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Nr. 10.
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enken wir an den berüchtigten Leipziger Sozialistenprozeß vom Jahre 1870. Hier wurden die Sozialdemokraten auch ohne rechten Be⸗ weis verurteilt. Ein gelehrtes Richter⸗ kollegium hätte das schwerlich gethan: Laien aber, die für ihren Geldbeutel zittern, fühlen sich einer solchen Partei gegenüber auch als Partei.“ Wer hat obige Ansicht über die heutigen Ge⸗ schworenen ausgesprochen? Etwa ein Sozial⸗ demokrat? Nein! Das hat der königlich preußische Hof⸗Historiograph Professor von Treischke ausge⸗ sprochen.(Siehe: Politik. 130 II. Seite 440.)
Die freisinnige Partei im Fackelschein. Es war gewiß eine treffliche Charakterisierung des Oberpräsidenten v. Köller, als Herr Munkel, Mitglied der freisinnigen Volkspartei, im Reichs⸗ tage sagte:„Mir scheint es jedenfalls nicht ge⸗ schmackvoll, daß der Oberpräsident über einige ausgewiesene Dienstmädchen bei Fackelschein triumphiert.“— Leider ist von diesem Fackel⸗ schein auch etwas auf die freisinnige Volks⸗ partei gefallen. Alle Dementis der freisinnigen Parteileitung, als seiner Zeit bekannt wurde, daß sich die Freisinnigen Schleswigs an der Ehrung des Oberpräsidenten be⸗ teiligen wollten, schaffen die Thatsachen nicht aus der Welt, daß die Freisinnigen in Schleswig von Anfang an bei den Vorbe⸗ reitungen zum Fackel zuge beteiligt waren. Der tiefe Schmerz, der die Brust dieser frei⸗ sinnigen Helden durchwühlte, als Herr v. Köller anfangs den geplanten Fackelzug ablehnte, ist ge⸗ hoben worden, denn Se. Excellenz haben gnädigst 7 1 den Fackelzug gelegentlich der Tagung es Provinziallandtages entgegenzunehmen. Am letzten Donnerstag fand der Fackelzug statt, schon einige Tage vorher hatte das Komitee, darunter ein Herr Röschmann als Vertreter der freisinnigen Vereinigung, und ein Herr F. Kohlert als Vorsitzender des volks⸗ parteilichen Wahlkomitees, eine Ein⸗ ladung ergehen lassen an die Schleswiger Bürger⸗ schaft, sich zahlreich an der Ehrung des Ober⸗ präsidenten zu beteiligen. Und sie waren zahl⸗ reich erschienen, die Vertreter aller bürgerlichen Parteien, selbst das führende Organ der Provinz, die„Kieler Zeitung“, hatte ihren Vertreter ent⸗ sandt, so daß der Bürgermeister von Schleswig, Herr Heiberg, in seiner Ansprache an den Ober⸗ präsidenten mit Recht sagen konnte:„Dafür, daß Ew. Excellenz unter Gutheißung unseres kaiser⸗ lichen und königlichen Herrn, unter Zustimmung des Staatsministeriums den von Ihnen be⸗ tretenen Weg eingeschlagen haben, sprechen wir Schleswiger Bürger, und zwar mit Ausnahme der Sozialdemokraten, alle politischen Parteien in ihrer Ge⸗ schlossenheit, Ew. Excellenz unsern unver⸗ geßlichen Dank usw., uneingeschränkte Aner⸗ kennung usw., aufrichtiges Vertrauen aus usw.“ — So was nennt sich freisinnig! Bringt einem preußischen Oberpräsidenten einen Fackelzug, weil er armselige Dien stboten zum Land hinaus weist, um deren Herrschaften dadurch zu treffen, an die er selbst nicht heran kann. Die Wahlrechtshetzer an der Arbeit. Gegen das Reichstagswahlrecht tritt eine Zu⸗ schrift an die Kreuzzeitung unter Bismarck⸗ schem Motto„Wer nicht will deichen, der muß weichen“ ein. Die Zuschrift fordert, daß die Sozialdemokraten zwar das aktive Reichstags⸗ wahlrecht behalten möchten,„aber die Wähl⸗ barkeit muß ihnen entzogen werden und das so bald als möglich, damit nicht durch das Anwachsen ihrer Zahl die Arbeitskraft des Reichs⸗ tages noch mehr gelähmt werde. Es müsse ein Ruf durch das ganze Land brausen: Hinaus mit ihnen aus dem Reichstage!“— Auch die Re⸗ daktion der Kreuzzeitung hält 7 0 Vorschla r„bedenklich“:„Denn wer will prüfen, o ie von e Wählern Gewählten innerlich Sozialdemokraten sind oder nicht.“ „Wie werden wir das allgemeine gleiche Wahlrecht wieder los?“ fragt im „Reichsboten“ ein Einsender, der schon 1870 ein Gegner des allgemeinen gleichen Wahlrechts war. Wo ein Wille ist, da finde sich auch ein
Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.
