—
sprochen.
Seite 4.
Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
Nr. 28.
tage nur solange auf die Denkschrift ge⸗ schworen, bis deren Unwahrheiten, Ent⸗ stellungen und Uebertreibungen von den Rednern der Sozialdemokratie festgestellt wurden. Die Redaktion der„Oberh. Ztg.“ in Marburg glaubt jetzt noch an die zerfetzte„Denkschrift“, für sie ist auch jetzt noch der Inhalt derselben „einzig wahr“. Uns wundert das nicht. Der „Oberhess“, früher von Dr. Kühne, dann von Harry Finking redigiert, wird übrigens nirgends ernst genommen. Aus Wetzlar.
* Das hiesige Landratsamt hat eine Be⸗ kanntmachung erlassen, derzufolge vom 1. August 1899 ab alle Tanzbelustigungen 24 Stun⸗ den vor der angesetzten Zeit polizeilich ange⸗ meldet und gleichzeitig die Teilnehmer auf einer genau geführten Liste der Polizei mitgeteilt werden müssen. Wir wissen leider nicht, wie weit die Machtbefugnisse der Landratsämter im gesegneten Preußen gehen und haben deshalb die Bekanntmachung des Wetzlarer Landrats— amts einem preußischen Juristen zur Begut⸗ achtung geschickt. Sobald wir Antwort erhalten, werden wir die Bekanntmachung vollinhaltlich abdrucken. Das steht fest: sind die Landrats⸗ ämter in Preußen zum Erlaß so tief einschnei⸗ dender Bestimmungen befugt, dann ist den Polizeiorganen ein neues, sehr bedenkliches Machtmittel in die Hand gegeben, gegen das anzukämpfen namentlich die Wirte alle Ursache
haben.
Die Staatsstützen im Gefängnis.
Gefängnisinsassen waren in Darm⸗ stadt als„Arbeitswillige“ zum Schaden der streikenden Maurer zur Verfügung gestellt worden. Auf Grund einer Beschwerde unseres Landtagsabgeordneten Cramer beim Justiz⸗ minister wurden diese famosen Arbeitswilligen zurückgezogen. Kann man sich eine köstlichere Geschichte denken: Arbeitswillige sind laut der Denkschrift zur Zuchthausv rlage„ruhige, in die Staatsordnung sich schickende, für den Staat besonders nützliche Ele⸗ mente“ ꝛc. Und solche Prachtmenschen sitzen in Darmstadt im Gefängnis!!
Kein Hausrecht im Militärstaat.
Der sozialdemokratische Gastwirt Wurm in Darmstadt soll dort am 9. Oktober der be— waffneten Macht dadurch Widerstand geleistet haben, daß er dem Führer der Militärpatrouille das Betreten seines Lokals zur Absuchung nach Soldaten verbot und ihm dabei einen leichten Stoß vor die Brust versetzte. Der Besuch der Wirtschaft Wurms war dem Militär verboten; der Wirt glaubte sich daher auch dazu berech⸗ tigt, der Militärpatrouille den Eintritt in sein Lokal zu verwehren. Die Strafkammer in Darm⸗ stadt hatte den angeklagten Wirt freige⸗ Auf eingereichte Revision hob das Reichsgericht das freisprechende Urteil auf und verwies die Sache zur neuen Verhandlung an die Strafkammer in Mainz. Von dieser wurde Wurm schuldig befunden und zu 30 Mk. Geld⸗ strafe verurteilt.
Sozialdemokratische Schuhfabrik.
Durch zahlreich„gutgesinnte“ Blätter läuft folgendes Lügengeschichtchen aus Erfurt:
„In der vonsozialdemokratischer Seite gegründeten„Deutschen Schuhfabrik“ im benach⸗ barten Ilversgehofen ist ein Streik ausgebrochen. Die Veraulassung war folgende: Auf die Frage einer Arbeiterin, Was sollen wir denn ver⸗ dienen bei solchen Löhnen?“ erwiderte ein Werk⸗ führer:„Das kann mir gleich sein, und wenn Sie 3 Mark die Woche verdienen!“ Auf eine fernere Bemerkung des Mädchens wurde dieses sofort entlassen. Das gleiche Schicksal teilte der Schuhmacher Hecker, der als Mitglied des Fabrikausschusses sich der gemaßregelten Ar⸗ beiterin angenommen hatte. Infolge dieses Vorgehens der Fabrikleitung reichte das ge— sammte Personal bis auf wenige Arbeiter die Kündigung ein.“
Schon der erste Satz ist eine Lüge und eine bewußte gemeine Verdächtigung der sozial— demokratischen Partei. Es ist den Sozialdemo— kraten bisher niemals eingefallen, Schuh— oder andere Fabriken zu gründen, vielmehr hat
der Parteitag von 1892 es den Parteigenossen ausdrücklich zur Pflicht gemacht, derartigen Gründungen entgegenzutreten und zu be⸗ kämpfen. Gegründet wurde die„Deutsche Schuh⸗ fabrik“ in Erfurt nicht von Sozialdemokraten, sondern von Arbeitern, welche infolge eines Streiks von nationalliberalen Unternehmern gemaßregelt worden waren, und die in ihrer Verzweiflung, um dem Hungertode zu entgehen, mit erborgtem Kapital diese Fabrik gründeten. Natürlich vermochten die besitzlosen Arbeiter mit ihrer Fabrik der Konkurrenz nationalliberaler Millionäre nicht lange stand zu halten, das Unternehmen verkrachte und ging in kapita⸗ listische Hände über. Schon seit zwei Jahren haben die eigentlichen Gründer der Fabrik mit dem Unternehmen nichts mehr zu schaffen. Die geschilderten Vorgänge mögen sich zugetragen haben, die„gutgesinnten“ Zeitungen sollten aber ehrlicherweise, allerdings, ehrlich und„gutge⸗ sinnt“— wie reimt sich das zusammen? hinzu⸗ fügen, daß nicht der Werkführer eines sozial⸗ demokratischen, sondern nationalliberalen Unternehmers es war, der ein solch durchaus verdammenswertes Benehmen gegenüber seinen Arbeitern und Arbeiterinnen beliebte.
