursprünglich war es denn auch in fast allen Marken auf das Strengste verboten, Mark⸗ nutzungen irgend einer Art ohne Erlaubnis der

* Siehe Nr. 6 derM. S.⸗Ztg.

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