Ausgabe 
11.6.1899
 
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Nr. 24.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 3.

gruppen sind so wertlos, daß, obwohl sie schon vor Jahrhunderten endeckt worden sind, keine europäische Macht es bis vor 14 Jahren der Mühe wert erachtet hat, die Hand darauf zu legen. DieWeserztg. hebt hervor, daß die Ein⸗ hr von den Karolinen u. s. w. nach Hamburg bon 1894 bis 1897 von etwa 165000 auf 2500 Mk. zurückgegangen sei und daß die niemals bedeutende Ausfuhr in den letzten beiden Jahren ganz aufgehört habe. Die Karolinengruppe umfaßt mehr als 500 Inseln. Die nationalliberaleKöln. Ztg. schreibt ironisch, wenn es nach der Zahl ginge, wären wir jetzt die reichsten Inselbesitzer. Die meisten Inselchen sind allerdings unbewohnt und nichts als Riffe. Der Karolinenarchipel dehnt sich von Westen nach Osten etwa über 3000 Kilometer aus. Diese Entfernung ist noch um einige hundert Kilometer größer als die von Petersburg nach Paris. Der Flächeninhalt der gesamten Inseln beträgt aber zusammen nur etwa 1900 Quadrat⸗ kilometer, d. h. nicht so viel als die Herzog⸗ tümer Koburg und Gotha zusammen. Fürst Bismarck, der Abgott der alldeutschen Flottenphautasten, hat die Karolinen am 11. Januar 1887 im Reichstag als eineLumperei bezeichnet. Und für diese Lumperei sollen wir jetzt 17 Millionen Mark zahlen? Das wäre ja eine sehr spanische Geschichte. Ausländisches.

Oesterreich. In Wien demonstrierten die Arbeiter gegen die christlich⸗soziale Wahl- reform durch einen Umzug. Belgien. Im fanzen Land finden großartige Protestversamm⸗ ungen gegen die klerikalen Wahlrechtsver⸗ schlechterungspläne statt. In Italien sind politischeVerbrecher, das heißt brave Männer, die der Regierung unbequem und deshalb ver⸗ gewaltigt wurden, am nestiert worden. Man ent⸗ hält den freigelassenen aber ihre politischen Rechte vor, eine Schändlichkeit sonder Gleichen. Aus Rußland werden Studenten⸗ und Ar⸗ beiterunruhen gemeldet. In Riga, Libau und anderen kurländischen Städten streiken viele Tausend Arbeiter. Durch das rüde Vorgehen der Polizeiknechte kam es zu ernsten Zusammen⸗ stößen, bei denen es Tode und Verwundete gab. Spanien. Die Torturen, die die spanischen Henker und Henkersknechte gegen die in der Citadelle Montjuich in Barcelona unter dem Verdacht des Anarchismus Eingekerkerten ver⸗ übt haben, sollen nunmehr gerichtliche Sühne finden. Wie ein Wolffsches Telegramm aus Madrid meldet, erklärte der spanische General⸗ prokurator, es sei Anlaß vorhanden, die gericht⸗ liche Untersuchung einzuleiten wegen den schlechten Behandlungen, denen die Gefangenen in Montjuich ausgesetzt waren. Diese Unglücklichen werden in der unmenschlichsten Weise gefoltert.

Prozeß Dreyfus.

Das Urteil des Kassationshofes lautet dahin, das die Revision des Urteils im Dreyfus⸗ Prozeß beschlossen und die Verweisung von Dreyfus vor das Kriegsgericht iu Renues an⸗ geordnet wurde. In Rennes wird Dreyfus über folgende Frage abgeurteilt werden:Ist Dreyfus schuldig, im Jahre 1894 Machenschaften vollführt oder Beziehungen zu einer auswärtigen Macht oder deren Agenten unterhalten zu haben, um sie zu bewegen, Feindseligkeiten gegen Frank⸗ reich zu begehen oder einen Krieg gegen Frank⸗ reich zu unternehmen oder ihr die Mittel dazu zu verschaffen? Die Freisprechung des Deyfus steht jetzt außer Frage, da seine Unschuld er⸗ wiesen ist. Die dem Dreyfus zugeschriebenen Briefe, auf die hin er verurteilt wurde, hat der Offizier Esterhazy gefälscht, wie dieser Lump, der sich nach England geflüchtet hat, jetzt selbst zugiebt. Er will im Auftrag seines Vergesetzten, des inzwischen verstorbenen Obersten Sandherr gehandelt haben. ü 5

Dreyfus ist telegraphisch zurückberufen von der Teufelsinsel und wird Ende Juni in Frank⸗ reich eintreffen.

