Ausgabe 
10.9.1899
 
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Scite 4.

Witieideutlsche Sonntags⸗Zeitung

Nr. 37.

Ebenso haben sie die Förderung der landwirtschaftlichen Org an isationen, Genossenschaften usw. mit Freuden begrüßt und sind für Unterstützung des landwirtschaft⸗ lichen Kredit wesens mit Wort und That eingetreten. Die auf dem Gebiete der Seuchenbekämpfung und des Versicherungswesens liegenden Mißstände sind besonders vom Abg. Rau betont worden. Zur Verhinderung der schlimmsten Schädigungen, die den Landwirt beim Verkauf seines Viehes oft treffen, wurde eine staatliche Schlachtviehversicherung von unseren Parteigenossen empfohlen.

Unsere Genossen werden auch weiterhin alles thun, um die gesunde Entwicklung der Landwirt- schaft und die Hebung der bäuerlichen Verhältnisse zu fördern. Dabei werden sie aber, wie das die Aabg David und Ulrich in der Kammer klar ausgesprochen haben, ihr Augenmerk darauf richten, daß die bewilligten Summen auch wirklich der Masse der kleinen und kleinsten Landwirte zu Gute kommen. Denn damit ist nichts geholsen, wenn, wie das häufig genug der Fall ist, die bewilligten Mittel in den Taschen der Großgrund⸗ besitzer verschwinden. Alle Anforderungen, die darauf hinauslaufen, die Großen auf Kosten der Kleinen zu bereichern, weisen die Sozialdemokraten schroff ab.

Was unsere Vertreter im Landtag auf den Gebieten der Steuerpolitik, des Volksbildungswesens und der Volksgesundheitspflege geleistet und ver⸗ langt haben, ist bekannt. Die verhältnismäßig gute Gewerbeinspektion in Hessen ist der Rührigkeit unserer Genossen zu danken. Die Sozialdemokratie war es, die gegen die Polizeiverordnungen Front gemacht und die Aufhebung der Feierabendstunde verlangt haben, eine Einrichtung, die nicht nur er⸗ wachsener Menschen unwürdig ist, sondern die auch parteiisch gehandhabt wird. Auf schöne Erfolge können unsere Landtagsabgeordneten zurückblicken; wenn sie nicht mehr erreichten, so lag das daran, daß ihrer zu wenig waren: 5 gegen 45 Gegner. Die Parole muß deshalb bei den beworstehenden Wahlen lauten:

Mehr Sozialdemokraten in den Landtag!

Scheidemann bespricht hierauf die Verhältnisse im Gießener Landkreis. Von Rechts wegen müßte dieser Kreis seit Jahren sozialdemokratisch vertreten sein. Es liege an der Saumseligkeit der Ar⸗ beiter selbst, daß für Gießen⸗Land seither ein rück⸗ ständtger Antisemit im Landtag gesessen und nichts gethan habe. Auch bei den kommenden Wahlen rechnen die Antisemiten wieder auf die Gleichgültig⸗ keit der Arbeiter, von denen sie erwarten, daß sie der Wahlurne fernbleiben und daß es dadurch

ermöglicht wird, den von den Odenwälder Bauern abge⸗

schüttelten ehemaligen Architekten Hirschel durchzubringen, von dem man weiß, daß er ein Arbeiterfeind ist. Die Parteiverhältnisse im Kreis Gießen⸗Land liegen so, daß der sozialdemokratischen Partei der Sieg zufallen muß, wenn die Arbeiter ihre Schul⸗ digkeit thun und zur Wahl heim gehen.Es handelt sich diesmal um dite Ehre unserer Partei im Kreise, so schloß der Redner, sorgt Ihr dafür, Parteigenossen, daß wir ehrenhaft bestehen. Jeder sei Agitator. Macht von heute ab schon eure Kollegen auf die Wichtigkeit der Wahl auf⸗ merksam. Ihr müßt so viele Tage im Jahre des schlechten Wetters wegen und den Wünschen der Unter⸗ nehmer wegen unfreiwillig feiern, daß jeder auch elnmal jetzt, wo es gilt, einen viertel oder einen halben Tag freiwillig feiern kann. Wir können dies⸗ mal siegen, wenn ihr siegen wollt! Thue jeder seine Pflicht!

