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Mitteldeutsche Sonntags ⸗Zeitung.
Nr. 32.
* T 2 dete sss ages,
Uunterhaltungs⸗CTeil.
5 Hochsommertag. Morgenrotstrahlend erwacht ist die Welt, Thautropfen blitzen und funkeln im Feld,
Funkeln smaragdgrün, rubinrot und weiß, Schimmern gleich Perlen am blühenden Reis.
Glühendes Leben durchpulset die Flur, Hochsommer schreitet auf leuchtender Spur.
Nochsommer hauchet in flimmernder Luft, Naucht der Akazie berauschenden Duft. Nochsommersonne steigt höher empor, Trillernde Lerchen hell jubeln im Chor,
Sichtbar als Pünktchen kaum droben im Blau. Fort— von der Sonne getrunken— der Thau.
Norch! aus der Ferne welch seltsamer Klang? Klirren von Eisen und Stein— und Gesang!
Dünkt es euch seltsam, dies Klingen im Feld— Wisset, die Arbeit heut' Erntetag hält!
Dröhnenden Schrittes nun ziehn sie heran, Endlose Schaaren, vieltausend Mann,
Sensen gedengelt, Sicheln gewetzt.
Alles zum Mäh'n in Bereitschaft gesetzt.
Heut' nur Der erntet, der selber gesät,
Nicht mehr von Knechten wird heuer gemäht.
Frei hat die Arbeit die Menschheit gemacht, Hat überwunden das Dunkel der Nacht,
Nat überwältigt das„edle“ Geschlecht, Das mit der Faust und dem Schwerte sprach Recht.
Sensensurren und Sichelgesang Ulingen nun fröhlich die Feldmark entlang.
Goldene Garben steh'n rings schon im Feld— Morgenrotstrahlend erwacht ist die Welt.
Berlin⸗Charlottenburg. Ida Altmann.
Michael Kohlhaas.
Historische Erzählung von H. von Kleist. (4. Fortsetzung.)
Es traf sich, daß ein junger zum Gesinde der Tronkenburg gehöriger Knecht in dem Augen⸗ blick, da Kohlhaas aus der Kapelle zurückkam, herbeieilte, um aus einem weitläufigen steinernen Stall, den die Flamme bedrohte, die Streit— hengste des Jungers herauszuziehen. Kohlhaas, der in eben diesem Augenblick in einem kleinen mit Stroh bedeckten Schuppen seine Rappen erblickte, fragte den Knecht: warum er die Rappen nicht rette? und da dieser, indem er den Schlüssel in die Stallthür steckte, antwortete, der Schuppen stehe ja schon in Flammen; so warf Kohlhaas den Schlüssel, nachdem er ihn mit Heftigkeit aus der Stallthür gerissen, über die Mauer, trieb den Knecht mit hageldichten flachen Hieben der Klinge in den brennenden Schuppen hinein, und zwang ihn unter entsetz⸗ lichem Gelächter der Umstehenden, die Rappen zu retten. Gleichwohl als der Knecht schrecken— blaß wenige Momente, nachdem der Schuppen hinter ihm zusammenstürzte, mit den Pferden die er an der Hand hielt, daraus hervortrat, fand er den Kohlhaas nicht mehr; und da er sich zu den Knechten auf den Schloßplatz begab und den Roßhändler, der ihm mehreremal den Rücken zukehrte, fragte: was er mit den Thieren nun anfangen solle?— hob dieser plötzlich mit einer fürchterlichen Gebährde den Fuß, daß der Tritt, wenn er ihn gethan hätte, sein Tod gewesen wäre: bestieg ohne ihm zu antworten seinen Braunen, setzte sich unter das Thor der Burg und erharrte, inzwischen die Knechte ihr Wesen forttrieben, schweigend den Tag.
