Ausgabe 
5.11.1899
 
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Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 5.

daten unserem Genossen Cramer entgegengestellt.

Dazu bemerkt das national-soziale Blatt in

Marburg:

Wir glauben, daß wir von unserem national⸗sozialen Standpunkte aus kein Bedenken zu tragen brauchen, uns der Wahl des Regierungsrats Noack sympa⸗ thisch gegenüberzustellen.

Trotzdem erheben die Nattonalsozialen den Auspruch, auch in Arbeiterkreisen ernst genom⸗ men zu werden. Was sind die auf dem Holz⸗ weg mit ihren Höflichkeitsbesuchen.

Bürgermeister⸗Konferenz.

* Dererste Sprecher der Bürgermeister⸗ Konferenz des Kreises Gießen, der Antisemit Köhler, beruft die Bürgermeister für Samstag, den 4. November(vier Tage vor der Landtagswahl!) zu einer Sitzung in das Parteilokal der Antisemiten in Gießen. Wähl er versammlungen haben die Anlisemiten

nicht einberufen! äft?

Wer schl

Wer schläft, wenn der Feind stürmt, der ist ein Verräter seiner Partei. Die Wahl⸗ zeit ist die rechte Zeit, wo es gilt, den Mund aufzumachen, Farbe zu bekennen und gut zu stimmen. Wenn die Wahlzeit vorüber ist, da ists mit dem Jammern zu spät. Wer die Tage der gesetzlichen Selbsthilfe am Stimm⸗ kasten nicht benützt, ist sich seiner Bürgerpflicht nicht bewußt und zeigt sich seines Bürgerrechts nicht würdig.

So schrieb ein amerikanisches Blatt im Jahre 1892 vor den Wahlen. Mögen die Arbeiter im Gießener Landkreis diese Worte am kommenden Mittwoch beherzigen.

Die verkehrte Welt.

* Das Leben ist im Winter entschieden kost⸗ spieliger als im Sommer. Es muß für Heizung, Licht, warme Kleidung gesorgt werden u. s. w. Der Bildhauer Atzbach in der Grünbergzerstraße ist aber wohl umgekehrter Ansicht. Denn ob⸗ wohl seine Arbeiter im Winter täglich einige Stunden weniger arbeiten, wie im Sommer, ihr Tages verdienst also schon deshalb nied riger ist, zieht Herr Atzbach im Winter auch noch am Stundenlohn ab und zwar bis zu 6 Pfg., sodaß unter Umständen einzelne seiner Arbeiter pro Tag bis zu 1.30 Mark weniger verdienen. Das Verhalten des Herrn Atzbach, der selbstverständlich seinen Kunden im Winter nicht billiger liefert, wie im Sommer, erweist wieder die Notwendigkeit einer guten Organisation. In anderen Städten haben die Steinhauer höhere Löhne erkämpft, in Gießen müssen sie sich Abzüge gefallen lassen.

Der tapfere Herr Hitschel.

* Nachdem sich Herr Hirschel hinter ver schlossenen Thüren in Großen⸗ 3 Linden produziert hat, ist er am Mittwoch Abend heim⸗ lich nach Klein⸗Linden ge⸗ lose um dort hinter ver⸗ chlossenen Thüren seine Weis⸗ heit an die besonders einge⸗ ladenen Männer zu bringen. Eine feigere Agitation als wie sie jetzt die Antisemiten betreiben, ist nie betrieben worden. Vom sicheren Hin⸗ terhalt aus frech schimpfen und verleumden, die Arbeiter als Schlammbeißer betiteln und dann, wenn der Gegner in der Nähe, mit schlotternden Knieen auskneifen, das ist in den Augen der antisemitischen Konfusions⸗ olitikerTeutsche Tapferkeit! Was muß das fr eine traurige Politik sein, die sich nur inter verschlossenen Thüren vertheidigen läßt! ber trotzdem soll es Herr Hirschel in Klein⸗ Linden nicht an Aufgebot von Lungenkraft haben mangeln lassen. In dem Moment als er seinen Gegner Scheidemann weit weg wissend schrie:Ich fürchte mich vor dem Scheidemann nicht, hat einer unserer Leser,

der ein wenig zeichnen kann, die obige Skizze angefertigt. Da uns Herr Hirschel seit Jahren auskneift, wir ihn also lange nicht gesehen, so können wir nicht feststellen, ob die Skizze natur⸗ getreu ist. Mit dem Mund wird es seine Richtigkeit haben.

