Seite 4

Mitteldenutsche Sonntags⸗Zeitung.

Nr. 10.

müßten gestärkt werden. Die 53 Jahre Zucht⸗ haus, die in Dresden über 9 Arbeiter verhängt wurden, müßten dem letzten Arbeiter die Augen öffnen. Zum 4. Punkt der Tagesordnung:

Die bevorstehende Landtagswahl

referiert Gen, Scheidemann. Er schilderte die ver⸗ fassungsgemäßen Rechte der Hessen und die Rechte und die Zusammensetzung der beiden Kammern, die den Landtag bilden. Das wichtigste aus seinen Aus⸗ führungen, soweit es hinsichtlich der kommenden Wahlen Interesse für die Leser der Mitteld. S.⸗Ztg. hat, ver⸗ öffentlichen wir in nächster Nummer unter dem Titel: Der hessische Landtag. Gen. Beckmann fordert auf, vor allen Dingen dafür zu sorgen, daß die im Kreis ansässigen Nichthessen sich naturali⸗ sieren lassen. Das sei angesichts des Zuchthausgesetzes und der Ausweisungen, die in letzter Zeit an verschie⸗ denen Orten erfolgt sind, dringend notwendig. Redner glaubt nicht an eine große Wahlbewegung. In der Hauptsache werde sich derKampf in den einzelnen Dörfern so ziemlich unter Ausschluß der Oeffentlichkeit abspielen. An der lebhaften Diskussion beteiligten sich die Genossen Bock, Dahmer, Schupp, Krumm, Linden⸗ struth, Heberer und andere. Krumm verlangt, daß unsererseits dafür gesorgt werden müsse, daß die Wahl⸗ bewegung in Fluß gebracht und mit Energie be⸗ trieben werde. Wir müßten dafür sorgen, daß sich die Wahlbewegung nicht unter Ausschluß der Oeffentlich⸗ keit abspiele. Gen. Krumm stellt folgenden Antrag: Der Kreiswahlvereins⸗Vorstand wird beauftragt, die zur Agitation nötigen und ihm am geeignetsten erscheinenden Schritte einzuleiten. Dieser Antrag wird einstimmig angenomen. Zum nächsten Punkt der Tagesordnung:

Ausban unserer Organisation

hat Gen. Bock das Referat. Dem Kreis⸗Wahlverein gehören über 500 Mitglieder an, die regelmäßig Bei⸗ träge zahlen. Die Neueinführung der Landesbeitrags⸗ marken habe sich bereits glänzend bewährt. Nie sind mehr Gelder eingegangen als jetzt, wo die gemeinsame Marke eingeführt ist. Es sei dringend notwendig, daß die Genossen, in deren Wohnorten bereits Organi⸗ sationen bestehen, die Nachbarorte agitatorisch bearbeiteten und Org anisationen grün⸗ deten. Gen. Nibch verlangt eifrige Thätigkeit des Vorstandes vom Kreis⸗Wahlverein. Dort, wo es an befähigten Genossen fehlte zur Leitung der Organi⸗ sationen, müsse der Vorstand der Kreis⸗Wahlvereins hilfreich zur Seite stehen. Gen. Scheidemann empfiehlt Agitation von Mund zu Mund, von Dorf zu Dorf. Dort, wo Organisationen zu begründen unmöglich sei, sollten die Genossen als Einzelmit⸗ glieder gewonnen werden. Noch hunderte könnte man so für den Kreis⸗Wahlverein gewinnen. Kon⸗ statiert müsse auch werden, daß Bocks Bericht im Widerspruch stehe mit den Einzelberichten der Delegier⸗ ten. Diese haben geklagt, der Kreisvertrauensmann, der den ganzen Kreis unbeeinflußt übersieht, hat Erfreuliches berichtet. Die Klagelieder wären Zeichen der Unzufriedenheit der pflichteifrigen Genossen, denen nie genug gethan wird, die nie rasten. Gewiß könne vieles auf den Dörfern besser werden, aber trotz der Klagelieder können wir mit Freude sagen: es geht überall vorwärts!

