Ausgabe 
3.12.1899
 
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Seite. A.

Mitteldeutsche Sonntags ⸗Zeitung.

Nr. 49.

reiches war. Gegen die Zuchthaus vorlage wurden im Bereiche des Gießener Gewerkschafts⸗ Kartells(Arb.⸗Bild.⸗Verein) 19000 Flugblätter verbreitet und 25 Prot stversammlungen ab⸗ gehalten. Im übrigen haben die stattgefundenen Gewerbegerichtswahlen ziemlich viel Arbeit ver⸗ ursacht. Etwa 130 Briefe liefen ein und ebenso viel wurden fortgeschickt. Eine neue Institution innerhalb des Kartells wurde im verflossenen Jahre durch die Begründung eines besonderen Streikfonds ins Leben gerufen. Die einzelnen Gewerkschaften leisten zu demselben einen be⸗ stimmten Beitrag, um so immer mehr von dem Ergebnis der Sammellisten unabhängig zu werden. Der Kassierer Baum erstattete sodann den Kassenbericht. Der Barbestand betrug am 30. Okt. 1899 21,64 Mark, dazu weitere regelmäßige Einnahmen 109,89 Mark. Verausgabt wurden 53,95 Mk. Für Streik⸗ unterstützungen wurden vereinnahmt 301,41 Mark, verausgabt(für die Ausgesperrten in Dänemark, für die Crefelder Weber, die Leder⸗ arbeiter in Wilster u. s. w.) 280,20 Mk. Be⸗ stand: 21,21 Mk. Eine Diskussion des Ge⸗ schäftsberichts wurde nicht beliebt und da die Revisoren alles in Ordnung befunden, wurde dem Kassierer Decharge erteilt.Vortrag des Genossen Albert Meyer aus Marburg über das kommunistische Manifest lautete der zweite Punkt der Tagesordnung. Infolge seines Uebertritts von den Nationalsozialen zur Sozialdemokratie ist Meyer, der von Haus aus Theologe ist, in letzter Zeit in den Blättern vielfach genannt worden. Diesem Umstande war wohl auch in erster Linie der zahlreiche Versammlungsbesuch zu danken. Meyer erledigte seine Aufgabe in vortrefflicher Weise. Er be⸗ wies durch seinen mustergiltig ausgearbeiteten Vortrag, daß er sich gründlich mit der sozia⸗ listischen Litteratur vertraut gemacht und daß unsere Partei an ihm eine schätzenswerte Kraft gewonnen hat. Ueberaus reicher Beifall lohnte den Redner am Schlusse seines Vortrags. Der Vorsitzende teilt mit, daß im Laufe des Winters weitere Vorträge gehalten werden sollten und forderte zu gutem Besuche auf.

Abgeordnetenwahl in Gießen.

* Herr Rechtsanwalt Metz, bisher Ver⸗ treter der Stadt Gießen im hessischen Landtag, seit drei Jahren Vizepräsident der Zweiten Kammer, hat sein Abgeordnetenmandat nieder- gelegt. Die Wahlmänner, die vor drei Jahren in Gießen gewählt wurden, werden nun demnächst zusammenberufen werden, um eine Neuwahl vorzunehmen. Infolge des famosen indirekten Wahlsystems hat das Volk, nämlich die Gießener Wählerschaft, bei dieser Ersatzwahl nichts mitzureden. Außer Herrn Metz fitzt nur noch ein einziger Vertreter des ehemals in Oberhessen so mächtigen Freisinns im Landtag, Sollte neben der Ernennung zum Notar nicht auch die politische Vereinsamung dazu bei⸗ getragen haben, Herrn Metz zur Mandats⸗ niederlegung zu bewegen?

Eine Richtigstellung.

* Auf Grund des Preßgesetzes ersucht uns Herr W. Klink um Aufnahme folgender Zeilen:

Zur Richtigstellung des Versamm⸗

lungsberichtes aus Wieseck diene folgendes: 1. Ich bin hier nicht alsprivatisierender, hat als thätiger Bürstenmacher wohn⸗ aft.

2. Bin ich nie und nirgends aus der sozialdemokr. Partei ausgeschlossen worden.

Unser Berichterstatter mag es sich zur Notiz nehmen, daß Herr Klink kein privatisierender, sondern thätiger Bürstenmacher ist. Die Mit⸗ teilung, daß Herr Klink aus der sozialdemo kratischen Partei ausgeschlossen wurde, erhielten wir aus guter Quelle.

Eisenbahner⸗Verein.

