Ausgabe 
7.5.1899
 
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Nr. 19.

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Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 5.

aber daß der Junge sich auf dem Wege der Verbrecherlaufbahn befindet, läßt die Schädel⸗ bildung des Knaben deutlich erkennen.(Allge⸗ meine Unruhe und Zurufe der Entrüstung im Zuhörerraum.) Schwester Karola wurde dank diesem famosen Gutachten des Herrn v. Berg⸗ mann samt dem Prügelwärter freigesprochen! In der Berliner Stadtverordneten⸗Versammlung brandmarkte Genosse Singer die himmelschreiende Barbarei der Züchtigung und erhob gegen das Bergmannsche Gutachten scharfen Protest. Die Stadtverordneten⸗Versammlung beschloß, dem katholischen St. Josephs⸗Waisenhause nur unter der Bedingung fernerhin Waisenkinder anzuver⸗ trauen, daß dieliebevolle Schwester Karola aus dem Waisenhause entfernt wird. Bauer und Edelmann. Am 17. April hätte in dem großen, drei⸗

hundert Jahre alten Prozeß der Gemeinde

Burgsinn(Unterfranken) gegen die Herren v. Thüngen, bei dem es sich um einen Wald von mehr als achttausend Tagwerk handelt, die höchstinstanzielle Verhandlung in München statt⸗ finden sollen. Sie wurde wiederum ver⸗ tagt. Die Gemeindeversammlung Burgsinn hat am 12. April einstimmig beschlossen, ihrem Rechtsanwalt nach siegreichem Ausgang des Prozesses ein Geschenk von 25000 Mk. zu machen. Vielleicht gelangt die Sache im nächsten Jahrhundert zum Austrag, damit die Edlen v. Thüngen noch einige 50 oder 80 Jähr⸗ chen den Nutzen aus dem Walde ziehen und die Bauern weiter hoffen und harren können. Arbeiterbewegung.

Infolge der Maifeier haben zahlreicke Unter⸗ nehmer Maßregelungen der Arbeiter vor⸗ genommen. Aussperrungen werden gemeldet aus Berlin, Leipzig, Dresden, Lübeck und an⸗ deren Städten. Der Frankfurter Brauer⸗ streik dauert noch fort. In Brünn stehen 15 000 Textilarbeiter aus.

Hessischer Landtag.

Begräbnis der Weinsteuervorlage. 8. Darmstadt, Dienstag, 2. Mai.

Es ist kaum halb zehn Uhr und doch sind die Gallerien schon dicht besetzt. Unten im Saale spazieren die hessischen Volksvertreter hin und her. Hier drücken sich zwei die Hände, dort erzählt einer eine brühwarme Neuigkeit, die lebhafte Heiterkeit hervoruft. Ein neben mir stehender Oberhesse, der sich den hessischen Karpfen⸗ teich mit den fünf sozialdemokratischen Hechten auch ein⸗ mal ansehen wollte und deshalb extra dieweite Reise gemacht hatte, konnte sich gar nicht satt sehen. Bald frägt er diesen, bald jenen Galleriebesucher: wer ist dieser, wer ist jener?Der Dick' do, doas eaß g'weaß in Noationoalliweroale, gealle? Der huott juo e Hinner⸗ piert'l wäi in Oachtzigdoahl'rschgaul. Der ioß aach näit met Koatoff'n ean Decke Melch z'fräire, wanne sei Owedsopp eßt.Oach Gewitter, ean der do, met seim bloe Brell, der laaft juo hih ean her, als wannes Goatt waaß wäi b'zoahlt gritt Woas moak da deam Mann fehl'? He huott dei zwu Henn im Hosesack. Aich glawe als, he huot die Hoseträger v'rgeasse ean hält säch die Hos' fest.Gewitter, Donnerwearrer, aweil huh aich'n oawwer g'seh! Wen denn? Do brauchese noach see freje? Ei ins'n Oabgdoadnete, d'n Köhlersch Filipp vo Langsdorf. Aich sei doach neugierig, wäie sei Sach hau macht. Ei Schwiernuth, wuh eaß he da nortz hieh? Aha, etzt kimmte wearrer aus'r Aick raus na, woas huott da der fihr, etzt laaft he juo schohd wearrer zon'm aaner Loach naus! Aich glaawe als, der sichchd ahner, viellächt d's Hirschelche, dawwer prowirte die Dihr'n, oab däi noach all' richdig off ean zou gieh. He laaft waaß Goatt zou eam Loach reann, eann zoum ahner wearre raus. Alls zous reann ean raus, alls zous reann can raus. Woas he nortz fihr huott, d'r Filipp, doas v'rstihn' aich näit Aweil v'rreack aich oawer, do gucke Säi doach nortz emol hie, do raacht juo waaß Goatt aaner mearrem Ohr aus sei'r laange Peis. Kreizschwiernuth, woaß e Ehrwet, aich sah naut mieh; woahrscheinlich huotts d'r darme Deuwil eam Hals ean huott's Raache vom Dokt'r v'rbohre gräit, deswege raachte merr'm Ohr ' eaß zoum V'rreacke. Oawwer'n Schlaukoapp

