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Deite 4.
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Nr. 7.
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Direktion für unsere Stadt zu erhalten. Man subventioniere das Theater mit 2— 3000 Mark und verpflichte dann die Direktion, jede Woche, einmal vielleicht Sonntag nachmittags, das andere Mal am Abend eines Wochentages, Volksvor⸗ stellungen zu veranstalten. Der Preis müßte für alle Plätze bei diesen Vorstellungen einheitlich sein.... Die Direktion würde auf diesen Plan gewiß ein⸗ gehen, weil unseres Erachtens dann die Existenz⸗ fähigkeit des Theaters gesichert wäre. Gießen behielt das Theater und die arbeitende Bevölkerung könnte sich dann auch durch den Theaterbesuch mit den Geisteshelden aller Länder bekannt machen. Hoffent⸗ lich finden unsere Vorschläge ein geneigtes Ohr bei den Herren Stadtvätern.“
Leider hat unser Wunsch, den wir im Inter⸗ esse der geringen Leute äußerten, keine Berück⸗ sichtigung gefunden. Und das bedauern wir neben anderen Gründen schon deshalb, weil die Stadtverwaltung wegen lumpiger 700 Mk. nicht verlangen kann, bei der Veranstaltung der Volks⸗ vorstellungen, die seit Oktober v. J. alle 14 Tage stattfinden, ein Wörtchen mitzureden. Das wäre aber sehr zu wünschen, denn jetzt scheint die Theaterdirektion gar zu viel auf sogenannte „Eingesandts“ im hiesigen Amtsblatt zu geben, die bald dieses, bald jenes mehr oder weniger wertlose Stück in einer Volksvorstellung auf⸗ geführt haben wollen. Wir bezeichneten vor Jahresfrist das Theater als Bildungsstätte und verlangten deshalb die Einführung von Volks vorstellungen und die Subventio— nierung durch die Stadt. Wir haben es da⸗ mals für ausgeschlossen gehalten, daß Stücke in diesen Volksvorstellungen zur Aufführung kommen könnten, wie der„Raub der Sabinerinnen“, „Der Herr Senator“,„Mein Leopold“,„Pension Schöller“ oder gar„Charleys Tante“, die in Aussicht steht. Wer lediglich des Amüsements wegen ins Theater geht und an den wertlosen Machwerken der Kadelburg und ähnlicher„Dichter“ Gefallen findet, der mag seine Kunstbedürfnisse an einem der gewöhnlichen Spielabende be⸗ friedigen. Für Volks vorstellungen sollte das Beste gerade gut genug sein. An⸗ fänglich hat die Direktion auch in diesem Sinne ihre Auswahl getroffen, indem sie Werke wie „Wilhelm Tell“,„Nathan der Weise“,„Die Ehre“,„Heimat“,„Glück im Winkel“,„Pfarrer von Kirchfeld“,„Talisman“ und„Minna von Barnhelm“ zur Aufführung brachte.
Würden die Stadtväter also etwas tiefer in den Säckel greifen, dann könnten sie dafür einem vielleicht besonders zu wählenden Ausschuß, in dem kunstverständige Herren sitzen müßten, einen gewissen Einfluß bei der Auswahl der auf⸗ zuführenden Stücke sichern. Hoffentlich hat die Stadtverordnetenversammlung ein Einsehen und thut in Zukunft etwas mehr für die Kunst.
In einem zweiten Artikel werden wir die Aufwendungen der Stadt Gießen für die Schulen besprechen.
Von Nah und Fern.
Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind jederzeit willkommen
Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftigkein
dei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten, alle zum Drug bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben.
Oeffentliche Lesehalle in Gießen.