In der Diskussion beklagt es Rudolf-Daubringen, daß von einigen Genossen aus Gießen und Lollar mit einem Mann in Daubringen Rücksprache wegen der Uebernahme der Wahlmannskandidatur genommen sei, ohne zuvor mit den dortigen Genossen Rücksprache zu nehmen. Man wisse von jenem Manne nicht, ob er wirklich auch für den sozialdemokratischen Kandidaten stimmen würde, wenn ihn die Arbeiter zum Wahlmann gewählt hätten. Schupp-Lollar klärt die Sache auf. Er habe mit dem Genossen Orbig in Daubringen ge⸗ schäftlich zu thun gehabt und bei dieser Gelegenheit sei zufällig die Rede auf die Landtagswahlen gekommen. Es könne keineswegs die Rede davon sein, daß man den Daubringer Genossen habe vorgreifen wollen. Lindenstrurh-Wieseck und Niebch-Heuchelheim sehen dle Angelegenheit für so unbedeutend an, daß man damit nicht die Zeit auf der Konferenz vergeuden solle. Die Daubringer Genossen hätten ihren Wahlmann auf⸗ gestellt, damit sei man allseitig zufrieden. Sache der Daubringer Genossen wäre es nun, ihrem Wahlmann auch zum Siege zu verhelfen(Bravo!) An der serneren Diskussion über den Vortrag Scheidemann beteiligen sich noch Bolte⸗Lollar, Bock und Krumm⸗Gießen. Letzterer weist namentlich auf die sicher wiederkommenden Ver⸗ leumdungen unserer Partei durch die Gegner hin. Auch er ermahnte noch einmal zu eifriger Arbeit und treuer Pflichterfüllung. In seinem Schlußwort weist Scheide⸗

mann noch auf die Notwendigkeit hin, überall da, wo es noch nicht geschehen, sofort die Wahlmänner aufzustellen und deren Adressen nach Gießen zu be⸗ richten, damit rechtzeitig die Stimmzettel gedruckt werden könnten. Der Vorsitzende, Gen. Bock, faßt das Er⸗ gebnis der Aussprache kurz zusammen und erklärt, daß wenn irgendwo Versammlungen gewünscht würden, solche abgehalten werden könnten, die Genossen sollten sich dieserhalb an ihn oder Scheidemann wenden. Würden von gegnerischer Seite Versamm lungen einberufen, so möge man sofort telegraphieren, damit den Herren Bescheid gesagt werden könne. Damit war dieser Punkt erledigt.

Ueber den Parteitag in Hannover sprach Gen. Krumm. Er wies auf die wichtige Tagesordnung hin und empfahl die Beschickung durch einen Delegierten. Die Konferenz beschließt demgemäß. Genosse Fourier wünscht, daß dem Delegierten ein gebundenes Mandat mitgegeben werde. Derselbe solle nicht für den Aus⸗ schluß Bernsteins und auch nicht für ein etwaiges Tadelsvotum gegen die Bayern stimmen. Beckmann⸗ Gießen, Niebch-Heuchelheim und Scheidemann sprechen gegen ein gebundenes Mandat. Die Konferenz beschließt demgemäß und wählt als Delegierten Gen. Scheidemann. Schupp⸗Lollar regt dann noch an, zu beschließen daß in Zukunft unter allen Umständen der Kreis⸗Vertrauens⸗ mann an den Landeskonferenzen teilnehme. Die Ver⸗ sammlung stimmt einem diesbezüglichen Antrag zu.

Die nächste Kreiskonferenz soll in Großen-Buseck stattfinden.

