Ausgabe 
5.11.1899
 
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Seite. 4.

Aritteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Nr 45.

Einige Thatsachen.

Da wir keine Lust haben, uns mehr als unbedingt nothwendig ist, mit den beiden Anti⸗ semiten Hirschel und Köhler zu beschäftigen, so stellen wir hier kurz zur Kennzeichnung der rückständigen, arbeiter feindlichen Politik der antisemitischen Partei einige Thatsachen fest. Herr Hirschel, der sich jetzt um das Land⸗ tagsmandat für Gießen⸗Land bemüht, schrieb in seiner Zeitung einen Artikel gegen die billigen Arbeiterfahrkarten, in dem die Hauptsätze lauteten:

Die Ermäßigung der Fahrpreise für Industrie⸗Arbeiter nützt fast einzig und allein dem reichen städtischen, jüdischen Kapita⸗ listen.... Mancher Arbeiter würde es vorziehen, bei höherem Fahrpreis lieber auf dem Lande zu bleiben, um der Landwirtschaft.... seine Dienste zu Dien.

Herr Hirschel will genau wie die ostpreußi⸗ schen Junker, daß die Arbeiter hübsch ans Dorf gefesselt werden, damit die großen Landwirte zur Erntezeit stets die nötigen Arbeitskräfte billig zur Verfügung haben. Im Winter, wenn in der Landwirtschaft Ruhezeit ist, können die Arbeiter hungern.

Weiter: Hirschel ist gewissermaßen nur der Geselle seines Meisters Köhler. Letzterer sagte im hessischen Landtag:

Daß die ganze Welt ein Markt ist, kann nicht bestritten werden, allein das wollen wir ja durch eine vernünftige Wirt⸗ schaftspolitik, durch hohe Zölle und Ab sperrmaßregeln ändern, um unsern Pro⸗ dukten einen angemessenen Wert zu sichern.

Auch das ist unverfälschteste Junkerpolitik. Hohe Zölle heißt: Brodwucher, und Ab⸗ sperrmaßregeln heißt: Theuere Fleisch⸗ preise. Damit die Großen gute Geschäfte machen, mögen die Kleinen, die Industrie⸗ arbeiter und die Arbeitsbauern den Leibriemen enger schnallen und hungern.

Auch gegen die Aufhebung der Gesinde⸗ ordnung sind die Herren. Für alle Zeiten sollen die Dienstboten unter der Fuchtel der Herrschaften stehen. Es soll Ihnen verboten bleiben, sich zu organisteren, es soll ihnen ver⸗ boten bleiben, sich bessere Löhne zu erringen.

Wie die ländlichen Arbeiter durch die Ver theuerung der Eisenbahnbillets au die Scholle, so sollen die Dienstboten an die Herrschaft ge fesselt werden und zwar durch Einführung von Dienstprämien, die von 5 zu 5 Jahren ausgezahlt werden sollen. Der Dienstbote, der 55 Jahre bei ein und derselben Herrschaft war, soll sogar einen goldenen Orden haben. Wie gnädig sind doch die Antisemiten. Was würde das für ein erhebendes Gefühl für einen alten Knecht oder eine alte Magd sein, wenn sie sich mehr als ein halbes Jahrhundert in ein und derselben Gutsbesitzersfamilie für einen Hungerlohn abgerackert haben, und dann dafür zur Belohnung mit einem Orden auf der Brust Mist fahren dürfen!

Wie ganz anders ist aber doch die Politik der Sozialdemokraten.

Wir verlangen weitere der Eisenbahnfahrkarten.

Wir bekämpfen den Brodwucher als den scheußlichsten aller Wucherarten.

Wir wollen die Dienstboten von der mittel⸗ alterlichen Gesindeordnung befreien.

Wir verzichten auf Orden und verlangen gute Löhne für jede ehrliche Arbeit.

