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Seite 4.
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Nr. 24.
straße und infolgedessen auch für weit schlimmere Kreise stellen.
Fort also mit dem Kost⸗ und Logis-Unwesen im Hause der Meister.
In den Buchd ruckereien werden die bundesrät⸗ lichen Bestimmnungen ebenfalls wenig respektiert. Herr Engeln schreibt:„Es scheinen verschiedene Buchdruckerei⸗ besitzer erst auf die nötige Anzeige zu warten.“ Ueber⸗ rascht hat uns die Ermittelung des Gewerbeinspektors, daß die Buchdruckereien, in denen doch im allgemeinen, was Arbeitszeit und Lohn anlangt, nicht die schlechtesten Verhältnisse herrschen, inbezug auf die
Lehrlingszucht unter allen Gewerben die dritte Stelle einnehmen. Es kommen nämlich in 18 revidierten von 28 vorhandenen Buchdruckereien auf 100 Erwachsene 28 Lehrlinge.
Weit schlimmer liegen allerdings die Verhältnisse in den Schlossereien, deren 5 revidiert wurden. Es wurden dort ermittelt 20 Gesellen und 12 Lehrlinge, mit anderen Worten: 60% Lehrlinge. Herr Engeln scheint aber nicht in die schlimmsten Brutstätten schlo er⸗
meisterlicher Lehrlingszüchterei gekommen zu sein, sonst
würde er ein weit grauenhafteres Resultat ermittelt haben. In 3 inspizierten Kupferschmiedereien wurden bei 14 Erwachsenen 8 Lehrlinge ermittelt, gleich 57%.
(Ein Schlußgartikel folgt.)
Von Nah und Lern.
Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind jederzeit willkommen.
Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich lahr Gewissen⸗
7 5 bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten alle
um Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben.
Arbeiter⸗Waldfest.
n Das von den Gießener Arbeitern ver⸗ anstaltete Waldfest hat am vorigen Sonntag unter großer Beteiligung stattgefunden. Alt und Jung amüsierte sich vortrefflich und allge⸗ mein wurde gewünscht, daß derartige Feste in kürzeren Zeiträumen veranstaltet werden möchten. Die Festrede hielt Genosse Scheide— mann. Durch die Ungunst der Witterung sei aus unserer Wald-Maifeier eine Junifeier geworden und durch die jammervollen politischen Zustände in Deutschlaud aus einem Tag des Forderns für die Arbeiter ein Tag des Protestes. Anstelle eines wirksamen Arbeiterschutzes be⸗ scheerte uns die Regierung die Zuchthaus— vorlage! Anstelle des Rechts auf ein menschen⸗ würdiges Leben das Recht auf's Zuchthaus! Treues Zusammenhalten sei jetzt mehr am Platze denn je. Redner wendete sich dann speziell an die Frauen und Jungfrauen, sie ermahnend, den Männern stets treue Waffengefährten zu sein. Nicht zurückhalten dürften sie die Männer in ihrem gerechten Kampfe um bessere Lebens- bedingungen, sie müßten sie anfeuern. Um unseren schlimmsten Feind, die Gleichgültig⸗ keit unter den Arbeitern selbst, besiegen zu können, bedürfen wir der Hilfe aller zum Klassenbewußtsein erwachten Männer und Frauen. Lassen Sie uns angesichts der schlimmen Zeiten mit doppelter Energie an die Aufklärungsarbeit gehen. Wer mit mir, so schloß Gen. Scheide— mann, von neuem das Gelöbnis treuer Pflichterfüllung im Kampfe für Freiheit und Recht ablegen, wer mit mir energischen Protest einlegen will gegen das neueste Attentat auf die bescheidenen Rechte der Arbeiter, gegen die Zuchthausvorlage, der stimme mit ein in den Ruf: Die internationale Sozialdemokratie lebe hoch! hoch! hoch!— Begeistert klang viel hundertstimmig das Hoch in den prächtigen Wald— ein Schwur an mühevolle Arbeit, Not und Entbehrung gewöhnter Männer und Frauen.
Zur Schreinerbewegung in Gießen.
