Ausgabe 
4.6.1899
 
Einzelbild herunterladen

.

lot i das

f

n

del

eine hat, Seine rden glich bon schag⸗ jekten, suchte imeht

Und eisten,

e nit⸗

enken, umme geben,

ungen solcht U 50

Gral

1

8

ent

lege

e einn

üigush

assen

feilung

rügt

arc ine 0

hub 1 5

0

Naufräumten, soll es jetzt, wenn nicht alle An⸗ zeichen trügen,

wie irrsinnig, in einem Fieberanfall nahm ich

Nr. 23.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 3.

einmal im nördlichen Eismeer mit einer Kolonie versucht werden. Dort liegt nämlich ein herrenloses Eiland, die Bären⸗ infel. Von dieser aus soll sich der Fischfang sehr gut ausüben lassen. Der Hochseefischerei⸗ verein hat bereits eine Expedition nach der Bäreninsel geschickt, die sich dieherrenlose Insel des Näheren betrachten soll. Wenn der Fischereiverein die Erwerbung und Unterhaltung aus seiner Tasche bezahlt, wäre nichts da⸗ gegen zu sagen. Andernfalls sind wir mit der Erwerbung nicht einverstandeu, da dann wohl die Reichsregierung zunächst wieder auf den Nickelfang bei den deutschen Steuerzahlern ausziehen würde. Wenn der Fischereiver⸗ ein diese Eismeer⸗Insel erwirbt, könnte man vielleicht ein Abkommen mit demselben treffen, dahingehend, auf der Bäreninsel eine Abkühlungs⸗ station für flottentolle Weltmachtspolitiker zu errichten. Ein Tagebuch des Kapitäns Dreyfus. DerFigaro veröffentlicht Aufzeichnungen von Dreyfus, die dieser im Gefängnis, während seiner Untersuchungshaft im November und Dezember 1894 geschrieben hat. Dreyfus erzählte darin, wie er nach dem Kriegsministerium berufen wurde, wie du Paty de Clam ihn durch die bekannten Diktate zu überführen suchte und wie er verhaftet wurde. Nach der Verhaftung sei er dann von dem die Untersuchung führenden Offizier mehrfach verhört worden, der sich häufig in Beleidigungen gegen ihn ergangen. Dreyfus schreibt wörtlich:Ich verlangte immer Beweise für die gegen mich erhobene Anklage, doch weigerte man sich stets, mir sie zu zeigen, indem man behauptete, daß das Be⸗ weisstück für mein angebliches Verbrechen ein Brief sei. Der die Untersuchung führende Offizier und der Gerichtsschreiber ließen mich alles sagen, was sie wollten, ich erkannte mich schließlich selbst nicht mehr. Dreyfus erzählt dann eine Reihe von Einzelheiten.Eines Tages, so schreibt er,machte ich geltend, daß ich Elsässer sei und deshalb kein Verräter sein könne. Man antwortete mir hierauf, daß ich gerade dadurch mein angebliches Spiel besser verbergen könne. An einem anderen Tage sagte mir der die Untersuchung führende Offizier: Man ist Ihren Mitschuldigen auf der Spur, es stehen weitere Verhaftungen bevor, Ihre Ver⸗ haftung wird geheim gehalten!Ich wollte mich entleiben, schreibt Dreyfus weiter, ich war