Die Politik des Herrn Hirschel ist einmal in der zu seinem eigenen Blatt gehörigen Beilage:Die Spinnstube(Verlag von Kohlhammer, Stuttgart), vorzüglich gekenn zeichnet, ohne daß Herr Hirschel es verhindern konnte. Es hieß wörtlich in dieser aus Stutt⸗

Verbilligung

art bezogenen Beilage des Hirschel lattes: Arme können leichter hausen als

Reiche, weil diese weit mehr Sorge haben

als jene. Je mehr man hat, desto mehr muß man sich Mühe geben, damit man nichts davon verliert; und man will nicht nur nichts verlieren, sondern man möchte es auch gerne höher bringen. Z. B. es hätte ein Weib 100 Hennen, wieviel Sorge würde sie haben, daß sie um keine käme und auch um kein Ei! Und so ist es mit den Kapi talien und sonstigen Eigentum. Hingegen die Armen haben es besser, weil sie nicht soviel zu besorgen haben. Treffender kann Niemand die Hirschel⸗ Politik kennzeichnen: Die Armen haben es gut, weil ste nichts haben, also muß für die bedauernswerten Reichen gesorgt werden. Wer diese famose Politik unterstützen will, der wählt am 8. November die Wahlmänner des Architekten Hirschel. Wer aber von einer solchen Politik nichts wissen und die Interessen der geringen Leute vertreten haben will, der wählt die Wahlmänner der Arbeiterpartei, die sich verpflichtet haben, für unseren Kandi⸗ daten Ph. Scheidemann zu stimmen.

Pon Nah und Lern. Stimmzettel! Sinnen uur

alle zum Gießener Landkreis gehörigen Orte wollen die Genossen, soweit das noch nicht geschehen, sofort in der Expedition der Mittel⸗ deutschen Sonntags⸗Zeitung, Sonnenstraße 25 (Buchhandlung) abholen lassen.

* Wählerversammlungen. Am Sams⸗ tag Abend sprach Scheidemann in Rödgen. Die Versammlung war sehr gut besucht und nahm einen vorzüglichen Verlauf. Eine An⸗ regung des Referenten, den Bürgermeister noch einmal zu ersuchen, die Wahl bis Abends 7 Uhr auszudehnen, fand dadurch sofortige Erledigung, daß sich der geschäftsführende Bürgermeister, der in der Versammlung auwesend war, bereit erklärte, dem Wunsch des offenbar weitaus größten Teils der Wähler gern zu willfahren. Geuosse Scheidemann wies darauf hin, daß nicht an allen Orten die Bürgermeister so ein⸗ sichtig wären, im Juteresse der Arbeiter⸗Wähler einmal eine Abendstunde zu opfern. Aber bei den nächsten Bürgermeisterwahlen würden die Arbeiter gründliche Musterung halten und die⸗ jenigen Dorfoberhäupte, die den Arbeitern jetzt so wenig Entgegenkommen zeigen, durch plumpsen lassen.(Allseitiges Bravo!) Als Redner am Schluß seiner mehr als 1½stündigen Ausführungen aufforderte, am 8. November Mann für Mann zur Urne zu gehen und für unseren Wahlmann Kraushaar zu stimmen, da durchbrauste langanhaltender Beifall den Saal.

Die Arbeiter von Rödgen und Trohe werden am Wahltag, am Mittwoch nächster Woche, ihre Schuldigkeit thun.

n. In Watzenborn und Leihgestern hielt am Sonntag der Landtagsabgeordnete Ulrich⸗Offenbach gut besuchte Volksbersamm⸗ lungen ab. Er schilderte, wie erst allmählich das Verständnis für die Wichtigkeit auch der Landtagswahlen in Hessen erwacht sei. In 1885 sind die ersten beiden sozialdemokratischen Hechte in den hessischen Karpfenteich gekommen. Im letzten Landtag waren es dann schon fünf. In eingehender Weise erläuterte Ulrich die Thätig⸗ keit der sozialdemokratischen Fraktion. Manches sei erreicht, viel könne noch erreicht werden, wenn unsere Partei erst stärker im Landtag vertreten ist. Sorgt Ihr dafür, so schloß Ulrich, daß am 8. November unsere Wahlmänner gewählt werden, damit Euer Kreis in Zukunft durch unsern Freund Scheidemann vertreten wird. Ihr kennt ihn alle und wißt, daß bei ihm Eure Vertretung in guten Händen ist. Lebhafter Beifall folgte den trefflichen Aus führungen des Gen. Ulrich. Unser Landtags⸗ kandidat Scheidemann beleuchtete dann die geg⸗ nerische Partei und kam zu dem Schluß, daß es diesesmal für jeden Wähler leicht sein müsse, zu entscheiden. Das Hüben und Drüben sei so klar abgegrenzt, wie wohl nie zuvor.

