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Seite 4.
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Nr. 15.
Ton Nah und Fern.
Nittetilungen aus unserem Leserkreise find jederzeit willkommen
Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenbaftigke“t
bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten, ale zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben.
Gautag der Buchdrucker.
x. Eine Gauversammlung der Buchdrucker des Gaues Frankfurt⸗Hessen tagte in Gießen an den beiden Ostertagen im Café Cbel. Bum Gau gehören die Bezirke Frankfurt, Offen⸗ bach, Cassel, Gießen und Marburg. Anwesend waren insgesamt 30 Delegierte und der Gau⸗ vorstand. Laut dem Rechenschaftsbericht belief sich die Zahl der Mitglieder am Schluß des Jahres 1898 auf 973, hat gegenwärtig aber die Zahl 1000 überschritten. Die Gesamtorgani⸗ sation, Verband der deutschen Buchdrucker, zählt jetzt über 25000 Mitglieder. An Arbeitslose wurden im Gau während des Jahres 1898 7882 Mk. ausgezahlt; 15 Invaliden erhielten 5175 Mk. Unterstützung. An kranke Mitglieder wurde ein Zuschuß geleistet von 14870 Mk.; 45 Mitglieder die gemaßregelt waren, erhielten für 525 Tage Arbeitslosigkeit zusammen 1104 Mk. In 60 Druckorten haben 200 Firmen den zwischen Arbeitern und Arbeitgebern gemeinsam ausgearbeiteten Lohntarif anerkannt. Davon befinden sich 5 Firmen mit 45 Gehilfen in Gießen, 7 Firmen mit 41 Gehilfen in Marburg, je 1 Firma in Alsfeld, Lauterbach, Nidda, Schotten und Nauheim. Als Delegierter des Gaues zu dem in Frankfurt stattfindenden Ge⸗ werkschastskongreß wurde K. Dominé Frankfurt gewählt. Ein vom Bezirksverein Cassel gestellter Antrag, eine Witwen- und Waisenkasse zu er⸗ richten, wurde mit 20 gegen 10 Stimmen ab⸗ gelehnt. Der nächste Gautag findet Ostern 1902 in Offenbach a. M. statt.— Am Abend des 1. Feiertags hatten die Gießener Buchdrucker, soweit sie dem Verband der deutschen Buchdrucker angehören, zu Ehren der auswärtigen Delegier⸗ ten im Café Leib eine Abendunterhaltung arran⸗ giert, zu der die Vorstands mitglieder aller Gießener Gewerkschaftsorganisationen eingeladen waren und die den schönsten Verlauf nahm. Die prächtigen Liedervorträge des Bauerschen Gesangvereins, der in zuvorkommendster Weise seine Mitwirkung zugesagt hatte, wurden lebhaft applaudiert. Für das Arrangement der schönen Feier dankte im Namen der auswärtigen Gäste Kollege Dorschu⸗Frankfurt, in dessen zum Schluß ausgebrachtes Hoch auf den Buchdrucker verband begeistert eingestimmt wurde.
* Die Maler und Weißbinder von Gießen und Umgegend werden am Sonntag, den 16. April im Orbigschen Lokale eine Ver⸗ sammlung abhalten, auf die auch an dieser Stelle mit dem Hinweis aufmerksam gemacht wird, daß es Pflicht aller Angehörigen der genannten Berufe ist, zu erscheinen.(Näheres siehe Inserat.)
Diebstahl im Volksbad.
* Am vorigen Samstag abend wurden im Gießener Volksbad einem Badenden aus seinem Portemonnaie 25 Mk. gestohlen. Derselbe hatte 5 Portemonnaie in das verschließbare Kästchen
er Zelle gelegt und den Schlüssel in seine Westentasche gesteckt, hatte aber beim Verlassen des Bades vergessen, sein Portemonnaie aus dem Kästchen an sich zu nehmen. Als er zurückging, um das Portemonnaie zu holen, fand er das Kästchen verschlossen, auch das Portemonnaie noch in demselben, jedoch fehlten 25 Mk. des Inhalts. Gelegentlich der polizeilichen Untersuchung stellte sich heraus, daß sämtliche verschließbare Kästchen gleiches Schloß und gleiche Schlüssel haben und somit gar keine Sicherheit bieten.
Flottenverein für Hessen.