Attentat auf den Präsidenten

Frankreichs.

Alle Rückwärtser in Frankreich, die soge⸗ nannten Nationalisten, Patriotenbündler und Antisemiten sind wütend, daß derJude Dreyfus

freigesprochen ist. Mehrere der in Diensten dieser Dunkelmännergesellschaft stehende Blätter hatten ale ml daß am Sonntag der Präsi⸗ dent Loubet insultiert werden sollte, wenn er bei dem Pferderennen in Auteuil erscheinen würde. Das ist auch geschehen, der Präsident wurde beschimpft und von einem Grafen Christiani mit einem Küppel auf den Zylinder geschlagen. Es wurden viele Verhaftungen vor⸗ genommen. Die Eingesperrten sind fast durch⸗ weg dene f deshöheren Adels. Die ganze Sippe, die auf Seite der Dreyfusgegner stand, besteht aus Leuten, die der Republick den Hals umdrehen möchten, sie spekulieren auf die Wiederherstellung der Monarchie, unter der sie ihre finsteren Pläne besser zum Austrag bringen könnten. Es ist recht bezeichnend, daß die Anti⸗ semiten, die in Deutschland die Bundesgenossen der Junker sind, auch in Frankreich zum Troß des Adels gehören. Hier wie dort: Schleppen⸗ träger der Reaktion.

Aus dem Reichstag.

Am Dienstag haben die Sitzungen wieder begonnen. Vor Eintritt in die Tagesordnung machte Staats⸗ sekretär v. Bülow dem Hause den Abschluß des Ver⸗ rags mit Spanien wegen Abtretung der Karolinen be⸗ kannt. Das Haus tritt darauf in die Beratung des Nachtragsetats ein. Allgemein wurde geklagt, daß die Nachtragsetats aus einem Notbehelf zu einer ständigen Einrichtung werden, und auf diese Weise die Uebersicht⸗ lichkeit der Reichsfinanzen erschwert wird. Die Erwerbung der Südseeinseln wurde nur flüchtig berührt, am ein⸗ gehendsten von unserem Genossen Bebel, der der An⸗ sicht Ausdruck gab, daß die Millionen, die für die Karo⸗ linen ausgegeben werden sollten, weit besser in Deutsch⸗ land verwendet werden könnten, z. B. zur Bekämpfung der Tuberkulose. Bebel streifte auch die Zuchthaus⸗ vorlage, dieses ärgste Attentat auf die Rechte der Arbeiter(Unruhe rechts). Ein zweiter Kulturstaat solle sich noch finden, der es wagen würde, seiner Arbeiter⸗ bevölkerung eine solche Vorlage zu bieten. Wenn jemals eine Vorlage existierte, die direkt den Klassenhaß in die Bevölkerung hineinträgt, dann ist es diese. Der Reichstag werde ja höchstwahrscheinlich im Laufe dieses Monats auseinandergehen; ich und die Gesamtheit meiner Freunde hoffen dringend, daß uns Gelegenheit gegeben wird, vorher wenigstens die erste Lesung dieses Schand⸗ gesetzes vorzunehmen.(Präsident Graf Ballestrem ruft den Redner wegen dieses Ausdruckes zur Ordnung. ... Ich hoffe, Sie werden dem von mir ausgesprochenen Wunsche willfahren. (Beifall bei den Sozialdemokraten.)