3——————
Aus dem hessischen Arizona⸗ Kicker.
* Ab und zu leistet sich das Organ des antisemitischen Abg. Köhler eine Glanz⸗ nummer. Es ist fast unglaublich, daß es Leute giebt, die an den meist dummen, oft ordinären Mätzchen, wie sie in jenem Blatt verzapft werden, Gefallen finden. Doch jeder nach seinem Ge— schmack.
In Nr. 50 des Köhlerschen Blattes finden wir u. A. folgende Sätze:
„Frankreich. Das Ministerium Reinach, wie das neue Schurken-Ministerium höhnisch genannt Wir?!
„.... Bemerkenswert ist, daß ein Teil der So⸗ zialisten mit der Spitzbubenpolitik der Millerand, Jauréès, Rouaner und Kons., die die Spießgenossen der Volksbetrüger in Deutschland sind, nicht mitmachten....“
General Gallifet, so weiß das Köhler⸗ Blatt zu berichten, stammt von Juden ab. Einer seiner Vorfahren war ein Raubmörder....
„Bemerkenswert für diesen neuen Genossen der Bebel, Singer, Ulrich u. Komp. ist seine Grausam⸗ keit bei der Niederwerfung des Kommune-Auf⸗ standes.
Daß Gallifet wie ein Scheusal gehaust hat bei der Niederwerfung der Kommune, ist be— kannt. Wie dieser Mensch aber zum Genossen Bebels geworden, bleibt das Geheimnis des Köhlerschen Blattes.
In einem Artikel über die Organisation des hessischen Bauernstandes wird der Mainzer Zentrums⸗Abg. Schmidt„Judendemokrat“ genannt.
Die„Frankf. Ztg.“ und unser Offenbacher Bruderorgan, das„Sozzenblatt“, gehören zur internationalen„Preßmeute“, weil sie das verfassungswidrige Verhalten der hessi⸗ schen Regierung, die keine jüdischen Juristen in Staatsdienst nimmt, festnagelten.
„Mögen die Tröpfe winseln, die müssen ja so handeln, denn dafür werden sie ja von ihren Brod⸗ herren bezahlt“.
Antisemiten reden von Tröpfen!—
In einer Rede hat kürzlich der Kaiser das deutsche Volk„ein edles Vollblutpferd“ genannt. Daraufhin schrieb unser Münchener Parteiblatt, das deutsche Volk sei kein Vollblutfperd,
„sondern ein müder, von den Scharfmachern und
Weltpolitikern abgetriebener Gaul, der höchstens noch
einmal wild wird, wenn ihm der Zunder einer Zucht⸗
hausvorlage unter den Schweif gelegt wird.“
Das wid in dem Organ des Abg. Köhler als„sozialdemokratische Gemeinheit“ bezeichnet. Nun vergleiche man die Auslassung des Münchener Blattes mit folgenden Zeilen, die im März d. J. im Organ des Abg.
Köhler veröffentlicht wurden: „Indem ich den Veranstaltern der oben ange— führten Petitionen hiermit den herzlichsten Dauk des Bauernbundes abstatte, muß ich doch be⸗ merken, daß ich leider feststellen muß, daß
wohl%ß„% unseres hessischen Bauernstandes noch dermaßen im Sumpf geistiger Oede zu stecken scheinen, indem sie sich nicht
dazu entschließen können, aus jener geistigen Faulheit sich loszumachen, um auch mit den Anderen mutig und wacker gegen die unserem Bauernstande und unserem ganzeu Volke drohenden Ge⸗ fahren anzukämpfen.