eaß's doach. Ich war gerade dabei, meinem Landsmann aus⸗ einanderzusetzen, daß die angebliche lange Pfeife ein

dessen sich der schwerhörige Friedberger

öhrrohr sei, ed 855 als die Glocke des Präsidenten

Abgeordnete bedient,

*Ehrwet-⸗Arbeit.

ertönt. Die Abgeordneten nehmen ihre Plätze ein und die Verhandlungen beginnen. Das Wort erhält der

Abg. Jöckel⸗Friedberg(natl.). Er legt sich feurig für die Weinsteuer ins Zeug und beschwert sich über die heftige Agitation, die gegen die Steuer ins Leben gerufen sei. Er liest einen Artikel vor aus demBinger Anzeiger und einen solchen der OppenheimerLands⸗ krone, dabei bemerkend, daß namentlich in der letzteren ein Artikel enthalten sei, der einem Revolverblatte Ehre mache.(Mehrere Abgeordnete rufen: Das ist ein nationalliberales Blatt!) Da Herr Jöckel das offenbar nicht verstanden hat, liest er weiter vor, bis der Genosse Ulrich zu ihm geht und ihm auf die Zeitung deutend ins Ohr ruft: Ein national⸗ liberales Blatt! Unter stürmischer Heiterkeit des Hauses wirft Herr Jöckel das Blatt auf seinen Tisch mit den Worten: Das glaub ich nicht! Er verzichtet aber auf weiteres Vorlesen und erklärt schließlich, von Anfang an ein Freund der Steuerreform gewesen zu sein. Ohne die Besteuerung des Weines halte er aber die Reform nicht für durchführbar.

Genosse Dr. David: Die Steuerreform kann ohne Weinsteuer durchgeführt werden, wenn die Regie⸗ rung will. Ersatzvorschläge sind verschiedene gemacht, Herr Jöckel ist nicht darauf eingegangen, weil er meinte, eine Steuerreform sei gleichbedeutend mit einem Steuer⸗ erlaß, ihm will es nicht in den Kopf, daß eine Steuerreform ohne neue Steuern möglich sei. Ein Steuererlaß von 2 Millionen Mark trifft alle Klassen gleichmäßig; es werden Leute entlastet, die es nicht verdienen, deshalb wollen wir nicht nach neuen Steuern suchen, sondern diejenigen Steuerträger, die es ver⸗ tragen können, mehr belasten, damit die Arbeiter, kleinen Handwerker und Landwirte, entlastet werden. Interessant war die Aeußerung des Obersteuerrats Bittel, die direkten Steuern könnten nicht gut erhöht werden, weil sonst die ohnehin häufige Hinterziehung an Steuern noch vermehrt wird. Unsere Anträge, soweit sie von Ersatz handeln, fordern eine Progression bis zu 6 Proz.; der Antrag Schmitt⸗Schröder geht ja schon auf 5 Proz. bei 150 000 Mk. Einkommen, da macht derselbe aber Halt, und was mehr Einkommen ist, wird nicht höher besteuert; warum also dem, der ½ Million Mark Einkommen hat, nicht 57¼ Proz., wer 1 Million Mark Einkommen hat, 6 Proz. Progression auferlegen? Wenn die Steuerreform scheitert, so ist einzig und allein die Regierung der schuldige Teil. Die Reform kann durchgeführt werden auch ohne Weinsteuer.

