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Mitteldeutsche Sonntags ⸗Zeitung.

Seite 7.

ed, N50 Nr. 32. wal Kohlhaas, der seinen Haufen zusammenhielt, auf b a vereinzelten Punkten angegriffen und geschlagen, ang, dergestalt daß shon am Abend de nöchstol Wel. kenden Tages kein Mann mehr von dem ganzen ederfel Haufen, auf den die Hoffnung des Landes ge⸗ surig. richtet war, gegen ihn im Felde stand. Kohl⸗ lt haas; der durch diese Gefechte einige Leute ein⸗ hörbar gebüßt hatte, steckte die Stadt am Morgen des Wann nächsten Tages von neuem in Brand, und seine t hf, mörderischen Anstalten waren so gut, daß wieder⸗ 15 5 um eine Menge Häuser und fast alle Scheunen ann der der Vorstadt in Asche gelegt wurden. Dabei fu u plackte er das bewußte Mandat wieder, und and 100 zwar an die Ecken des Rathhauses selbst an, sr 1. und fügte eine Nachricht über das Schicksal 110 eb des von dem Landvoigt abgeschickten und von ami al ihm zu Grunde gerichteten Hauptmanns von 17 Gerstenberg bei. 1. Der Landvoigt, von diesem trotz auf's merz in Aeußerste entrüstet, setzte sich selbst mit mehreren unden Rittern an die Spitze eines Haufens von hun⸗ te, dert und funzig Mann. Er gab dem Innker t mis Wenzel von Tronka auf seine schriftliche Bitte Kuben. eine Wache, die ihn vor der Gewaltthätigkeit 9 des Volks, dah ihn platterdings aus der Stadt eentfernt wissen wollte, schützte; und nachdem er einen auf allen Dörfern in der Gegend Wachen aus uo e gestellt, auch die Ringmauer der Stadt, um sie e eien bor einem Ueberfall zu decken, mit Posten be⸗ einsah, fetzt hatte, zog er am Tage des heiligen Ger⸗ Man basius selbst aus, um den Drachen, der das laß uin Land verwüstet, zu fangen. Diesen Haufen war verfaßt: der Roßkamm klug genug zu vermeiden; und ch einen nachdem er den Landvoigt durch geschickte Märsche n Lande? fünf Meilen von der Stadt hinweggelockt, und er sh bermittelst mehrerer Anstalten die er traf zu dem ndgels Wahn verleitet hatte, daß er sich von der Ueber⸗ fordettk macht gedrängt in's Brandenburgische werfen Tron, würde: wandte er sich plötzlich beim Enbruch n zu e der dritten Nacht, kehrte in einem Gewaltritt aunteen nach Wittenberg zurück, und steckte die Stadt allen] zum dritteumal in Brand. Herse, der sich ver⸗ kran. kleidet in die Stadt schlich, führte dieses ent⸗ gleich setzliche Wagestück aus; und die Feuers brunst ud der war wegen eines scharf wehenden Nordwindes el, daß so verderblich und um sich fressend, daß in zt hatte, weniger als drei Stunden zwei und vierzig daß ei Häuser, zwei Kirchen, mehrere Klöster und Schulen zähle, und das Gebäude der kurfürstlichen Landvoigtei ttebag selbst in Schutt und Asche lagen. ab. El Der Landvoigt, der seinen Gegner beim ter den Anbruch des Tages im Brandenburgischen eune in alaubte, fand, als er von dem was vorgefallen der d' benachrichtigt, in Eil⸗Märschen zurückkehrte, die le niht Stadt in ollgemeinem Aufruhr; das Volk hatte Mandl sich zu Tausend vor dem mit Balken und en, dg Pfählen verrammelten Hause des Junkers ge⸗ als 4 lagert, und forderte mit rasendem Geschrei seine Abed Abführung aus der Stadt. Zwei Bürgermei⸗ pähra) ster, Namens Jenkens und Otto, die in Amts⸗ gel, al kleidern an der Spitze des ganzes Magistrats Dab gegenwärtig waren, bewiesen vergebens, daß Vorsl man platterdings die Rückkehr eines Eilboten er en abwarten müsse, den man wegen Erlaubniß den hahe 1 Junker nach Dresden bringen zu dürfen, wohin , wen er selbst aus mancherlei Gründen abzugehen fal el,wünsche, an den Präsidenten der Staatskanzlei hie geschickt habe; der unvernünftige mit Spießen An i und Stangen bewaffnete Haufen gab auf diese Worte nichts, und eben war man unter Miß⸗ 11 handlungen einiger zu kräftigen Maaßregeln 1 di 10 aufforderuden Räte, im Begriff das Haus wo⸗ und 10 rin der Junker war zu stürmen, und der Erde zien, gleich zu machen, als der Landvoigt, Otto von ihc g Gorgas, an der Spitze seines Reiterhaufens in ne fun, der Stadt erschien. Diesem würdigen Herrn, 1c der schon durch seine bloße Gegenwart dem frueh, Volt Ehrfurcht und Gchorsam einzuflößen ge⸗ 01 90 wohnt war, war es, gleichsam zum Ersatz für fünf die fehlgeschlagene Unternehmung, von welcher Witt er zurückkam, gelungen, dicht vor den Thoren i der Stadt drei versprengte Knechte von der ch Bande des Mordbrenvers aufzufangen; und da hade er, inzwischen die Kerle vor dem Angesicht des 1 100 Volks mit Ketten belastet wurden, den Magist⸗ 5 d nat in einer klugen Anrede versicherte, den Kohl⸗ An, haas selbst denke er in kurzem, indem er ihm l auf der Spur sei, gefesselt anzubringen: so ie glückte es ihm durch die Kraft aller dieser be⸗

