—
Seite 6.
Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
Nr. 37.
. 2
SSS eee gegangene
Unterhaltungs⸗Ce il.
* Die letzten Worte Fausts.
Ein Sumpf zieht am Gebirge hin,
Verpestet alles schon Errung'ne;
Den faulen Pfuhl auch abzuzieh'n,
Das Letzte wär' das Höchsterung'ne.
Eröffn' ich Räume vielen Millionen,
Nicht sicher zwar, doch thätig⸗frei zu wohnen.
Grün das Gefilde, fruchtbar; Mensch und Herde
Sogleich behaglich auf der neusten Erde,
Gleich angesiedelt an des Hügels Kraft,
Den aufgewälzt kühn⸗emsige Völkerschaft.
Im Innern hier ein paradiesisch Land,
Da rase draußen Flut bis auf zum Rand,
Und wie sie nascht, gewaltsam einzuschießen,
Gemeindrang eilt, die Cücke zu verschließen.
Ja, diesem Sinne bin ich ganz ergeben,
Das ist der Weisheit letzter Schluß:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muß.
Und so verbringt, umrungen von Gefahr,
Hier Kindheit, Mann und Kreis sein tüchtig Jahr.
Solch ein Gewimmel moͤcht' ich seh'n,
Auf freiem Grund mit freiem Volke steh'n.
Sum Augenblicke dürft' ich sagen:
Verweile doch, du bist so schön!
Es kann die Spur von meinen Erdentagen
Nicht in Aeonen untergeh'n.—
Im Vorgefühl von solchem hohen Glück
Genieß' ich jetzt den höchsten Augenblick. Goethe.
3
Goethe. Zar 150. Wiederkehr seines Geburtstages. Von Eleutherophilos.
(Schluß.)
Goethe als poetischer und prosaischer Erzähler ist unübertroffen. Von seinen Romanen wollen wir nur sein Jugendwerk: „Die Leiden des jungen Werther“ erwähnen. Die Handlung ist einfach. In Briefform wird uns die unglückliche Liebe Werthers zu Lotte, der Verlobten eines Andern, dargestellt, die bei der großen Empfindungsseligkeit des jungen Mannes mit Selbstmord endet. Hierzu läßt sich nur sagen, was später Goethe selbst be⸗ merkt hat:„Sei ein Mann und folge mir nicht nach!“, wie der Dichter denn auch sich selbst, der sich zu Wetzlar in ähnlicher Lage zu der Braut eines Dritten befand, gerade durch diese „Generalbeichte“ aus seinem krankhaften Ge⸗ mütszustand gerettet hat. Aber was den „Werther“ trotz seiner überspannten, übrigens meisterhaft dargestellten Sentimentalität auch heute noch immer lesenswert und seine Lektüre genußreich macht, sind die Stimmungsfülle, die Wärme und die Naturfrische aller Einzelheiten, sowie die leuchtende Schönheit von Sprache und Darstellung. Auf„Wilhelm Meister“ sei hier nur kurz hingewiesen. Dieser sozusagen päda⸗ gegische Roman behandelt den Entwicklungs— kang eines jungen Menschen zu echt mensch— li er, freier Bildung. Aber wie wenigen ist es vergönnt, eine solche zu erreichen! Wie wenigen demgemäß auch nur, dieses tiefgründige Werk Goethes hinreichend zu verstehen und richtig zu scätzen! Die sich den„Lehrjahren“ anschließen⸗ den„Wanderjahre“ Meisters, dessen Erfahrungen zum großen Teile Goethes eigene idealisierte und mit Erfundenem glücklich gemischte Erleb—⸗ nisse sind, enthalten übrigens eine Fülle sozia⸗ listischer Elemente, namentlich interessante Er⸗ örterungen über wünschenswerte, ideale Staats⸗ und Gesellschaftsein richtungen, die gerade heute wieder manches Interesse wecken könnten.
Ein unterhaltendes und zugleich belehrendes, ein ernstes und zugleich sonnig⸗heiteres Buch ist Goethes Selbstbiogra phie,„Aus meinem Leben, Wahrheit und Dich tung“ betitelt. Hierin bat er nicht nur sein Leben bis zur Ueber- siedelung nach Weimar in einer mustergültigen Prosa dargestellt, sondern zugleich ein reiches Gemälde der Kultur und Literatur jener Zeit
gegeben. Berühmt ist u. a. die darin enthaltene glänzende Schilderung einer Kaiserkrönung in Frankfurt a. M.