Seite 8.
Weg. Das aber sei klar:„Will das deutsche Volk seinen Beruf in Gottes Weltordnung er⸗ füllen, so muß es diesen Weg finden!“ Die Frage:„Woher hat denn unser junges Reich diese furchtbaren Pilze, und wie haben sie sich so schnell entwickeln können?“ wird vom Ein⸗ sender dahin beantwortet, daß Fürst Bismarck gleich von Anfang an nicht sorgfältig genug nach Lot und Winkelmaß gearbeitet, sondern unver⸗ sehens das Prinzip der nackten Volkssouveränetät in den monarchischen Bau aufgenommen hat.
Diese Stimmen ermahnen immer von neuem das arbeitende Volk zu eifrigster Aufklärungs⸗ arbeit unter den Gleichgiltigen. Das Wahlrecht will man uns nehmen und dafür sollen wir mit mehr Steuern und dem Zuchthausgesetz bedacht werden.
Das Land und die Sozialdemokratie.
Ueber die Aussichten der Sozialdemo⸗ kratie auf dem flachen Lande äußert sich in einer Zuschrift an die„Straßburger Post“ ein protestantischer Pfarrer, der die ganzen 60 Jahre seines Lebens unter der bäuer⸗ lichen Bevölkerung zugebracht hat, in Erwiderung auf einen von dem genannten Blatte kürzlich über die Ursachen des„Dranges nach den Städten“ veröffentlichten Artikel dahin:
„... Sozialdemokrat ist der Bauer im allgemeinen noch nicht; aber das mo⸗ narchische Gefühl ist in den letzten Jahren auf dem Lande sehr zurückgegangen und wenn die Sozen in ihren Aeußerungen über Religion, Familie und Eigentum etwas klüger gewesen wären, so hätten sie gerade auf dem Lande am meisten Boden gewonnen. Die Berichte über Kriegervereins⸗ und Kaiserfeste können mich über diese betrübende Thatsache nicht täuschen. Auch war ich wahrhaft erstaunt über die Behauptung Ihrer Korrespondenten, der Bauer verstehe so wenig von den Theorien der Sozialdemokratie, als von der Lehre Buddhas. In welcher Gegend muß doch Ihr Herr Korrespondent wohnen? Zehn Jahre war ich in Lothringen, und jetzt bin ich seit 15 Jahren im Elsaß angestellt, und überall habe ich ein sehr feines Verständnis für die Lehren der Sozialdemo⸗ kratie bei dem Bauer gefunden, der stets mit Vorliebe die regierungsfeindlichen Artikel in den Zeitungen liest.“
Derartige Aeußerungen von Kennern der bäuerlichen Verhältnisse sind gewiß dazu angethan, den Eifer zu verdoppeln, mit welchem unsere zur Agitation auf dem Lande berufenen Genossen bisher dort für die Ausbreitung unserer Ideen thätig waren.
Aus dem Reichstag.