ten Volks zu entwaffnen, und über die Anwesen⸗ heit des Junkers, bis zur Zurückkunft des Eil⸗ boten aus Dresden einigermaßen zu beruhigen. Er stieg in Begleitung einiger Ritter vom Pferde, und verfügte sich, nach Wegräumung der Palli⸗ saden und Pfähle in das Haus, wo er den Junker, der aus einer Ohnmacht in die andere fiel, unter den Händen zweier Aerzte fand, die ihn mit Essenzen und Irritanzen wieder in's Leben zurückzubringen suchten; und da Herr Otto von Gorgas wohl fühlte, daß dies der Augenblick nicht war, wegen der Aufführung, die er sich zu schulden komme lasse, Worte mit ihm zu wechseln: so sagte er ihm bloß mit einem Blick stiller Verachtung, daß er sich ankleiden und ihm, zu seiner eigenen Sicherheit, in die Gemächer der Richterschaft folgen möchte. Als man dem Junker ein Wams angelegt und einen Helm aufgesetzt hatte, und er, die Brust wegen Mangels an Luft noch halb offen am Arm des Landvoigts und seines Schwagers, des Grafen von Gerschau, auf der Straße erschien, stiegen gotteslästerliche und entsetzliche Verwünschungen gegen ihn zum Himmel auf. Das Volk, von den Landsknechten nur mühsam zurückgehalten, nannte ihn einen Blutigel, einen eleuden Land⸗ plager und Menschenquäler, den Fluch der Stadt Wittenberg und das Verderben von Sachsen; und nach einem jämmerlichen Zuge durch die in Trümmern liegende Stadt, während welchem er mehreremal, ohne ihn zu vermissen, den Helm verlor, den ihm ein Ritter von hinten wieder aufsetzte, erreichte man endlich das Gefängnis, wo er in einem Thurm, unter dem Schutz einer starken Wache verschwand. Mittlerweile setzte die Rückkehr des Eilboten mit der kurfürstlichen Resolution die Stadt in neue Besorgnis. Denn die Landesregierung, bei welcher die Bürgerschaft von Dresden in eimer dringenden Supplik un- mittelbar eingekommen war, wollte vor Ueber⸗ wältigung des Mordbrenners von dem Aufent⸗ halt des Junkers in der Residenz nichts wissen; vielmehr verpflichtete sie den Landvoigt, denselben, da wo er sei, weil er irgendwo sein müsse, mit der Macht, die ihm zu Gebote slehe zu beschirmen; wogegen sie der guten Stadt Wittenberg zu ihrer Beruhigung meldete, daß bereits ein Heer⸗ haufen von fünfhundert Mann, unter Anführung des Prinzen Friedrich von Meißen im Anzug sei, um sie vor den fergen Belästigungeu Kohl⸗ haasens zu schützen.(Forts. folgt.)

Die Heiratsannonce.

Ich muß eine Frau haben, dachte Herr K., ein wohlhabender Leipziger Kaufmann, als er eines Tages wieder einen schwerer Aerger über Elsa, die nun beinahe 18 jährige Tochter, gehabt hatte.Dem Kinde sehlt eine Mutter, ihm fehlt die feste Hand, welche es über die Fährlichkeiten des Lebens hinweggeleitet. Ich kann das natürlich nicht besorgen, denn mich nimmt das Geschäft zu sehr in Anspruch. Und mit einem Seufzer, der erkennen ließ, daß ihm der zweite Verlust seiner Freiheit doch härter ankomme, als der erste, setzte er sich an den Schreibtisch und verfaßte einreelles Heirats⸗ gesuch. Natürlich mußte diejenige, nach der er Verlangen trug, allerhand gute Eigenschaften haben. Zuerst stand die Bedingungsanft und verträglich(ja, ja, die Männer sind große Egoisten!), dann die weitere:muß im stande sein, einer heranwachsenden Tochter führend und bildend zur Seite zu stehen, und zum Schluß kam dann noch die verschämte Bemerkung: Vermögen erwünscht, doch nicht Bedingung. Zwei Tage später, so meldet dieLeipziger Gerichtsztg., las Herr X. folgenden Brief, den er mit zwei anderen, von Vermittlern her- rührenden, hauptpostlagernd erhalten hatte und welcher mit der Schreibmaschine geschrieben war:

