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Nr. 24.
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Seite 5.
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manches anders werden. Ich meine besonders die Arbeiterwohnungen. Dies scheint überhaupt noch ein Uebel hier im Osten zu sein. Der schöne Viehstall in Kandinen ist ja ein wahrer Palast den Arbeiterwohnungen gegen⸗ über. Es muß dafür gesorgt werden, daß nicht etwa die Schweineställe besser sind als die Arbeiterwohnungen.“
Die Arbeiterwohnungen auf dem Lande im Osten gleichen sich wie ein Ei dem andern, sie sind miserabel. Jede Enquete beweist das. Was sagen die Klinckowström und Konsorten zu dieser Kaiserrede?
Das Bühnenproletariat.
Einen bemerkenswerten Vortrag über:„Die Bühnenkünstlerin in ihrem Verhältnis zur modernen Frauenbewegung“ hielt in Dresden die Hofschauspielerin Frl. ina Mardon. Auch im Bühnenleben— so führte sie aus— werde wie gegenüber der Lohnarbeiterschaft nach dem Grundsatze verfahren, daß der weibliche Arbeiter schlechter bezahlt werden könne als der männ⸗ liche. Die Anfangsgage bei einer Schauspielerin betrage 90—150 Mark. Dieser Betrag reiche bei weitem nicht zur Beschaffung der Kostüme. Selbst die Gage bedeutender Künstlerinnen reiche im Durchschnitt nicht zur Beschaffung der Toiletten. Es müßte dafür nicht selten in einer Woche so viel ausgegeben werdeu, als in einem halben Jahr verdient werde.() Die Beseitigung des sogenannten Kostümparagraphen der Vereinsbühnen(zu denen nur bessere Theater zählen) sei dringend notwendig. Dieser Para⸗ graph verpflichte die weiblichen Bühnenmitglieder, die Kostüme auf eigene Kosten anzuschaffen, während den männlichen die historischen vom Theater geliefert werden. Eine Schauspielerin aber, die den Toilettenluxus nicht mitmachen könne, käme trotz ihres Könnens nie vor⸗ wärts.() Die Konsequenzen dieses Kostüm⸗ para graphen bedeuten eine Sanktionierung des Dirnentums. Eine Schauspielerin habe auf den Hinweis, daß ihre Gage nicht zur Be— schaffung der Toiletten ausreiche, vom Direktor die Antwort bekommen:„Ja, liebes Kind, wir haben doch zwei Kavallerieregi⸗ menter in der Stadt.() Ebenfalls ver⸗ werflich sei der sogenannte Heiratsparagraph, der ganz klar sage, daß, sobald eine Künstlerin eine ehrbare Frau geworden, für eine bessere Bühne sie nichts mehr tauge. In der sich an die interessanten Ausführungen anschließenden Diskussion forderte die bekannte Frau Marie Stritt zur Organisation der Schauspielerinnen auf. Die Versammlung war vom Verein „Rechtsschutz für Frauen“ einberufen.
Petroleumtrinker.
Das Trinken von Petroleum kennt man bisher nur als Possenwitz, und es ist wohl schwerlich als wahrscheinlich gehalten worden, daß es überhaupt Leute giebt, die in der Wahl ihres Lieblingsgetränkes einen so schlechten Ge⸗ schmack besitzen könnten. Jedoch behauptet eine Pariser Zeitschrift aus besten Quellen zu wissen, daß es in der französischen Hauptstadt Petroleumtrinker giebt, allerdings vorläufig nur im Stadtviertel der Bastille, doch soll das Uebel eine beunruhigende Verbreitung annehmen und Aussicht haben, zu einer neuen Plage für die Mäßigkeitsvereine zu werden. Bei der ersten Entdeckung hielt man diese ungewöhnliche Ausschreitung der Trunksüchtigen für eine Folge der höheren Alkoholbesteuerung, durch die dem Arbeiter sein Gläschen Schnaps ungebührlich verteuert worden wäre, jedoch hat sich heraus⸗ gestellt, daß das Petroleumtrinken in Paris schon früher Eingang gefunden hat. Angeblich haben die wunderlichen Trinker eine wirkliche Vorliebe für dieses Reizmittel ihrer Kehle und sie versichern, daß sie niemals davon Kopfweh bekommen. Die durch das Getränk verursachte Trunkenheit unterscheidet sich von der des ge⸗ wöhnlichen Alkohols darin, daß der„Petrolist“ sehr mürrisch, aber weniger zur Brutalität ge⸗ neigt ist. Sein Schlaf ist ruhig und fest, beim Erwachen fühlt er sich gesund und hat keinerlei „Kater“ zu erwarten. Ueber die Wirkung des Petroleumgenusses auf den Organismus sind die Aerzte unter sich noch uneinig, die einen er⸗ klären das„Getränk“ bei mäßigem Gebrauch
für unschädlich und heben außerdem seine gute Eigenschaft als Wurmmittel hervor(); andere behaupten dagegen, es sei unter allen Umständen schädlich, denn es bringe Störungen im Organis⸗ mus hervor und schaffe den Keim zu tötlichen Krankheiten.— Ferner schreibt man der„Schles. Ztg.“: Auch bei uns scheinen diese Feinschmecker keine Seltenheit zu sein, denn wie man aus be⸗ stimmter Quelle weiß, haben wir solche z. B. im Rlesengebirge. Noch vor drei Jahren kam die Woche drei bis vier mal ein alter Mann zu Kaufmann Exner in Krummhübel, neben dem Gasthof zur Schneekoppe, und trank jedes Mal ein halbes Liter Petroleum im Laden gleich aus dem Maße, mit großem Behagen unter der jedesmaligen Behauptung, daß ihn dies gesund erhalte. Wie ich mir sagen ließ, soll es mehr een„Gesundheits⸗Apostel“ auch in Hirschberg geben. Ein vernünftiger Beschluß.