mein Betttuch, um mich am Fenster zu erhängen. Ich sagte mir jedoch, daß, wenn ich sterbe, alle Welt glauben würde, daß ich schuldig sei, und daß ich leben müsse, um meine Unschuld be⸗ teuern zu können. In einer anderen Auf⸗ zeichnung bekundet Dreyfus sein Erstaunen über seine Verhaftung und Entehrung, weil ein Sach⸗ verständiger erklärte, daß seine Schrift mit der eines Schurken Aehnlichkeit habe. Während der ganzen Dauer der Untersuchung habe man ihm gesagt, daß er verloren sei und daß nichts ihn retten könne. Schließlich teilte ihm der Re⸗ gierungskommissar mit, daß er vor das Kriegs⸗ gericht verwiesen worden, da der Verdacht ge⸗ nügend begründet sei. Dreyfus bemerkt in seinen Aufzeichnungen weiter, er habe in den Belastungsmomenten nichts als Vermutungen gesehen. Man habe ihm gegenüber eine unge⸗ heure Infamie und unsagbare Feigheit begangen; er habe es nicht mit Untersuchungs⸗ richtern, sondern mit Henkern zu thun gehabt. Im Prozeß Dreyfus dürfte die Entscheidung gefallen sein, wenn unsere Leser diese Nummer unserer Zeitung in die Hände bekommen. Seit vorigem Montag schon währt die Sitzung des Kassationshofes. Sowohl der Berichterstatter Beaupré(sprich Bohpree) wie auch der Staatsanwalt Manau (sprich Manoh) sind überzeugt von der Un⸗ schuld des Dreyfus. Aus den Reden beider geht unzweifelhaft hervor, daß Oberst Henry, der von den Antisemiten auch den hessischen so warm in Schutz genommene Fälscher, eine überaus verhängnisvolle Rolle in der ganzen Affaire gespielt, Esterhazy aber zweifellos die

zur Last legte und auf die hin er verurteilt wurde. 9 der sich ins Ausland ge⸗ flüchtet hat, ist für die Gerichte unfaßbar ge⸗ worden, da er bereits einmal in derselben Sache angeklagt war, aber freigesprochen wurde. Die französischen Gesetze lassen es nicht zu, den Lump noch einmal vor Gericht zu stellen, ob⸗ wohl jetzt Ueberführungsmaterial genug vor⸗ handen ist. Der weißhaarige Staatsanwalt Manau schloß seine Rede mit folgenden Worten: Die Stunde ist feierlich, das Urteil, das Sie fällen sollen, wird einen weiten Widerhall finden. Frankreich erwartet Ihren Spruch, die ganze Welt wird ihn begrüßen und die Geschichte wird ihn in ihre Tafeln eintragen. Das sind die drei Gerichte, die über unser Werk richten werden! Ich für meine Person übernehme die un be⸗ dingte Verantwortung für meine Anträge vor diesen letzten Instanzen. Meine Anträge lauten: Sprechen Sie aus, daß eine Anzahl neuer Thatsachen vorliegt, die die Unschuld Dreyfus darthun, und verweisen Sie Dreyfus vor ein neues Kriegsgericht, dem es zukommt, das letzte Wort zu sprechen.

Es besteht kein Zweifel mehr, daß Dreyfus vor ein neues Kriegsgericht gestellt und dann freigesprochen wird. Ende der Woche dürfte er telegraphisch zurückberufen werden.

r

Die hess. Gewerbe-Inspektion. II

8. Von den 1777 erwachsenen Arbeiterinnen der in Oberhessen belegenen Cigarrenfabriken sind 653 ver⸗ heiratet. Es ist klar, daß all diese Frauen von einem wirklichen Familienleben so gut wie ausgeschlossen sind. Wie kann man von einem Familienleben reden, wenn Mann und Frau den ganzen Tag in Fabriken thätig sind und die Kinder entweder sich selbst überlassen bleiben oder fremden Leuten zur Beaufsichtigung über⸗ geben werden? Der erbärmliche Lohn, welcher den Männern gezahlt wird, reicht nicht hin, die Familie zu ernähren, die Frau muß mitarbeiten.

