Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Nr. 15.
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Unterhaltungs⸗Ceil. * Männer haltet fest zusammen.
Männer haltet fest zusammen!
Laßt die Freiheit nicht verdammen Von der schwarzen Höllenschar!
Wo sie feindlich angegriffen,
Seigt, daß unser Schwert geschliffen, Daß wir wachen immerdar!
Mit der Wahrheit scharfen Klingen Laßt uns auf die Feinde dringen, Bis verstummt der letzte Wicht! Seid nur um den Sieg nicht bange, Denn der alten Lügen⸗Schlange Sitzt die Wahrheit zu Gericht.
Ja, der Wahrheit Donnerworte Dringen stolz durch jede Pforte Heilbewußt mit Jubelschall! Freies Lied und freie Rede, Kraftbeseelt zu Schutz und Fehde, Schirmen, siegen überall!
G. K. Felsing.
Wie ich tot war.
Humoreske von Albert Roderich, Hamburg. (Schluß.)
Gleich am andern Tage war unter Leitung des Herrn Bellevue Probe. Fräulein Müller sang mit dolchartig zugespitzter Stimme ein Lied mit dem Refrain:„Du hast mir das Herz zerrissen.“ Dabei sah sie mich immer an, als wenn ich das gethan hätte. Ihre Mutter aber behauptete, ich hätte ihre Tochter immer so an⸗ gesehen, daß alle Leute davon redeten. Ich hätte ihre Tochter kompromittiert, und das brauche sich kein Mädchen mit über sieben⸗ tausend Mark Mitgift gefallen zu lassen, wenn sie noch dazu so kochen könne, wie ihre Alma. Und übermorgen käme ihr Mann, der sollte mir den Standpunkt schon klar machen.
Ich fing auch auf der Probe an, die Novelle zu lesen. Aber schon nach drei Sätzen fuhr mich der Schauspieler barsch an:
„Herr, nehmen Sie mir das nicht übel, Sie lesen wie ein wahnstuniger Flickschuster. Sie haben ja nicht die blasse Ahnung davon, was der Dichter gewollt hat. Lassen Sie nur, ich werde die Novelle selbst lesen.“
„Zwei Tage später fand dann die Wohl⸗ thätigkeits⸗Vorstellung statt. Der Wirt hatte den Saal umsonst hergegeben, und er war
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ziemlich voll. Herr Schnodde saß an der Kasse und nahm das Eintrittsgeld an. Etwas wollte er auch thun für das gute Werk, sagte er.
Nachdem Fräulein Müller ihren Gesang be⸗ endigt hatte, setzte sie sich an meine Seite, und ihre Mutter nahm hinter uns Platz. Herr Bellevue hatte meine Novelle zu Ende gelesen und machte jetzt eine Pause. Meine Novelle handelte von einem Liebespaar, das nicht ver⸗ einigt werden konnte, weil der Vater der jungen Dame mit seinem Fluche drohte. Die Familie des Jüglings war nämlich erblich mit Mond⸗ sucht belastet. Deswegen beschlossen die Eteben⸗ den, zu sterben. Der Liebende wollte erst seine Geliebte und dann sich erschießen, in der Auf— regung aber erschoß er aus Versehen zuerst sich selbst und konnte dann seinen Plan ja nicht mehr ausführen. Das Mädchen ärgerte sich furchtbar darüber und ging als Gouvernante nach Amerika.
Herr Küpermeister Ringel aus Lübeck, der neben mir saß, sagte zu mir, nachdem die No⸗ velle zu Ende gelesen war:
„Das ist ja ein ganz verrücktes Zeug. Der Kerl, der das gemacht hat, ist dummerhaftig. Und dann immerlos mit sein: erblich belastet! So'n Kameel! Ich wollt, ich wollt, ich wär mit'n paar Millionen erblich belastet!“
Ich versuchte, den Mann über jene Be⸗ lastungstheorie aufzuklären, aber er hörte gar nicht ordentlich zu und schimpfte immer weiter.
„Und für diesen— wie heißt der Kerl man noch? Für so'n Schafskopf soll man noch Geld hergeben?“
„Der Verfasser ist ja tot,“ belehrte Fräulein Müller,„es ist ja für die arme Familie.“
„Ach was,“ rief her Ringel,„wenn eine so einen übergeschnappten Romauschreiber heiratet, dann geschiehts ihr Recht und wenn sie mit zwölf Kindern hungert. Sagen Sie selbst, Fräulein Müller—“
„Freilich,“ unterbrach diese,„wenn ich das gewesen wäre, ich wäre nicht nach Amerikn ge⸗ gangen, so lange noch ein Schuß in der Pistole gewesen wäre. Nein, das ist nicht edel, das ist
gemein.“ f
„Aber mein liebes Fräulein rief ich, 1 1¹ „Sie——
„Herr,“ schrie jetzt Frau Müller dazwischen, Sie kompromittieren meine Tochter. Wenn mein Mann heute kommt,— ha, da kommt ja mein Mann.“
Meine Blicke folgten den ihrigen zur Thüre. Ich fühlte mich kreidebleich werden. Da war eben Herr Müller, mein Schneider eingetreten. Frau Müller und Tochter eilten auf ihn zu und sprachen heftig auf ihn ein. Ich hatte mich erhoben und näherte mich dem Ausgange. Da traten die drei auf mich zu.
