Mitteldeutsche Sonntags ⸗Zeitung.
Nr. 10.
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Seite 6. 2 8 2 8 Uunterhaltungs⸗Ceil.
* Die Schrift ist möcht ger als das Schwert.
Die Schrift ist mächt'ger als das Schwert, Der Geist ist stärker als die Klingen.
Er ist mit Jovis Blitz bewehrt
Und fliegt mit seines Adlers Schwingen.
Die Schrift ist mächt'ger als das Schwert, Das Wort als Donner der Kanonen
Es leuchtet, zündet und verzehrt
Und trifft in allerfernste Zonen.
Die Schrift ist mächt'ger als das Schwert: Wir werden siegreich niederstrecken
Die Macht, die noch das Volk bethört,
Wie David den Philisterrecken.
J. Stern.
vom Stamm gevissen.
N Roman von E. Langer.
Nachdruck verboten. (Fortsetzung.)
Oettinger hatte bereits die Thür in der Hand, aber bei dem Namen Kries blieb er wie angewurzelt stehen und schaute zurück. Er konnte keinen Augenblick in Zweifel sein, welcher von den Herren diesen Namen trug. Baron Helldorf war eine viel jüngere unbedeutende Erscheinung, blond, von spärlichem Haarwuchs und zur Korpulenz neigend. Jener war also der Mann, in dessen Hause der Liebling seiner Seele weilte, der sie heute, vielleicht vor einer Stunde, ge⸗ sehen! Sein erster Impuls war, vor Herrn von Kries hinzutreten und sich als einen Freund Valeskas vorzustellen, doch fiel ihm noch zeitig genug die Mission ein, in der er sich hier be⸗ fand, und die Stellung, welche er dadurch diesem Aristokraten gegenüber einnahm.
Sein Schwanken hatte nur einen Moment gedauert und war von niemand bemerkt worden. Hastig schritt er hinaus. In demselben Augen⸗ blick brachte der Wirt den von Helldorf be⸗ stellten Wein.
„Nicht hier“, herrschte Herr von Kries ihn an.„Stellen Sie uns einen Tisch in der Schenk⸗ stube neben dem Saale auf, wo wir den Spektakel ungesehen mit anhören können.“
Der Wirt, der sich vor Eifer am liebsten gevierteilt hätte, setzte wieder die Gläser zusammen und bat die Herren, ihm zu folgen.
Im Saale, der Kopf an Kopf gedrängt voll war, sodaß die Menschen in der offenen Thür und bis auf die Straße b n standen, herrschte tiefes Schweigen, nur das volltönende Organ DOettingers war vernehmlich. Es machte doch einen eigentümlichen Eindruck auf unsere drei Aristokraten, dieses andächtig lauschende Audi⸗ torium. Unwillkürlich traten sie leiser auf.
Bald fühlten auch sie sich von den klaren und durchaus leidenschaftslosen, sachgemäßen Ausführungen Oettingers über den sie so nahe berührenden Gegenstand gefangen, wenn sie auch weit entfernt waren, sich dadurch in ihren An⸗ schauungen irre machen zu lässen.—
Der Beifall, der den Redner oft unterbrach, und der Jubel, der ihm am Schlusse lohnte, ließen ihn den dreien nur um so gefährlicher erscheinen.
Ueber den kleinen runden Tisch gebeugt, steckten sie flüsternd die Köpfe zusammen.