Damit war die Tagesordnung erschöpft. Gen. Bock schloß die Konferenz mit einem dreimaligen Hoch auf die sozialdemokratische Partei, in das begeistert einge⸗ stimmt wurde.

Nun ist es Aufgabe der Delegierten zur Kreis⸗ Konferenz, in ihren Orten den Beschlüssen der Konferenz gemäß zu handeln: zu agitieren und zu organisieren.

Von nah und Fern.

Mitteilungen aus unserem Leserkreise sine jederzeit willkommen

Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissen⸗

haftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten. ir bitten alle

zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben.

Die hessischen Landtagswahlen sollen einer Nachricht derFrkf. Ztg. zufolge eist Ende Oktober stattfinden. Uns erscheint diese Nachricht wenig glaubhaft. Da nach den gesetzlichen Bestimmungen die gesamte Landtags- wahl binnen 14 Tagen erledigt sein kann, so thun unsere Genossen gut, wenn ste mit der Möglichkeit rechnen, daß die Wahlen nicht erst Ende Oktober, sondern vielleicht schon Ende September erledigt sein müssen. Seid auf der Hut, Parteigenossen, und agitiert uner⸗ müdlich.

Liebknecht in Klein⸗Linden.

*Genosse Liebknecht, der sich einige Tage in seiner Vaterstadt Gießen aufhält, wird am Samstag, den 9. September in Klein-Linden in einer Versammlung sprechen. Er hat sich nur durch außerordentliche Umstände bestimmen lassen, unsern Wunsch zu erfüllen. Wir konstatieren das ausdrücklich, damit unserem verehrten Genossen keine unberechtigten Vor⸗ würfe deshalb gemacht werden, weil er in den letzten Wochen wiederholt ablehnen mußte, wenn er um die Abhaltung von Versammlungen ersucht wurde. Von unseren Genossen in Klein⸗ Linden erwarten wir, daß sie am Samstag Mann für Mann zur Stelle sind.

Schullasten.

* Zu den noch nicht erledigten Sachen des hessischen Landtags gehört auch ein von sozialdemokratischer Seite ausgegangener Gesetzentwurf, betreffend:

Uebernahme der Kosten des gesamten Volks⸗ schulwesens auf die Staatskasse.

Es ist eine bekannte Thatsache, daß viele Gemeinden kaum in der Lage sind, die drückenden Schullasten tragen zu können. Was aber die kleine Gemeinde nicht kann, ist dem Staat ein leichtes. So lange die Schullasten auf den Schultern schwacher Gemeinden ruhen, wird das Schulwesen viel zu wünschen übrig lassen und an die Lieferung freier Lehrmittel ist wohl kaum zu denken.

Faoür die unentgeltliche Verabfolgung von Lehrmitteln und Schreibmaterialien in sämt⸗ lichen Volksschulen hat die Stadt Zürich im Jahre 1898 die Summe von 90,252 Fr. aus⸗ gegeben, bei 160,000 Einwohnern nicht viel mehr als 50 Cts. per Kopf der Bevölkerung.

Aus Lollar.

b. Laut einer Mitteilung des Leipziger Streikkomitees sollte in hiesiger Gießerei Streik arbeit geformt werden. Nach genauer Prü⸗ fung ergab sich die Wahrheit der Mitteilung. Durch eine sofortige Besprechung mit dem In⸗ genieur wurde den Arbeitern die Erklärung ge⸗ geben, daß die Arbeit soweit fertig gestellt sei, die Former aber die wenigen noch rückständigen Teile machen möchten, fernere Aufträge würden nicht mehr angenommen. Eine daraufhin am Dienstag abgehaltene Metallarbeiter-Versamm⸗ lung beschloß nach einem Referat des Kollegen Martersteig aus Offenbach über den Leipziger Formerstreik, daß kein Stück Leipziger Arbeit mehr gemacht wird. Folgende Resolution fand einstimmige Annahme:Die am 5. September in Lollar tagende Mitgliederversammlung des deutschen Metall-Arbeiter-Verbandes erklärt, daß der Streik der Leipziger Former voll⸗ berechtigt ist und daß sich die Lollarer Metall arbeiter nicht weiter gebrauchen lassen werden, Leipziger Modelle zu formen. Die Versamm⸗ lung erklärte sich ferner bereit, alles zu thun, um den Formern in Leipzig zum Siege zu verhelfen.

