Ausgabe 
8.10.1899
 
Einzelbild herunterladen

prall etlich ihren aphien 1 und Wir

kraft,

richtet Tage e 17. da b mit e und und d Hach keinen leinig⸗ wendet, ehlerei blatz ls ge⸗ Der seinem jädchen einem feine ringen ls zu dnerin ignis, Nach Amts⸗ schaft kdingte

e.

Anzahl n bor glücks⸗ blau- en, da Cs kum lei zur nichts eld tot d eines t, daß bol 0 braut alter erdienel ach als 30 wilb eitendel

ht regel tung zl alte ol! oosoll ge l vielel. frallel,

ttrunkel Halde hell des igel die me u ib 0 1 Untel⸗ Fiel aus den lig 0 1 0 1 l a d

1 U nic geo

0 9

5 1

ee. 41.

Mitteldeutsche Tonntags-⸗Zeitung.

Seite 5.

Die ehrsame Metzgersfrau.

In München stand die Metzgersgattin Sauter vor Gericht, eine 44jährige Frau, die mit un⸗ zähligen Mannsleuten Liebesabenteuer hatte und ihren Mann, ihre Kinder, und sonstige Familienangehörige, zusammen 9 Personen, um's Leben bringen wollte, um ihren Liebes abenteuern besser nachgehen zu können. Ihr Plan wurde entdeckt und die Frau verhaftet. Die Geschworenen haben die Frau freigesprochen, da sie unter dem unheilvollen Einfluß einer Kartenschlägerin gestanden habe.

Kleine Mitteilungen.

* Gießen. Um Dreyfus sind im hiesigen Clublokal die Landgerichtsräte Seeger und Kullmann uneinig geworden, so daß dem nächst vor dem Schöffengericht die Sache zur Sprache kommt.

Die Abendunterhaltung, welche der Ge sangverein Eintracht am vorigen Samstag abhielt, nahm einen sehr schönen Verlauf. Die zum Vortrag gebrachten Lieder fanden ebenso lebhaften Beifall, wie das zur Aufführung ge langte Theaterstück:Um schnöden Mammon. Das Fest war außerordentlich gut besucht.

a. Gießener Stadttheater. Die Direk⸗ toren Kruse und Helm haben die Saison in recht glücklicher Weise eröffnet. Am Sonntag wurdeModame Sans Genc gespielt, am Dienstag der oberverrückte SchwankDer Schlaf wagenkontrolleur und am Mittwoch Abend wurde Goethe gehuldigt. Zur Nachfeier seines 150. Geburtstags gingEgmont in Scene. Ein von Alfred Bock, der sich neben seiner prosaischen Beschäftigung als Cigarrenfabrikant auch litterarisch bethätigt, verfaßter Prolog wurde von Frl. Agnes Hammer in vollendeter Weise zu Gehör gebracht. Ein abschließendes Urteil über die Leistungsfähigkeit des neuenga⸗ girten Personals läßt sich noch nicht abgeben. Freudig begrüßt haben wir die wieder enga gierten Kräfte des Theaters, die Herren Walter und Wilhelmi. Von den neuen Kräften scheinen die Damen Hammer und Haußig die besten Aquisitionen zu sein. Die letztge nannte Künstlerin war als Klärchen in Goethes Egmont wirklich vorzüglich. Wie wir er fahren, findet die erste Volksvorstellung Mittwoch, den 11. Oktober statt. Gespielt wird SchillersDon Karlos.

Heuchelheim. Die Cigarrenfabriken von Busch u. Mylius in Heuchelheim und Wald girmes sind am 1. Oktober in den Besitz der hiesigen Firma Rinn u. Cloos übergegangen.

Rödgen. Seit dem 23. September ist der Tagelöhner Höres von hier spurlos verschwunden.

Mord. In dem tschechischen Orte Pol na wurde ein heruntergekommener Jude namens Hilsner zum Tode verurteilt, weil er ein Mädchen ermordet haben soll. Die Antisemiten schlachten die scheußliche That des arbeitsscheuen und den schlechtesten Ruf genießenden Hilsner aus, indem sie von einem Mord zu religiösen Zwecken(Ritualmord) reden.(Durch ein Ver⸗ sehen in der Druckerei ist diese Notiz seither zurückgeblieben).

