Ausgabe 
3.9.1899
 
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Nr. 36.

Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 3.

Der Vorwärts stellt in Aussicht, er werde in der Gerichtsverhandlung eine Blüthenlese der Liebenswürdigkeiten präsentiren, mit welchen die Sozialdemokratie im Herrenhause bedacht worden sei.

Auch ein Bauernpolitiker.

Wie der Landwirtschaft geholfen werden kann, erzählt klipp und klar ein angeblicher Bauer namens Pockholz aus Rospitz in Westpreußen in einem Eingesandt an die in Marienwerder erscheinendenNeuen Westpreußischen Mittei lungen. Erst bringt der gute Mann den Abgeordneten, die die Kanalvorlage zu Fall ge⸗ bracht haben, ein Hoch aus und kramt dann weiter u. a. folgende Weisheit aus:

Unsere Wirtschaftspolitik leidet noch an einem großen Krebsschaden, der wohl zu be seitigen wäre und zwar an der Verrohung unserer Arbeiter die infolge der über⸗ mäßig hohen Löhne zur Trunksucht getrieben und dann dem Gefängniß ver⸗ fallen. Diesem Uebelstand wäre damit be⸗ stimmt abzuhelfen, daß kürzere Freiheits- nebst Prügelstrafe eingeführt würde, da⸗ durch würden die Gefängnisse in Kürze entleert, die Arbeiter der Land wirtschaft wieder zugeführt, und, was die Hauptsache ist, die Strafe würde nachhaltiger wirken.

Also dadurch, daß die Landarbeiter durch dieübermäßig hohen Löhne verführt, sich dem Trunke ergeben und schließlich dem Gefängniß verfallen, ist die Leutenot entstanden. Da ist es ja noh recht arbeiterfreundlich vom Bauer Pockholz, daß er nicht für die Herab⸗ setzung derhohen Löhne, sondern nur für Verkürzung der Freiheitsstrafe und zur beson⸗ deren Würze derselben für die Prügelstrafe ein⸗ tritt. Natürlich verlangt dieser agrarische Mustermensch in seinem Eingesandt auch die Aufhebung der Freizügigkeit.

Aus einem Gefängnis.

Eine Frau Zietz in Hamburg hatte wegen Uebertretung des Preßgesetzes eine drei⸗ tägige Haftstrafe zu verbüßen. Wegen dieser drei Tage wurde sie bei der Aufnahme ins Ge⸗ fängnis auch dem Gefängnis arzte zugeführt. Was sie mit diesem, dem Dr. med. Rösing in Hamburg, erlebte, das schildert Frau Zietz folgendermaßen:

Die erste Frage des Arztes war nach der Ursache der Bestrafung. Antwort: Wegen Uebertretung des Preßgesetzes.

Arzt: So, was hast Du denn gemacht? Nachdem hierauf die Antwort erfolgt, der Arzt: Also deswegen soll ich mir Mühe machen, Dich zu untersuchen? Na, wegen der drei Tage wirst Du Dich wohl nicht allzu sehr grämen, Du bist doch jedenfalls schon öfter hier gewesen und bist es schon gewohnt.

Worauf ich dem Herrn anwortete: Allerdings, Herr Doktor, ist es das erste Mal, daß ich bestraft, aber auch das erste Mal, daß ich von einem Arzte mit Du angeredet werde.

Der Arzt: Also das kränkt Dich so sehr? Darüber fühlst Du Dich beleidigt? Ja, weist Du, das haft Du auch gar nicht nötig, Dir gefallen zu lassen, da⸗ rüber kannst Du Dich beschweren. Aber weist Dn das kann Dir auch pasfleren, wenn Du bei mir in die Sprechstunde kommst, mit Du angeredet zu werden. Also mit Sie wünschen Sie angeredet zu werden? Na, dann gehen Sie mal da hinauf, aber schnell! Fix, fix! Wir haben nicht lange Zeit.