Aus Friedberg.

K. Am 3. September fand hier eine Kreis⸗ Konferenz statt. Vie Tagesordnung lautete: 1) Landes⸗Konferenz, 2) Parteitag, 3) Verschie⸗ denes. Die Präsenzliste ergab: 17 Delegierte, welche 14 Orte vertraten. Ueber Punkt 1 entspann sich eine rege Diskussion, wobei klar gestellt wurde, daß eine Kreiskonferenz nicht kompetent sei, Delegierte zur Landeskonferenz zu wählen. Es wurde deshalb von der Wahl abgesehen und dem Delegierten von Friedberg (Busold) der Auftrag erteilt, als Vertreter der Kreiskonferenz zu fungieren und bei nächster Konferenz Bericht zu erstatten. Bei Punkt 2, Parteitag, begründete Gen. Harries einen Antrag an den Parteitag, eine Broschüre aus⸗ arbeiten zu lassen, welche zur besseren Auf⸗ klärung der einzelnen Genossen auf dem Lande dienen solle, damit diese im Stande wären, die ländliche Bevölkerung besser unterrichten zu köanen. Inzwischen wurde beantragt, erst zu entscheiden, ob der Parteitag beschickt werden sollte. Diese Frage wurde bejaht. Gewählt wurde Genosse Busold. Derselbe stellte nun Namens der Friedberger Genossen einen Antrag zur Diskussion betreffs der Kompromißfrage. Auch hierzu gab es längere Auseinandersetzungen und zog nach kräftigem Eingreifen der Genossen Prinz und Orbig in die Debatten Genosse Harries seinen Antrag zurück. Zum Antrag Busold wurde Schluß der Debatte beschlossen. Bei Verschiedenem wurde geklagt über die schwache Berücksich igunz seitens des Landes⸗ komitees bei der Agitation für die Landtags- wahl. Gen. Orbig wies das energisch zurück. Dann wurde die nicht rechtzeitige Einberufung der Konferenz in der Volksstimme beaustandet. Gen. Busold rechtfertigte dieses dahin, daß er die Annonce zur rechten Zit aufgegeben habe, aber die Volksstimme hätte die Ve öffentlichung nicht gebracht. Ueberhaupt wurde vielseitig über die stiefmütterliche Behandlung seitens der Volksstimme Klage geführt. Nach weiterem Meinungsaustausch über verschiedene Fragen wurde um 8 Uhr die Konferenz geschlossen.

Aus Wetzlar.

* Wie schlecht es mit der von der Sozial⸗ demokratie verlangten größeren Selbständig⸗ keit der Gemeinden heutzutage bestellt ist, geht aus einem Konflikt hervor, der seit Jahren zwischen dem Stadtvorstand Wetzlars und den oberen Regierungsbehörden besteht. Die letzteren haben es durchgesetzt, daß die Stadt Wetzlar noch einen Polizeiwachtmeister anstellen muß, obwohl die Stadtoäter der ehemaligen freien Reichsstadt überzeugt sind, daß diese neue Polizeistelle vollständig überflüssig ist und die dafür auszugebenden 1600 Mark geradezu zum Fenster hinausgeworfen sind. Recht be⸗ zeichnend ist ein Satz in der Begründung des Verlangens des Regierungspräsidenten in Cob⸗ lenz. Er verlangt in erster Linie deshalb einen weiteren Wachtmeister, weil

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