Der in Haft befindliche Hilsner hatge stauden, daß er Mitschuldige gehabt hätte. Er hat diesesGeständnis gemacht in der furchtbarsten Angst, hingerichtet zu werden. Ein Mitgefangener hatte ihm nämlich gesagt, auf dem Gefängnishofe werde schon der Galgen für ihn errichtet. Hilsner beschuldigte, wahr scheiulich um Zeit zu gewinnen, zwei Juden der Mitschuld. Beide wurden sofort verhaftet, mußten aber wieder frei gelassen werden, da sie ihre Unschuld sofort klipp und klar nachweisen konnten. Es sei hier erwähnt, daß Hilsner von den unter dem Einfluß der erregten und von Antisemiten aufgehetzten Volksmassen stehen⸗ den Geschworenen schuldig gesprochen wurde, ohne daß auch nur ein einziger wirklich zu⸗ verläsffger Beweis erbracht worden wäre. Es liegt die Möglichkeit vor, daß ein anderer die Mordthat beging. So hat z. B. der Pfarrer des Ortes, doch gewiß ein glaub würdiger Zeuge, bekundet, daß er in der Nähe des Mordplatzes im Waldeeinen fremden, wildaussehenden Mann zur Zeit des Mordes

gesehen hat. Es ist dringend zu wünschen, daß die vollständige Wahrheit an's Licht kommt.

Ansteckung im Schwimmbassin. In einer Berliner Badeanstalt haben sich zahlreiche Personen eine gefährliche Augenkrankheit geholt. Dr. Schultz berichtet darüber in derBerl.

Klin. Wochenschrift. Es wurde angeordnet, daß Augenkranke nicht mehr in das Schwimm bassin dürfen. Ein anderer Arzt macht im Vorwärts darauf aufmerksam, daß es in manchen Bade⸗-Anstalten, ebenso wie in manchen Hotels und Restaurants üblich sei, die Wäsche dort die Badewäsche, hier die Bettwäsche, Handtücher Servietten ꝛc., soweit solche nicht sichtbare Spuren der Verunreinigung durch den Gebrauch aufweisen, nicht vollständig neu zu waschen, sondern einfach zu befeuchten und frich zu rollen. Daß hierbei Ansteckungs⸗ keime, welche z. B. beim Abtrocknen leicht an die Wäsche geraten, nicht sicher entfernt oder vernichtet werden, sei klar. Deshalb sollte die Sanitätspolizei ihr Augenmerk auf diese Dinge richten, und es wäre zu fordern, daß die Wäsche nach jedesmaligem Gebrauch nicht nur gehörig gewaschen, sondern womöglich auch durch Dampfsterilisatoren von allen etwa ihr an haftenden Ansteckungsstoffen sicher besreit würde.

Arbeiterbewegung.

Die vereinigten Gewerkschaften in nn e⸗ mark bezeigen den deutschen Arbeitern nach dem errungenen Siege ihren Dank. Der Redak- tion unseres Blattes(und wie wir aus der Parteipresse erfahren, auch den übrigen Patei blättern) ist in Form einer großen Ansichts⸗ postkarte eine hübsch ausgestatte Photolitographie, darstellend das KopenhagenerFolkets-Hus (Volkshaus) zugegangen. Unter der Abbildung des Versammlungslokales der Arbeiter befinden sich in roter Schrift und in dänischer Sprache folgende Worte:

Kopenhagen im September 1899. Unsern Mitkämpfern im Auslande!

Der Friedensschluß ist aufrecht erhalten! Dank für Euere Mitwirkung unter der Aus⸗ sperrung.

Für die vereinigten Gewerkschaften in Dänemark: ue;

Achtung, Fabrikarbeiterinnen!

* Die deutschen Gewerbeinspektoren sind an gewiesen worden, an die Fabrikanten eine An zahl Fragen zu richten, die sich auf die in Fabriken beschäftigten verheirateten Arbeiterinnen beziehen. So werden die Fabrikanten gefragt, wieviel verheiratete Arbeiterinnen sie beschäftigen, wie lange die tägliche Arbeitszeit dauert, wieviel die Arbeiterinnen wöchentlich verdienen, warum die Frau, falls der Mann noch lebt, in der Fabrik arbeitet, und ob die Fabrikanten in der Lage sind, ihren Bedarf an Arbeitskräften doch decken zu können, wenn e'wa die Fabrikarbeit für verheiratete Frauen gänzlich verboten oder eingeschränkt würde.

Selbstverständlich würden die Antworten sehr einseitig ausfallen, wenn nur die Fabrikanten gefragt werden. Das soll in Hessen nicht ge schehen. Die hessischen Gewerbeinspektoren wollen nicht nur die Fabrikanten fragen, sondern auch die verheirateten Arbeiterinnen selbst.