Mein Herr! Ihrreelles Heiratsgesuch hat meine Auf merksamkeit erregt, deshalb schreibe ich Ihnen. Ich bin es müde, mich von meinem sonst sehr lieben Papa immer als Kind be⸗ handeln zu lassen, darum wage ich den Schritt und melde mich als Reflektantin auf Ihr Hei-

schwichtigendenUmstände die Angst des versammel⸗

ratsgesuch. Glauben Sie meiner Versicherung, daß ich, obgleich ich noch jung bin, Ihrer

Tochter die rechte, wenn nötig auch energische Führerin sein werde, und daß ich Ihrem Haus⸗ wesen in jeder Beziehung gewachsen bin. Ich besitze ein ansehnliches Vermögen, bin sehr gern heiter und vertrage mich mit aller Welt, bloß mit meinem Papa nicht. Alles weitere mündlich. Vielleicht bestimmen Sie einen Ort, wo wir uns begegnen und aussprechen. Das Schreiben hat keinen Zweck. Bitte, unter C. W. 200 Postamt V., mir Antwort zu geben. N. N.

P. S. Mein Vater ist lieb und gut, er ist nur nach dem Tode der Mutter ein bißchen verbummelt.

Na, das kann ja eine nette Bekanntschaft werden! dachte Herr X. mit Galgenhumor; doch der burschikose Schlußsatz interessierte ihn und er schrieb daher mit der Schreibmaschine, doch vorläufig noch anonym, an die schöne un⸗ bekannte, ließ zwei Billets für die Oper am nächsten Tage holen und fügte das eine Billet dem Briefe bei. Herr X. freute sich gar sehr seiner Schlauheit und bereitete sich am nächsten Abend mit Sorgfalt für das Stelldichein im Theater vor. Sogar die Rose im Knopfloch vergaß er nicht! Uebrigens ist Herr X. ein noch sehr hübscher Mann, dem man seine 46 Jahre nicht ansieht. Um sich mit Muße in die Situation finden zu können, wartete er den Beginn der Ouverture ab und schritt dann nach seinem Platze. Eine Verbeugung und ein leises, un⸗ verständliches Gemurmel genügten zunächst, um die Bekanntschaft einzuleiten, und bis zum nächsten Zwischenakt hoffte er dann die nötigen Worte zusammenzufinden.

Bitte, dort links um die Ecke, der erste Platz, sagte der Logenschließer, als er Herrn K. einließ. Mit pochendem Herzen, aber forschen Schrittes ging der Freier auf sein Ziel los. Ich thue es ja meiner Elsa wegen! vergegen⸗ wärtigte er sich in diesem Augenblicke und das gab ihm neuen Mut. So, jetzt war er an der Ecke; nur noch ein Schritt, eine Stufe abwärts, und er stand vor der Unbekanten. Und richtig, da saß eine anmutige junge Dame auf dem Platze neben dem seinen, die ihm gar liebreizend entgegenlächelte, als sie seinen Schritt vernahm; allein das Lächeln erstarb auf ihrem Autlitz, als sie den Freier erblickte, und auch dieser fuhr erschrocken zurück, denn in diesem Augenblicke erkannten einander Vater und Tochter.

Seit diesem Tage behandelte Herr X. seine Elsa nicht mehr als Kind, und sie ihrerseits sorgt dafür, daß er nicht so sehr verbummelt! Die Heiratsgedanken hat der glückliche Valer endgültig aufgegeben. Elsa hat ihm versprochen, sie wolle ihm die fehlendeSchwiegermutter vollauf ersetzen. Und das genügt.

Humoristisches.

Aus Sachsen.. Lehrer: Erst im Jahre 785 nach Christi Geburt nahmen die Sachsen das Christen⸗ tum an. Bis dahin waren sie Heiden gewesen. Nun, Emil, was willst du fragen?

Schüler: Wie hat m'r denn bis dahin in Dräsen kesagt, wenn m'r:Ei Herchä ses! sagen wollde?

*

Die Zeiten ändern sich. Er(auf dem Heimweg vom Theater, zu seiner Fr au):Ist das aber eine elende Straßenbeleuchtung!... Nun, was hast Du denn, Elise warum weinst Du? Sie: Mein Gott, ich denke eben daran, wie Du Dich noch vor einem halben Jahre auf demselben Wege über jede Laterne geärgert hast!(Flieg. Bl.)

Neu eingelaufene Schriften.

Besprechung wichtigerer Erscheinung behalten wir uns vor.

O welche Lust, Soldat zu sein. Von dieser Schrift fand die erste Auflage so reißen⸗ den Absatz(40,000 Exemplare), daß in Folge des stets lebhaften Interesses weiter Kreise eine neue Auflage im gleichen Verlage von M. Ernst in München, völlig umgearbeitet, erschienen ist. In populärer Darstellung werden den Lesern die wirtschaftlichen, kulturellen und sittlichen Schäden des Militarismus vor Augen gesührt. Geradezu ergreifend aber wirkt die Schilderung der fast unglaublichen Chikanen, denen die Soldaten in den Kasernen ausgesetzt find. Eine lange Leidensgeschichte, die dem Menschen freunde das Herz zusammenkrampft,

bildet den Inhalt der einzelnen Kapitel.