Geh. Staatsrat v. Krug sucht den tiefen Eindruck, welchen die vortreffliche einstündige Rede des Abg. Dr. David bewirkt hat, zu verwischen und will nicht zugeben, daß die indirekten Steuern nur Nachteile haben, sie hätten auch ihre Vorteile. Die Regierung beharre auch heute noch auf der Weinsteuer, wenn ein annehmbares Ersatzmittel nicht vorgeschlagen werde, weil ohne dieselbe eine Steuerreform nicht durchführbar sei. Für die Weinsteuer spricht noch Erk, und gegen dieselbe Pitthan, beide Nationalliberale.

Nach Schluß der Generaldebatte beantragte Genosse Ulrich, sofort die Weinsteuer zu erledigen in der Spezial⸗ debatte. Geh. Staatsrat v. Krug wünscht, daß nach der Generaldebatte eine Pause stattfinde, bevor in die Spezialdebatte getreten werde, damit die Regierung Zeit habe, genaue Erwägungen anzustellen.

Abg. Köhler⸗Langsdorf(Antis.): Ich bin gegen den Antrag Ulrich, denn ich war zwar im Ausschuß gegen die Weinsteuer, jetzt bin ich aber dafür. Der Antrag Ulrich stellt sich als eine Ueberrumpelung dar. Nachdem der Präsident Haas den letzten Ausdruck als unschicklich zurückgewiesen, erhält das Wort wieder Genosse ulrich: Den Umfall des Abg. Köhler will ich denn doch festnageln; heute fällt er auf die Butterseite, morgen auf die Schmalzseite, und übermorgen, wenn er noch eine Fettseite hat, auf diese. Der Abg. Köhler ist ein prinzipieller Umfaller. Hierauf wurde der Antrag Ulrich mit 28 gegen 15 Stimmen angenommen. Die Spezialdiskussion über die Weinsteuer wird eröffnet, niemand meldet sich zum Wort. Es kommt zur Abstimmung. Die Spannung auf den Gallerien hat den Höhepunkt erreicht. Die Befürworter der Weinsteuer laufen hinaus, natürlich auch der Abg. Köhler. Sie hoffen wahrscheinlich, die Kammer beschluß⸗ unfähig zu machen. Das gelingt jedoch nicht. Mit 28 gegen 2 Stimmen wurde die Weinsteuervorlage abgelehnt. Da die Kammer aus 50 Abgeordneten besteht, haben also 20 Mitglieder an der Abstimmung nicht teilgenommen.

Zum Schlusse gab Präsident Haas dem Hause einen Antrag des Abg. Osann bekannt. Derselbe ging dahin:

Die Verhandlung über die Steuervorlagen vorerst zu vertagen und die Regierung zu ersuchen, die Frage des Ersatzes der Weinsteuer in geeignete weitere Erwägung zu ziehen und deren Ergebnis in Form von neuen Ge⸗ setzesvorschlägen noch an diesen Landtag gelangen zu lassen.

Diesem Antrage trat die Kammer ohne weitere De⸗ batte gegen die Stimme des Präsidenten Haas bei.

Briefkasten der Redaktion.

Einsenderin aus Marburg. Wir müssen auch bei Einsenderinnen darauf bestehen, uns gegenüber den Schleier der Anonymität zu lüften. Uebrigens eignet sich Ihre Zuschrift nicht zur Veröffentlichung. Unsere Leser können doch gewiß nichts dafür, daß Sie sich ge⸗ ärgert haben. Beruhen Ihre Schilderungen auf Wahr⸗ heit, so wäre es am besten gewesen, wenn Sie die be⸗ treffenden Süfflinge gleich auf das Ungehörige ihres Benehmens aufmerksam gemacht hätten. Vielleicht können Sie das noch nachholen.

