Ausgabe 
3.12.1899
 
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Nr. 419.

Mitteldeutsche Sonntags ⸗Zeitung.

Seite 3.

Angeklagten sein Ende erreicht. 31 Angeklagte wurden wegen Aufruhrs, Landfriedensbruchs und Widerstands insgesamt zu 148 Monaten, 14 Wochen und 45 Tagen Gefängnis verurteilt. Drei Angeklagte wurden frei⸗ esprochen. Von der Untersuchungshaft wurden ast jedem der zu einem halben Jahr Besraften drei oder vier Monate abgerechnet, insgesamt 66 Monate. Bei drei Angeklagten wurde die Strafe als verbüßt erklärt und vier Personen aus der Haft entlassen.

Mit Ruhm bedeckt sind die Behörden aus diesem Prozeß nicht hervorgegangen. Ein Glück ist es noch zu nennen, daß ein Stadtkommissär kaltes Blut bei den Vorkommnissen in Augs⸗ burg behielt. Ohne ihn wäre es in den kriti⸗ schen Tagen zweifellos zu großem Blutver⸗ gießen gekommen.Wäre, so lesen wir in der Frkf. Ztg.,die Polizei, ohne den Stadt⸗ kommissär, maßgebend gewesen, sie hätte ganz gewiß schießen lassen. Daran ist kaum mehr ein Zweifel möglich. Der Stadtkommissär erklärte in seiner Vernehmung, er wollte nicht schießen lassen, weil er sich die wahrscheinlichen und möglichen Wirkungen der fliegenden Ge schosse für Schuldige und Unschuldige vor Augen hielt.Ich habe mir fest vorgenommen, mich nicht hinreißen zu lassen, sagte er. Das sind gewiß goldene Worte! Man sollte aller⸗ dings meinen, sie wären selbstverständlich. Aber gerade aus den Ordnungsreihen heraus, sogar aus der Stadtverwaltung heraus, hat man dem Stadtkommissär einen Vorwurf aus seiner Mäßigung gemacht! In den Ord⸗ nungsreihen hätte man gewünscht, daß die Kanaille niedergeknallt würde.

Das glauben wir gern. Dank der sozial⸗ demokratischen Aufklärungsarbeit lassen sich die Arbeiter immer weniger zu Unbesonnenheiten verleiten zum Aerger der Scharfmacher, die am liebsten die soziale Frage mit Kleinkalibrigen auf der Straße lösen würden. In Augsburg ist dergutgesinnte Arbeiter zuhause. Die sozialdemokratische Lehre hat dort noch wenig Boden gewonnen. Leider! Denn andernfalls wäre es wahrscheinlich überhaupt nicht zu jenem Krawall gekommen.

Ostelbien, das Junkerparadies.

Eine Mitteilung im Bulletin des italienischen Ministeriums des Aeußeren rät offtziell von der Auswanderung italienischer Arbeiter nach Ostpreußen ab. Die ausführlichsten Infor⸗ mationen glaubwürdigsterewährsmänner hätten ergeben, daß die italienischen Bauern (Landarbeiter) bei den Gutsbesitzern Ostpreußens keine gute Stellung finden würden, der Lohn wäre jedenfalls geringer, als der in Italien übliche.() Diese bemerkenswerte Mit⸗ teilung richtet sich nicht nur an die Auswan⸗ derungslustigen selbst, sondern auch an Alle, die durch die Presse diese Auswanderung zu fördern suchten.

Antisemitische Wahlrechtsräuber.

Einen unverschämten Wahlrechtsraub, der ganz zu den sonstigen Praktiken der antisemitischen Gemeindeherrscher paßt, hat man in Wien versucht. Dort findet demnächst im Stadtteil Mariahilf eine Nachwahl zum Landtage statt. Und da sind nicht weniger als 4012 Wähler nicht in die Wählerliste aufgenommen worden. Das ist wirklich eine unverschämte Leistung und mit Recht fordert die WienerArbeiterztg. den Minister des Innern auf, dieser offenen Mißachtung der gesetzlichen Bestimmungen end⸗ lich Einhalt zu thun.

Der Krieg in Südafrika.

Die Nachrichten vom Kriegsschauplatz wider⸗ sprechen sich in der tollsten Weise. Nach einem englischen Telegramm stieß Lord Methuen mit der gesamten Burenmacht am Modder⸗River zusammen und schlug sie gänzlich. Einst⸗ weilen glauben wir das nicht. Allerdings sind wir der Ueberzeugung, daß sich die Buren auf die Dauer nicht gegen die riesige Ueber⸗ macht, die die Engländer ins Feld stellen können, behaupten werden. g

Bemerkenswert ist das Zusammenwirken der Deutschen und Franzosen im Buren⸗

heer. Zwischen beiden Nationalitäten herrscht das beste kameradschaftliche Verhältnis, hervor⸗ gerufen durch den gemeinschaftlichen Feind. Es ist der erste Fall, wo Deutsche und Franzosen Schulter an Schulter gegen einen gemeinsamen Feind stehen und im feindlichen Kugelregen die gemeinsame Bluttaufe empfangen.

Aus dem Reichstag.