Wir haben heute nicht viel zu berichten. Die gründliche Abrechnung, welche unsere Genossen Gradnauer und Heine am Schluß der vorigen Woche mit dem Scharfmacher wegen des Dresdener Zuchthausurteils hielten, soll wort⸗ getreu in Hunderttausenden unter das Volk kommen. Die Buchhandlung Vorwärts giebt nämlich unter dem Titel:„Das Dresdener Zuchthaus⸗Urteil vor dem Reichstag“ diese Reichstags⸗ Verhandlungen im stenogra⸗ phischen Wortlaute heraus, nur wird, des besseren Verständnisses wegen, in einer Einleitung eine knappe Darstellung der Vorgeschichte des Prozesses vorausgeschickt. Die Broschüre wird ca. 50—60 Seiten umfassen, der Preis beträgt 20 Pfg. pro Stück. Indem wir auf unseren heutigen Leitartikel verweisen, empfehlen wir unseren Lesern dringend die Anschaffung der neuen Broschüre. Dieselbe enthält selbstverständlich auch die Reden des Königs Stumm und des sächsischen Generalstaatsanwalts Rüger. Am zweckmäßigsten bestellt jeder die Broschüre bei seinem Zeitungsspediteur.—
Am Samstag und Montag wurde der Etatstitel: Reichseisenbahnen beraten. Bei dieser Gelegenheit brachte Gen. Bueb allerlei Miß⸗ stände zur Sprache und verlangte Abhilfe.
Dienstag und Mittwoch stand auf der Tagesordnung: Spezial⸗Etat Zölle und Ver⸗
brauchs⸗Steuern. Bei dieser Gelegenheit geißelte Genosse Wurm die famose Politik des bekannten nationalliberalen Professors Paasche, der für das Vieh billigen, für die Menschen teuren Zucker gutheißt. 8
Zur Position: Biersteuer lag ein Antrag Paasche auf Vorlegung eines Gesetzentwurfs betreffend das Verbot der Verwendung von Surrogaten, Süßstoffen und sogen. Konservierungsmitteln bei der Bierbereitung vor. Ein Amendement Hermes(freis. Vp.) und Gamp (Rp.) hierzu will das Verbot nur auf die unter⸗ gärigen Biere erstrecfen. Gen. Wurm ist für strengstes Surrogatverbot. Zur Abstimmung kommt es über den Antrag Paasche erst in der dritten Lesung.
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Are is⸗ Konferenz für den Wahlkreis Gießen ⸗Grünberg⸗Nidda.
— Hausen, 26. Februark1899.
Im schön ausgeschmückten neuen Saale des Herrn Herbert wurde die Kreiskonferenz um 2 Uhr durch den Genossen Schienbein-Hausen mit herzlichen Be⸗ grüßungsworten eröffnet.— In das Bureau wurden gewählt: Bock⸗Gießen als erster, Schienbein⸗ Hausen als zweiter Vorsitzender, Volz-Gießen als Schriftführer.— Das Protokoll der letzten Kreis⸗ konferenz, die in Nidda stattfand, wird vom Genossen Volz verlesen und richtig befunden.— Für die Man⸗ datsprüfungskommission berichtet hierauf Gen. Dahmer, daß 10 Orte durch 29 mit Mandaten versehene Delegierte auf der Konferenz vertreten sind.— Zum 1. Punkt der Tagesordnung erhält hierauf der Kreis⸗ vertrauensmann Bock das Wort. Seine Einnahmen beliefen sich auf Mk. 265,30, seine Ausgaben be⸗ trugen Mk. 251,71, sodaß ein Kassenbestand von Mk. 13,59 sich in seinen Händen befinden.— Gen. Krumm erklärt, in Gemeinschaft mit dem zweiten Revisor die Kasse geprüft und für richtig befunden zu haben. Er beantragt Dechargeerteilung für den Kreisvertrauens⸗ mann. Die Decharge wird erteilt. Gen. Bock wird hierauf einstimmig zum Vertrauensmann für den 1. hessischen Wahlkreis wiedergewählt.