W. hier. Wir teilen Ihren Standpunkt nicht. Die Sozialdemokraten bekommen imliberalen Gießen keinen Saal, warum sollten wir also die Gelegenheit, für die Freiheit und gegen das Zuchthaus demonstrieren zu können, nicht wahrnehmen? Die Befolgung Ihres Vor⸗ schlags würde allerdings die Bedeutungslosigkeit jener Einspänner⸗Partei in Gießen klärlich beweisen. Aber darauf darf es weniger ankommen. Eine kraftvolle Demonstration gegen den Zuchthauskurs erscheint uns weit wichtiger.

Briefkasten der Expedition.

Quittungen. H. Kchn. 8.80. Sch. Schmk. 30.. Krgr. G. 41.40. Kpfr. Rtbg. 15.60. Mdlr. Kbch. 6.60. Llr. B. 32.40. Lllr. Ins. 6.. M. G. 9.. Slg. Weck. 27.20. D. Abck. 9.20. Wch. Bst. 2.40. Th. R. 2.10. Hbr. Dbgn. 9.. Ggl. Hobgn. 8.20. Stm. Hchh. 6.. Cflr. Frbg. 26.20. Orbg. G. 2.80, Schb. H. 7.. P. Lllr. 3.40. Wbch. Rdgn. 4.. Pf. G. 3.35. Lchl. Gh. 4.80. Hch. G. 7.. Pf. Od. 7.35. Ehg. Dth. 5.. Hfm. Gr. L. 2.. M. Eckh. 2.40. Hp. Rdh. 9.40. Stbg. Sch. 13.. Sch. Bech. 1.10. Wekr. Weck. 3.50.

Grünberg, im Mai. Am Markttage, 1. Mai, wurden auf dem hiesigeun Frucht markte folgende Frucht⸗ arten ꝛc. zu den beigesetzten Durchnittspreisen verkauft: 9 Doppel⸗Zentner(à 100 kg) Weizen zu 16,00 M., 6 D.⸗Z. Korn zu 14,58 Mark, 13 D.⸗Z Gerste zu 15,44 Mark, 26 D. ⸗Z. Hafer zu 14,70 Mark, 2 D.⸗Z. Erbsen zu 19,74 Mark, 0 D.⸗Z. Linsen zu 00,00 Mark, 0 D. Z. Samen zu 00.00 Mark, 336 D.⸗Z. Kartoffeln zu 5,74 Mark.

Letzte Nachrichten.

In Berlin ist der ehemalige Reichstags⸗ präsident Dr. von Simson gestorben. In Darmstadt verstarb der bekannte Arzt Dr. Ludwig Büchner, Verfasser des Werkes Kraft und Stoff.

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vom stamm gerissen.

Roman von E. Langer.

Nachdruck verboten. Valeska, die trotz der wiederholten Ohn⸗ machtsanfälle in der Nacht nach Empfang jenes Telegramms gepackt hatte und in der Frühe des nächsten Morgens abgereist war, war gerade noch zeitig genug angekommen, um die Mutter in ihren Armen sterben zu sehen. Sie hatte ihrer ganzen Willenskraft bedurft, um sich unter all den Schmerzen, Leiden und Sorgen, die auf sie einstürmten, bis heute aufrecht zu er⸗ halten. Als man vom Kirchhof zurückkehrte, brach sie zusammen.

Tussy und die alte treue Regine, die schon während der Krankheit der Mutter unaufge⸗ fordert und o hne nach dem Lohn zu fragen, sich in der Familie wieder eingefunden, hatten Valeska entkleidet und in der Wohnstube, wo es luftiger als in dem engen Schlafstübchen der Schwestern war, auf das Sopha gebettet, auf dem sie nun bereits seit mehreren Stunden in einem völlig apathischen Zustande lag. Der herbeigeholte Arzt hatte die äußerste Ruhe an⸗ empfohlen.

Die Nachricht von der abermaligen Verhaf⸗ tung ihres Verlobten, welche Valeska so un⸗ erwartet wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen, hatte sie bereits in der Morgenzeitung, die sie vor ihrer Abreise auf dem Bahnhof zu M. gekauft, bestätigt gefunden. Ein neuer Verhaftbefehl war auf Requisition der Königs⸗ berger Polizei gegen ihn erlassen, er selbst bereits am Abend vorher unter polizeilicher 1 nach seinem Heimatsort abgeführt worden.

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