Ausgabe 
7.5.1899
 
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Seite 4.

Mitteldeutsche Sonn tags⸗Zeitung.

Nr. 19.

von Nah und Fern.

Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind. jederzeit willkommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissen⸗

haftigkeit bei Uebermittelung von. Nachrichten. Wir bitten alle um Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben.

Die Feier des 1. Mai.

* Würdig, wie im Reich und dem Ausland, ist auch die Feier des 1. Mai in unserem engeren Vaterland und den preußischen Nachbar⸗ städten verlaufen. In Darmstadt war die Versammlung, der eine zwanglose Unterhaltung folgte, überfüllt. Genosse Cramer hielt die Festrede. In Mainz sprach Gen. Dr. David in der Stadthalle vor mehr als 6000 Personen über den bedeutungsvollen Tag. In Offen⸗ bach waren die Versammlungen vorzüglich be⸗ sucht, in denen die Gen. Ulrich und Quessel sprachen. Am Festzug, der nachmittags statt⸗ fand, beteiligten sich annähernd 5000 Personen. In Frankfurt fanden vormittags und abends je fünf Volksversammlungen statt, die sämtlich überfüllt waren. Referenten waren die Gen. W. Schmidt, M. Fischer, R. Göller, Vetters und Scheidemann. Letzterer sprach anstelle des schwer erkrankten Reichstagsabg. Antrick in der Concordia, die schon gegen 9 Uhr polizeilich gesperrt wurde. In sämtlichen Versammlungen gelangte einstimmig eine Resolution zur An⸗ nahme, in der die Versammelten geloben, mit allen Kräften für die Idee des Sozialismus und zunächst für die Durchführung der auf dem internationalen Arbeiter-Kongreß in Paris im Jahre 1889 beschlossenen Forderungen zu wirken. Insbesondere verurteilen sie die neuerlichen Be⸗ strebungen der Reaktion, die wenigen Rechte und Freiheiten, die das Volk noch besitzt, zu schmälern. Aufs schärfste protestieren sie gegen die angekündigte sogenannte Zuchthausvorlage, durch welche das Koalitionsrecht verkümmert werden soll. Aehnlich lautende Resolutionen wurden in allen Versammlungen angenommen, über die wir hier weiter berichten:

Aus Gießen. Das Versammlungslokal war dicht besetzt. Die Ausführungen des Gen. Orbig fanden lebhafte Zustimmung.

Aus Wieseck. Die Wackerschen Lokali⸗ täten waren am Sonntag sämtlich überfüllt. Gen Vetters ⸗Frankfurt referierte, erntete den lebhaftesten Beifall der Versammelten und den Unwillen einer der beiden anwesenden Gen darmen, der den Redner aufforderte, dieBe⸗ hörden nicht anzugreifen. Selbstverständlich kehrte sich Genosse Vetters nicht an die wohl⸗ gemeinten Ratschläge des vorsichtigen Gen⸗ darmen, sagte vielmehr unter unbeschreiblichem Beifall das, was am 1. Mai gesagt werden muß.

Aus Heuchelheim. In großer Zahl hatten sich die Genossen und Genossinnen von Heuchelheim in Kinzenbach im GasthausZum Schwanen eingefunden, um das Fest der Arbeit zu feiern. Den Glanzpunkt des Tages bildete die treffliche, etwa stündige Rede des Gen. Orbig aus Giezen über die Bedeutung des 1. Mai. In eingehender Weise schilderte Redner, wie notwendig die Erfüllung der Maiforderungen ist. Ganz besonders verdienen die klaren Aus⸗ führungen, die Redner in Bezug auf die kleinen Landwirte machte, hervorgehoben zu werden. Wohl verdienter, stürmischer Beifall lohnte den Redner für seine belehrenden Ausführungen. Eine von dem Referenten eingebrachte Resolution wurde einstimmig angenommen.

Aus Trohe. Fur die beiden Nachbarorte Trohe und Rödgen fand die gemeinsame Ver⸗ sammlung bei Gastwirt Volk in Throhe statt. Auch aus Großen⸗Buseck hatten sich Teilnehmer eingefunden. Gen. Scheidemann sprach in fast zweistündiger Rede über die Bedeutung des 1. Mai. Der Versammlung wohnten zweit Gendarmen bei, die sich nicht wenig gewundert haben werden, als nach Beendigung der Rede die versammelten Männer und Frauen kräftig die Marseillaise austimmten und später den Sozialistenmarsch folgen ließen. Als schönstes Ergebnis der Versammlung ist die Wieder⸗ erweckung des Arbeitervereins zu betrachten,

der seit einiger Zeit eingeschlafen war.

