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Nr 28.
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Seite 3.
D eme Frau das Szepter führen, für dort ist
Frl. Rosalie Veilchenduft aus Jerusalem zur Bürgermeisterin bestimmt. Die Redaktion des Offenbacher Arizona⸗Kickers übernimmt, mit Rücksicht auf die Bedeutung dieses Weltblattes, Herr Rothschild selber. Postagent in Langsdorf wird Leopold Sonnemann aus Frankfurt a. M., den fetten Posten als Standesbeamter daselbst soll Herr Bankier Grünewald in Gießen haben. Erster Vorsitzender im Ziegenzuchtver⸗ in zu Langsdorf wird der arme Dreyfus aus Paris Der ehemalige Deutsch⸗Soziale, jetzt National⸗ Soziale Erdmannsdörffer in Marburg wird als Choleraspezialist auf den Karolinen stationiert. Herr Ahlwardt wird als Makler an eine neu zu errichtende Börse nach Galizien versetzt und Herru Hirschel soll als Schächtgehilfe ein Wohnsitz in Algier angewiesen werden. Bürger⸗ meister Köhler wird Rabbiner in Crainfeld im Vogelsberg und für Dr. Böckel soll im Roth⸗ schildschen Hause in Frankfurt ein Laden mit koscheren Rindswürstchen eingerichtet werden. Der bekannte antisemitische Schlachtruf Hepp hepp! und Heil heil! wird dann natürlich lauten: Heiß heiß!!
So ist in dem Abkommen zwischen Juden⸗ tum und Sozialdemokratie für jedermann ge⸗ sorgt. Natürlich ist auch für das Land und die landwirtschaftlichen Geräte der Anbau- und Teilplan klüglich ausgearbeitet. Die Schippen des Bürgermeisters Köhler bekommt Herr Bleich⸗ röder in Berlin, der damit seine Geldhaufen aufschüttet. In der fruchtbaren Wetterau wird Knoblauch angepflanzt u. s. w. Am besten ist natürlich in dem Abkommen für die sozialdemo⸗ kratischen Abgeordneten, Redakteure und Redner gesorgt. Diejenigen, die nicht, wie Bebel, Lieb⸗ knecht und Auer, Präsidenten von Weltteilen werden, wird ein Jahresgehalt von je einer Million ausgeworfen...—.—
So, nun haben wir unser schlechtes Gewissen entlastet und der Arizona-Kicker des Abg. Köhler kennt unsere finstersten Pläne und kann nun seine Maßnahmen danach treffen.
Hessischer Landtag.
Die Steuerreform hat nun die Durchberatung in der zweiten Kammer glücklich überstanden. Glücklich insofern, als der nach Beseitigung der Weinsteuer von der Re⸗ gierung neu zurecht geschusterte Reformplan: Erhöhte Progession der allgemeinen Einkommensteuer und ergänzende Vermögensteuer, daneben Erhöhung der Erschastssteuer, der Hundesteuer und der Stempelgebühren, sowie Ein⸗ führung einer Staatslotterie, in allen seinen Haupt⸗ position angenommen worden ist. Im einzelnen ist die zweite Kammer allerdings der Regierung arg in die Parade gefahren und da die erste Kammer sich vermut⸗ lich gegen einige Beschlüsse der Volksvertretung sperren wird, so läßt sich über das Schicksal der ganzen Reform noch nichts Bestimmtes sagen. Der Gedanke, den durch Erlaß eines Teils der direkten Steuern ent⸗ stehenden Ausfall auf dem Wege der indirekt en Besteuerung wieder einzubringen, war höchst unglückselig. Das haben insbesondere die viertägigen Verhandlungen über den neuen Steuertarif gezeigt.