Wer sich einen besonderen Genuß durch die plastische Darstellungskraft und die fesselnde Erzählungskunst des Dichters verschaffen will, der lese außerdem auch seine„Italienische Reise“. Hervorgegangen aus Briefen, die er an den Herzog, an sonstige Freunde und nament⸗ lich seine kluge, feingebildete und feinfühlige Freundin, Frau von Stein, von der Reise aus schrieb, belehrt und entzückt uns in gleichem Maße die Schilderung der genußvollen Reise durch den genußfähigen, hochgebildeten Reisenden. Atmet sie doch geradezu den sonnigen Himmel und das südländische Leben des schönen Landes!
Unter den poetischen Erzählungen ragt ein kleines Meisterwerk hervor:„Hermann und Dorothea“. Die einfache Erzählung der Verlobung eines Sohnes aus einer wohlhabenden Familie(des Wirtes„Zum goldenen Löwen“) mit einer Ausgewanderten giebt dem Dichter Gelegenheit, das Leben in seinen wichtigsten Verhältnissen und den Menschen in allen be⸗ deutenden Momenten seines Daseins zur An⸗ schauung zu bringen. Dabei fehlen weder die völkerbewegenden Kämpfe als bedeutsamer Hintergrund(die französische Revolution), noch der nationaldeutsche Geist, der sich durch die ganze Handlung zieht. Alle Personen sind trefflich gezeichnet und können wohl als an⸗ ziehende Vertreter deutschen Volkslebens gelten.
** *
Das ist der Dichter Goethe. Aber er war mehr! Er war ein ächter, tüchtiger Mensch, und darin ruht sein höchster Ruhm. Das Dichten empfand er als eigentlichsten inneren Beruf, und wie hohes er hierin ge⸗ leistet, glauben wir unsern Lesern in den vorher⸗ gehenden Ausführungen zu einigem Verständnis gebracht zu haben. Er war über seinem Beruf ein Mensch im besten Sinne des Wortes. Was bedeutet das? E
Zunächst, daß ihm nichts mensch⸗ liches fremd blieb. Er kannte die mensch⸗ lichen Leidenschaften, die menschlichen Bedürf— nisse, die guten und die bösen Seiten der mensch⸗ lichen Natur; er lebte sich aus als Mensch und gewann doch den Sieg über das Schädliche und Feindliche in dem eigenen Innern. So wurde er ein Lebens weiser, der milde und duld— sam und doch mahnend und warnend seinen Mitmenschen zurief:
„Eines schickt sich nicht für Alle! Sehe Jeder wie er's treibe,
Sehe Jeder wo er bleibe,
Und wer steht, daß er nicht falle!“
Und wie gelang ihm dieser Sieg über sich selbst, in allen Lagen seines reich bewegten Lebens, der ihm dann erst den wahren Genuß des letzteren ermöglichte, der ihn dadurch, daß er ihn lehrte, maßvoll zu genießen, befähigte, bis ans Ende zu genießen? Es war die un⸗ ermüdliche pflichtgetreue Arbeit, die ihn jederzeit als Knaben, als Jüngling, als Mann daran hinderte, der Genußsucht oder der Trägheit zu verfallen, und die ihn zuletzt noch als Greis„allzeit beschäftigt“ machte,„die Kräfte zu benutzen, die ihm noch geblieben waren.“ Neben seiner praktischen Wirksamkeit in weimarischen Staatsstellen, von der bei einer früheren Gelegenheit kurz die Rede war, zeichnete ihn eine umfassende Thätigkeit auf sehr vielen wissenschaftlichen Gebieten: Kunst, Naturkunde in allen ihren Zweigen usw. aus. Als reich und vielseitig begabter Mensch brachte er jenen heiligen Eifer für die Wissenschaft und jene tiefe Achtung vor ihr mit, die den wahrhaft Gebildeten kennzeichnen, und dementsprechend erwies sich auch die gewaltige Vielseitigkeit des universal gebildeten Mannes nach allen Rich⸗ tungen hin befruchtend; ja seine Forschungen auf einzelnen Gebieten der Naturwissenschaft, oft als dilettantenhast verschrieen, eilten vielfach seiner Zeit voraus, und manche Gedichte natur⸗ wissenschaftlichen Inhaltes,„Metamorphose der
Pflanze“,„Metamorphose der Tiere“ u. a. lassen Ansichten erkennen, die die moderne Forschung eines Darwin bestätigt und vertritt.