* Der Deutsche Gastwirtstag, der am Mittwoch in Dresden zusammentrat, nahm mit einer ziemlich scharfen Begründung ein⸗ stimmig folgenden Antrag an: der geschäfts⸗ führende Ausschuß wird beauftragt, beim Kriegsministerium dahin vorstellig zu werden, daß die Hergabe der Säle für Wahl⸗ versammlungen, gleichviel an welche poli⸗ tische Partei, nicht zum Ausgangspunkte für militärische Boykotts gemacht werde.
Gräßiliches Unglück in Frankfurt.
Am Donnerstag Abend zwischen 5 und 6 Uhr ereignete sich in Bockenheim vor dem Hause kleine Seestraße 16 beim Ausgraben eines Kanalschachtes ein großes Unglück, das, wie es scheint, durch nicht genügende Maßnahmen seitens des betreffenden Bauunternehmers her⸗ vorgerufen ist und bei dem— seit kurzer Zeit der zweite Fall— wieder einige Arbeiter das Leben einbüßten. Die Ausgrabungs⸗ arbeiten wurden zum Anschluß an den Kanal vorgenommen. Der Schacht, den nur noch eine dünne Wand zum Kanal trennte, hatte etwa 3 Meter im Quadrat. Die Sohle lag schon tiefer als der Kanal und weiter war auch der Schacht, entgegen der Vorschrift, nicht abgesprießt. Plötz⸗ lich löste sich ein schwerer Stein neben dem Kanal los und stürzte in die Grube, und in diesem Augenblicke ergoß sich auch schon der Inhalt der Grube über die dort schaffenden fünf Arbeiter, die durch die ausströmenden Gase augenblicklich bewußlos waren. Das Rettungs⸗ werk war äußerst schwierig. Der Trambahn⸗ bedienstete Schüßler, der im Nebenhause wohnte und zu Hilfe eilen wollte, stürzte in die Grube und konnte nur als Leiche hervorgebracht werden. Ferner sind tot aus der Grube hervorgeholt worden: Gg. Christ, verheiratet und Vater von vier Kindern, aus Egelsbach und F. Raab aus Neuglashütten. In bewußtlosem Zustande wurden in das katholiche Schwesternhaus ge⸗ bracht die Arbeiter Hch. Müller aus Niederthal⸗ bach, Konr. Rüster aus Egelsbach und Karl Pfister aus Bockenheim, in der Mühlgasse wohn⸗ haft. Ihr Zustand ist derart, daß man auch für das Leben des einen oder anderen fürchtet. An den Rettungsarbeiten beteiligte sich auch die freiwillige Feuerwehr in Bockenheim. Von der Frankfurter Feuerwehr wurde ein Rettungs⸗ wagen nach der Unglücksstelle geschickt. Beim Eintreffen waren die Opfer schon geborgen. Man stellte noch Wiederbelebungsversuche an, die jedoch nur teilweise von Erfolg waren. Der Bauunternehmer Fischer aus Bockenheim wurde sofort verhaftet.
Partei⸗Nachrichten.
Versammlungs⸗Kalender. Samstag, den 10. Juni: A.⸗B.⸗V. Wieseck bei Emil Schäfer. wichtige Tagesordnung.
Gießener Wahlverein abends pünktlich 9 Uhr bei Orbig.
Sehr
Tagesordnung: 1. Vortrag des Gen. Ph Scheidemann über:
Ed. Vernsteins Kritik des Marxismus.
2. Diskussion.—
Die Parteigenossen werden dringend ersucht, pünkt⸗ lich und zahlreich zu erscheinen. Mittwoch, den 13. Juni: Cartellsitzung bei Orbig, Abends 9 Uhr. Delegirten werden dringend ersucht, zu erscheinen. Sonntag den 18. Juni: Friedberg. Wahlvereinsversammlung bei Gastwirt Kühn, Haagstraße 11, Morgens 10 Uhr.