Die Folgen dieser Fabrikarbeit der Frauen sind keineswegs gute. Der Gewerbeinspektor Engeln spricht sich darüber folgendermaßen aus:

So erfreulich es ist, daß die Industrie von Jahr zu Jahr mehr aufblüht und mehr Personen ernährt, so ist es auf der anderen Seite bedauerlich, daß Mütter eines geringen Mehrverdienstes wegen ihre Kinder nicht selbst erziehen. Verheiratete Arbeiterinnen mögen in Cigarrenfabriken im Durchschnitt pro Woche 89 Mk. verdienen. Haben sie kleine Kinder, so müssen sie dieselben tagsüber in Pflege geben, so daß ihnen von dem Verdienste nur etwa die Hälfte verbleibt. Größere Kinder dagegen sind sich selbst überlassen. Die sitzende Lebensweise in der Fabrik wirkt nicht nur ungünstig auf die Gesundheit der Arbeiterin, sondern es fehlt auch den Kindern durch Abwesenheit der Mutter eine sorgsame und liebevolle Erziehung.

Das heißt nichts anderes als: Das Familien⸗ leben der zur Fabrikarbeit gezwungenen verheirateten Arbeiterinnen ist zerstört!

Und der Sozialdemokratie, die das kapitalistische System bekämpft, welches die Frauen als Lohndrücker in die Fabriken zwingt, wird von den Vertretern der kapitalistischen Mißwirtschaft der Vorwurf, gemachi, sie wolle das Familienleben zerstören. Diese erbärm⸗ lichen Gesellen! Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Jene haben das Familienleben zerstört und wir wollen ihnen das profitliche Handwerk legen, auf daß auch die Proletarier das Glück eines innigen Familien⸗ lebens genießen können.

Ueber die Ernährungsweise der in Gießen thätigen Arbeiter von auswärts, die Herr Engeln auf 1200 schätzt, sagt er:

Viele von diesen Arbeitern haben Gelegenheit, die Speiseräume ihrer Fabrik zu Mittag aufzusuchen, in welchen sie sich mitgebrachte Speisen wärmen können. Einem großen Teil geht jedoch diese Ver⸗ günstigung(1) ab.) Die Männer gehen, um sitzen zu können, zur Mittagszeit in das Wirtshaus, die Arbeiterinnen gehen bei schönem Wetter auf der Promenade auf und ab. Beide verbringen jedoch die Mittagszeit bei kärglichem Imbiß, da sie nicht

piel Geld dafür ausgeben können. Kaffee und etwas

Butterbrod, bei den Männern Bier mit Wur st

und Brod bilden das gewöhnliche Mittagessen.

Erst Abends, wenn die Leute heim kommen, wird

warm gegessen. Bei schwerer, beziehun gsweise an⸗

dauernder Arbeit ist es entschieden ungesund, mittags kalt zu essen. Unter diesen Umständen dürfte in Er⸗

oder einige Wärmehallen in der Stadt Gießen sehr am Platze wären....

Herr Engeln meint es mit seinem Vorschlage, Wärme⸗, und Speisehallen zu errichten, gewiß recht gut. Wir versprechen uns davon nicht viel. Weit durchgreifender und mehr im Interesse der Arbeiter liegend wäre jeden⸗ falls die Einführung der achtstündigen Arbeits⸗ zeit für alle Industriearbeiter. Bei englischer(durch- gehender) Arbeitsweise kämen dann die auswärts wohnenden Arbeiter und Arbeiterinnen mindestens drei Stunden früher heim als jetzt, da nicht nur die effektive (10stündige) Arbeitszeit um zwei Stunden verkürzt würde, sondern auch wenigstens eine weitere Stunde gewonnen würde durch Fortfall resp. Verkürzung der jetzigen Eß⸗ pausen. Da außerdem verkürzte Arbeitszeit Hand in Hand geht mit steigenden Lohnsätzen, so wäre den Arbeitern und Arbeiterinnen jedenfalls der Achtstunden⸗ tag lieber als Wärme- und Speisehallen.

Freilich, der Achtstundentag kommt nicht von selbst, er muß erkämpft werden. Deshalb hinein in die poli⸗ tischen und gewerkschaftlichen Organisationen!