Aus Daubringen. Unter zahlreicher Beteiligung verlief unsere Maifeier in schöuster Weise, trotzdem der Bürgermeister aus ganz

unbegreiflichen Gründen abermals die Tanz⸗ erlaubnis verweigert hatte. Die vortreffliche Rede des Genossen Beckmann wurde begeistert aufgenommen.(Wegen der wiederholt versagten Tanzerlaubnis sollten die Daubringer Genossen energisch Beschwerde führen gegen den Bürger⸗ meister. Instanzenweg: Kreisamt, Ministerium des Innern, sozialdemokratischegandtagsfraktion.)

Aus Alten-Buseck. Entsprechend der ausgezeichneten Organisation unserer Genossen verlief auch unsere Maifeier. Die Zahl der teilnehmenden Genossen und Genossinnen war größer als in einem der vorausgegangenen Jahre. Die Festrede des Gen. Vetters fand den größten Beifall.

Aus Vilbel. Die am Sonntag statt⸗ gehab te Maifeier nahm einen glänzenden Verlauf. Hunderte Männer und Frauen füllten den ge⸗ räumigen Gartensaal derLilie und lauschten den Klängen desVilbeler Musikvereins und des GesangvereinsGermania. Die Festrede hielt Genosse Krumm⸗Gießen. Unter jubeln⸗ dem Beifall forderte er die Arbeiter auf, einig zu sein, sich an den Unternehmern ein Beispiel zu nehmen und nicht zu rasten, bis auch der letzte Arbeiter in der politischen und gewerk⸗ schaftlichen Organisation sei, das sei die richtige Antwort für die Stumm, Posadowsky und sonstige Scharfmacher.

Aus Marburg. Unsere Versammlung verlief in bester Weise. Das Lokal war über⸗ voll. Die Rede des Genossen Dejung aus Frankfurt a. M. fand stürmischen Beifall.

Gießener Lokalnachrichten.

* Zum Besten eines Theatersaalbaues hatte der hiesige Theaterverein am Mittwoch und Donnerstag Abend je eine Dilettantenvorstellung arrangiert. Zur Aufführung kamen die ein⸗ aktige komische OperBastien und Bastienne von Mozart, die einaktige KomödieVom land⸗ wirtschaftlichen Fest, von Emil Pohl, und das GenrebildElzevier von Wilken und Bial. Die mitwirkenden Damen und Herren machten ihre Sache ganz überraschend gut. Einige junge Offiziere und ein hiesiger Professor scheinen geradezu ihren Beruf verfehlt zu haben. Am trefflichsten gelang zweifellos die kleine Mozart⸗ sche Oper, ein köstliches Kabinettstückchen, das von dem Kapellmeister Polster einstudiert war. Wenn der finanzielle Erfolg für den Theater⸗ verein ebenso gut war, wie der künstlerische, dann dürfte der beabsichtigte Zweck vollständig erreicht sein.

Freigebige Stadtväter.

E. K. Zu der unter vorstehender Spitzmarke in voriger Nummer veröffentlichten Notiz wird uns mitgeteilt,daß die Berufung des Herrn Oberbürgermeisters nach Stuttgart bei der Ge⸗ haltsbemessung gar nicht in Betracht kam. So naiv sei kein Gießener Stadtverordneter, zu glauben, in der Honorierung des Bürgermeisters mit einer Großstadt wie Stuttgart wetteifern zu können. Die Gehaltserhöhung sei lediglich als eine Anerkennung der seitherigen Thätigkeit des Oberbürgermeisters zu betrachten, und wer die Entwickelung unserer Stadt in den letzten Jahren verfolgt habe, werde es als weise Spar⸗ samkeit betrachten, einen solchen hervorragenden Verwaltungsbeamten auch durch angemessene Honorierung vor der Versuchung zu bewahren, Gießen zu verlassen. Die Bürger, die die Thätigkeit des Herrn Gnauth kennen, sind sicher mit dem einstimmig gefaßten Beschluß der Stadtverordneten einverstanden.

Ein Schulskandal.

Dr. David und Genossen haben in der Zweiten Kammer an das Ministerium nachstehende Anfrage ge⸗ richtet:Seit einiger Zeit beschäftigt sich die öffentliche Meinung lebhaft mit Vorkommnissen am Ludwig⸗Georg⸗ Gymnasium zu Darmstadt, die sofern sie der Wahrheit eutsprechen höchst bedenklich erscheinen. Die Unterzeichner fragen deshalb die Regierung, ob sie Kenutnis von den Vorgängen hat und was sie zus thun gedenkt, um die üblen Folgen derselben zu heben uud einer Wiederholung solcher Vorkommnisse vorzubeugen. U sache zu der Interpellation gab, wie unser Mainzer Bruderblatt, dieVolkszeitung, mitteilt, die Wahr⸗ nehmung, daß der Gymnastallehrer Dr. Ablheim in unerlaubter Weise den Sohn des Oberschulrathes Dettweiler bei seinen Schularbeiten unterstützte, indem er dem Sohn vor jeder griechischen Klassenarbeit einen Zettel mit der Erklärung der schwersten vorkommenden Formen übersandte. Letzterer soll die Mittheilungen für