5 Im Thorhäuschen an der Ecke Seltersweg⸗ Südanlage befindet sich eine öffentliche Lesehalle. Jedermann kann sich dort in der Zeit von 5—9 Uhr nachmittags an den Wochentagen und von 11—1 Uhr mittags an den Sonntagen im Lesezimmer aufhalten. Es liegen zahlreiche Zeitungen aller Parteien(auch der„Vorwärts“ und die„Mitteldeutsche Sonnt.⸗Ztg.“), Zeitschriften belehrenden und unter— haltenden Inhalts, illustrierte Wochen- und Monats⸗ schriften, Witzblätter usw. usw. zur unentgeltlichen Be⸗ nutzung aus. An Jedermann werden auch Bücher ausgeliehen. Die Bibliothek ist sehr reichhaltig. Wir empfehlen den Arbeitern und Arbeiterinnen die Bibliothek zur fleißigen Benutzung. Es entstehen keinerlei Kosten für die Benutzer. Es braucht sich Niemand zu genieren, im Arbeitsanzug die Bib—⸗ liothek zu besuchen. Nehmt die Gelegenheit war, Ar⸗ beiterinnen und Arbeiter. Bildung macht frei Wissen ist Macht!
Aus dem Gießener Stadtparlament! K. 700 Quadratmeter Gelände wurden durch Beschluß der letzten Stadtverordnetenversammlung der katholischen Kirchengemeinde als Geschenk überwiesen. Wie der Herr Ober⸗ bürgermeister erklärte, dürfte der Wert des
Objektes 78000 Mark betragen. Nur unsere Parteigenossen Orbig und Krumm stimmten gegen die Schenkung und zwar, wie Genosse Krumm ausführte, weil die Aufwen⸗ dungen für kirchliche Zwecke den An⸗ gehörigen der betr. Kirchengemeinden zu überlassen wären u. weil jetzt weitere Ansprüche der Kirchengemeinden mit Sicherheit zu erwarten seien. Es bleibt bedauerlich, daß auf diesem Ge⸗ biete immer noch die Gutmütigkeit der Stadtver⸗ ordneten Zuwendungen an Korporationen ermög⸗ licht, die in ihrer Gesamtheit über hunderte von Millionen verfügen. Der anonyme St. Georg.
* Als komische Figur entpuppt sich der„—g“ des Gießener Aemterorgans. Auf unsere Feststellungen in voriger Nummer weiß er nur mit Kinkerlitzchen zu antworten. Daß wir den hessischen Stumm, den Leder— könig v. Heyl, irrthümlicherweise einmal als frei— konservativ aufmarschieren ließen, genügt ihm, von „nichtsnutziger“ Berichterstattung zu reden. Es entspricht das wohl seiner so prätentiös zur Schau getragenen „klassischen Bildung“. Schon vor acht Tagen sagten wir, daß„—g“ sich hinter das Aemterorgan verkrochen habe, von dem er weiß, daß es dem Angegriffenen seine Spalten zur Verteidigung versagen muß. Wir nannten auch seinen Angriff unehrlich, weil er Singers Rede nicht zitiert habe, in der die Gründe für das ablehnende Verhalten der Sozialdemokraten gegenüber den sogenannten sozialpolitischen Gesetzen angeführt waren. Und darauf ruft der Anonymus hinter der ihn schützenden Bretterwand des Aemterorgans heraus; es habe sich für ihn nur um die Thatsache der Ablehnung, nicht um die Gründe der Ab— lehnung gehandelt. Kann man einen solchen Menschen noch ernst nehmen? Gewiß nicht! Wir kommen nicht in Verlegenheit, wenn wir nach unseren Gründen für die Ablehnung jener Wassersuppen, mit denen weder Arbeiter noch Unternehmer zufrieden sind, gefragt werden. Anders die Partei Drehscheibe, die Stümm⸗ linge und tutti quanti, wenn man sie nach den Gründen fragt, die sie veranlaßten, für jene Wasser⸗ suppen zu stimmen. Sie stimmten sür jene Gesetze, nicht weil sie für die Arbeiter wirklich etwas thun wollten, sondern weil sie glaubten, sie könnten der großen Masse Sand in die Augen streuen, sie der Sozialdemokratie abwendig machen. Man lese doch das in unserer vorigen Nummer er⸗ wähnte„späte Geständnis“ der„Kreuz⸗Ztg.“! Die ganze Sozialreform war, wie wir vorige Woche schrieben, Schaufenster-Reklame, durch die für die bankerotten Politikaster Kunden geködert werden sollten. Die Arbeiter gehen aber nicht mehr auf den Leim der kapitalistischen Parteien. Erwähnt sei noch, daß der neueste Gießener St. Georg, der den„Drachen“ Sozialismus töten will, von Singer behauptet, er habe mit einem gefälschten Bismarckzitat gearbeitet. Ebenso dreist wie„—g“ mit der„nichtsnutzigen Berichterstat⸗ tung“ war, ebenso unverschämt ist er mit dieser Be⸗ hauptung von dem„gefälschten“ Bismarckzitat. Vor versammeltem Reichstag hat Bismarck gesagt:
g„Wenn es keine Sozialdemokraten gäbe, und wenn nicht eine Menge sich vor ihnen fürchtete, würden die mäßigen Fortschritte, die wir überhaupt in der Sozialreform bisher gemacht haben, auch noch
nicht existieren.“ 0
Wenn der große Politiker„—g“, der nur mit„That⸗ sachen“ rechnet, dieses Zitat nicht kannte, so war das sein persönliches Pech. Daß er aber, gestützt auf die„Thatsache“ dieser Unwissenheit, dem Abg. Singer den Gebrauch eines gefälschten Zitats vorwirft, ist eine nationalliberale Frechheit. So lange der „tapfere“„—g“ nicht den Mut hat, seine Anonymi⸗ tät zu lüften, müssen wir ihn als national— liberalen Angstmeier betrachten.
Das Gießener Reptilchen.
* Das Reptilchen in der Schulstraße hat endlich einmal sein piepsiges Stimmchen ertönen lassen. Es meint,„Schimpfen bedingt nun einmal das Dasein der M. S.⸗Ztg.“. Als wenn wir geschimpft hätten! Lustig haben wir uns über das Reptilchen gemacht und da, wo es angebracht war, ihm gelegentlich im Vorüber⸗ gehen auf den Schwanz getreten. Und hassen sollen wir das Reptilchen? Haßt man da, wo aufrichtigstes Mitleid am Platze ist? Mitleid nicht nur, weil das Reptilchen keine eigene Meinung haben darf, sondern auch Mitleid, weil es bei dem armen Tierchen offenbar nicht richtig im Oberstübchen ist? Das wäre ein grausamer Mensch, der unter solchen Umständen hassen könnte. Das Rep⸗ tilchen faselt im Fieber von„Ammenmärchen, die geschwätzige Raben der M. S.⸗Ztg. zutragen“ und fährt dann fort:„— wir kennen die Kanäle, durch die der Unrat fließt. Es ist nach Ihrem eigenen geflügelten Wort am Biertisch, geselliger Herr a:„eine Bande; eine Bande sage ich Ihnen“— über die Sie selbstredend sich erhaben fühlen, die Sie indeß nichtsdestoweniger ihren
Zwecken dienstbar zu machen in bekannter Takt—ik nicht verschmähen“.— Von diesen Phantasieen
verstehen wir nur das eine, daß das Reptilchen
heraus gespitzelt hat, daß unser Redakteur
aus Gefälligkeit einem Blatt, das dem Reptilchen
wohl Kopfschmerzen macht, ab und zu unter dem Zeichen„a“ Theaterkritiken und Besprechungen
neuer Theaterstücke geschrieben hat. Wir nehmen
es dem Reptilchen nicht übel, daß es unseren Redakteur sogar am Biertisch be⸗ spitzeln läßt, das liegt in der Rep⸗ tiliennatur. Daß unser Redakteur auch als „geselliger Herr“ bezeichnet wird, klingt recht schmeichelhaft. Wenn er eine Schlafmütze wäre, wie sie aus Muckerblättern hervorzugehen pflegen, hätten ihm seine Parteifreunde wohl schon längst: den Laufpaß gegeben. Aber lieber als das Zu⸗ geständnis der Geselligkeit wäre es uns doch, wenn über die Sätze bezüglich der„Bande“ Aufklärung gegeben würde. Da Spitzel recht unzuverlässige Leute zu sein pflegen, so bitten wir hiermit alle diejenigen vielen Tausende Menschen, die jemals mit unserem„geselligen Herrn“ Redakteur am Biertisch saßen, um gefl. Fingerzeige. Derjenige, welcher uns zuerst⸗ Aufklärung über die Fieberphantasieen des Rep⸗ tilchens geben kann, erhält als Belohnung ein vom Wahren Jakob veröffentlichtes Bild des⸗ jenigen Mannes, der das Wort„Reptilienpresse“ geprägt hat. Und sobald wir drei Aufklärungen erhalten haben, die in der Hauptsache überein⸗ stimmend lauten, werden wir dem Schulstraßen⸗ Reptilchen eine pikfeine Zipfelmütze stiften.