Er bekeunt sich schuldig. s * Endlich, nachdem wir ihm schwarz auf weiß seine Unwahrheiten nachgewiesen haben, gesteht der Architekt Hirschel zu, daß unsere Klein⸗Lindener Versammlung dreimal angekündigt war. Lange genug hat's gedauert bis der Mann der Wahrheit die Ehre gegeben.

Antisemtitisch⸗ hluterlistiger Wahlschwindel. DieBad. Odsztg. veröffentlicht folgenden Brief: Heidelberg, 25. September 1899.

Bei meinem gestrigen Besuche erfuhr ich, daß Sie unseren Vorschlag, sich von den National- liberalen aufstellen und auch wählen zu lassen, annehmen und dann bei der Hauptwahl die Stimme unserem(d. h. antisemitischen!) Kandidaten geben. Wir sagen Ihnen hierfür im Voraus unseren wärmsten Dank und versichere ich Sie, dag Niemand hiervon etwas er fahren soll. Wir stelleu einfach, wie noch in anderen Orten, keinen Wahlmann auf! Wenn Sie gewählt sind, wird es heißen: N. R. nationalliberaler Wahlmann, und wir werden dann nicht wider sprechen, sodaß Sie nicht in Gefahr laufen, daß Ihnen Unannehmlichkeiten passieren. Ich schicke Ihnen nun anbei einen Verpflichtungsschein, den ich Sie bitte, mir recht bald unterschrieben zurück zusenden. Ihr(gez.) C. W. Kratzert. C. W. Katzert ist ein autisemitischer Agitator, der in dieser Weise seiner Partei Stimmen wirbt. Das ist wirklichurdeutsch undgrundehrlich! Es sind halt wackere Leute, diese Antisemiten!

Ein lustiger Prozeß.

* Der jetzt nationalsoziale Redakteur Erdmannsdörffer in Marburg hat seinen ehemaligen Parteigenossen Hirschel in Offen⸗ bach, den bekannten antisemitischen Redak⸗ teur, wegen Verleumdung und Beleidi⸗ gung verklagt. Wenn in diesem famosen Pro⸗ zeß nicht ein sozialdemokratischer Re⸗ dakteur der lachende Dritte ist, dann wollen wir uns verpflichten, der Gießener öffent⸗ lichen Lesehalle ein Exemplar der epochemachen⸗ den Broschüre:Die Juden und die Cho lera. Eine intolerante Streitschrift von Hans Gustav Erdmannsdörffer zu stiften.

Schwere Strafen.

Wegen der im Herner Streikgebiet von pol⸗ nischen Bergleuten verübten Vergehen sind jetzt insgesammt 45 Angeklagte verurteilt worden. Sie erhielten insgesammt 33 Jahre, 5 Monate, 2 Wochen und 3 Tage Gefängnis! Warum sind die armen Tenfel auch nicht als Adelige auf die Welt gekommen und dem Klub der Harmlosen beigetreten! Dann hätten sie nicht zu streiken brauchen und brauchten auch nicht ins Gefängnis.

Kleine Mitteilungen.

** Gießen. Am vergangenen Sonntag ist der neue Aussichtsturm auf dem Dünsberg ein⸗ geweiht worden.

** Gießen. Die Einführung des elek trischen Lichts ist von den Stadtverordneten im Prinzip beschlossen. Dem elektrischen Licht sulg dann hoffentlich bald die elektrische Bahn olgen.