Wahlkreis Eschwege⸗Witzenhausen⸗ Schmalkalden. Parteigenossen! Unsere Wahlkreis⸗Konferenz findet Sonntag, den 11. Juni, von nachmittags 3 Uhr ab im Lokale des Herrn Gastwirt Wilhelm zu Steinbach-Hallenberg im Kreise Schmalkalden statt.
Tagesordnung: 1. Bericht über die Agitation und Organisation im Wahlkreise. 2. Unsere Presse. Referent Genosse Thiel, Cassel. 3. Die Evangelischen Arbeitervereine und die Sozialdemokratie. Referent Genosse W. Hugo Eschwege. 4. Stellungnahme zum Parteitag in Hannover.
Die Genossen der einzelnen Orte resp. Kreise werden ersucht, sofort Stellung dazu zu nehmen und dem Unter⸗ zeichneten möglichst bald Mitteilung zugehen zu lassen, ob sie die Konferenz beschicken und durch wieviel Delegierte.
Esch wege. Der Vertauensmann: W. Hugo.
Die
Bei den Stadtverordneten⸗Wahlen in Pforzheim errang die Sozialdemokratie in der dritten Wählerklasse einen vollständigen Sieg. Die 16 sozialdemokratischen Kandidaten erhielten 1125 bis 1248 Stimmen. Dle vereinigten Gegner, Nationalliberale, Konservative, Ultra⸗ montane, Zünftler und konfessionelle Arbeitervereine brachten es auf 960 bis 980 Stimmen.
Beschwerden wien d.
stellung der„M. S.⸗Ztg.“ bitten wir an die Expedition, Sonnenstraße 25,(Buchhandlung) zu richten. In Gießen muß die„M. S.⸗Ztg.“ bis spätestens Samstag Abend in den Händen unserer Abonnenten sein, da die Drucklegung und Ausgabe an unsere Austräger bereits Freitag Nachmittag erfolgt.
Marktbericht.
Gießen, 3. Juni.(Marktbericht). Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter p. Pfd. 0.75 bis 0.95 Mk., Hühnereier p. St. 0—0, 2 St. 9— 11 Pfg., Enteneier 2 St. 11— 12 Pfg., Gänseeier p. St. 10 bis 11 Pfg., Käse 1 St. 5—8 Pfg., Käsematte per St. 3 Pfg., Erbsen p. Ltr. 22 Pfg., Linsen p. Ltr. 32 Pfg., Tauben per Paar Mk. 0.80— 1.00, Hühner per Stück Mk. 1.10— 1.40, Hahnen per Stück Mk. 1.50— 2.00, Enten per Stück Mk. 2.00— 2.50, Gäuse per Pfund Mk. 0.00— 0.00, Ochsenfleisch per Pfund 68—74 Pfg., Kuh⸗ und Rindfleisch per Pfd. 62—64 Pfg., Schweine⸗ fleisch per Pfd. 60—72 Pfg., Schweinefleisch, ge⸗ salzen, per Pfd. 76 Pfg., Kalbfleisch per Pfd. 60 bis 66 Pfg., Hammelfleisch per Pfd. 50— 70 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo Mk. 4.50—6.00, Weißkraut per St. 00—00, Zwiebeln per Ctr. Mk. 8.50 00.00, Milch per Liter 16 Pfg.
Grünberg, im Juni. Am Markttage, 3. Junt, wurden auf dem hiesigen Fruchtmarkte folgende Frucht⸗ arten ꝛc. zu den beigesetzten Durchnittspreisen verkauft: 45 Doppel⸗Zentner(à 100 kg) Weizen zu 16,04 M., 10 D.⸗Z. Korn zu 15,34 Mark, 4 D.⸗3 Gerste zu 14,46 Mark, 45 D.⸗Z. Hafer zu 14,06 Mark, 0 D.⸗Z. Erbsen zu 00,00 Mark, 0 D.⸗Z. Linsen zu 00,00 Mark, 0 D.⸗Z. Samen zu 00.00 Mark, 143 D.⸗Z. Kartoffeln zu 4,14 Mark.
Briefkasten der Redaktion. F. in W. Euer Wunsch soll erfüllt werden. Ich werde im Feuilleton der nächsten Nummer den Artikel „Zwei Tage im Creuzott“ abdrucken.
Letzte Nachrichten.
Berlin. Am Mittwoch Abend fanden hier 19 Massen⸗Protestversammlungen gegen die Zuchthausvorlage statt. In allen Versamm⸗ lungen, die ausnahmslos überfüllt waren, wurde eine gleichlautende Resolution angenommen.
In Dresden und anderen Großstädten waren die Protestversammlungen alle überfüllt.
Paris. Frau Dreyfus erhielt eine De⸗ pesche ihres Mannes, welche lautet:„Herz und Seele bei Dir und den Kindern allen. Ich reise am Freitag. Erwarte mit unermeßlicher Freude den Augenblick des Glücks, Dich in meine Arme zu drücken. Kuß für alle. Alfred.“