Als der Morgen anbrach, war das ganze Schloß bis auf die Mauern niedergebrannt, und niemand befand sich mehr darin als Kohlhaas und seine sieben Knechte. Er stieg vom Pferde und untersuchte noch einmal, beim hellen Schein der Sonne, den ganzen in allen seinen Winkeln jetzt von ihr erleuchteten Platz, und da er sich,
so schwer es ihm auch ward, überzeugen mußte, das die Unternehmung auf die Burg fehlge⸗ schlagen war, so schickte er, die Brust voll Schmerz und Jammer, Hersen mit einigen Knechten aus, um über die Richtung, die der Junker auf seiner Flucht genommen, Nachricht einzuziehen. Be⸗ sonders beunruhigte ihn ein reiches Fräulein⸗ stift, Namens Erlabrunn, das an dem Ufer der Mulde lag, und dessen Aebtisinn Antonia von Tronka als eine fromme, wohlthätige und heilige Frau in der Gegend bekannt war; denn es schien dem unglücklichen Kohlhaas nur zu wahrscheinlich, daß der Junker sich, entblößt von aller Notdurft wie er war, in dieses Stift ge⸗ flüchtet habe, indem die Aebtisinn seine leibliche Tante und die Erzieherin seiner ersten Kindheit war. Kohlhaas, nachdem er sich von diesem Umstand unterrichtet hatte, bestieg den Turm der Voigtei, in dessen Innerem sich noch ein Zimmer zur Bewohnung brauchbar darbot, und verfaßte ein sogenanntes„Kohlhaasisches Mandat,“ worin er das Land aufforderte, dem Junker Wenzel von Tronka, mit dem er in einem gerechten Krieg liege, keinen Vorschub zu thun, vielmehr jeden Bewohner, seine Verwandten und Freunde nicht ausgenommen, verpflichtete, denselben bei Strafe Leibes und des Lebens, und unver⸗ meidlicher Einäscherung alles dessen, was sein Besitztum heißen mag, an ihn auszuliefern.
Diese Erklärung streute er durch Reisende und Fremde in der Gegend aus; ja, er gab Waldmann dem Knecht eine Abschrift davon, mit dem bestimmten Auftrage, sie in die Hände der Dame Antonia nach Erlabrunn zu bringen. Hierauf besprach er einige Tronkenburgische Knechte, die mit dem Junker unzufrieden waren und, von der Aussicht auf Beute gereizt, in seine Dienste zu treten wünschten; bewaffnete sie nach Art des Fußvolks mit Armbrüsten und Dolchen und lehrte sie hinter den berittenen Knechten aufsitzen; und nachdem er alles, was der Troß zusammen⸗ geschleppt, zu Geld gemacht und das Geld unter⸗ denselben vertheilt hatte, ruhte er einige Stun⸗ den unter dem Burgthor von seinen jämmerlichen Geschäften aus.
Gegen Mittag kam Herse und bestätigte ihm, was ihm sein Herz, immer auf die trüb⸗ sten Ahndungen gestellt, schon gesagt hatte: nämlich daß der Junker in dem Stift zu Er⸗ labrunn bei der alten Dame Antonia von Tronka, seiner Tante, befindlich sei. Es schien, er hatte sich durch eine Thür, die an der hinteren Wand des Schlosses in die Luft hinausging, über eine schmale steinerne Treppe gerettet, die unter einem kleinen Dach zu einigen Kähnen in die Elbe hinablief. Wenigstens berichtete Herse, daß er in einem Elbdorfe zum Befremden der Leute, die wegen des Brandes in der Tronkenburg versammelt gewesen, um Mitter⸗ nacht in einem Nachen ohne Steuer und Ruder angekommen und mit einem Dorffuhrwerke nach Erlabrunn weiter gereiset sei.———
Kohlhaas seufzte bei dieser Nachricht tief auf: er fragte, ob die Pferde gefressen hätten? und da man ihm antwortete: ja! so ließ er den Haufen aufsitzen, und stand schon in drei Stun⸗ den vor Erlabrunn. Eben unter dem Gemurmel eines entfernten Gewitters am Horizont, mit Fackeln, die er sich vor dem Ort angesteckt, zog er mit seiner Schaar in den Klosterhof ein, und Waldmann der Knecht der ihm entgegentrat meldete ihm, daß das Mandat richtig abgegeben sei, als er die Aebtissin und den Stiftsvoigt in einem verstörten Wortwechsel unter das Portal des Klosters treten sah; und während jener, der Stiftsvoigt, ein kleiner alter schneeweißer Mann, grimmige Blicke auf Kohl⸗ haas schießend, sich den Harnisch ablegen ließ und den Knechten, die ihn umringten, mit dreister Stimme zurief, die Sturmglocke zu ziehen: hat jene, die Stistsfrau, das silberne Bildniß des Gekreuzigten in der Hand, bleich wie Linnen— zeug von der Rampe herab und warf sich mit 85 ihren Jungfrauen vor Kohlhaasens Pferd nieder.