Seit voriger Woche wird im Reichstag die Novelle zur Gewerbeordnung beraten. Was dabei herauskommt, ist die Mühe, die sich die sozialdemokratischen Abgeord neten geben, gar nicht wert. Alle wirklichen Verbesse rungsvorschläge werden von der Mehrheit des Hauses niedergestimmt. Recht bezeichnend ist das Verhalten der Nationalliberalen. Dieselben hatten s. Z. zu gunsten der Konfektions arbeiterinnen einen großen sozialpolitischen Anlauf genommen. Bei dem Anlauf ist es aber ge⸗ blieben. Freiherr von Heyl gab im Reichstag die Er⸗ klärung ab, daß seine Partei nicht einmal für ihre eigenen Anträge einstehen könnte, weil es die Mehrheit des Hauses nicht für zeitgemäß halte,in diesem Stadium der Gesetzgebung an eine gründliche Lösung der Fragen zu gehen. Und so stimmte denn auch die Bassermannsche Gruppe mit den übrigen Parteien gegen die Anträge unserer Partei, die sich in gleicher Linie bewegten, wie die ursprünglichen Anträge der National- liberalen.

So sehr die Wortführer des Kapitalismus und der Scharfmacherei gegen jedwede durchgreifende Besserung der Gewerbeordnung sprachen und stimmten, so eifrig waren sie bemüht, fade Witze über den sozialdemokra⸗ tischen Zukunftsstaat, so wie sie ihn sich vorstellen, zu machen. Freiherr v. Heyl ließ seinLicht leuchten, Freiherr v. Stumm witzelte, Graf Oriola gab seinen Senf und der Kaplan Hitze seinen Segen dazu. Hatten sich die drei Edlen der Nation blamiert mit ihren ein⸗ fältigen Bemerkungen über die angeblich abzuschaffende Ehe im Zukunftsstaat, so machte sich das Zentrumskaplänchen Hitze unsterblich lächerlich durch diegeistreiche Be⸗ merkung, die Sozialdemokraten wollten in Zukunft auch die Mutter beseitigen. Genosse Bebel antwortete dem frommen Mann, daß man seine Bemerkung wohl auf den Mangel an Sachkenntnis bei einem katholischen Geistlichen(der bekanntlich ehelos bleiben muß) zurück⸗ führen müsse. Dem Wetterauer Grafen mit dem italienischen Namen Oriola erwiderte Bebel: er sei wohl nicht imstande zu verstehen, was er(Bebel) in seinem BuchDie Frau und in seinen Reden gesagt habe.

So versuchten die Konservativen, Nationalliberalen und Zentrumsleute, die in Worten stets so arbeiter⸗ freundlich sind, durch ihre dummen Bemerkungen über sozialdemokratische Grundsätze ihr arbeiterfeindliches Ver⸗ halten zu maskieren. Am Dienstag sah fich der Präsi⸗ dent sogar gezwungen, nach den Reden der Herren v. Heyl und Hitze ernstlich daran zu erinnern, daß die Gewerbrordnungsnovelle und nicht der sozialdemokratische Parteitag zur Beratung stehe.

Am Dienstag wurde über den Schutz der kauf⸗ männischen Proletarier, die sich allerdings zu⸗ meist als noch etwas viel besseres wie die Fabrikprole⸗ tarier fühlen und gehaben, beraten. Die Kommission hatte vorgeschlagen, zu bestimmen, daß allen in Schreib⸗ stuben, Kontor⸗, Laden- und Lagerräumen Beschäftigten nach Beendigung der Arbeitszeit eine ununterbrochene Ruhezeit von 10 resp. 11 Stunden, je nach Größe der Gemeinden, gewährt werden müsse. Außerdem müsse eine anderthalbstündige Mittagspause gewährt werden.

Dazu lagen mehrere Abänderungsanträge vor. Abg. v. Stumm will den Absatz bezüglich der Mittagspause gänzlich streichen; die Konservativen wollen höchstens 10 Ruhestunden und mittags eine einstündige Pause gewähren. Der Antrag der Sozialdemokraten geht auf allgemeine Festsetzung einer ununterbrochenen Ruhezeit von mindestens 12 Stunden, einer Mittagspause von zwei Stunden, und will die Verpflichtung der Verkaufsstellen⸗ und Kontorinhaber festgesetzt wissen, dem Personal eine Sitzgelegenheit zu gewähren.

Die Kommissionsanträge gewähren also eine zwölf⸗ stündige, die sozialdemokratischen Anträge nur eine zehn⸗ stündige Arbeitszeit für alle kaufmännischen Angestellten. Genosse Rosenow, der aus eigener Erfahrung das Leben der Handlungsgehilfen kennt, trat warm für die sozialdemokratischen Anträge ein.

Angenommen wurden die Anträge der Kommisfion und die von den Sozialdemokraten geforderte Sitz⸗ gelegenheit, die weitergehenden Anträge der Sozial⸗ demokraten wurden abgelehnt.

Am Mittwoch stand der sozialdemokratische Antrag zur Beratung, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, dem Reichstag bis zur nächsten Session den Entwurf eines Reichs⸗Berggesetzes vorzulegen.