*Die Gießener Schreinermeister haben sich in ihrer Gesamtheit immer noch nicht entschließen können, die bescheidenen Forderungen der Ge— sellen zu bewilligen. Das ist recht bedauerlich, denn wenn jemals Unternehmer in der Lage waren, guten Willen zu zeigen, so jetzt die Tischlermeister in Gießen. Was verlangen die Gesellen? Festsetzung der Arbeitszeit auf zehn Stunden und für Ueberstunden einen Aufschlag von 15 Pfennigen! Man sollte es nicht für möglich halten, daß wegen solcher überaus be— scheidener Forderungen, gestellt nach jahre—⸗ langem besten Geschäftsgang, die Meister
noch Schwierigkeiten machen würden. Nicht einmal Mindestlöhne fordern die Gesellen, trotz⸗— dem schmählicher Weise in Gießen Löhne von 10 Mark an gezahlt werden! Jeder Tischler⸗ meister, der nicht will, daß das Pfuschertum überhand nimmt, müßte die Forderungen der Gesellen befürworten, damit der Schmutzkon⸗ kurrenz besser das Handwerk gelegt werden kann. Einzelne Unternehmer haben das sofort eingesehen und die Forderungen bewilligt. Nach dem Bericht des Gewerbeinspektors für Ober⸗ hessen währt die Arbeitszeit in fast allen Berufen 10 Stunden, in einzelnen dauert sie 10½, in manchen geht sie bis auf 9 Stunden herunter. Und da sollten nur die Gießener Schreinermeister nicht in der Lage sein, die zehnstündige Arbeits zeit einzuführen? Das wird ihnen niemand glauben. Die Gesellen haben sowohl durch ihre sehr bescheidenen Forderungen wie auch durch ihr sonstiges Verhalten den Beweis geliöfert, daß sie jeden Konflickt vermeiden wollten. Die Verantwortung für den weiteren Ausgang der Angelegenheit tragen jetzt die Unternehmer. Möchten die Einsichtigeren unter ihnen die Ober—⸗ hand gewinnen.
Patriotisch bis an den Geldbeutel.
* Im Hessischen Landtag stellte gelegentlich der Steuerdebatten im Laufe der vorigen Woche der Staatsrat v. Krug fest, daß gegenüber den Steuerpflichtigen, die zur Selbsteinschätzung verpflichtet sind, gewisses Mißtrauen angebracht sei. Es sei z. B. vorgekommen, daß ein Mann, der vorher mit einem Einkommen von 6000 Mk. besteuert worden sei, bei der Deklaration(Selbst⸗ einschätzung) Null angegeben, daß sich aber später ein Einkommen von 8000 Mark heraus⸗ gestellt habe.— Das ist ja wieder ein hübscher Beitrag zu dem Kapitel vom Patriotismus der besitzenden Klassen!
Zur Steuerreform in Hessen.
*Nach einer an die zweite Kammer gelangten Mittheilung des Finanzministers macht die Regierung zur Deckung für den Ausfall der Weinsteuer folgende Vorschläge: 1. Eine Korrektur des Einkommensteuertarifs in mög⸗ lichstem Anschluß an die preußischen Sätze bis zur Stufe 28, aber ohne Erhöhung der Steuer— sätze in den Stufen 5—12, Fortführung der Progression bis zu 4 pCt. des Einkommens bei solchem von 80,000 Mk. und von da bis zu rund 4½ pCt. in der dermaligen höchsten Ein⸗ kommensteuerklasse. Mehrerträgnis 80,000 Mk. 2. Erhöhung der Erbschafts- und Schenkungs⸗ sieuer mit einem Mehrerträgnis von rund 80,000 Mk jährlich. 3 Einführung eines Ur⸗ kundenstempels und Ausgestaltung des bereits bestehendenden Stempels mit einem Mehrer⸗ trägnis von rund 350 000 Mk.— Es ist wirk⸗ lich erstaunlich, wie die Regierung bemüht ist, den reichen Leuten nicht weh zu thun. Da⸗ gegen ist sie sofort bereit, durch Erhöhung der Stempelgebühren 350 000 Mk. mehr als seither herauszuwirtschasten. Damit sind wir Sozial- demokraten micht einverstanden.
Aus Daubringen.
X. Der hiesige Arbeiterverein beabsichtigt am Sonntag, den 18. Juni ein Waldfest abzu⸗ halten und macht darauf schon jetzt die Genossen in den Nachbarorten aufmerksam.
Aus Friedberg.
h. Am Sonntag, den 11. Juni, Nachmittags 4 Uhr, findet hier in der„Stadt New⸗York“, Haagstraße, eine Versammlung der Fabrik,, Hilfs⸗ und Landarbeiter von Friedberg und Umgegend statt zwecks Gründung einer Filiale. Es wäre guter Besuch recht dringend zu wünschen.