Das Großherzogtum Hessen wird demnächst mit einem über das ganze Land sich erstreckenden Flotten⸗ verein beglückt werden. Um einem„dringenden Be⸗ dürfnis“ zu entsprechen, wird natürlich auch Gießen einen Zweigverein bekommen. Wir verdenken es keinem Menschen, wenn er sich aus heller Begeisterung für die Marine und die Kolonialpolitik einem Flottenverein anschließt, weniger schön aber finden wir es, wenn man Mitglieder zu werben sucht in abhängigen Arbeiter⸗ und Unterbeamtenkreisen. Das ist aber schon vor einigen Wochen bei oberhessischen Eisenbahn— bediensteten geschehen. Es ist den Leuten nahe gelegt worden, ihren Beitritt zu dem„patriotischen“
Verein zu erklären, sie könnten das um so leichter, als der jährliche Mindestbetrag nur 50 Pfennig betrage. Welcher Arbeiter oder Unterbeamte wird derartigem Lockruf widerstehen, wenn er von einem„über“ ihm rangierenden Herrn ausgeht? So wie dereinst die Ottopfennige sür Bismarck aus den Kreisen der unteren Beamten herausgeholt wurden, so sollen wahr— scheinlich jetzt für den Wasserpatriotismus die„An— hänger“ aus denselben Kreisen„gewonnen“ werden. Um jedoch auch weitere Kreise für die Flottenvereine resp. die deutsche Marine, von der viele Menschen sich recht merkwürdige Vorstellungen machen, zu begeistern, soll, wie wir zuverlässig vernehmen, demnächst die Schwarzlach eine kleine Torpedoflottille erhalten.— Im nationalliberalen Verein ist auch schon die Frage erörtert, ob nicht die Wieseck schiffbar gemacht und ein Kanal von der Schwarzlach östlich nach der Wieseck, westlich nach der Lahn hergestellt werden könne. Auf diese Art könnten Kriegsdampfer- Rundfahrten eingerichtet werden Schwarzlach— Kanal— Wieseck— Lahn(stromauf)—-Kanal— Schwarzlach. Ein bekannter nationalliberaler„Civis“ in Gießen, der noch nach einigen Posten„strebt“, soll sich bereit erklärt haben, seine ganze freie Zeit der Verwirklichung des patrio— tischen Wasserprojekts zu widmen und später das Amt als Chef der Admiralität der Schwarzlach-Flotte zu übernehmen. Hipp— Hipp Hurra. Ein Anerscher Witz.
* Das Gießener Aemterorgan druckt folgende Notiz nach:
Ein außerordentlicher Parteitag der sozialdemo⸗ kratischen Partei für Westfalen ist in Hagen abge⸗ halten worden, der sich hauptsächlich mit den Dort⸗ munder Genossen und den bekannten Zwistigkeiten beschäftigte. Eine Resolution, in welcher das Ver— halten der Dortmunder scharf getadelt wird, wurde angenommen. Ueber Dr. Lütgenau äußerte sich Reichstagsabgeordneter Auer in folgender, kennzeich—⸗ nender Weise:„Er(Auer) sei nicht für die Prügel⸗ strafe, aber er würde nichts dagegen haben, wenn einer dem Lütgenau ein Dutzend aufzähle.“ Echt sozialdemokratisch! Wer eine andere Meinung zu haben wagt, als die Parteihäuptlinge, wird— „verhauen“.
Wird verhauen! O, diese Spießer, die auch nicht das geringste Verständnis für einen ge⸗ diegenen Witz haben. Jedem Menschen, der sich auch nur oberflächlich mit Politik beschäftigt, ist bekannt, daß Auer einer der witzigsten Reichs⸗ tagsredner ist. Schade, daß Auer schon die „gekränkten Leberwürste“ erfunden hat, sonst müßte er sie jetzt nach dem Entrüstungsartikel des„Gieß. Anz.“ unbedingt erfinden. Wie stehts nun mit dem Hagener Witz Auers? Lütgenau hat bekanntlich s. Z. den dummen Streich gemacht, die Prügelstrafe unter gewissen Umständen für ein zweckmäßiges Strafmittel zu erklären. Nun sind durch die Quertreibereien Lütgenaus allerlei Krakehlereien in Parteikreisen entstanden, zu deren Beilegung Auer nach Hagen fuhr. Dort spricht er mit gar nicht mißzuver⸗ stehender Anspielung auf den Lütgenauschen Prügel⸗ artikel:„Ich bin nicht für die Prügelstrafe, aber u. s. w.“ Ein famoser Witz, der in der ganzen Partei belacht wird, über den aber in der Schulstraße blutige Thränen vergossen werden. Jawohl, blutige Thränen.
Und Minz und Maunz die Kleinen, Die sitzen da und weinen;
Miau! Mio! Miau! Mio!
Und ihre Thränen fließen
Wies Bächlein auf den Wiesen.
Aus Klein⸗Linden.
B. Kurz vor Ostern erschien im„Gießener Anzeiger“ ein Eingesandt, in dem aufgefordert wurde, Klein⸗Linden zu meiden, weil„Spazier⸗ gänger und Wageninsassen“ von der Dorfjugend belästigt worden wären. Steinwürfe, Scheumachen der Pferde ꝛc. wären dort an der Tagesordnung. Angenommen es hätten wirklich einige ungezogene Buben— deren giebt es auch anderswo— mit Steinen geworfen, so blieb doch noch zu unter⸗ suchen, ob nicht die Wageninsassen zuerst sich mit den Buben eingelassen und dieselben, gestützt auf„höhere Bildung“, durch Bemerkungen, wie sie sich„vornehme“ Leute auf den Dörfern gern leisten, zum Steinwerfen gereizt haben. Was sich„gebildete“ Leute, die mit ihrem Besuch die Dörfer„beehren“, häufig erlauben, ist geradezu unglaublich. Es dürfte kaum ein Dorf in der Nähe von Gießen geben, in dem nicht schon die größten Ungezogenheiten seitens„gebildeter“ Städter vorgekommen wären. Wollte man nun z. B. alle Gießener oder doch alle dor⸗ tigen Studenten verurteilen, weil einige „böse Buben“ unter ihnen fich hier und da flegelhaft benommen haben, so würden das die⸗
*—. 2—„— 0 jenigen, die sich frei von Schuld wissen, energisch das
zurückweisen. Der„Gieß. Anz.“ aber, amtliche Organ, scheut sich nicht im geringsten, eine Zuschrift zu veröffentlichen, in der verlangt
wird, Klein⸗Linden zu meiden, also die dortigen Geschäftsleute auf das schlimmste 3
schädigen. Welchen geringen Einfluß der„Gieß.