Staatssekretär Graf Posadowsky lehnte es ab, gleich dem Abg. Bebel seine Patronen zu verschießen. Er hoffe, daß das Studium der Denkschrift allgemein die Ueberzeugung verbreite, daß nur Auswüchse getroffen werden sollen, die kein Staatswesen dulden könne. Auf die baldige Beratung der Vorlage lege die Regierung Wert. Der Graf Posadowsky thut allerdings gut daran, wenn er seine paar Platzpatronen aufspart. Der Nachtragsetat wurde der Butgetkommission überwiesen.

Der Reichstag beschäftigte sich am Mittwoch zu⸗ nächst mit der ersten Lesung der Vorlage, betr. Ver⸗ wendung von Mitteln des Reichs⸗In validen⸗ fonds, mit der sich im Prinzip alle Parteien einver⸗ standen erklärten.

Hierauf wurde die Beratung des Invalidenversiche⸗ rungs⸗Gesetzes fortgesetzt.

Die hess. Gewerbe-Inspektion. III.

8. Recht charakteristisch sind die Aufzeichnungen im Gewer beinspektions⸗Bericht über die Wirkung der Bäckereiverordnung.

Es wird da festgestellt, daß es immer noch Bäcker⸗ meister giebt, die sich absolut nicht mit den bundes⸗ rätlichen Bestimmungen abfinden wollen.Auf einer Kalendertafel waren je 42 und 51, auf einer anderen sogar 64 Ueberarbeitstage verzeichnet, sodaß die betref⸗ fenden Meister angezeigt werden mußten. Es heißt dann weiter:

Im diesseitigen Bezirk könnten sich die Bäcke⸗ reien der Verordnung entsprechend sehr wohl ein⸗ richten. Der kleine Prozentsatz, welcher es zur Zeit angeblich noch nicht kann, würde bei gutem Willen und vielleicht durch Einstellung noch eines Gehilfen, beziehungsweise durch Einteilung der Gehilfen in zwei Schichten, die Ueberarbeit in den Grenzen des Er⸗ laubten halten können. Dem Unterzeichneten wurde von Bäckermeistern mehrfach versichert, daß die Bäckerei⸗ verordnung auf den Umsatz keinen Einfluß habe und sehr gut durchführbar sei, wenn Meister und Gesellen gegenseitig im Einverständnis lebten. Andere Meister

Bei Philippi sehen wir uns wieder!

wieder behaupten, daß sie jetzt täglich, um die Ver⸗ ordnung einhalten zu können, einmal Brot weniger backen müßten, was für jeden Werktag 60 70 Brote ausmache.

Wenn das letztere wahr ist, so würde dadurch ledig⸗ lich bewiesen, daß die betreffenden Bäckermeister früher ihre Gesellen in der unverschämtesten Weise aus⸗ gebeutet haben. Gerade für diese Sorte Meister ist die Bäckereiverordnung zum Schutze der Arbeiter in aller erster Linie ein dringendes Erfordernis gewesen. Wenn jene Meister bei der jetzigen Arbeitszeit 60 bis 70 Brote täglich weniger backen, als früher, so mögen sie doch mehr Arbeiter einstellen. An Bäckergesellen fehlt es wahrhaftig nicht. Können sie auch durch Mehr⸗ einstellung von Arbeitern die 60 70 Brote, im Gegen⸗ satz zu früher nicht wieder mehr produzieren, so bewiese das, daß ihre Betriebe rückständig eingerichtet sind. Dann mögen sie ihre technischen Einrichtungen ihren Ab⸗ satzverhältnissen entsprechend einrichten. Das müssen alle andern Geschäftsleute, die nicht mit so profitablen Verhältnissen zu rechnen haben, wie die Herren Bäcker⸗ meister, auch thun. Jedenfalls sollen die letzteren nicht auf Kosten der Gesundheit ihrer Arbeiter die fünf bis sechs Dutzend Brote täglich wieder mehr heraus⸗ wirtschaften.