Die sozialdemotratische Fraktion fand vielfach Gelegenheit das Verkehrte und Ungerechte dieses Steuer⸗ Allerleis zu geißeln. Abg. Ulrich begründete treffend unseren prinzipiell ablehnenden Standpunkt aller indirekten Besteuerung. An einigen Punkten gelang es Ermäßigungen durchzusetzen, so wurde der Satz für behördliche Aus⸗ fertigungen, Abschriften ꝛc. von 1 Mark auf 50 Pfennige herabgezwungen.
Nach Annahme der Fahrradsteuer(5 Mk. jähr⸗ lich pro Rad!) stimmten unsere Genossen für eine Steuer
auf Luxuswagen und Reitpferde. Gegen die Fahr⸗
radsteuer sprachen die Abgg. Haas und David in aus⸗ führlichster Weise. Jedoch vergeblich! Die Bauernbündler legten wieder ein glänzendes Zeugnis ab von der Be⸗ schränktheit ihres sozialpolitischen Horizontes. Die moderne Entwicklung ist ihnen ein Greuel. Steuerfrei sind nur Gewerbetreibende und Lohnarbeiter, welche das Fahr⸗ rad als Transportmittel zur Arbeitsstelle benutzen, sofern ihr Einkommen jährlich 1500 Mk. nicht erreicht.“
Bei den Einkommen⸗ und Vermögenssteuern hatten unsere Genossen Steigerung der Progression bis zu 6 Prozent verlangt, das wurde aber abgelehnt. Ein Antrag Haas⸗Offenbach bis zu 5,03 Proz. zu gehen fand nach eifriger Befürwortung durch die Genossen Dr. David und Ulrich der sozialdemdkratische Antrag, auch bei der Vermögenssteuer 1 Mk. pro 1000 Mk. von
Vermögen über 300 000 Mk. zu erheben. Die Regierung hatte nur 55 Pfg. verlangt. Der Antrag des Abg.
Reinhardt, der für die drei untersten Steuerstufen (500-900 Mk.) eine bescheidene Steuerermäßigung verlangte und der von sozialdemokratischer Seite energischste Vertretung fand, scheiterte an dem „christlich-sozialen“ Abg. Weidner und seinen Freunden!— Schließlich leistete sich die Mehrheit der Kammer(Nationalliberale und einige Ultramontane) noch den Scherz, für einen von den natl. Abgg. Osann und Friedrich eingebrachten Antrag zu stimmen, wo⸗ nach für unverheiratete großjährige Einkommensteuer⸗ pflichtige der Steuersatz um/ erhöht werden kann. Stimmt die erste Kammer zu, dann erhalten wir also Junggesellensteuer Wir überlassen den National⸗ liberalen neidlos das Verdienst, diese bahnbrechende That vollbracht zu haben.—
Der Gesetzentwurf betr. die Feuerbestattung fand Annahme. Es kann also der Offenbacher Leichenver⸗ brennungsofen in Betrieb genommen werden.
Donnerstagssitzung. In einer großen Geschäfts⸗ ordnungsdebatte wurde dem antisemitischen Abg. Köhler⸗Langsdorf eine sehr mangelhafte Be⸗ teiligung an den Ausschußberatungen vorge⸗ worfen. Der Abg. Köhler⸗Langsdorf zieht sich bei der Zurückweisung dieses Vorwurfes, der von sämt⸗ lichen Aus schuß mitgliedern bestätigt wird, zwei Ordnungsrufe zu.
Partei⸗ Nachrichten.
Versammlungs⸗Kalender. Samstag, den 8. Juli:
Arb.⸗Bild.⸗Verein Gießen. Abends 9 Uhr bei Orbig: Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht über den Kongreß für Volksvorlesungen zu Frankfurt a. M. Ref. Orbig. 2. Bericht der Gewerk⸗ schaftsvorstände, betr. Streikfond. 3. Stellungnahme zur Gewerbegerichtswahl. 4. Verschiedenes.
Letzte Nachrichten.