* Herr Eisenbahndirektor Schoberth, der zu Großherzogs Geburtstag mit einem Orden aus⸗ gezeichnet wurde, hat in Gießen einen Eisen⸗ bahner⸗Verein gegründet. Demselben traten sofort 280 Mitglieder Beamte, Unter⸗ beamte und Arbeiter bei. O, mit welch' köstlichen Gefühlen werden die meistenbe.

etreten sein. Und wie werden sich diese köst⸗ ichen Gefühle steigern, wenn erst Herr Eisen⸗ bahnsekretär Blum die Notwendigkeit der Flottenvergrößerung beweist und die Mitglieder des Etsenbahner⸗Vereins dann auch für den Flottenvereingewinnt. Und wie werden sich erst die kleinen Geschäftsleute freuen, wenn sie noch mehr kaltgestellt werden dadurch, daß man den Eisenbahnern durch Begründung eines großen Konsumvereins Gelegenheit giebt, die Groschen, die sie ausFlottenbegeisterung opfern, durch billigeren Einkauf ihrer Nahrungs⸗ mittel, Kleidungsstücke u. s. w. zu ersparen. Ja, so wird auf allen Seiten die Zufriedenheit mit den bestehenden Verhältnissen gefördert. Hessische Lan deslotterle.

* Die Ziehung der ersten Klasse findet nunmehr bestimmt im Monat März statt, die übrigen 5 Klassen werden darauf in der Reihen⸗ folge der Monate April, Mai, Juni und Juli gezogen, im August findet keine Ziehung statt, dann findet wieder die Ziehung der ersten Klasse im September statt und der Reihenfolge nach im Oktober, November, Dezember und Januar.

Aus Marburg.

st. Die am Samstag, 25. November, bei C. Müfller abgehaltene Parteiversammlung hatte sich eines sehr zahlreichen Besuches zu er⸗ freuen. Die Ursache hierzu mochte wohl darin zu finden sein, daß unser neuer Parteigenosse Alb. Meyer, seither in der Redaktion der nat.⸗soz.Hess. Landesztg. dahier thätig, einen Vortrag über das kommunistische Manifest zu⸗ gesagt hatte. Gen. Meyer erklärte, daß es ihn besonders freue, hier in Marburg, wo er Sozialdemokrat geworden sei, zum ersten Mal mit einem Vortrag öffentlich auftreten zu können. In 1½¼ stündiger, fesselnder Rede schilderte Meyer dann die im kommunistischen Manifest von Marx und Engels niedergelegten Grundsätze und er⸗ läuterte im Anschluß hieran das Gothaer und Erfurter Parteiprogramm. Redner faßte das von uns zu Erkämmpfende zusammen in die Worte Fichte's:Ein wahrhaftes Reich des Rechtes für Freiheit, gegründet auf Gleichheit alles dessen, was Menschenantlitz trägt. Leb⸗ hafter Beifall der aufmerksamen Zuhörer folgte dem hochinteressanten Vortrag. Unseren Genossen Mayer aber möchten wir auffordern, uns recht bald wieder mit einem Vortrag zu erfreuen. Nach Schluß der Versammlung verweilten die Genossen noch einige Stunden bei den guten Schoppen unseres Conrad. Erwähnen wollen wir noch, daß auch mehrere Genossen aus Cappel den weiten Weg nicht gescheut hatten und bis zum Schlusse aushielten.

Das humane Unternehmertum.

Nach den Mitteilungen des Frankfurter Armenamts hat der Versuch derAktiengesell⸗ schaft für kleine Wohnungen, die Arbeitgeber für ihre Zwecke zu interessiren, nicht den ge⸗ wünschten Erfolg gehabt. Es haben drei Fa⸗ briken zusammen 47 Aktien zu je 1000 Mark gezeichnet. Ablehnungen erfolgten wesentlich aus dem Grund, weil die Gesellschaft den Arbeitgebern nicht das Recht zugestehen konnte, den Arbeitern bei Auflösung des Ar⸗ beitsverhältnisses die Wohnung zu kündigen.

Dir Sozialdemokraten haben von jeher be⸗ hauptet, daß absehen von vereinzelten Aus⸗ nahmen, die die Regel bestätigen die Unter⸗ nehmer lediglich eigennützige Zwecke ver⸗ folgen, wenn sie Arbeiterwohnungen erbauen.