Anz.“ auf seine Leser hat, ging daraus hervor, daß der Besuch unseres Ortes zu Ostern größer denn je war. Was im„Gieß. Anz.“ nicht als „amtlich“ gekennzeichnet ist, wird nicht ernst genommen seit den berühmten Nachrichten über
den Kaiserempfang in Konstantinopel.
Aus Alsfeld. a d. Eine Parteiversammlung findet Sonntag,
den 16. April, mittags 12 Uhr, in Alsfeld
bei Gastwirt Kemmer statt. Aus dem Inserat
in heutiger Nummer ist zu ersehen, daß es sich Es wird
um wichtige Angelegenheiten handelt. ganz besonders darum ersucht, daß aus den ver⸗
schiedenen Ortschaften die Genossen Vertreter ent⸗ Das gilt namentlich auch für Schotten. In unserem Kreise ist rührige Agitation not⸗
senden.
wendig, deshalb ist es Pflicht aller Parteigenossen, nach besten Kräften mitzuhelfen. Alsfeld am 16. April!
Der hessische Landtag wird am 18 April wieder zusammentreten. Auf der Tagesordnung stehen unter anderm folgende Punkte:
1. Vorstellung des Militär⸗Kriegs⸗ und Friedens⸗Invaliden⸗ Bezirksverbandes, die Pen⸗ sionsbezüge von Militär- Invaliden betreffend. (Berichterstatter Abg. Christ.)
2. Initiativ⸗Antrag von 12 Abgeordneten, das Beerdigungswesen in Rheinhessen betreffend. (Berichterstatter Abg. Dr. David.)
3. Antrag des Abgeordneten Ulrich, die Errichtung eines Landgerichts in Offenbach be⸗ treffend.(Berichterstatter Dr. Frenay.)
4. Antrag des Abgeordneten Schmitt und Genossen, die Kosten beim Eigentum s⸗ wechsel von Grundstücken betreffend.(Be⸗ richterstatter Abg. Metz.)
5. Vorstellung seitens der Gemeinden Ran⸗ stadt, Dauernheim, Ober⸗ und Nieder⸗Mockstadt, Staden, Stammheim ꝛc., die Erbauung einer Nebenbahn von Ranstadt nach Friedberg betreffend. (Berichterstatter Abg. Köhler⸗Darmstadt.)
Eine Submissionsblüte!
Bei der Vergebung der Erdarbeiten zum Kasernenbau in Torgau wurde für die Bewegung von 35 000 Kubikmeter Erdreich das Höch st⸗ gebot mit 57 750 Mk. und das Min dest gebot mit 11500 Mk. abgegeben.— Da schweigen alle Flöten!
Der raffinierte Zuckergraf.
*Die„Leipz. Volkszig.“ hat in ihrer Nummer vom 1. April(ö) folgendes famose Telegramm veröffentlicht:
Rom, 1. April. Seine Heiligkeit der Papft hat den nationalliberalen Abgeordneten Paasche wegen der berühmten Reichstags⸗ rede über die alleinseligmachende Kirche zum päpstlichen Grafen ernannt. Er führt fortan den Titel: Conte de Zucchero raffi- nado(auf deutsch: raffinierter Zuckergraf).
Unsere zahlreichen Marburger Leser werden dem zuckergräflichen Reitkünstler, der im Neben⸗ amt Professor der Nationalökonomie war, den neuen Titel von Herzen gönnen.
Gewerkschaftskongresse.
* Auch in der diesjährigen Osterwoche haben wieder zahlreiche Gewerschaften ihre Jahresver⸗ sammlungen abgehalten. Es tagten die Metall⸗ arbeiter und die Berg⸗ und Hüttenarbeiter in Halle, die Lederarbeiter in Halberstadt, die Handels⸗, Transport⸗ und Verkehrsarbeiter in Leipzig, die Pfefferküchler in Apolda und die in Holz⸗ bearbeitungs⸗Fabriken beschäftigten Arbeiter in Hamburg. Der letztgenannte Kongreß faßte den lobenswerten Beschluß, die Sonderorganisation aufzulösen und am 1. Juli 1899 die seitherige Mitglieder dem Holzarbeiterverband anzugliedern.
Brandunglück in Stockhausen.
* Aus Lauterbach in Oberhessen wird über ein furchtbares Brandunglück, das Stock⸗
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