Unser Parteigenosse Sachse, selbst Bergmann, schilderte in ausgezeichneter dreistündiger Rede die Zu⸗ stände im Bergbau und verlangte endliche Ab⸗

schaffung der bestehenden Mißstände. In geradezu elender Verfassung befindet sich die Berginspektion. Es sind Leute 20, auch 30 Jahre in Bergwerken thätig, ohne Aufsichtsbeamten jemals gesehen zu haben. Es muß die Berginspektion durch Leute aus dem Berg⸗ arbeiter stande ergänzt werden, die das Vertrauen der Arbeiter genießen. Von 1396 bis 1398 kamen 53 976 schwere Unfälle vor.(Hört, hört! links); im Jahre 1898 allein 1254 tödliche Unfälle und 43 000 entschädigungspflichtige Unfälle! In anderen Ländern, Belgien, England, Frankreich nehmen nicht wie bei uns diese Unfallzahlen jährlich zu, sondern von Jahr zu Jahr ab, und zwar infolge der besseren Gestaltung der Inspektion. Genosse Sachse schloß mit den Worten:Es liegt am guten Willen des Reichstages und der Reichsregierung, dem deutschen Bergbau ein segensreiches Gesetz zu geben.(Beifall bei den Sozialdemokraten.)

Als sich hierauf der Vizepräsident von Frege, der bekannte sächsische Kammerherr allerneuesten Adels, die Bemerkung erlaubte, Sachse habe drei Stunden zur Begründung des Antrags gebraucht, wurde ihm zu⸗ gerufen: Das geht Sie nichts an! Unver- schämtheit! Der freisinnige Abg. Beckh sprach für den Antrag. Der nationalliberale Großindnstrielle Hilbck ist bereit, ein allgemeines Berggesetz zu machen, aber mit der Einschränkung, daß die den Landesbehörden durchausnotwendigen Rechte vorbehalten werden. Der Zentrumsmann Hitze ist für die Vorlage eines Berg⸗ gesetzes.

Die Weiterberatung wurde vertagt.

Pon Nah und Fern.

Mitteilungen aus unsexrem Leserkreise sind jederzeit willkommen

Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissen⸗

haftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten. Wir bitten alle

zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben.

Orden, Titel und neue Charaktere.

* Anläßlich der Geburtstage des Groß herzogs und der Großherzogin von Hessen sind viele Menschen mit Orden, Titeln und neuen Charakteren bedacht worden. In derDarmst. Ztg. füllen die bezüglichen Bekanntmachungen zwei volle Seiten sechs Spalten! Es wurden fünfzehn verschiedene Sorten Orden verliehen. Zahlreiche Leute erhielten den Titel Kommerzien⸗ rat, Geheimrat, Rechnungsrat, Oekonomierat, Schulrat, Justizrat u. s. w. Justizrat wurde z. B. auch der frühere Abg. Dr. Gutfleisch in Gießen. Sind uns die Ordens dekorationen in ihren vielen Abstufungen und die Titel⸗ verleihungen schon Bücher mit sieben Siegeln, so stehen wir ratlos gegenüber den Charakter- verleihungen. Einen neuen Charakter ver⸗ leihen? Jawohl, einen neuen Charakter! Da steht zum Beispiel in derDarmst. Ztg.: Dem Hausbeschließer Soundso ist der Cha rakter als Verwalter verliehen. Der Mann ist gewiß recht glücklich, denn ein Ver⸗ waltercharakter muß wohl etwas weit besser sein als ein Hausbeschließercharakter.

Bericht vom Parteitag. In öffentlicher Parteiversammlung zu Gießen erstattete am Samstag Abend Genosse Scheidemann Bericht über den Parteitag in Hannover. Seine Ausführungen ergänzte in ausführlicher Weise Gen. Krumm. Nach kurzer Diskussion erklärte die Versammlung einstimmig ihr Einverständnis mit den Be⸗ schlüssen des Parteitags. Gen. Schneider forderte sodann die Genossen auf, besser, als es in letzter Zeit geschehen, für dieM. S.⸗Ztg. zu werben. Namentlich in Gießen selbst müsse viel mehr gethan werden. Jeder einzelne Genosse solle unter seinen Kollegen und Haus⸗ genossen Umschau halten, ob noch einer darunter sei, der dieM. S.⸗Ztg. nicht liest. In keinem Arbeiterheim dürfe dieM. S.⸗Ztg. fehlen. Wir wollen noch hier bemerken, daß jederzeit in unserer Expedition, Sonnenstr. 25 (Buchhandlung), beliebig viel Exemplare der M. S.⸗Ztg. an die Genossen zur Werbung neuer Abonnenten gratis abgegeben werden.

Arbeiter⸗Bildungs⸗Verein Gießen.

* Am vorigen Samstag hat der Arbeiter- Bildungs⸗Verein seine Generalversammlung abgehalten. Dieselbe war sehr gut besucht. Der Vorsitzende Bock erstattete zunächst den Jahresbericht. Aus demselben ging hervor, daß das abgelaufene Jahr ein recht arbeits⸗

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