Gen. Krumm hält alsdann einen eingehenden Vortrag über die

Presse.

Unser Parteiblatt habe schöne Fortschritte gemacht. Wir können auf das Erreichte stolz sein. Aber dennoch müsse auf das eifrigste weiter gearbeitet werden. In keinem Hause dürfe die Mitteld. S.⸗Ztg. fehlen. Redner beleuchtet dann das feige Verhalten der gegnerischen, namentlich der sogenannten unpar⸗ teiischen und der Amtspresse. DerGießener Anzeiger, um hier nur ein einziges Beispiel anzu⸗ führen, habe es bis heute noch nicht übers Herz gebracht, seinen Lesern mitzuteilen, daß in Offenbach 17 Sozial⸗ demokraten in die Stadtverordnetenversammlung ge⸗ wählt wurden. Redner weißt auch auf das Un⸗ sittliche der sogenanntengutgesinnten Presse hin. Vorn wird gegen diesittenlose Sozialdemokratie gedonnert und im Inseratenteil werden Gummiartikel empfohlen und Heiratsinserate aufgenommen. Fort mit dieser ebenso feigen, wie sittenlose Presse. Genosse Krumm giebt dann anheim, der Frage näher zu treten, ob es sich nicht empfehle, der Herausgabe eines täglich erscheinenden Blattes näher zu treten. Der Abonnentenstand der M. S.⸗Z. sei jetzt so groß, daß wir zu der Annahme berechtigt wären, auch ein Tageblatt lebensfähig gestalten zu können. Redner stellt einen Antrag, der die Preßkommission beauftragt, die angeregte Frage einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Natürlich müsse die Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung unter allen Umständen auch dann als Wochenblatt beibehalten werden, wenn wir ein Tageblatt neu begründeten. In der sehr angeregten Diskussion, die sich an die Ausfüh⸗ rungen Krumms knüpft, wird allgemein dem angeregten Projekt die größte Sympathie entgegengebracht. Der Antrag Krumm wird einstimmig angenommen. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Genosse Beck⸗ mann regt an, in Zukunft die Konferenzen stets in Gießen abzuhalten, weil das am bequemsten von allen Seiten zu erreichen wäre. Dieser Vorschlag wird ab⸗ gelehnt und beschlossen, die nächste Kreis⸗Konferenz in Lollar abzuhalten.

In einem kernigen Schlußwort forderte der Vor⸗ sitzende Bock die Versammelten es hatten mindestens 100 bis 120 Genossen den Verhandlungen beigewohnt zu eifriger fernerer Arbeit auf und schloß dann

mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Sozialdemokratie die vorzüglich verlaufene Kreis⸗ Konferenz.

Von Nah und Fern.

Mitteilungen aus unserem Beserkreise find jederzeit willkommen

Die Ehre unserer Sache e natürlich strengste Gewissenhaftigke t

dei Uebermittelung von Nachrichten. Wir bitten, alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben.

Gültig erklärte Stimmen.

* Bekanntlich wurden bei den letzten Stadt⸗ verordnetenwahlen in Gießen für Gen. Krumm 117 Stimmen für ungültig erklärt, weil der Name Eduard nicht ansgeschrieben war. Die Ungültigkeitserklärung wurde ausgesprochen, weil in Gießen seit einigen Monaten ein jüngerer Kaufmann namens Edmund Krumm ansässig sei. Die Ungültigkeitserklärung der Stimmen hatte zur Folge, daß unser Genosse nur für drei Jahre gewählt galt, während er andern⸗ falls auf sechs Jahre gewählt gewesen wäre. Genosse Krumm protestierte gegen die Un⸗ gültigkeitserklärung der Stimmen und ftützte seinen Protest auf den Umstand, daß sein Namens⸗ vetter erstens dem Lebensalter nach und zweitens auch wegen der Kürze seines hiesigen Aufenthaltes weder wahl fähig noch wahl⸗ berechtigt sei. Wolle man sich lediglich nach der Aehulichkeit der Namen in solchen Fragen richten, ohne nach der Wahlfäh igkeit zu fragen, dann könne es passieren, daß auch ein Säugling die Ungültigkeitserklärung von Wahl⸗ stimmen veranlassen könne. Der Kreisaus⸗ schuß stellte sich auf die Seite Krumms und erklärte die Stimmen, welche für ungültig erklärt waren, für gültig. Damit ist Gen. Krumm für sechs, Herr Architekt Huhn nur für drei Jahre gewählt.

