Herr von Kries gemütlich vernehmen.
Nr. 10.
Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.
Seite 7.
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rung keineswegs verstanden und nur eine Ver⸗
kleinerung ihres Talentes herausgehört hatte.
„Na, Kinder, zankt Euch nicht“, ließ sich
„Setzen Mama läßt
Hier kommen
wir uns lieber um den Kamin.
schon frisches Holz auflegen. unsere Flaschen.“ (Fortsetzung folgt.)
Aus der Bulturgeschichte unserer Bauernschaft.“
Von Karl Kautsky.
Eine Revolution der Nahrung des Bauern vollzog sich in unseren Gegenden vom 15. Jahr⸗ 8 an. Noch im 14. Jahrhundert lieferten
ald, Weide, Wasser und Geflügelhof reichliche Fleischnahrung. Fleisch war damals die ge⸗ wöhnliche tägliche Speise des gemeinen Mannes in ganz Deutschland. Zwei bis drei Fleisch⸗ peisen für Tagelöhner im Tag waren nichts gewöhnliches.
Wie verbreitet der Fleischkonsum in jener Zeit war, zeigt uns eine Berechnung Klödens, der zufolge in Frankfurt an der Oder im Jahre 1308 der Fleischkonsum mindestens 250 Pfund pro Kopf der Bevölkerung betrug, während heute der Fleischverbrauch Berlins pro Kopf zwischen 130—150 Pfund schwankt. In Breslau betrug er 1880—1889 gar nur 86 Pfund.
Im 16. Jahrhundert fiel die Entscheidung gegen die Bauern. Der Wald und das Wasser wurden ihnen verschlossen, das Wild, statt dem Bauern Nahrung zu geben, verwüstete seine Nahrung. Die Weide wird eingeschränkt, was der Bauer noch an Vieh und Geflügel aufzieht,
* Siehe Nr 6, 7, 8 und 9 der„M. S.⸗Ztg.“
muß er, abgesehen vom Zugvieh, in die Stadt verkaufen, um das nötige Geld aufzutreiben. Der Tisch des deutschen Bauern wird nun rasch arm, dieser selbst ein Vegetarier, gleich dem Hindu.
Schon 1550 jammerte der Schwabe Heinrich Müller:„Noch bei Gedenken meines Vaters, der ein Bauersmann war, hat man bei den Bauern ganz anders gegessen als jetzt. Da waren jeden Tag Fleisch und Speisen im Ueber⸗ fluß, und auf Kirmessen und anderen Gastereien, da bersteten die Tische von alledem, was sie tragen sollten; da soff man Wein, als wäre es Wasser, da fraß man in sich und nahm mit sich, was man wollte, denn da war Wachstum und Ueberfluß. Das ist jetzt anders geworden. Es ist eine gar kostspielige und schlechte Zeit ge⸗ worden seit vielen Jahren, und ist die Nahrung der besten Bauern fast viel schlechter als von ehedem die der Taglöhner und Knechte war.“
Aber der Rückgang in der Viehproduktion mußte bald auch einen Rückgang der Körner⸗ produktion nach sich ziehen. Denn je weniger Vieh, um so weniger Dünger. Vielfach litt aber auch die Bestellung des Ackers, wo die Abnahme der Viehzucht zu einer Verringerung des Spannviehs führte. In derselben Richtung wirkte die Vermehrung der feudalen Hand⸗ und Spanndienste, welche die Arbeitskräfte des Bauern gerade dann, wenn er ihrer in der eigenen Wirt⸗ schaft am notwendigsten bedurfte, für die Wirt⸗ schaft des Gutsherrn in Anspruch nahmen.
Gerade damals, als die Menge der Produkte wuchs, welche die Landwirtschaft an die Stadt abzugeben hatte, und als es notwendig wurde, das dadurch entstehende Defizit durch vermehrte Düngerzufuhr und intensivere Bearbeitung des Bodens zu decken, wurde die Düngerzufuhr und die Bodenbearbeitung immer mehr reduziert. Die Folge davon war der Rückgang der bäuer⸗
2 rr lichen Wirtschaft, zunehmende Aussaugung des Bodens, wachsende Unfruchtbarkeit der Aecker. Kaum genügten diese, in guten Jahren den Bauer über Wasser zu halten; ein Mißjahr oder ein feindlicher Einfall, ehedem ein vorüber⸗ gehendes Uebel, reichten nun hin, ihn gänzlich zu ruinieren.
Wir haben gesehen, wie der Bauer im 16. Jahrhundert ein Vegetarier warde, im 17. und 18. hörte er in manchen Gegenden überhaupt auf, sich satt zu essen Bekannt ist die Be⸗ schreibung, die hundert Jahre vor der großen Revolution Labruyere vom französischen Bauern gab:„Es giebt eine Art menschenscheuer Tiere, Männchen und Weibchen, schwarz, hager und sonnenverbrannt; sie finden sich auf dem Lande und sind an den Boden gekettet, den sie mit unbesiegbarer Ausdauer aufwühlen und umgraben. Sie haben etwas wie eine artikulierte Stimme und zeigen, wenn sie sich aufrichten, ein mensch⸗ liches Gesicht. In der That, es sind Menschen, die sich des nachts in Höhlen zurückziehen, wo sie von Schwarzbrot, Wurzeln und Wasser leben.“ In manchen Dörfern lebten die Bauern nur von Gras und Feldkräutern. Massillon, Bischof von Clermond⸗ Ferrand, schrieb 1740 an Fleury: „Unser Landvolk lebt in furchtbarem Elend. Die meisten entbehrten das halbe Jahr hindurch sogar das Gersten⸗ und Haferbrot, das ihre einzige Nahrung bildet.“
(Fortsetzung folgt.) — e„ 8 wee Nee vor.
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