Welche Wirkung hatte nun diese ächte Wissenschaftlichkeit auf Goethe?„Wissen⸗
schaft macht frei“. Er gewann durch sie den freien Umblick, der stets nach vorwärts drängt, die umfaffende Erkenntnis der Welt und ihrer Erscheinungen, die sich stets ihrer inneren Natur nach in den Dienst des wirklichen Fortschritts stellt, und den tiefen Widerwillen gegen Still⸗ stand und Unduldsamkeit, der so befruchtend auf alle vordringende Thätigkeit wirkt. So sehen wir ihn in allen Aae trotz seiner Abgeneigtheit gegen Ueberstürzung und Radi⸗ kalismus, ja trotz einer gewissen vornehmen Zurückhaltung gegenüber manchen vorwärts treibenden Bewegungen während seines Alters stets auf der Seite uneingeschränkter Gewissens⸗ freiheit, wahrer Humanität und ununterbrochenen Fortschritts. Von ihm stammt das schöne Wort: „Die Zeit ist in ewigem Fortschreiten begriffen, und die menschlichen Dinge haben alle fünfzig Jahre eine andere Gestalt, sodaß eine Einrich⸗ tung, die im Jahre 1800 eine Vollkommenheit war, schon im Jahre 1850 vielleicht ein Ge⸗ brechen ist“— eine Wahrheit, auf die sich die Berechtigung und die Notwendigkeit aller Kritik des Bestehen den und aller Unzufriedenheit mit Gegenwärtigem gründet.
Höchft interessant ist endlich sein Verhältnis zur Religion. Ihm, der von Kindheit auf ein Verehrer der Bibel in historischen und rein menschlichen Beziehungen war und es noch in seinem Alter als„das beste Glück des denkenden Menschen bezeichnete, das Unerforschliche' in Ehrfurcht zu verehren“, der sich, der Tiefe seines Wesens entsprechend, um die Rätselfragen des Daseins, der Frage nach dem Verhältnis zwischen Gottheit und Welt stets ernst und redlich mühte, mußte andererseits jede Orthodoxie, jede unduldsame Betonung allein selig machender Rechtgläubigkeit und auch die ganze spezifisch christlich⸗kirchliche, dem holden Behagen am irdischen Dasein abgeneigte, jenseitige Lebens auffassung innerlich zuwider, ja ein Greuel sein. Er wahrte sich auch sein ganzes Leben hindurch die reine Daseinsfreudigkeit der alten Griechen, deren gesamte künstlerische Kultur ihm so zusagte, da sie seinem eigensten Wesen ent⸗ sprach, und behauptete für sich jederzeit das Recht auf einen heiteren, maßvollen Lebens⸗ genuß.— Frühzeitig war er bei dem edeln Philosophen Spinoza in die Schule gegangen. Dessen Pantheismus, d. h. der Glanbe an die Allbeseeltheit der Natur, an die Allgegenwart des Göttlichen in der Natur in dem Sinne, daß Natur und Gott nicht verschiedene Wesen, das Geschaffene und der Schöpfer, sondern das⸗ selbe und identisch, gleichbedeutend seien, hat bei Goethe oftmals tiefsinnigen Ausdruck gefunden, so in den Worten Faust's„Wer darf ihn nennen? und wer bekennen: Ich glaub' ihn“ und namentlich in dem herrlichen Gedicht: „Was wär' ein Gott, der nur von außen stieße?“
So lief der Zug von Goethe's Humanität in's Allgemeine. Wie die gleiche äch te Men sch⸗ lichkeit sein ganzes privates Leben durch⸗ wärmte, wie sie ihn leitete in seinem Verkehr mit Hoch und Niedrig, wie sie ihn erfüllte mit Anerkennung eines jeden tüchtigen Strebens, wo und wie es ihm auch entgegentrat, wie sie ihn vor allem zu einem mitleidigen und hilf— reichen Menschen machte gegenüber Schwäche und Not, Armut und Elend, soweit er sie in seinem langen Leben in allgemeinen Zuständen und in einzelnen Fällen kennen lernte,— das im besonderen auszuführen, überstiege die Auf⸗ gaben dieser Zeilen.
Wir wiederholen: Er ist unser größter Dichter gewesen, aber als Mensch war er noch mehr und Höheres: Er war das, was er seinen Brüdern zurief:
Edel sei der Mensch, Hilfreich und gut!
Fund
—————— à»fn——ͤ—̃̃̃((—(—
wach lulu Noßhän halle, bächer aachen, fine
der Kle Kindern, fgehal Gedanke peitläuf dee ihn
ludishe Und in
nachdem slederge auf eine Namen
Magelsc Thälern gehmle; Mandat ff, de Rechtfe händler diese s erschral Manne Mühe.! Bahn g duseina gener Aberhay Fortga bon Se Vriefsch
dem Pr
scheinlic Herz de
ö hergleich then
Ind an
des Ha len; krfürstl
Lahält Lags d lu 9 zen lader,
11 0 uur Auf Halsen ein für lle; i Lg 1 9 . nn
sige 5