Als ich hinaufgeklettert war auf das Gestell, das zum Zwecke der Untersuchung aufgestellt ist, besann der Herr Doktor sich eines Andern und äußerte zur Wär⸗ terin, es sei schon gut, es sei nicht nötig, worauf diese mich wieder heruntersteigen hieß. Ob das dem Herrn Doktor vielleicht nicht schnell genug ging, oder ob er mich seine Autorität fühlen lassen wollte, weiß ich nicht, als er mit dem Aufgebot seiner ganzen Lungenkraft mich anschrie: Nu aber raus! Fix! Marsch!

So wird mit anständigen Frauen umge⸗ gangen!

Parteitag der Antisemiten.

Der fünfte 1 der deutsch⸗ sozialen Reformpartei findet in der Zeit vom 9. bis 11. September in Hamburg statt. Auf der Tages⸗ ordnung steht unter anderem ein Antrag Reichelt⸗ Werner, der wörtlich lautet:Der Parteitag wolle beschließen: Mit Rücksicht darauf, daß unsere Partei wegen des in ihrem Namen vor⸗

kommenden Wortessozial sehr häufig, ins⸗ besondere auch von der Landbevölkerung, mit der sozialdemokratischen Partei verwechsels und daß dadurch die Verbreitung unserer Be⸗ wegung gehemmt und erschwert wird, führt die Partei fortan den NamenDeutsche Reform⸗ partei.

Nur ein vollkommener Dummkopf kann wegen des Wörtchenssozial die Antisemiten mit der Sozialdemokratie verwechseln. Daß die Anti⸗ semiten dieser Dummköpfe halber ihre Firma abermals ändern wollen, zeigt wieder einmal, daß der Antisemitismus in erster Reihe auf die Dummen spekuliert.

Wofür zablt man Miete?

Diese Frage wird sich, so schreibt der Ber⸗ linerVolksztg. ein Mieter, jeder Mieter Attwillkürlich vorlegen, der den S 4 des vom Zentralverband der städtischen Haus⸗ und Grundbesitzervereine Deutschlands jüngst auf dem Hausbesitzer⸗Verbandstage festgesetzteneinheit- lichen Mietsvertrages liest. Derselbe lautet nämlich:

Der Mieter übernimmt die Mieträume in gebräuchlichem Zustande und hat selbe in solchem während der Mietsdauer zu erhalten und nach Auflösung der Miete in diesem Zu⸗ ftande zurückzugeben.

Diese Bestimmung stellt den§ 536 des Bürgerlichen Gesetzbuches vollständig auf den Kopf; denn dieser schreibt vor:

Der Ver mieter hat die vermietete Sache in einem zu dem vertragsmäßigen Gebrauche geeigneten Zustande zu überlassen und sie während der Mietszeit in diesem Zustande zu erhalten.

Es gehört daher eine ziemlich kühne Phan⸗ tasie dazu, diesen einheitlichen Mietsvertrag einenvollständig den Bestimmungen des Bür⸗ gerlichen Gesetzbuches umgearbeiteten zu nennen! Schon das allgemeine preußische Landrecht be⸗ stimmte in§ 291, J. 21:

Bei Mietungen ist der Ver mieter, im Mangel besonderer Verabredungen schuldig, die Sache während der kontraktmäßigen Zeit in brauchbarem Zustande zu erhalten, und also auch die nötigen Reparaturen, welche durch den erlaubten Gebrauch oder durch Zufall entstanden sind, zu übernehmen. Der neue§ 4 wird im kommenden Jahr⸗

hundert die Hauptquelle für Chikanen der Mieter werden, die deneinheitlichen Miets⸗ vertrag unterschreiben. Die Unverschämtheit vieler Hausbesitzer, die man nicht mit Unrecht Hausagrarier neunt, wird die Gründung von Mietervereinen zur unumgänglichen Notwen⸗ digkeit machen.

Ausländisches.

Schweiz. Im Kanton Solothurn besteht noch der Impfzwang, der jedoch bereits viele Gegner hat. Nun haben unsere Ge⸗ nossen sich der Sache bemächtigt, ein Initiativ⸗ begehren für dessen Abschaffung aufgestellt und dafür in kurzer Zeit 2132 statt der erforder⸗ lichen 2000 Unterschriften aufgebracht. Es wird also zur Volksabstimmung kommen.