Jagdglück. Wie die nationalsozialeHess. Ldsztg. in ihrer letzten Sonntagsnummer an erster Stelle unterDeutschland mitteilt, hat der deutsche Kaiser in England an einem einzigen Vormittag 89 Fasanen, 390 Kaninchen und 2 Nußhäher geschossen. Außerdem hat der

Kaiser an demselben Tage, an dem er ein so riesiges Jagdglück hatte, noch Spazierfahrten gemacht und einen Botschafter empfangen. Scherzhafte Bibelzitate. * Bekanntlich hat es die Kaiserin sehr übel vermerkt, daß ein Berliner Stadtverordneter einige scherzhafte Aussprüche im Zusammenhang

Sie erinnert an das

mit bekannten Bibelstellen gethan hat. An⸗ läßlich des mißbilligenden Schreibens des Ober⸗ hofmeisters der Kaiserin an die Berliner Stadt⸗ verordneten werden jetzt allerlei Bibelzitate ausgegraben. So wird das Wort des Kaisers in Erinnerung gebracht:Wer auf Gott ver⸗ traut und feste um sich haut, hat nicht auf Sand gebaut. Eine ganze Anzahl scherzhafter Bibelzitate gräbt die liberaleVoss. Ztg. aus: Zitat:Mein erst Gefühl sei Preußschkurant und erwähnt den Kommers⸗ buchvers:Sing, bet und geht auf Gottes Wegen, verricht' das Deine nur getreu, kommt Dir ein schönes Kind entgegen, laß es nicht ungeküßt vorbei! DieVolksztg. erinnert daran, daß Uhland gegen den Antrag, in der württembergischen Kammer, die Sitzungen mit Gebet zu eröffnen, protestiert habe mit dem Hinweis:In der Bibel Matth. Kap. 6 Vers 6 stände:Wenn Du aber betest, so gehe in Dein Kämmerlein, nicht aber,so gehe in die Kñammer. Unter stürmischem Beifall wurde der Antrag abgelehnt. Bekannt ist anch die Antwort des württem⸗ bergischen Hofpredigers Osiander, der, als ihn die herzogliche Geliebte bat, sie in das Kirchen⸗ gebet aufzunehmen, ihr erwiderte: Wir beten alle Tage für Sie, indem wir flehen:Und er⸗ löse uns von dem Uebel. Endlich sei daran erinnert, daß außer Herrn Stöcker, der den be⸗ kannten Vers variierte:Wenn ich dies Wunder fassen will, so steht mein Geist vor Erfurt still auch andere preußische Hofprediger ge⸗ legentlich ein Bibelwort zu travestieren liebten. Kürzlich ging eine Sammlung von Anekdoten durch die Zeitungen, in denen der verstorbene Hofprediger Frommel eine Rolle spielte. In einer dieser Anekdoten erzählt Frommel von einem ermüdenden Marsche, den er mit einem Freunde zurückgelegt hatte. Endlich erreichten sie den ersehnten Gasthof, in dessen Hausthür der freundliche Wirt einladend stand. Frommel begrüßte ihn mit den Worten:Und da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut. Stern war nämlich der Name des Wirtes.

Kleine Mitteilungen.

** Landtagswahl. Wie seit Wochen feststand, wurde am Montag Bürgermeister Leun von Großen⸗Linden mit 21 Stimmen zum Landtagsabgeordneten für Gießen⸗Land gewählt. Der Landtag wird sicherlich die Heuchelheimer Wahl und infolgedessen das Mandat des Herrn Leun für ungültig erklären. Sind unsere Heuchelheimer Genossen dann auf dem Damm, so gewinnen wir die drei dortigen

Wahlmänner und damit die Mehrheit der

Wahlmänner überhaupt.

Gießen. Zu einerStaatsstütze erster Güte scheint sich der Student Heinrich Jäger aus Winnerod ausbilden zu wollen, der zur Anzeige gebracht wurde, weil er mit einer langen Pfeife in der Goethe⸗ und Ludwigsstraße Keller⸗ fenster einschlug. Er lief natürlich tapfer davon, als ihm Schutzleute auf den Fersen waren, aber seine Pfeife, die am Schauplatz seiner Helden⸗ that zurückblieb, wurde zum Verräter an ihm.

* Gießen. Zur Unterstützung einer An⸗ stalt für epileptische Kinder werden gegenwärtig von einem älteren Manne freiwillige Gaben erbeten. So muß für die Aermsten der Armen das Geld pfennigweise zusammengebettelt werden. Für unnütze Mordwerkzeuge werden Millionen flüssig gemacht, zu denen die Aermsten verhält⸗ nismäßig das meiste beitragen müssen. Die verkehrte Welt.

* Professor Schiller. Die philosophische Fakultät der Universität Leipzig erteilte dem hessischen Oberschulrat Dr. Schiller die venia legendi(Lehrberechtigung an der Universität) für Pädagogik. Ja, die Sachsen seinhelle. Die wissen einen Schiller besser zu würdigen, wie gewisse andere Leute.

* In Wieseck findet, wie aus dem Ver⸗ sammlungskalender ersichtlich, am heutigen Sonntag eine Tabakarbeiterversammlung statt. Es ist sehr vonnöten, daß dieselbe gut besucht wird. Ein auswärtiger Redner wird an⸗ wesend sein.

** Wetzlar. Wegen Ueberfüllung einzelner

Klassen bis zu 74 Schülern der hiesigen

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