Reptilchen am Waschfaßz.
* Kaum haben wir vorstehende Zeilen in Druck gegeben, da kommt die neueste Nummer des Gießener Reptilchens und thut im Sperr⸗ druck der staunenden Menschheit kund und zu. wissen:
„Nachdem schon unsere gestrige Abwehr, her⸗ gebrachte Vorurteile entkräftend, beurkundet, daß— wovon man sich übrigens bei gutem Willen täglich durch den Augenschein überzeugen kann— wir den gemeinen Mann nicht minder zuvorkommend, als den gelehrten Professor zu bedienen wissen, erklären wir hiermit nochmals, daß wir auf künftige hämische Anzapfungen der„Vereinigten lieben Schwestern“ erst dann wieder einmal eingehen werden, wenn so viel Zeug vorhanden ist, daß sich eine gründliche Wäsche verlohnt.“
Der erste Teil dieses Reptilien⸗Muster⸗Schach⸗ tel⸗Satzes wird fast in je der Nummer des a b⸗ hängigen und nur dem nackten Kapitalis⸗ mus dienenden Blattes widerlegt. Ueber die„vereinigten lieben Schwestern“ nur ein Wort. Lediglich um die bürgerliche, aber ehrlich demokratische O. L. Ztg., die auch der Arbeiterbewegung Gerechtigkeit widerfahren läßt, als sozialdemokratisch gegen besseres Wissen zu denunzieren, spricht das Gießener Reptil von den„lieben Schwestern“. Die O. L. Ztg. hat— wohl weil ihr die Denun⸗ ziation gar zu erbärmlich war— dem Blatt, das so tanzen muß, wie oben gepfiffen wird, gar nicht geantwortet. Recht so!— Uns gefallen an der oben abgedruckten Erklärung des Reptils nur die zwei Schlußzeilen, in denen. die Rede von einer„Wäsche“ ist. Merkwürdiger⸗ weise können wir uns eine Wäsche nicht vor⸗ 11155 ohne gleichzeitig an Waschweiber zu
enken.
Aus Marburg.
h. Hier wird wieder eifrig in Muckerei ge⸗ mächt. In letzter Zeit machte sich in Arbeiter⸗ wohnungen ein Kolporteur lästig, der sogenannte fromme Blätter aufzuschwätzen versuchte. Besonders macht er sein Glück bei Frauen und Mädchen. Der Frau eines Genossen riet er eindringlich an, das Blatt heimlich zu lesen und natürlich auch zu— bezahlen. Wir können unseren Genossen und Genossinen nur anraten, jedem, der ihnen die„frommen“ Verleumdungsblätter anbietet, so⸗ fort die Thüre zu weisen. Das wäre noch schöner, wenn in Arbeiterfamilien Blätter Eingang finden sollten, deren ganzer Zweck darin besteht, die Arbeiterbewegung zu verdächtigen.
p. Am Samstag v. W. fand hier eine Ver⸗ sammlung statt, in der der nationalsoziale Redakteur Erdmannsdörffer über die sozialen Pflichten der Gebildeten redete. Er kam dabei
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