Ausgabe 
9.4.1899
 
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Nr. 15.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 5.

hausen am Mittwoch vor Ostern heimgesucht hat, berichte: Das Feuer brach gegen 10 Uhr im Hause des Bäcker Kimpel aus und griff bei dem herr schenden Weststurm mit rasender Schnellig⸗ keit um sich Von Haus zu Haus, von Dach zu Dach sprang die Flamme über, im Nu brannte der ganze anstoßende Häuserkomplex, bald war das Anwesen der Frau Meiski, worin sich die Postagentur besindet, erreicht, dann die Ober⸗ försterei und schließlich stand gleichzeitig der ganze diesseits des den Ort durchfließenden Wassers gelegene Teil des Dorfes in Flammen, eine un⸗ geheure Glut erzeugend und mächtige Rauchwolken gegen Himmel sendend. 23 An wesen mit zu⸗ sammen 60 Gebäuden sind vernichtet worden. Kirche, Pfarrhaus und die beiden Schul⸗ gebäude letztere eine Zeit lang sehr in Ge⸗ fahr, sowie das Schloß und die Hofgebäude sind unversehrt. Die Brandstätte bot heute ein unbegreiflich trauriges Bild dar: überall zer⸗ streute Gegenstände, Möbel, Kleider, Betten, Küchengeräte ꝛc. in wüstem Durcheinander, da⸗ zwischen die Menschen zum Teil in wilder Ver⸗ zweiflung händeringend sich das Haar raufend zum Teil resigniert oder schmerzlich vor sich hin⸗ schluchzend und in die Flammen starrend. Ein Langfinger wurde von Gendarmen abgeführt. Wie das Feuer entstanden ist, konnte vorläufig nicht festgestellt werden. Der Schaden, der viel bedeutender als der bei dem vorjährigen großen Brand in Salzschlirf ist, wird auf etwa/ Million Mark geschätzt. Bierkrieg in Frankfurt.

*Mit den streikenden resp. ausgesperrten Brauereiarbeitern in Frankfurt haben sich die Arbeiter aller Nachbarorte solidarisch erklärt. Auf die Flunkereien der Brauereibesitzer, die für die Arbeiter Durchschnittslöhne von 30 und mehr Markherausgerechnet hatten, während die Braner nur einen Minimallohn von 26 Mk. verlangen, fällt niemand hinein. Es muß jetzt den Frankfurter Ringbrauern, die wohl für sich das Recht der Vereinigung aus⸗ nützen, die Organisationenihrer Arbeiter aber am liebsten vernichtet sähen, Mores gelehrt wer⸗ den. Wer die Frankfurter Brauereiarbeiter in ihrem gerechten Kampfe unterstützen will, der trinke bis zur Beilegung des Konflikts keinen Tropfen Frankfurter Ringbier.

Ein Schildbürgerstreich.

Neuestes Extrablatt! Schauderbare Blutthat!! Schändliche Morithat!!! Ein Arbeitswilliger ersäuft und gerädert!!!! Allerneuestes vom sozialdemokratischen Terrorismus!!!!! Ran mit der Zuchthausvorlage!!!!!!

Die agrarischeDeutsche Tageszeitung, die StummschePost und ähnliche geistesgewaltige Blätter entnehmen derDeutschen Zeitung des in Antisemitismus machenden Friedrich Lange in strampelndem Entzücken folgendes schaurig⸗ schöne Material zur Zuchthausvorlage:

Einen unglaublichen Vorfall berichtet das Liebenw. Kreisbl. aus Doms dorf(). Danach unternahmen drei etwa 16 jährige Burschen aus Schilda(1) eine ruchlose That an dem gleichaltrigen K. deshalb, weil dieser ihrem Verlangen, die Arbeit auf Grube Luise zu kündigen, nicht nachkam. Zuerst versuchten sie ihr Opfer im sogen. Fluther(ö) zu ertränken. Als dies nicht gelang, fesselten sie ihm die Hände und Füße und warfen ihn auf die Schienen der Doms⸗ dorf⸗Beutersitzer(1) Grubenbahn. Wäre es dem K. nicht möglich geworden, sich unter furchtbaren Anftrengungen zu befreien, und hätte der Kohlenzug nicht Verspätung gehabt, so wäre der Aermste unrettbar ver⸗ loren gewesen. Man sieht, wie die Lehre der Sozialdemokratie bei den jüngsten ihrer Anhänger Schule macht.

Der Haß gegen die Sozialdemokratie hat die Scharfmacher blind gemacht. Auf die faulsten Witze fallen sie hinein. Die Meldung über den Arbeiter⸗Terrorismus kommt aus Doms dorf. Wie dumm! Die 16 jährigen Burschen sind aus Schilda, der Heimat der weltberühmten Schildbürger. Und in einem Fluther wollten sie den Aermsten ertränken. Ein Fluther ist ein

hölzernes Gefäß, in dem keine Maus ertrinken kann. So ist selten eine Zeitung hineingefallen, wie die oben angeführte. Aus den Kriegervereinen.