Von den Einrichtungen der Bäckereien scheint der Gewerbeinspektor auch nicht sonderlich entzückt zu sein. Er schreibt:

Was nun aber die Einrichtung der Bäckereien, dieser für die täglichen Bedürfnisse so wichtigen Be⸗ triebe, anbetrifft, so läßt dieselbe noch größtenteils viel zu wünschen übrig. Die Läden sind aller⸗ dings meistens sauber und freundlich, zum Teil sehr modern eingerichtet. Zur Backstube aber gelangt man durch einen engen, dunklen Gang. Diese selbst ist meist sehr klein, dunstig und niedrig, ja selbst auch oft sehr staubig. Die Geräte sind zum Teil sehr alt. Beispielsweise sollte man alte, wo möglich wurmstichige Holzbacktröge nicht mehr verwenden, sondern nur solche aus gutem Holz oder besser aus stark verzinntem Eisen benutzen. Verzinnte Backtröge sind an sich sauberer und lassen sich auch besser reinigen. Allerdings wird es dem kleinen Bäckermeister oft schwer werden, sich den hygienischen Grundsätzen entsprechend einzurichten. Die Schlaf⸗ zimmer der Gehilfen, welche in der Regel wenig Raum bieten, werden gegen Mittag zumeist noch nicht in Ordnung getroffen. Ob diese Räume dann noch bis nachmittag gesäubert oder die Betten gemacht werden, bis sie die Gehilfen wieder in Benutzung nehmen, ist sehr die Frage. Wa schgelegenheit und Handtücher machen oft auch einen un sauberen Ein⸗ druck und scheint man namentlich im Wechseln der letzteren nachlässig zu sein. Die Backstuben sollten nicht hinten im Hofe für das Publikum unsichtbar angelegt werden, sondern neben dem Laden mit großen Fenstern nach der Straße hinaus versehen im Erd⸗ geschoß liegen. Die Bäckermeister sollen nicht glauben, daß der Wunsch nach sauberen Einrichtungen nur gegen sie gerichtet ist. Wenn auch die Einrichtung Geld kostet und es kleinen Unternehmern anfangs schwer werden mag, eine saubere Betriebsstätte ist nur zu gunsten der Bäckermeister selbst. Letzterer sollte ebenso mit Stolz seine Backstube zeigen können, als er seinen Laden gern vom Publikum loben läßt. Bei Bäckerei⸗Neubauten bezw. Neuanlagen und wesent⸗ lichen Umänderungen sollte nicht nur strenge Durch⸗ führung gewisser Bauvorschriften, sondern auch ganz bestimmter sanitärer Maßnahmen verlangt werden.

Vor allen Dingen müssen diejenigen Betriebe Muster an Sauberkeit sein, welche zur Befriedigung täglicher Bedürfnisse Nahrungsmittel herstellen und bearbeiten Sie haben zudem die Pflicht, ihren Ar⸗ beitern peinlich saubere Unterkunftsräume zu gewähren. Entzieht man dem Arbeiter jede Gelegenheit, Sauber⸗ keit zu üben, so kann derselbe auch keine appetitliche Ware liefern.

An anderer Stelle heißt es noch in dem Bericht:

Bezüglich der vielfach den im Hause des Meisters wohnenden Bäckereiarbeitern zur Verfügung gestellten mangelhaften Schlafräume sei bemerkt, daß sich ent⸗ weder hier bestimmte sanitäre Vorschriften als nötig erweisen, oder es müßte allgemein den Bäckerei⸗ arbeitern freigestellt werden, nach eigener Wahl wohnen und sich beköstigen zu können.

Herr Engeln spricht hier aus, was viele Tausende Arbeiter seit Jahren erstreben. Allerdings klam mern sich die Zünftler, bei denen das Kost⸗ und Logis⸗Unwesen noch gang und gäbe ist, mit Händen und Füßen da⸗ gegen,ihre Arbeiter aus dem Hause zu lassen. Dann hört daspatriarchalische Verhältnis auf, zetern sie. In Wirklichkeit würden dann zeitgemäße Zustände auch in jenen Gewerben platzgreifen, in denen jetzt noch die unwürdigsten Verhältnisse herrschen. Es ist gewiß kein Zufall, daß gerade in jenen Gewerben mit den patriarchalischen Verhältnissen die läng ste Arbeitszeit herrscht und die niedrigsten Löhne gezahlt werden, daß jene Gewerbe das größte Kontignent für die Land⸗