Abendunterhaltung derEintracht.

* Auch an dieser Stelle sei nochmals auf die am Samstag, den 4. März, abends von halb 9 Uhr ab im Café Leib stattfindende Abend⸗ unterhaltung des GesangvereinsEintracht hin⸗ gewiesen.

Geflügelausstellung auf dem Windhof.

* Allem Anscheine nach wird auf der Ge⸗ flügelausstellung, die auf dem Windhof bei Gießen stattfindet, recht viel geboten. Ein Besuch der⸗ selben ist sehr zu empfehlen.

Trauerbotschaft aus Krofdorf.

n. Unser Parteigenosse Max Meidel ist nach kurzem Krankenlager hierselbst an Lungen⸗ entzündung gestorben. Der Verstorbene stand erst im 21. Lebensjahre und war kaum zwei Jahre hier ansässig. Aber selten dürfte sich in unserem Orte jemand einer größeren Beliebtheit erfreut haben als dieser lebenslustige und immer hilfsbereite Anhalter Glasergeselle. Nach über⸗ einstimmendem Zeugnis zahlreicher Gewährs⸗ männer hat eine Beerdigung in Krofdorf nie unter zahlreicherer Beteiligung stattgefunden als diejenige des jungen Meidel am vorigen Sonntag. Das mag den schwergeprüften Eltern des Ver⸗ storbenen, die hergeeilt waren, zum Troste ge⸗ reichen. Für unsere Partei in Krofdorf bedeutet der Tod des pflichtbewußten Genossen einen recht empfindlichen Verlust. Keiner war eifriger, keiner pflichtbewußter wie er. Dem braven Genossen ist ein treues Andenken gesichert. Er ruhe in Frieden.

Aus Wetzlar.

f. Im hiesigen Handwerker verein sprach kürzlich der Landrat Dr. Goedecke über die Organi⸗ sation der Handwerker. Er führte aus, daß die Handwerkerkammern als legitime Vertretungen des Handwerks auch zur Begutachtung neuer Gesetzentwürfe berufen wären. Auch sei ihnen anheim gegeben, selbst mit Anregungen und An⸗ trägen hervorzutreten. Eine solche Vertre⸗ tung des Handwerks, die die Regie⸗

rung zu hören und zu beachten ver⸗ pflichtet ist, fehlte bisher, wäre sie schon früher dagewesen, so wäre, um nur ein Beispiel heraus zu greifen, die vielbefehdete Bäckereiverordnung vielleicht nicht in der Gestalt erschie⸗ nen, in der sie nunmehr existiert.

Bekanntlich ist diese Verordnung zum Schutze von Leben und Gesundheit der Bäckerei⸗ arbeiter so ziemlich das beste, was in den letzten Jahren vom Bundesrat geschaffen wurde. Welch rückständige Ansichten unter den Hand⸗ werkern vorherrschen, 80 aus einer Aeußerung

des Schmiedemeisters Beford hervor. Derselbe meinte:Heutzutage regelten die Gesellen die Meister, anstatt umgekehrt. Der erste Teil dieses Satzes ist nicht wahr, der ausgesprochene Wunsch, daß die Meister die Gesellenregeln sollten, ist ein sehr mittelalterlicher. Beide Teile Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollten gleichberechtigt sein. Davon wollen aber die Unternehmer nichts wissen. Das Koalitions⸗ recht der Arbeiter ist dem Unternehmertum ein Dorn im Auge und jeder polizeiliche Eingriff in die Rechte der Arbeiter wird im Lager des Unternehmertums jubelnd begrüßt. Aber für die Unternehmerorganisationen wird freie Bahn verlangt, auf daß mit Verrufserklärungen und durch Verbreitung von schwarzen Liften die Ar⸗ beitergeregelt werden können. So steht es heutzutage mit dem gleichen Recht für Alle.