Gegenüber den Bestrebungen der Rückwärtser, freiheitsfeindliche Parteipolitik in die Kriegerver⸗ eine hineinzutragen, ist folgendes Schreiben von Interesse, das ein alter Krieger in Mühlheim a. Rh., dem im Sturm auf St. Privat die rechte Hand zerschossen wurde, in den Zeitungen veröffentlicht. Es heißt darin:Viele unserer Kriegervereine bestehen ja gar nicht aus Kriegern, oder doch höchstens zu einem Drittel. Junges Strebertum drängt sich in die Kriegervereine, um durch einen gewissen Hurrah⸗ patriotismus bei den Behörden zu Gunst und zu Ansehen zu kommen. Seit der neue Orden die Zentenar⸗Medaille in Massen verteilt worden ist, glaubt jeder Reservist und Landwehr⸗ mann, der in dem Schmucke dieses Ordens strahlt und strebt, sich uns Veteranen gleichberechtigt. Junge Bur schen, die eben alt genug sind, um Hurrah zu schreien, führen in den Kriegervereinen das große Wort. Wir wirklichen alten Krieger haben genug an unseren Narben und Wunden. Wir bedürfen des Hurrahschreiens nicht, um unsere Vaterlandsliebe zu bekunden. Uns ekelts, wenn wir, die wir freiheitlich denken und fühlen, von Kriegervereinswegen bei den Wahlen mißbraucht werden, um konservative Wahl:nmache im großen Stile zu treiben.

Heimkehr derBulgaria.

DieBulgaria ist am 1. April vormittags halb 10 Uhr in Hamburg angekommen. Die Hamburg⸗Amerika⸗Gesellschaft hat einen wirksamen Begrüßungsakt inszeniert. Eine ganze Reihe fest⸗ lich beflaggter Dampfer zogen dem Schiff bis Blankenese entgegen, stiegen dann auf dieBul⸗ garia über, dort gab es diverse Festreden, dann Verteilung von Orden und Geldgeschenken, unter anderen erhielt Kapitän Schmidt 15000 Mk.; dann erfolgte die Fahrt zur St. Pauli⸗Landungs⸗ brücke, wo sich eine große Volksmenge angesammelt hatte. Um 1 Uhr wurde dann die Bemannung ins Rathaus und in die Börse geführt, um dort die offizielle Begrüßung über sich ergehen zu lassen. Die braven Seeleute wurden mit Recht als Helden gefeiert, sie haben das Aeußerste ge⸗ leistet. Wie aber, wenn es ihnen nicht gelungen wäre, das Schiff zu retten? Wenn sie versunken wären in das Wellengrab, gleich Tausenden ihrer Kollegen? Dann wären die Frauen und Kinder dieser Leute, die man jetzt als Helden feiert, dem Elend preisgegeben gewesen. Denn die Seemanns⸗ witwe wird nicht genügend unterstützt. Hier ein⸗ zusetzen und gründlich Wandel zu schaffen, ist besser als ein einmaliger Festjubel in solchen Fällen wie der vorliegende.

Auch vaterlandslose Gesellen?

* Eine Handelskorrespondenz derFrankf. Ztg. vom Niederrhein lautet trocken:

Nachdem in der Eisenindustrie zahl⸗ reiche Verbände gebildet worden sind, geht man an den weiteren Ausbau. Aus dem Halbzeug⸗ verbande ist ein Halbzeug⸗ und ein Träger⸗ syndikat entstanden und das Trägersyndikat hat durch die süddeutsche Verkaufsstelle ein Kartell mit Frankreich über die Be⸗ handlung der gemeinschaftlichen Absatzgebiete, insbesondere der Schweiz, abgeschlossen. Die Verbände in der Drahtindustrie ver⸗ handeln zur Zeit in London gemeinsam mit Industriellen des Aulandes; die Ein⸗ ladung zu dieser Konferenz ist, wie ich erfahre, von Amerika ausgegangen. Die Fabrikanten von Emailwaren suchen eine euro⸗ päische Vereinigung zu schaffen, worüber die Verhandlungen sich im ersten Stadium befinden. Die Schienenvereinigung ver⸗ ständigt sich bekanntlich mit dem Auslande über die Aufträge auf dem Weltmarkt von Fall zu Fall.