Aus Wetzlar.
f. Im„Wetzl. Anz.“ finden wir folgende zwei Notizen:
„.... Die Arbeiter und Dienstbotenverhält⸗ nisse werden von Jahr zu Jahr schlechter. Je bequemer die großen Städte und industriellen Orte zu erreichen sind, desto mehr verschwinden die Arbeitskräfte vom Lande....,
„Schöffengericht. Die Dienstmagd M. G. von Naunheim soll trotz wiederholter Auf—
forderung der Verpflichtung, für die Unter⸗ haltung ihres Kindes zu sorgen, nicht nachgekommen sein. Ihr Lohn ist jedoch so gering, daß sie dieser Verpflichtung nicht nachkommen kaun. Der Amtsanwalt bean⸗ tragt daher selbst die Freisprechung, welche denn auch erfolgt.“
Ist es wirklich so schwer, zu begreifen, warum die Dienstbotenverhältnisse immer schlechter werden? Schade, daß in dem Bericht über die Schöffengerichtssitzung nicht angegeben ist, wie gering der Lohn des Dienstmädchens war.
Aus Braunfels.
*Das Wetzlarer Amtsblatt enthielt dieser Tage folgendes Inserat:„Bekanntmachung. Das Scheibenschießen des Krieger-Vereins Braunfels an den Sonn⸗ und Feiertagen Nachmittags im Distrikt Attenbach wird von jetzt ab eröffnet, und das Publikum vor Ueberschreiten der mit roten Flaggen bezeichneten Grenzen der Schußlinie dringend gewarnt. Braunfels, 24. Mai 1899. Der Vorstand des Krieger⸗Vereins.“— Seit wann hat denn ein Verein ehemaliger Soldaten das Recht, in dieser Weise dem Publikum Vorschriften zu machen?
Aus Marburg.
p. Im hiesigen national⸗sozialen Organ, das im übrigen energisch Front macht gegen die Zuchthausvorlage, fand dieser Tage folgen⸗ des„Eingesandt“ Aufnahme:
An die hessischen nattonalsoztalen Geist⸗ lichen.
Die Zuchthausvorlage liegt uns schwer auf der Seele. Wir sehen durch sie ein gutes Stück treuer Arbeit für des Reiches Wohlfahrt vernichtet. Die Kluft zwischen den Arbeitern und unserer Kirche thut sich weiter und weiter vor unsern Augen auf. Sie kann als solche nicht Stellung nehmen. Wir wollen es auch nicht als Geistliche. Aber eines können und wolleu wir als solche und dadurch mit unsern Führern kämpfen. Wir haben eine Waffe. Sie ist stark und thut Niem and weh: das Gebet. Wenn wir jetzt sonntäglich vor der Gemeinde beten„Segne den Kaiser und laß wohlgelingen, was er zu Deutschlands Ehre und Wohlfahrt unternimmt,“ dann wollen wir ernst und demütig hineinlegen, Gott möge ihn in dieser schweren Entscheidung recht erleuchten. Wir lassen den Glauben nicht, daß uns Gott etwas vom heiligen Geist in der Arbeit für die Arbeiter geschenkt hat. So bitten wir ihn, er möge unseres Kaisers Herz zum besten lenken, er möge seinen Räten die ganze Ver⸗ antwortung ihrer Stellung auf das Herz legen. So legen wir das Wort ja aus: Mit Gott für Kaiser und Vaterland. Wir wollen, wir dürfen nicht bitter werden. Last uns im Geiste und Gebete zusammen⸗ stehen mit allen deutschen Brüdern, die ein Amt für das Volk zu haben glauben; Laien und Geistliche mögen sprechen: Herr, hilf!“
g Ein hessischer Geistlicher.
In einem hat der national⸗soziale Seelsorger allerdings Recht: seine Waffe, das Gebet, thut Niemand weh, am allerwenigsten na⸗ türlich der Zuchhausvorlage. Wir halten in solchen Fällen andere Waffen doch für besser und werden's im Kampf gegen die Zuchthausvorlage mit Hoffmann von Fallersleben halten, der dereinst sang:
Nicht betteln, nicht bitten! Nur mutig gestritten! Nie kämpft er sich schlecht Für Freiheit und Recht!
Aus Eschwege.
* Die Wahlprüfungskommission hat das Mandat des Abgeordneten v. Christen(4. Kassel; Eschwege⸗Schmalkalden, Rp.) für gültig erklärt. Bis zur nächsten Reichstagswahl bleibt also unser Kreis, der vorher vom Antisemit Leuß, der in's Zuchthaus wandern mußte, und dann von dem Antisemiten Iskraut„vertreten“ wurde, in Händen eines Konservativen. Sorgt dafür ihr Kleinen, daß endlich unser Kreis die Vertretung erhält, die ihm längst ge⸗ bührte: eine sozialdemokratische!
Schweineställe u. Arbeiterwohnungen.
Wie die„Elbinger Zeitung“ meldet, hat sich der Kaiser mißbilligend über die Arbeiter⸗ wohnungen auf Kandinen, seinem Gut geäußert mit den Worten:„In Kandinen muß noch
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