„Und da sollten die entschiedensten Maßregeln nicht am Platze sein?“ piepfte der Major mit wild gerunzelten Brauen.„Mit allen Kräften muß man danach streben. Aber einstweilen heißt es, sich selbst zu helfen. Ich bin dafür, daß wir uns ein paar handfeste Knechte dingen, die uns den Burschen e und windelweich prügeln, das ist die beste Art, uns von dem Gelichter zu befreien.“
„Nein, man übt eine Pression auf die Wirte aus, daß sie diesen Maulhelden ihr Lokal ver⸗
weigern“, fiel Baron Helldorf phlegmatisch ein. „Die Landräte müssen uns dabei unterstützen. Es ist schließlich die Sache jedes anständigen Menschen, diese staatsauflösenden Tendenzen zu bekämpfen.“
„Gemach, meine Herren, mit solchen Gewalt⸗ maßregeln dringen wir vorläufig nicht durch. Wir müssen mit den bestehenden Gesetzen rechnen. Ich bin der Meinung, wir berufen ebenfalls eine Versammlung und stellen diesem Herrn einen Redner gegenüber, der die Sache von unserem Standpunkte beleuchtet. Leider bin ich selbst kein Redner, und offen gestanden, es wäre mir auch nicht gut genug. Aber ich habe an Amtmann Jahnke gedacht. Ein bürgerlicher Konservativer, kein Grundbesitzer, sondern ein Domänenpächter, und einer, der zu beweisen im stande ist, daß rot grün und grün rot ist, das wäre unser Mann. Er hätte das Vertrauen der Leute für sich, weil er nicht pro domo spräche. Sie, Major, wohnen ihm am nächsten. Sie müssen gleich morgen zu ihm und ihn be⸗ arbeiten, ihm die Sache plausibel machen, nötigen⸗ falls darauf hinweisen, daß er nicht ganz um⸗ sonst arbeiten würde u. s. w. Ich selbst denke auch nicht unthätig zu bleiben. Ich habe schon einen Artikel für unser Kreisblatt im Kopfe, der sich gewaschen haben soll. Und Sie, Helldorf, müssen Ihre Freunde unter den Nationnallibe⸗ ralen im Reichstag bearbeiten, daß ein Gesetz gegen die Umstürzler zustande kommt. Thun wir jeder, was er vermag, dann werden wir ihrer schon Herr werden.“
Damit erhob sich Herr von Kries, seine mächtige Gestalt dehnend und mit allen zehn Fingern durch Haar und Bart streichend, wäh⸗ rend seine Freunde unmutig in das Licht starrten, der eine heftig seine Zigarre rauchend, der an⸗ dere seinen marterialischen Schnurrbart rechts und links drehend.
Gewohnt, seinen Willen überall als Gesetz anzusehen, nahm Herr von Kries das Schweigen der beiden als Zustimmung und hielt die Sache für erledigt.
„Jetzt aber, meine Herren, will ich nach⸗ hause“, sagte er, indem er dem Wirt ein Zeichen gab, Bezahlung zu nehmen.„Ich muß doch wieder einmal einen Abend in der Familie zu⸗ bringen. Man ist davon schon ganz entwöhnt. Den ersten Feiertag bitte ich Sie zu mir zu Gaft. Werden etwas schönes zu sehen bekom⸗ men“, setzte er schmunzelnd hinzu, während sich alle drei in die vom Wirt herbeigeholten Pelze hüllten.
„Auf Triburg bekommt man immer etwas schönes zu sehen“, fistulierte der Major.„Bitte mich den Damen zu empfehlen.“
„Gehorsamster.“
„Gehorsamster.“
Ueber den jetzt verödeten Marktplatz läuteten die Schlitten in die schmutzig⸗graue Schneeland⸗ schaft hinaus. Durch die trübe Wolkendecke schimmerte der Mond im Zenith wie durch Oel⸗ papier. Von Zeit zu Zeit fegte ein hohler Wind über die Ebene— ein Vorbote der nahenden Frühlingsstürme.
V.
In Triberg war jedermann überrascht, Herrn von Kries so zeitig heimkehren zu sehen. Das war früher nie vorgekommen. Die gastlichen Häuser der Nachbarschaft hatten ihn sonst bis nach Mitternacht zu fesseln gewußt. Die Fa⸗ milie, welche durch die Ankunft des Hausherrn heute ein wenig aus dem gewohnten Gang ge⸗ kommen war, hatte sich erst nach dem Abendbrot in dem Musikzimmer zusammen gefunden, um sich noch einmal zwanglos an ihren Lieblings⸗ stücken zu erfreuen. Valeska war in fröhlichster Stimmung. Es war ihr gelungen, in der ersten Dunkelstunde unbemerkt und unbegleitet nach dem Inspektorhaus hinüber zu schlüpfen und ihren Brief an Herrn Thäns, der sich der An⸗ gelegenheit mit großer Wärme annahm, zur Be⸗ förderung zu übergeben. Sie hatte dabei gleich⸗ zeitig den kranken Holzknecht besucht und zu ihrer Befriedigung vernommen, daß heute in der That noch niemand vom Herrenhause nach ihm gesehen und sich nach seinen Bedürfnissen erkundigt hatte.