„Was,“ sagte Herr Müller und sah mich durchbohrend an,„diesen Mann meinst Du, Frau? Das soll'n Rentier sein, der von sein Geld lebt? der lebt von mein Geld. Der ist mir noch drei Anzüge schuldig. Der kann unsere Tochter so viel kom⸗kom⸗kompromittieren, wie er will. Herr, und Sie gehn in die Sommer⸗ frische, Herr!“
„Ja und wirft Zehnmarkstücke auf'n Teller und geht in Wohlthätigkeitsvorstellungen,“ rief empört Frau Müller.
„Was für Wohlthätigkeits⸗Vorstellungen?“
„Für einen Schriftsteller,“ sagte Fräulein Müller,„für den bekannten——“
„Halt,“ rief ich da in meiner Todesangst und riß mein Portemonnaie aus der Tasche.
„Hier, hier Herr Müller, bitte nehmen Sie dies à conto meiner Schuld. Ich lauf eben auf mein Zimmer und hol Ihuen den Rest.“
Und damit lief ich auch. Herr Schnodde saß noch an der Kasse und zählte das Geld. Ich stürzte auf ihn zu.
„Herr,“ rief ich,„Sie sind ein Schwindler!“
„Was, Herr?“
„Jawohl, Heribert Orioso hat keine Frau und keine sechs Kinder— und außerdem hat er keine unglückliche Witwe, denn er ist gar nicht tot, und ich bin es selber.“
„Dann sind Sie ja ein Schwindler.“
„Ja, wir sind beide Schwindler. Und nun geben Sie mir meine zehn Mark wieder damit ich nach Hause reisen kann.“
Das hat er auch gethan.
Als ich etwas befangen meinem Verleger wieder unter die Augen trat und ihn nach dem Erfolge unserer Kriegslist fragte, sagte er grimmig:„Elf Exemplare sind verkauft. Aber es wird wohl jetzt besser wenden,— der Staatsanwalt hat schon nach Ihnen gefragt.“
(Frankf. Ztg.)
Humoristisches.
Stimmt. Ein berühmter Künstler malte ein si einen Engel mit sechs Zehen.„Wer hat je einen Engel mit sechs Zehen gesehen?“ fragten die Leute.—„Wer hat je einen mit fünf gesehen?“ lautete die Gegenfrage.
*
Scherzfrage. Wer waren die ersten Reichstags⸗ abgeordneten? Antwort: Abraham und Lot. Ersteret sprach zu Lot: Willst Du zur Linken, so will ich zut Rechten, oder willst Du zur Rechten, so will ich zur Linken.
*
umschrieben. A.:„Dein Frau scheint recht unterhaltend zu sein?“ Mann:„Ja, wenn ich mal
Abends spät von der Kneipe heimkomme, läßt sie mi ch garnicht mehr zum Wort kommen!“
Grossen-Pinden
Arbeiter! Vergesst nicht am 8. November zu wählen. Es handelt sich darum, ob für sechs Jahre ein Offenbacher Antisemit in den Landtag einziehen Soll, der gegen die billigen Arbeiter fahr karten räisonnierte und in dessen Augen die Arbeiter Schlammbeisser sind, oder ob unser Kandidat Ph. Scheidemann gewählt wird, der, selbst Arbeiter, seit vielen Jahren unermüdlich und unerschrocken für die Interessen der Kleinen in Stadt und Land auf werden bestens u, billigst von mir das energischste eingetreten ist.— Keinem Arbeiter besorgt.
Die meisten ñ?˙—:¾Kl T Antisemiten wollen von dem Architekten Hirschel
ist die Wahl schwer in diesem Fall.
in Offenbach selbst nichts wissen.
Arbeiter und Bauern von Grossen-Linden! Seid am Mittwoch, den 8. November auf dem Platz und gebt Eure Stimme denjenigen Wahlmännern, die für unseren im Kreise wohnenden, für jeden leicht erreichbaren Kandidaten Ph. Scheide- Tausenden ist
unser Kandidat Scheidemann aus den Volksversamm- 1 auch viele Ber. Seuli mes
mann in Giessen stimmen wollen.
lungen bekannt, Hunderte— darunter
Gross-Lindener— haben ihn kennen gelernt, als sie
sich Rath bei ihm holten! Gewählt wird von 4 bis 7 Uhr.
jeder an der Wahl teilnehmen.
Wahlrecht aus und trage dazu bei, dass endlich unser Kreis im Landtag durch einen tüchtigen Mann ver- treten wird.
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Daubringen!
Kollegen! In unserem Ort könnte es den Gegnern nur dann gelingen, ihren Wahl⸗ mann durchzubringen, wenn die Arbeiter pflichtvergessen der Wahlurne fern⸗ bleiben. Wir hatten bei der Reichstagswahl 74, die Gegner nur 38 Stimmen! Diesmal kann und muß das Verhältnis für uns noch weit besser werden. Laßt Euch nicht irre machen durch Quertreiber, die das indirekte Wahlverfahren aus⸗ nützen wollen, die Arbeiter um die ihnen im Landtag zustehende Vertretung zu betrügen.
In keinem Ort sollte man vergessen, daß ja die Wählmänner nicht in den Landtag kommen, sondern daß die Wahlmänner nur Mittels⸗ personen sind, die den Willen ihrer Wähler zu erfüllen haben, indem sie ihre Stimme bei der Abgeordnetenwahl unserem Kandidaten Philipp Scheidemann in Gießen geben.
Bleibe keiner am 8. November der Wahl fern. Durch die Festsetzuug der Wahlstunden von 4—7 Uhr ist es jedem möglich, an der Wahl teilzunehmen.
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