Geld auch anderen Schülern überlassen haben. Tages kam die Benachrichtigung zufällig zu spät, und der junge Dettweiler schrieb eine ungenügende Arbeit. Daraufhin füblte sich Dr. Ahlheim verpflichtet, ein auf⸗

klärendes Entschuldigungsschreiben an Herru Dettweiler zu richten. Dieses Schreiben geriet dem jungen Dett⸗ weiler in die Hände, der nichts Eiligeres zu thun hatte, als es seinen Klassengenossen vorzulesen. Der Vorfall sprach sich herum und führte in seinen Konsequenzen zur Versetzung Dr. Ahlbeims nach Gießen. Inter⸗ essant ist übrigens die Thatsache, daß Herr Dettweiler bei der Uebernahme des Direktorats jener Anstalt seiner⸗ zeit Herrn Dr. Ahlheim aus Bensheim mit nach Darmstadt brachte und zum Klassenführer der Klasse seines Sohnes machte, wonach Dr. Ahlheim mit dem Dettweiler jun, bis zur Oberprima aufstieg.

Auf zum Waldfest!

* Sonntag Nachmittag findet die Maifeier der Arbeiter von Gießen im Stadtwald statt. Das Nähere ist aus dem Inserat in heutiger Nummer zu ersehen. Es wird erwartet, daß sich die Genossen und Genossinnen nicht nur aus Gießen, sondern auch aus dem ganzen Kreis recht zahlreich am Waldfest beteiligen.

Flottenapostolisches.

* DieHess. Ldsztg. in Marburg kann oder will unsere Ausführungen über die politische Vielseitigkeit ihres Gießener Agenten nicht kapieren. Sie meint, unser Artikel sei die Folge großer, nicht ungerechtfertigter Befürchtungen vor einer starken Verbreitung derH. L. in Gießen. Haben die eine große Meinung

von sich! Aus Alsfeld.

W. Die Genossen von Alsfeld und Umgegend werden hiermit nochmals auf die Sonntag, den 7. Mai, in Lauterbach stattfindende Maifeier aufmerksam gemacht. Indem den Genossen einige sehr vergnügte Stunden in Aussicht ge⸗ stellt werden, wird um zahlreichen Besuch ge⸗ beten. Abfahrt von Alsfeld mit dem 1.51 Uhr hier abgehenden Zug.

Auch hier versucht man, durch einen Aufruf im Kreisblatt Mitglieder für den deut⸗ schen Flottenverein zu werben. Obwohl der⸗ selbe von einem Laudtagsabgeordneten, einem Realschul⸗Direktor, einem Pfarrer, einem Bankier und einem Kreisrat unterzeichnet ist, werden aus der arbeitenden Bevölkerung nicht viele auf die Flottenplane hineinfallen.

Unschuldig verurteilt.

Der Bergarbeiter Johann Heinrich Noll aus Wickenrode war von der Strafkammer in Kassel im Sommer vorigen Jahres wegen vorsätzlicher schwerer Körperverletzung zu einer Gefängnis⸗ strafe von sechs Monaten und zur Tragung der sämtlichen Kosten verurteilt worden. Der An⸗ geklagte hatte das ihm zur Last gelegte Ver⸗ gehen entschieden in Abrede gestellt, war jedoch aufgrund der Beweisaufnahme für genügend überführt angesehen worden, im vorigen Sommer den Arbeiter S. angefallen und durch Messer⸗ stiche verletzt zu haben. Er hatte bereits vier Monate abgesessen, als es seinem Verteidiger gelang, zwei zuverlässige Entlastungszeugen zu ermitteln. Im Wiederaufnahmeverfahren wurde das frühere Urteil aufgehoben und auf kostenlose Freisprechung erkannt, auch der Staatskasse nicht nur die gesamten Kosten auferlegt, sondern dem unschuldig Verurteilten für die unschuldig verbüßte Gefängnisst afe von vier Monaten ein entsprechender Entschädigungs⸗ anspruch zuerkannt.

Schwester Karola.

Ju Potsdam ist jüngst über die schamlose, brutale Züchtigung eines Waisenknaben im katholischen St. Josephs⸗Waisenhause zu Potsdam vor Gericht verhandelt worden. Die Schwester Karola hatte das Kind, das zu seiner alten Pflegemutter in Berlin, wo es gut behandelt worden war, zurückgeflüchtet war, binden und barbarisch durchprügelu lassen. Und der schneidige Chirurg Prof. Dr. v. Bergmann

hatte ein Gutachten abgegeben, das diese Prügelei,

bei der die Schwester Karola dem angebundenen Knaben die Hände hielt und dem Peiniger zu⸗

rief:Es ist noch nicht genug! als harmlos und dem gutartigen Knaben nach seiner Schädelbildung einenVerbrechertyppus Er sagte:Ich halte dafür, daß der Knabe Prügel, tüchtige Prügel verdient hat.

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Ich will nicht so weit gehen, wie Lombroso,

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