Berlin, 6. Juli. Das Herrenhaus sprach mit 72 gegen 22 Stimmen sein Ein ver⸗ ständnis mit der Zuchthausvorlage aus. An⸗ tragsteller der Zustimmungs-Erklärung waren 1 Fürst, 17 Grafen, 5 Barone und 13 Herren „von“, also gewöhnliche Junker.
Budapest, 6. Juli. Mehrere Blätter veröffentlichen Belgrader Meldungen über den Ausbruch einer Revolution in Sofia. Sie sprechen von großen Straßenunruhen und der Flucht des Fürsten Ferdinand.
Belgrad, 6. Juli. Ein Buchdrucker schoß auf König Milan(den Vater des jetzigen Königs) viermal, als er aus der Festung fuhr. Dem Adjutanten Lukitsch wurde die Hand durch- schossen, während König Milan nur die Uniform gestreift wurde.
Wien, 6. Juli. Trotz strömenden Regens fand zwischen 7 und 8 Uhr Abends eine De⸗ monstrationsparade von mehr als 12000 Arbeitern auf der Ringstraße, von der Oper bis zur Gartenbaugesellschaft, statt. Die Demon⸗ stranten brachen in Pfui- und Nieder⸗Rufe auf den Antisemiten Lueger als Wahlrechts⸗ räuber aus. Auf der Ringstraße erfolgten 45 Verhaftungen. Auch der Arbeiterführer Dr. Adler, der Herausgeber der„Arbeiter⸗ Zeitung“, Bretschneider, und der verantwortliche Redakteur der„Arbeiter-Zeitung“ wurden ver⸗ haftet. f
Brüssel, 6. Juli. Die vereinigte Kammer⸗ linke veröffentlicht ein Manifest, in dem es heißt:„Bürger! Dank Eurer unbezwingbarer Energie hat die öffentliche Meinung einen glän⸗ zenden Sieg davon getragen. Der schändliche Wahlreform-Entwurf Vandenpeerebooms ist zurückgezogen. Der Versuch eines Staatsstreichs scheiterte elendiglich an der Erhebung des Landes.
Marktbericht.
Grünberg, im Juli. Am Markttage, 1. Juli, wurden auf dem hiesigen Frucht markte folgende Frucht: arten ꝛc. zu den beigesetzten Durchnittspreisen verkauft: 0 Doppel⸗Zentner(à 100 kg) Weizen zu 00,00 M., 11 D.⸗Z. Korn zu 15,80 Mark, 3 D.⸗Z Gerste zu 15,00 Mark, 12 D.⸗Z. Hafer zu 15,12 Mark, 0 D.⸗Z. Erbsen
zu 00,00 Mark, 0 D.⸗Z. Linsen zu 00,00 Mark, 0 D.⸗4„
Samen zu 00.00 Mark, 50 D.⸗Z. Kartoffeln zu 4.66 Mark.
PEPE Tb Unterhaltungs⸗Teil. . Abend.
Von John Henry Mackay.
Auf daß ich morgen Am Platze steh'
Und in den Mühen Nicht untergeh'——
Bis einst ein Abend, Ein letzter, naht— Der schenkt Vollenden Der Lebensthat!
— Wohin, Gedanke, Verlierst du dich d Noch treibt das Leben, Das strenge, mich;
Doch jetzt ist's Abend, Jetzt darf ich ruh'n, Die Hände brauchen Nichts mehr zu thun.
Michael Kohlhaas.
Historische Erzählung von H. von Kleist.
Nun ist es Abend, Nun darf ich ruh'n, Die Hände brauchen Nichts mehr zu thun.
Ich sitze sinnend Vor meinem Haus. Das müde Auge Fliegt weit hinaus.
Doch der Gedanke Fliegt weiter noch, Leicht von sich streifend Des Tages Joch.
Er sucht da draußen Sich neue Gluth, Flößt heimwärts kehrend In's Herz mir Mut.