So vereinigen sich die Kapitalisten inter⸗ national, um den Konsumenten bequemer und erfolgreicher das Fell über die Ohren ziehen zu können. Trotzdem sind diese Leute natürlich gute Patrioten, die bei jeder Gelegenheit über die

vaterlandslose, internationale Sozialdemokratie losdonnern. Kein Mensch zweifelt an dem Pa⸗ triotismus des Herrn Krupp, der seine Mord⸗ werkzeuge an Deutsche und Franzosen, Engländer und Amerikaner, Russen und Italiener, Spanier und Türken, Ungarn und Rumänen, und Gott weiß an wen noch alle verkauft. Aber wenn die Arbeiter, die von dem internationalen Kapital in allen Ländern mit kapitalistischer Produktionsweise gleichermaßen ausgebeutet wer⸗ den, sich nun auch international zu organisieren versuchen, dem internationalen Geldsack die inter⸗ nationale Proletariersolidarität gegenüberstellen wollen, dann wird über vaterlandslose Gesellen geschimpft und nach Ausnahmegesetzen gerufen, Sei's denn. Die Proletarier aller Länder rüsten bereits zur zehnten Maifeier. Unser wird der Sieg sein trotz alledem. Arbeiterbewegung.

* Auf der vierten Generalversammlung des Deutschen Metallarbeiterverbandes stimmten bei namentlicher Abstimmung 108 für, 29 gegen die Einführung der Arbeitslosen⸗ unterstützung. Das ist ein sehr erfreulicher Beschluß. Zwar wird der Metallarbeiterverband nunmehr seine Beiträge erhöhen müssen, aber er kann auch seinen Mitgliedern weit mehr bieten als seither. Das sollte sich jeder Metallarbeiter, überhaupt jeder Arbeiter sagen: die Beiträge, die du dem Verband vorenthältst, mußt du doppelt und dreifach an den Unternehmer zahlen.

Partei⸗Nachrichten.

Versammlungs⸗Kalender. Dienstag, den 11. April: Gewerkschaftskartell abends 9 Uhr bei Orbig. Sonntag, den 16. April:

Maler und Weißbinder von Gießen und Umg. nachmittags 1 Uhr bei Orbig.

Alsfeld. Eingegangen beim Mk. 4.20(Versteigerung).

Zur Feier des 1. Mai.

Es ist dringend notwendig, daß sich die Genossen derjenigen Orte im 1. hessischen Wahlkreise, welche eine Maifeier veranstalten wollen und einen Redner bean⸗ spruchen, sofort an Gen. Bock, Gießen, Dammstraße wenden.

Vertrauensmann

Briefkasten der Expedition.

Quittungen. B. Hbch. 4.. Kl. Rdgn. 8.. H. Schm. 26.40. Al. Schpf. 2.40. Lcht. Gbg. 11.60. Shs. G. 27.. P. Bchner. 1.90. B. Dbg. 4.40. B. Btzbg. 4.. K. H..40. H. H. 3.60. B. Ggn. 1.80. K. Nfstd. 6.60. Th. R. 4.. M. Kbch. 6.80.

H. Mbg. 1.. A. Wmr. 3.. 3. Sch. 2.40. Sg. Weck. 27.60. Sch. Wmstr. 7.80. Pf. Wbn. 5.60. Bch. Sch. 1.. St. G..75. D. Abck. 9.80. S. Hchhm. 2.. Sg. Hchst. 2.. Gge. Hbgn. 8.. Br. Mbg. 78.40. Th. Rdth. 1.20. Schw. Ggn. 1.80. R. G. 1.20. P. Ab. 14.. L. Dthfr. 3.40. Wbch. Rdgn. 4.. Kr. G. 10.. M. G. 57.50. Kl. Wbg. 2.

Rbtz. Eschw. 10..

Ce ate Nachrichten.

Der bayerische Bauernbund dürfte vor dem Zusammenbruch stehen. Der Führer des⸗ selben, Wieland, hat seinen Posten nieder⸗ gelegt. Der bayerische Bauernbund, der sich von der Führung der katholischen Geistlichkeit frei zu machen suchte und gegen das Zentrum heftig an⸗ kämpfte, hatte von Anfang an mit den Eifer⸗ süchteleien unter den Führer zu leiden.

Der Parteitag der Sozialdemokraten Sachseus hat mit 58 gegen 21 Stimmen den Beschluß gefaßt, sich an den Landtagswahlen zu beteiligen. Die Abonnentenzahl der sächsischen Parteipresse ist binnen Jahresfrist von 57 000 auf 72 000 gestiegen.

Der württembergische Parteitag war von 238 Delegierten besucht. Es wurde be⸗ schlossen, ein Wochenblatt für die ländliche Be⸗ völkerung zu begründen. eee e

2 Wir machen nusere Leser an dieser Stelle auf die unserer heutigen Auflage bei⸗ liegende Preisliste der Kölner Konsum⸗Anstalt (C. F. Hackenberg) besonders aufmerksam.

Die Expedition.