Kohlhaas, während Herse und Sternbald den Stiftsvoigt, der kein Schwert in der Hand hatte, überwälligten und als Gefangenen zwischen die Pferde führten, fragte sie, wo der Junker Wenzel von Tronka sei? und da sie einen großen
Ring mit Schlüsseln von ihrem Gurt loslösend:
in Wittenberg, Kohlhaas, würdiger Mann! antwortete und mit bebender Stimme hinzusetzte: fürchte Gott, und thue kein Unrecht!— so wandte Kohlhaas, in die Hölle unbefriedigter Rache zurückgeschleudert, das Pferd und war im Begriff: steckt an! zu rufen, als ein ungeheurer Wetter⸗ schlag dicht neben ihm zur Erde niederfiel. Kohlhaas, indem er sein Pferd zu ihr zurück⸗ wandte, fragte sie: ob sie sein Mandat erhalten? und da die Dame mit schwacher kaum hörbarer Stimme antwortete: eben jetzt!—„Wann?“ — Zwei Stunden, so wahr mir Gott helfe, nach des Junkers meines Vetters bereits voll⸗ zogner Abreise!——— und Waldmann der Knecht zu dem Kohlhaas sich unter finstern Blicken umkehrte, stotternd diesen Umstand be⸗ stätigte, indem er sagte, daß die Gewässer der Mulde vom Regen geschwellt, ihn verhindert hätten früher, als eben jetzt einzutreffen: so sammelte sich Kohlaas; ein plötzlich furchtbarer Regenguß, der die Fackeln verlöschend auf das Pflaster des Platzes niederrauschte, löste den Schmerz in seiner unglücklichen Brust; er wandte, indem er kurz den Hut vor der Dame rückte, sein Pferd, drückte ihm, mit den Worten: folgt mir, meine Brüder: der Junker ist in Wittenberg! die Sporen ein und verließ das Stift.
Er kehrte, da die Nacht einbrach, in einem Wirtshause auf der Landstraße ein, wo er wegen großer Ermüdung der Pferde einen Tag ausruhen mußte, und da er wohl einsah, daß er mit einm Haufen von zehn Mann (denn so stark war er jetzt) einem Platz wie Wittenberg war nicht trotzen konnte, so verfaßte er ein zweites Mandat, worin er nach einer kurzen Erzählung dessen, was ihm im Lande begegnet,„jeden guten Christen,“ wie er sich ausdrückte, unter Angelobung eines Handgelds und anderer kriegerischen Vorteile,“ aufforderte „seine Sache gegen den Junker von Tronka, als den allgemeinen Feind aller Christen zu er⸗ greifen.“ In einem andern Mandat nannte er sich:„einen reichs⸗ und weltfreien, Gott allein unterworfenen Herrn;“ eine Schwärmerei krank⸗ hafter und mißgeschaffener Art, die ihm gleich⸗ wohl bei dem Klang seines Geldes und der Aussicht auf Beute, unter dem Gesindel, das der Friede mit Polen außer Brod gesetzt hatte, Zulauf in Menge verschaffte: dergestalt, daß er in der That dreißig und etliche Köpse zählte, als er sich zur Einäscherung von Wittenberg auf die rechte Seite der Elbe zurückbegab. Er lagerte sich mit Pferden und Knechten unter dem Dache einer alten verfallenen Ziegelscheune in der Einsamkeit eines finstern Waldes, der da⸗ mals diesen Platz umschloß, und hatte nicht sobald durch Sternbald, den er mit dem Mandat verkleidet in die Stadt schickte, erfahren, daß das Mandat daselbst schon bekannt sei, als er auch mit seinem Haufen am heiligen Abend vor Pfingsten aufbrach, und den Platz, während die Bewohner im tiefsten Schlaf lagen, an
mehreren Ecken zugleich in Brand steckte. Dabei
klebte er, während die Knechte in der Vorstadt plünderten, ein Blatt an den Thürpfeiler einer Kirche an, des Inhalts:„er Kohlhaas habe die Stadt in Brand gesteckt, und werde sie, wenn ihm den Junker nicht ausliefere, dergestalt ein⸗ äschern, daß er,“ wie er sich ausdrückte„hinter keine Wand werde zu sehen brauchen, um ihn zu finden.“—
Das Entsetzen der Einwohner über diesen unerhörten Frevel war unbeschreiblich; und die Flamme, die bei einer zum Glück ziemlich ruhigen Sommernacht, zwar nicht mehr als neunzehn Häuser, worunter gleichwohl eine Kirche war, in den Grund gelegt hatte, war nicht so⸗ bald gegen Anbruch des Tages einigermaßen gedämpft worden, als der alte Landvoigt Otto von Gorgas bereits ein Fähnlein von fünfzig Mann aussandte, um den entsetzlichen Wüterich aufzuheben. Der Hauptmann aber, der es führte, Namens Gerstenberg, benahm sich so schlecht dabei, daß die ganze Expedition Kohlhaasen, statt ihn zu stürzen, vielmehr zu einem höchst gefährlichen kriegerischen Ruhm verhalf; denn da dieser Kriegsmann sich in mehrere Abtei⸗ lungen auflösete, um ihn, wie er meinte, zu umzingeln und zu erdrücken, ward er von
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