* *

* Ueber die Verhältnisse in den Feldziegeleien be⸗ richtet Herr Engeln nichts gutes. In einem Betrieb fand er zwei Kinder von 911 Jahren mit thätig. Die gesetzlich erlaubte Beschäftigungszeit für jugendliche Arbeiter wird häufig überschritten. Es heißt dann wörtlich weiter:

Es wurde bei strengen Ermahnungen belassen und von Anzeigen nur aus dem Grunde abgesehen, weil durch den sehr regnerischen Sommer der Verdienst der Ziegelarbeiter teilweise ein sehr geringer war. Wenn es möglich wäre, den Ziegelarbeitern angemessenen Tagelohn zu sichern und erwirkt werden könnte, daß der Unternehmer, nicht aber der mittellose Arbeiter das Risiko der von dem Wetter abhängen⸗ den Fabrikation zu tragen hätte, dann kämen viel weniger Uebertretungen vor. Auch Feldziegeleien müßten Trockenschuppen besitzen, welche transportabel und bequem aufstellbar, beziehungsweise zerlegbar sein könnten und gleichzeitig zur Aufnahme der Formtische dienten. Nur die Sicherung der vollen Arbeitsgelegen⸗ heit an jedem Werktage kann die Durchführung gesetzlicher Bestimmungen bewirken, nicht aber Bestra⸗ fungen.

Mit diesen vernünftigen Ansichten wird sich der Gießener Gewerbeinspektor kaum die Zuneigung des Unternehmertums erwerben. Jedenfalls ist sein Vor⸗ schlag, auf Grund des§ 120 e der R.⸗Gewerbe⸗O. für Feldziegeleien bewegliche Hallen vorzuschreiben, die dem Arbeiter Schutz gegen die Witterung gewähren, recht beachtenswert.

Angaben der Unternehmer bis zu 15 Stunden. Diese unmenschliche Leistung wurde nur noch übertroffen durch die Beschäftigungsdauer in Mühlen, die bis zu 18 Stunden von den Besitzern selbst angegeben worden ist!

DieSaison für Feldziegeleien beschränkt sich auf fünf Monate. Erwachsene Arbeiter verdienen in dieser Zeit etwa 320 bis 400 Mk., jugendliche Arbeiter und Mädchen 165 bis 180 Mk. Ein elender Hungerlohn für schwerste Arbeit unter den ungünstigsten Umständen!

Viele der Ziegeleiarbeiter wohnen auch am Arbeits⸗ platz.Die Aufenthaltsräume sin d trotz aller Polizei⸗ verordnungen noch immer teilweise nicht menschen⸗ würdig.... Es müßte verboten sein, Akkorde auf die jetzt übliche Weise abzuschließen. Wenn die Arbeiter angemessenen Stundenlohn erhielten, wäre es viel leichter, die Ziegeleiverordnung durchzuführen, dann wäre auch der Brenner(ietziger Aktordant) nicht so erpicht auf 141ö6stündige Arbeitszeit.

(Ein dritter Artilel folgt.)

*) In der Fabrik eines besenders wegen seiner christ⸗ lichen Gesinnung bekannten Fabrikanten wurde der Ofen mit einer Kette verschlossen, damit die A' beiter und Arbeiterinnen, die bei bitterer Kälte schon stundenlang marschiert waren, sich die mitgebrachten Speisen nicht wärmen konnten. Als Ersatz für die warmen Speisen ist dann in derselben Fabrik den Lezten das Muckerblatt: Der Arbeiterfreund von Pastor Hülle aufgezwungen worden. Wahrscheinlich soll en sie sich au den darin ent⸗ haltenen Lügen und Verleumdungen erwärmen. 5

kostet ein Probe-Abonnement auf dieMittel⸗ deutsche Sonntags⸗Zeitung' pro Monat

wägung zu ziehen sein, ob nicht eine Speiseanstalt

Schriftstücke angefertigt hat, die man Dreyfus

1 Juni.

Die Arbeitszeit in den Ziegeleien währte nach den