Dort die Manschetten bauernpolitiker, die im. 8

ehrlichen Arbeiter nur Schlammbeißer er⸗ blicken, hier die einzige ehrliche Volkspartei, die Interessenvertreterin der Kleinen, der Lohn⸗ arbeiter und Arbeitsbauern. Nun zahlt dem Gegner am 8. November die Schlamm- beißer heim! Beide Versammlungen nahmen den schönsten Verlauf. Und wenn die Arbeiter von Watzenborn⸗Steinberg und Leihgestern nun ihre Schuldigkeit thun, dann sind uns die Wahl⸗ männer dort gewiß.

Steuern zahlen!

Von vielen Seiten ist bei uns angefragt worden, welche Steuern jeder Wahlberech⸗ tigte bezahlt haben müßte, um wählen zu können. Darauf diene folgende Antwort:

1. Wer seine Staatssteuern bezahlt hat kann mit den Gemeindesteuern im Rück⸗ stand sein.

2. Wer aber gar keine Staatsstenern zu zahlen braucht, der muß bis zum Wahltag seine Gemeindesteuern bezahlt haben.

Wer kurz vor oder gar erst am 8. No⸗

vember seine Steuern zahlt, muß den Steuer⸗ zettel mit in's Wahllokal nehmen.

Im Geheimen wühlen die Antisemiten in den Dörfern mit Anstrengung aller Kräfte. Angeblich sollen auch hier und da liberale Wahlmänner aufgestellt werden. Da bei der Wahlmänner⸗ wahl einfache Mehrheit entscheidet, so müssen unsere Genossen alles aufbieten, damit sie nicht überrumpelt werden. Auf jede einzelne Stimme kommt es an. Vor 6 Jahren sind uns verschiedene Wahlmänner verloren ge⸗ gangen, weil ihnen nur eine oder wenige Stimmen fehlten. Das kann und muß verhütet werden, gaht. jeder Arbeiter pflichtgemäß zur Urne geht.

Kontrollversamm lungen.

Wir stellen nochmals ausdrücklich fest, daß jeder, der am 8. November zur Kontrollver sammlung erscheinen muß, trotzdem wählen kann. Am Tage der Kontrollversammlung stehen alle Kontrollpflichtigen unter dem Mili⸗ tärgesetz; sozialdemokratische Agitation darf also am Kontrolltage kein Kontrollpflichtiger treiben. Aber wählen kann Jeder!

Ja, er kann es nicht nur, jeder Kontroll⸗ pflichtige muß und wird auch wählen, da es 1 8 auf eine einzige Stimme ankommen ann.

Also, jeder Kontrollpflichtige: vormittags zur Kontrollversammlung und nachmittags zur Wahl!

Laßt Euch nicht irre machen. Es nicht an Leuten fehlen, die Euch einreden werden, Ihr dürftet nicht wählen. Sagt Ihnen, daß Ihr es besser wißt, daß Ihr Euch kein X für ein U vormachen laßt!

Bauernfeinde?

Die Lügen der Gegner, daß die Sozialdemo⸗ kratie die Religion abschaffen wolle, ziehen nicht mehr. Jetzt wird wird wieder mehr von der Bauernfeindlichkeit unserer Partei geschwindelt. Was die Antisemiten darüber sagen sind nichts⸗ würdige Lügen. Die tüchtigsten Kenner der Landwirtschaft im hessischen Landtag waren Sozialdemokraten. Und unsere Partei hat im hessischen Landtag 600000 Mk. zu Gunsten der Landwirtschaft bewilligt. Keine Partei im Landtag hat mehr für die Land⸗ wirtschaft gethan, als gerade die Sozialdemo⸗ kratie. Allerdings sind wir mit der Verwendung dieser 600 000 Mk. im einzelnen keineswegs einverstanden. Die kleinen Bauern haben bisher verflucht wenig von der großen Summe profitiert. Unser Bestreben ist es, hier Abhilfe zu schaffen.

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Flunkersoziales.

* Im Darmstädter Landkreis haben die Anti⸗ semiten und Nationalliberalen einen Regier⸗ ungsrat Noack als gemeinsamen Kandi⸗

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