Vorbemerkung. Warum bringen wir diesmal den Lesern keine„moderne“ Geschichte? Wir antworten mit den Worten eines bekannten Gelehrten:„Die bürger⸗ liche Kunst will von den Leiden der benachteiligten Volksschichten nichts wissen, sie geht solchen häßlichen Stoffen sorgsam aus dem Wege, es giebt ja so viele andere„unverfängliche“ Themen, wozu also zur sozialen Frage schweifen, liegt das Gute doch so nah und ist doch der kleinste Ehebruch so ungleich„menschlich interessanter“ als der schlimmste Rechtsbruch.
Ein schlimmer, ungeheuerlicher Rechtsbruch ist es aber, den Heinrich von Kleist, einer der kraft⸗ vollsten deutschen Schriftsteller(1777— 1811) in seinem „Michael Kohlhaas“ dargestellt hat, einem Werke, das in unserer ganzen Litteratur nicht seines Gleichen findet, Die Grundthatsachen der Erzählung sind durchaus ge⸗ schichtlich beglaubigt und wahr. Doch hat Kleist eine Reihe von Umständen erfunden, durch die der Zu⸗ sammenhang der Erzählung straffer, die Steigerung der Erbitterung in Kohlhaas' Inneren deutlicher und ge⸗ waltiger wird. Namentlich ist es der Tod der Frau, der die Verdüsterung seines Seelenzustandes erklären soll, während in Wirklichkeit seine Frau ihn überlebte und noch nach seiner Hinrichtung, da ihr in Berlin niemand Obdach gewähren durfte, in die äußerste Not kam und tote Zwillinge gebar. Auch ist Kohlhaas selbst nicht enthauptet, sondern der barbarischen Rechtsordnung seiner Zeit entsprechend samt seinem Gesellen Nagelschmied zum Tode gerädert worden.
Und nun noch eine Bemerkung zur Sache selbst. Es ist die alte Geschichte, die auch in unserer Zeit der „himmelschreienden Rechtspflege“, von der jüngst im Reichstage die Rede war, in einer Zeit, wo dem Recht noch gar zu oft eine wächserne Nase gedreht wird, wenn es sich nämlich um das Recht des gewöhnlichen Mannes oder das Unrecht des hochgestellten Herrn handelt—, noch neu und beherzigenswert ist. Wie oft hört man über den„Verbrecher“ so leichtsinnig aburteilen und zur Erklärung seiner Schandthaten seinen„sündhaften Trieb“, seine„angeborene Schlechtigkeit“ und dergleichen anführen! Wie oft aber ist in Wirklichkeit ein durchaus tüchtiger Mensch zum Verbrecher d. h. zum Verüber von Unrecht geworden, weil er selbst anfänglich sein Recht nicht ere halten, sondern bitteres Unrecht erlitten hat! Gerad⸗ die einfachen Leute tragen oft ein sehr starkes und em⸗ pfindliches Rechtsgefühl in der Brust. Wehe der Zeit, die dieses Rechtsbewußtsein des schlichten Mannes gering⸗ schätzt und kränkt! Sie zieht sich ihre großen Verbrecher selbst auf! Und die Selbsthilfe zu der der Mangel an Gerechtigkeit in einem Staate führt, ist menschlich be⸗ greifbar und zu verstehen, so wenig man weitere Ver⸗ brecher, die sich daran anschließen, entschuldigen kann. Aber gar mancher sitzt auch noch heute im Gefängnis und im Zuchthaus, der auf die schiefe Bahn des Ver⸗ brechens nur deshalb geraten ist, weil ihm der Staat und die Gesellschaft in einem ersten Falle das Recht nicht gewährte, das ihm zustand.„Die Gerechtigkeit ist die Grundlage der Staaten“ sagt ein altes lateinisches Sprichwort, d. h. der Staat, der Unrecht duldet, und die Gesellschaft, die Unrecht zufügt, können auf die Dauer nicht bestehen. Red. d. M. S.⸗Ztg.