Eine Reichstagsneuwahl? Die Wahlprüfungskommission des Reichstags hat die Wahlunseres nationalliberalen Abg. Krämer beanstandet. Damit ist unserVolksvertreter allerdings noch nicht aus dem Reichstag. Von selbst wird er nicht gehen, bis aber das Plenum eine Entscheidung trifft, kann noch manches Tröpf⸗ lein die Lahn entlang fließen. Beanstandet war die Wahl von denChristlich undDeutsch Sozialen. Beide würden sich im Falle einer Neu⸗ wahl auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen und zwar sicherlich auf einen antisemitischen. Entweder würde man Herrn Zimmermann präsentieren, den die Dresdener, oder Herrn Hirschel, den die Oberwälder aus dem Reichs⸗ tag hinausgeworfen haben. Warten wir's zu⸗ nächst ab und halten wir das Pulver trocken.

Aus Marburg.

n. Wegen seines äußerst rüpelhaften Beneh⸗ mens auf der Kirmes zu Langenstein stand der aus der Wahlzeit bekannte, stetige Begleiter Dr. Böckels, der 23jährige Bahnschreiber J. Wege aus Kirchhain, vor der hiesigen Strafkammer. Der urteutsch⸗antisemitische Germane erhielt vier Wochen Gefängnis. Eine Untersuchun wegen einer Messeraffäre schwebt no gegen ihn.

Gegen die Arbeiterfahrkarten

ist einstweilen die Parole der Junker und ihrer Handlanger. Denn gegen die Freizügigkeit ift im Augenblick der Kampf noch etwas zu aussichtslos. Sehr langsam haben sich die Staatsbahnen dazu verstanden, Arbeitern, die in der Stadt arbeiten, gewisse Fahr vergün⸗ stigungen zu gewähren, um das gesündere und billigere Wohnen auf dem Lande zu ermöglichen; noch sehr viel lassen diese Einrichtungen zu wünschen übrig. Aber schon in dieser Ausdehnung sind sie den Arbeiterfeinden ein Dorn im Auge, denn es könnte ja dadurch einem Arbeiter erleich⸗ tert werden, sich der manschettenbäuerlichen Zwangsherrschaft zu entziehen. Deshalb liefen sie Sturm im preußischen Abgeordnetenhause gegen die Arbeiterfahrkarten. Inwieweit die preußische Regierung diesem Ansturm weichen wird, läßt sich noch nicht übersehen. Es wird unseren Lesern noch in guter Erinnerung sein, daß auch das Organ des Abg. Köhler vor längerer Zeit gegen die billigen Arbeiterfahr⸗ karten,die nur den jüdischen Kapitalisten nützten, gewettert hat. Die Freisinnigen haben folgenden Antrag im preußischen Abgeord⸗ netenhause, in dem bekanntlich die Sozialdemo⸗ kratie nicht vertreten ist, eingebracht:Das Haus wolle beschließen: gegenüber der kgl. Staatsregierung die Erwartung auszusprechen, daß bei den Staatseisenbahnen die Ausgabe von Arbeiterrückfahrkarten und Arbeiterwochenkarten mindestens in dem bisherigen Umfange bei⸗ behalten werde. Ein recht zahmer Antrag.

Ein deutsches Schiff gerettet.

Das der Hamburg⸗Amerikanischen⸗Packetfahrt⸗ Aktien⸗Gesellschaft gehörige SchiffBulgaria

Raumes 4

ferde de. des anholter Tage üb! Morgen de von neuem! und später schuere At Bolzen in d gänzlich ver gang es, und nachde. des Ruderb Schiff mit! werden. 2 außzurichter der inmer der, Lulen brennen. nahm sümtl und schlug Treppen git den Nusa Wilhelm Ke honnte dez werden. S Ire Befeh

Der U übernenschl unb die üb des Schiff Borten ged 0 dieses legen Tage

Par Ven

Alsfeld. de Peser