So hatte sie mit ihrem Gange zugleich einen guten Zweck verbunden und dem einsamen kranken Mann eine gute Stunde bereitet. Nie hatte sie sich mit fröhlicherem Herzen zu der Familie gesellt, nie sich mit größerer Bereitwilligkeit an den Flügel gesetzt, als jetzt, da Frau von Kries sie aufforderte, das neu einstudierte Terzett aus dem Rossinischen Tell mit ihren beiden Töchtern zu singen. Fräulein Rosa, die ihre Heiserkeit zwar noch nicht überwunden, aber doch gern vor ihrem Bräutigam glänzen wollte, hatte ihre Mit⸗ wirkung nicht versagt.
Taede der Stimmen hatte ihren Einzelpart gesungen und eben klangen alle drei in den nachfolgenden figurierten Gängen zusammen, als sich die Thür öffnete und Herr von Kries darin erschien. Erschreckt wollten die Töchter abbrechen, allein der Vater bedeutete sie durch eifriges Zu⸗ winken mit beiden Händen, daß sie fortfahren möchten. Leise auftretend schritt er auf seine vor Freude errötende Frau zu, die ihm schon von ferne die Hand entgegenstreckte, und ließ sich behaglich an ihrer Seite nieder. Dem Ge⸗ sange folgte er mit aufmerksamem Ohre. Ganz stolz blickte Frau von Kries bald auf ihn, bald auf ihre Töchter, denn Valeska hatte in der kurzen Zeit aus den Stimmen der Mädchen viel gemacht und das reizende Terzett in einer Weise einstudiert, daß an Präzision und Reinheit nichts zu wünschen übrig blieb. Als sie geendet, erhob sich der Gutsherr lebhaft und schritt auf die Sängerinnen zu. J
Ta bonheur! Solche Hauswusik läßt man sich gefallen“, sagte er und strich der ihm zunächst stehenden Agnes, welche die Oberstimme gehabt hatte, die zartgerötete Wange.„Kinder, Ihr überrascht mich außerordentlich, und Ihnen, mein Fräulein, bin ich für dieses Resultat Ihrer Bemühungen aufs tiesste verpflichtet“, wandte er sich verbindlich an Valeska. Ich gestehe, ich bin in bezug auf Musik ein Epikuräer, wenn ich die Kunst auch nicht selbst ausübe. Was ich höre, muß annähernd vollendet sein. Es ist für einen alten Landschweden vielleicht sehr komisch, ein so empfindliches Ohr zu haben“, lachte er.„Ich bin daher auch selten genug in Berlin in der Oper gewesen. Wen bekommt man denn dort zu hören? Unter uns, es ist ein wahrer Skandal; mit zwei oder drei Ausnahmen, alles abgenutzte oder noch grüne, ungeschulte Stimmen. Sie, mein Fräulein, haben eine Prachtstimme. 85 müssen uns noch etwas allein zum besten⸗ geben.“
So plauderte er sehr angeregt, in der Biegung des Flügels lehnend. Seine Frau strahlte vor Glück.
Valeska kam seiner Aufforderung sogleich in liebenswürdiger Weise entgegen und sang ein munteres, neckisches Lied, bei dem der Vortrag die Hauptsache war. Herr von Kries hing mit Auge und Ohr an der Sängerin. Nachdem er sich im Beifallspenden ershöpff, rief er plötzlich:
„Diesen Abend, Kinder, müssen wir noch durch Champagner feiern. Elfchen, wo steckst Du? Fix, laufe und sage Karl, daß er uns ein paar Flaschen von denen aus dem obersten Fach heraufholt. T“
„Papa, das ist ein famoser Einfall“, rief der Lieutenant, der mit seiner Braut schäkernd in dem länglichen, geräumigen Zimmer auf und abging.„Ich fühle mich so bedrückt von dem neuen glänzenden Talent meiner Braut, daß ich wirklich eine Aufmunterung brauche. Was für eine unbedeutende Rolle werde ich Aermster der⸗ einst neben meiner Frau spielen. Ich werde mich gar nicht mehr hören lassen können.“
„Das ist ein wahres Glück“, lachte Rosa. „Es ist zum Davonlaufen, wenn Du singst, keine Spur von Gehör. Ich weiß nicht, wie Du und Papa in dieselbe Familie kommen.“ „Da Du das Mittelglied darstellst, so sind die beiden Extreme nicht sehr verwunderlich“, schaltete Fräulein Adele ein, die immer gern
ihre Bildung hervorleuchten ließ, und die das
Wort„Champagner“ nicht weniger als“ den Lieutenant elektrisiert hatte.
ächtlich gegen sie die Achseln, da sie die Aeuße⸗
Rosa zuckte ver⸗
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