Den letzteren gehen demnächst Fragebogen zu, um deren gewissenhafte Ausfüllung sie auch von uns dringend gebeten werden. Keine Arbeiterin braucht zu befürchten, daß ihre Angabeu irgendwie nachteilig für sie werden könnten. Die Gewerbe inspektoren und deren Assüstentinnen sind in jeder Beziehung un abhängige Beamte, deren Auf gabe darin besteht, streug darauf zu achten, daß die zum Schutze von Gesundheit und Leben der Arbeiter und Arbeiterinnen geschaffenen Bestimm ungen von den Unternehmern streng beobachtet werden. Im Uebrigen sollen sie die erforderlichen Grundlagen schaffen für neue gesetzliche Be stimmungen im Interesse der Arbeiter.

Dem letzteren Zwecke dient auch die neue Um frage. Es liegt also im eigensten Interesse der Arbeiterinnen, alle vorgelegten Fragen genau zu beantworten. Besonders möchten wir auf die Frage 7 hinweisen. Dieselbe lautet:

Bekommen Sie für gleiche Arbeit den selben Accordlohn, als wenn ein Mann die Arbeit machen würde?

Leider fehlt die weitere Frage, ob für dieselbe Arbeit auch der gleiche Stundenlohn gezahlt wird. Die Arbeiterinnen können diesen Fehler durch ihre Antworten wieder gut machen.

Nehmen wir folgende Beispiele an: 1. In der Cigarrenfabrik von Peter Tabakstengel wird nur in Accord gearbeitet; für 100 Wickel giebt es 25 Pfg., einerlei ob die Wickel von einer Frau oder einem Mann gemacht werden. In diesem Falle müßte also die Arbeiterin die Frage 7 mit Ja beautworten.

Nehmen wir aber weiter an: 2. In der Ci garrenfabrik von August Deckblatt wird teilweise in Accord, teilweise in Tagelohn gearbeitet. Die Accordsätze sind für dieselbe Arbeit die gleichen bei Männern und Frauen. Aber im Tagelohn wird den Männern pro Stunde 20 Pfg., den Frauen nur 12 Pfg. gezahlt, obgleich beide dieselben Arbeiten zu verrichten haben und auch darauf gesehen wird, daß die Frauen nicht weniger als die Männer schaffen.

In diesem Falle müßte die Frage 7 etwa so beantwortet werden:

Jawohl! Accord sätze sind gleich. Aber der Stundenlohn ist bei den Männern höher, obwohl ich dasselbe leisten muß, wie sie.

Die männlichen Arbeiter mögen ihren Colle ginnen bei der Ausfüllung der Fragebogen zur Hand gehen. Es ist nuch für sie vom allergrößten Interesse, daß alle vorgelegten Fragen ge wissenhaft beantwortet werden.

(Wir bemerken noch ausdrücklich, daß zu jedem Fragebogen ein Couvert geliefert wird, das die Arbeiterinnen mit dem beantworteten Bogen unfrankiert in den Briefkasten stecken mögen.)

Partei⸗ Nachrichten.

Versammlungs⸗Kalender. Samstag, 14. Oktober: Gießener Wahlverein Abends 9 Uhr bei Orbig. T.⸗Ordn.: Politische Monatsschau. Ref.: Gen. Beckmann. Quittungen. Aus Heuchelheim für die Land⸗ tagswahl 10.50, für den Parteitag: Heuchelheim 10 Mk. Liste Nr 21. 4 M., Liste Nr 8 10.20 M. Für die Landtagswahlen von A.⸗G. 2 M. Büdingen. Hier ist der Parteigenosse Peter Meuser gestorben. Er ruhe in Frieden.

Briefkasten der Redaktion. Oberschönau. Verjährungsfrist bei Aerzten 2 Jahre,(194 B. G. B.

Zur Landtagswahl

in Gießen Land.

Laut amtlicher Bekanntmachung findet die Wahl der Wahlmänner im Gießener Landkreis statt am

Mittwoch, den S. November.

Die Wahlstunden werden spätestens am Samstag, den 4. November, in jeder Gemeinde ortsüblich also durch die Schelle oder Anschlag beim Bürgermeister bekannt gemacht.

Die Wählerlisten liegen drei Tage lang zu jedermanns Einsicht auf und zwar Montag, den 23. Dienstag, de! 24. und Mittwoch, den 25. Oktober. Ueberzeuge sich jeder Wähler, ob sein Name in der Liste steht. Be⸗ sonders muß in jedem Ort nachgesehen werden, ob die von uns aufgestellten Wahlmänner in der besonderen Wahlmännerliste vermerkt sind.

iessbs Stadttheatef.

Sonntag, den 8. Oktober 1899:

Der Stabstrompeter.

Gesangsposse in 4 Akten von W. Mannstedt. Musik von Gust. Steffens.

Mittwoch, den 11. Oktober: 1. Volks vorstellung:

Don Karlos.

Dramatisches Gedicht von Friedrich Schiller

Sr