— Zum 2. Punkt der Tagesordnung berichtet der Kassierer des Kreis⸗ Wahlvereins, Baum⸗Gießen. Er hatte eine Einnahme von Mk. 184,19, der eine Ausgabe von Mk. 123,0 gegenübersteht. Sein Kassenbestand beläuft sich auf Mk. 60,79. Auch diese Abrechnung ist geprüft und richtig befunden worden, es wird deshalb dem Gen. Baum Entlastung erteilt. Gen. Beckmann regt an, die Kassengeschäfte des Kassierers vom Kreis-Wahlverein dem Vertrauensmann zu übertragen, es sei unnütz, die Kassengeschäfte durch zwei Genossen besorgen zu lassen. Gen. Bock hat Bedenken, die er aber fallen läßt, nachdem Scheidemann, Baum und Krumm sich für den Antrag Beckmann ausgesprochen haben. Die Versammlung stimmt dem Antrag Beckmann zu. Der 3. Punkt der Tagesordnung lautet:
Bericht der Delegierten
über den Stand der Bewegung in ihren Orten. Ueber Gießen berichtet Gen. Beckmann. Er macht den Genossen den Vorwurf, nicht rege genug zu sein. Die Organisation sei zu schwach. Gießen stehe verhältniß⸗ mäßig weit schlechter da, wie verschiedene Organisationen in den Dörfern, z. B. in Heuchelheim, Wieseck und Alten⸗Buseck. Gießen habe insofern einen Erfolg er⸗ rungen, daß Gen. Krumm in die Stadtverordneten⸗ Versammlung gewählt wurde.— Aus Lollar wird berichtet, daß die politische Organisation noch in den Kinderschuhen stecke. Die gewerkschaftliche Organisation sei zufriedenstellend.— Die Wiesecker Verhältnisse werden auch nicht als die besten geschildert. Bei den Gemeinderats⸗Wahlen habe sich das gezeigt. Die Ge⸗ nossen wären im allgemeinen zu gleichgiltig und glaub⸗ ten ihre Schuldigkeit gethan zu haben, wenn sie bei den Reichstagswahlen ihre Stimme abgeben.— Ziem⸗ lich genau so lautet der Bericht aus Daubring en. In den Orten Watzenborn und Steinberg ist die Bewegung ziemlich zufriedenstellend. Die Reichstags⸗ Wahlen haben bewiesen, daß es vorwärts geht. Bei den Gemeinderats⸗Wahlen sind dagegen die Genossen zu lau gewesen. Viele, die in der Stadt arbeiten, sind nicht wählen gegangen, weil sie zu siegesgewiß waren.— In Heuchelheim ist die Organisation gut und wird stärker, was auf das eifrige Arbeiten einiger ziel⸗ bewußter Genossen zurückzuführen ist.— Hausen macht Fortschritte.— Aus Altenbuseck wird gutes berichtet.— Gen. Krumm ⸗Gießen faßt die ab⸗ gegebenen Berichte in einem Resume zusammen. Es gehe aus dem Berichteten hervor, daß das Zusammen⸗ gehörigkeitsgefühl der Kleinen in Dorf und Stadt noch zu viel zu wünschen übrig lasse. Viele Genossen, namentlich auf dem Lande, wären zu ängstlich. Es komme häufig genug vor, daß Leute, die einmal für den Lehrer, den Pfarrer oder den Förster ein paar Stiefeln oder sonst etwas zu arbeiten hätten, der An⸗ sicht wären, sie dürften sich nicht offen zur Sozial⸗ demokratie bekennen. Dieses Angstgefühl müsse be⸗ kämpft werden. Mit Stolz müsse jeder bekennen, Sozialdemokrat zu sein, und mit Eifer müsse er sich als solcher bethätigen.(Beifall.)— Gen. Beckmann spricht sich in ähnlicher Weise aus. Die Organisationen