* Fahrradsteuer. Vom 1. Januar 1900 ab tritt die neue Steuer für Fahrräder in Kraft. Dieselbe verdanken wir der eifrigen Mithilfe der Antisemiten. Der seitherigeVer⸗ treter für Gießen⸗Land, der Antisemit Bähr wollte sogar dieweiblichen Fahrräde, doppelt besteuert wissen, also mit 10 Mark.

** Wetzlar. In den optischen Werkstätten der Firma M. Hensoldt u. Söhne ist die soge nannte englische Arbeitszeit zur Einführung ge kommen. Die in den genannten Werkstätten be schäftigten Personen arbeiten von jetzt an von Morgens 7 bis Nachmittags 4 Uhr mit ½ stün

diger Mittagspause.

** Marburg. Da unsere Polizei vom 1. April n. J. ab städtisch werden soll, beschlossen die Stadtbehörden. eine Immediateingabe an den Kaiser zu richten, in der um Beibehaltung der staatlichen Polizei gebeten wird. Daß man sich hier so gegen die beabsichtigte Neuerung wehrt, hat außer der Sorge für die Mehrkosten auch noch einen andern Grund. Man glaubt nämlich, daß, wenn plötzlich an Stelle der seitherigen Nacht wächter junge Polizeibeamte die Nachtwache aus- üben, gegen die Studenten zustramm vor⸗ gegangen(11!) und dadurch die Universität ge⸗ schädigt werden könne. O, wle rücksichtsvoll!

Partei⸗ Nachrichten.

Versam mlungs⸗Kalender.

Samstag, 4. November: Heuchelheim, Arb.⸗Bild.⸗Verein Abends 8ʃ½ Uhr bei Wirt Germer. Dienstag, 7. November. Schneider, Gießen. Abends ½9 Uhr bei Orbig. Referent: Trilse⸗Cassel.

N

Auf zur Wahl! . An die Wähler des Landtagswahlbezirks Vilbel⸗Büdesheim.

Wie Euch allen bekannt, findet die Wahl⸗ männerwahl am 8. November statt. Arbeiter, Bauern, Gewerbetreibende! Wollt Ihr den Einfluß der Junker und Junkergenossen noch stärken, wollt Ihr ein Mitglied des Bundes der Landwirte, welch letzterer im Be schimpfen und Verläum den der Arbeiter an der Spitze marschiert, welcher für die Zuchthausvorlage schwärmt, dann wählt den Grafen Oriola.

Wollt Ihr dagegen einen arbeitenden Volkes, wollt Ihr einen Be kämpfer alles Unrechts, alles Kli⸗ quen⸗ und Vetternwesens, einen Freund jedes Fortschrittes, dann wählt den sozialdemo kratischen Kandidaten, den Stadtverordneten Eduard Krumm in Gießen.

All Ihr Kleinen in Stadt und Land, nehmt Euch ein Beispiel an den Gegnern, den Großen, die sind einig; seid auch Ihr einig und dann getrost in den Wahlkampf mit dem alten sozial⸗ demokratischen Schlachtru:Vorwärts zum Kampf und Sieg!

Vilbel, im Oktober 1899.

Das soziald. Wahlkomitee.

Vertreter des

Letzte Nachrichten.

Mainz, 2. Nov. Bischof Dr. Paul Leopold Haffner ist gestern Abend infolge eines Schlaganfalls gestorben. Er ist fast 71 Jahre alt geworden.

Briefkasten der Redaktion.

st. Wegen Raummangels zurückgeblieben.

Groß⸗Linden. Derartige Schriststücke ohne Namensunterschrift zu senden, ist ebensotapfer wie hinter verschlossenen Thüren über die Gegner herfallen.

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Sonntag, den 5. November 1899:

Doctor Klaus. Lustspiel in 5 Akten von L'Arronge. Dienstag, den 7. November 1899:

Als ich wiederkam. Lustspiel in 3 Akten von Blumenthal⸗Kadelburg. Mittwoch, den 8. November 1899: Gastspiel von C. W. Büller: Großmama.

Schwank von Th. Dreyer.

Freitag, den 10. November 1899: Gastspiel von C. W. Büller.

Nosenmüller und Finke.

Lustspiel von Toepfer.