Weiter bitte ich, am Ende der weiter mir (nach Langsdorf) einzusendenden Petitionen mit Bleistift die Zahl der Unterzeichner anzu⸗ merken.
Mit deutschem Gruß!
Berlin im Reichstage, d. 17. März 1899.
Der Vorsitzende des Mittel d. Bauernbundes. Köhler, Bürgermeister, Mitgl. d. Reichstags u. d. hess. Landtags.“
Das von uns fett gedruckte, ist im Köhler schen Blatt Sperrdruck. Nach dem Münchener Blatt ist das deutsche Volk nur einem„müden, abgetriebenen Gaul“ vergleich— bar. Das ist im Köhlerschen Blatt eine— sozialdemokratische Gemeinheit!
Herr Köhler selbst aber erklärte, es schien ihm, daß:
9%„% des hessischen Bauernstandes noch im
Sumpf geistiger Oede stecken, sich aus e Faulheit nicht losmachen können e.
Das ist natürlich keine sozialdemokratische Gemeinheit, sondern eine— antisemitische Feinheit! Jedenfalls sieht nach der Köhler⸗ schen Schilderung ein„edles Vollblutpferd“ so abscheulich aus, daß uns der„abgetriebene Gaul“ der Münchener Post doch immer noch weit schneidiger erscheint.
Wir wollen dann nur noch kurz feststellen, daß in derselben Nummer des Köhlerschen Organs der Magistrat der Stadt Frankfurt a. M. als Hausknecht des Judentums festgenagelt wird und wollen dann zum Knall⸗ effekt der Nr. 50 des Arizona-Kickers kommen, zu der Fortsetzung eines schon früher be⸗ 1 Artikels„Sozialismus und Juden⸗ thum“. a In diesem Artikel wird erzählt, daß mehr und mehr auch die„Pfahlbürger, kleine Rentner, die behäbig von ihren Ersparnissen leben“, immer nervöser, immer ängstlicher vor der an— wachsenden Sozialdemokratie würden und Angst vor dem„Teilen“ hätten. Dann wird pfiffig weiter erzählt:
„Da ist es nun aber für den aufmerksamen Be⸗ obachter eine merkwürdige Erscheinung, daß von jüdischer Seite niemals Besorgnisse vor einer Aera laut werden, in der die„Roten“ das Heft in die Hand bekommen könnten“
Und warum haben die Juden keine Angst vor den Roten? Nun sehr einfach, wie der Arizona⸗Kicker durchblicken läßt. Natürlich stecken die Juden mit den Sozialdemokraten unter einer Decke.
Selbstverständlich! Und wenn dereinst den kleinen Bauern, den Handwerksmeistern und Krämern die Schippen, Hobel, Sägen, Erbsen⸗ und Knoblauchsschubladen, die Käse⸗ und Schweineschmalz⸗Glasglocken weggenommen und „geteilt“ werden, dann teilen die Rothschild und Bleichröder sich mit den Roten in diese Schippen und Schubladen. Diese pfiffigen Kerle! So spekulieren diese Juden schon auf die Zu⸗ kunft. Mit den Sägen schneiden sie dann denen, die noch ebbes haben, die Hälse ab, in die Schubladen legen sie ihrer Gelder— hei, wird das ein flottes und genußreiches Leben!
Aber man scheint im Arizona⸗Kicker noch lange nicht Alles zu wissen. Es scheint dort das Schandbarste noch unbekannt zu sein, näm⸗ lich, daß der„Teilungsplan“, der zwischen Rothschild und Bleichrö der einerseits und Bebel und Liebknechtandererseits seit Jahren vor Notar— man denke vor einem Notar!! So die Ortsgerichtsvorsteher ums Geld zu bringen!— vor Notar und Zeugen vereinbart und auf dem Langgönser Ortsgericht deponiert ist. Bis ins allerkleinste ist in diese n „Teilplan“ alles geregelt. Sogar die Bürger⸗ meister und Ortsgerichtsvorsteherposten sind schon„verteilt“. In Langsdorf soll— wir sind doch für Gleichberechtigung beider Geschlechter
um und bug.
Epiialee Folenns
Herr Ab
f erlicht Herrn 0
Vohustz
melstel Vogelsbel
shloschel foscheren Dre bell bb luuten: 3
So i
die landt
Teilplan
des Bürt öder in
Aufschütt Fnoblau ilcttürlich klatischer
gesorgt. klecht
werden,
Million
So, entlaste Köhler nun sei
ö
Die e zweiten g als der gierung Progessio Vermögen der Hund führung posttion zweite Ke Parade g lch gegen wird, so loch nich Etlaß sehenden Vesteueru Das habt über den
Die Gaegenhe Alerleig unseren 0 Destnern uche
„ fetigung
gubgegt
Nach lich pro! uf N ux nudsieuer fihnligst legten w shräntt