Belgien. In Brüssel hatten sich am Montag die Delegierten der belgischen Sozial⸗ demokratie versammelt, um über die Mittel und Wege zu beraten, durch welche die Regterung verhindert werden könnte, das neue Propor⸗ tional⸗Wahlgesetz in der Kammer durchzusetzen, ohne gleichzeitig das gleiche Stimmrecht ein⸗ zuführen. Es wird folgende Resolution be⸗ kannt gegeben:Der Kongreß billigt die Hal⸗ tung der sozialistischen Deputierten, die ein⸗ stimmig entschlossen seien, die auf dem Pluralvotum beruhenden Proportionalwahlen zu bekämpfen. Die Agitation für das allgemeine Wahlrecht müsse mit allen erreichbaren Mitteln verstärkt werden. Dem Generalrat wird der Auftrag gegeben, alle Maßnahmen, und zwar so energisch wie möglich, zu treffen und die Agitation zu organisieren und den Sieg im allgemeinen zu beschleunigen. Das Pluralvotum ist ein miserables Verfahren. Danach kann nämlich ein armer Teufel nur eine Stimme abgeben. Das Recht, zwei, drei und mehr Stimmzettel abzugeben, steigt mit der Größe des Reichtums.

Was bleibt da für die große Masse, die nun einmal aus kleinen Bauersleuten und Arbeitern besteht, dann vom Stimmrecht übrig?

Frankreich. Der antisemitische Hanswurst Guérin in der Rue Chabrol zu Paris ver⸗ barrikadiert sich immer noch. Wenn die Re⸗ gierung nun nicht der Komödie bald ein Ende bereitet, macht sie sich mit lächerlich. Sie hat dem Guérin, von dem übrigens jetzt feststeht, daß er ein gewöhnlicher Lumpaci ist, die Zu fuhr von Lebensmitteln abgeschnitten, sowie das Wasser und die Kanalisation gesperrt. Sie will ihn also aushungern resp. ausstänkern.

Prozeß Dreyfus.

Das grausame Spiel währt nun 4 Wochen in Rennes und ein Ende ist noch immer nicht abzusehen. Es sind wieder zwei Generäle als Lügner entlarvt worden, die im Kriegsgericht von 1894 gesessen haben, das Dreyfus verur⸗ teilte. Bis jetzt ist auch nicht eine Spur von Beweis für die Schuld Dreyfus erbracht worden.

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Ferdinand Lassalle.

* Am Donnerstag, den 31. August, waren 35 Jahre verflossen, seitdem Ferdinand Lassalle von der Kugel des Wallachen Rackowitz nieder⸗ gestreckt wurde. Die Fahnen der deutschen Sozialdemokratie senkten sich an diesem Tage trauernd vor den Manen ihres großen Vor⸗ kämpfers, der gestorben ist, um dauernd in der Erinnerung des Proletariats zu leben. Und wo immer in diesen Tagen Sozialdemokraten zusammenkommen, erneuern sie den Schwur, das ihrige bis zur Erschöpfung zu thun, um das angestrebte Werk Ferdinand Lassalles zur Vollendung zu bringen. Im Gießener Wahl⸗ verein wird an diesem Samstag Gen. Orbig über Ferdinand Lassalle sprechen.

Goethefeier.

* Aus zahlreichen Städten wird über die Feier des 150. Geburtstages Goethes berichtet. Am pompösesten ging es in Frankfurt a. M., der Geburtsstadt des Ge⸗ feierten, her. Die Feier begann dort mit einem Hul⸗ digungsakt vor dem Goethedenkmale. Am Sonntag Abend wurde bei prächtigem Wetter ein Fackelzug veranstaltet, an dem die Gesang⸗, Krieger⸗, Turner⸗, Sportvereine usw., die Ge w erkschaften und Schulen sich beteiligten. Der großartige Zug bewegte sich mit zwölf Musikkorps in 140 Abteilungen von dem Goethe⸗ gymnasium durch die innere Stadt an dem Denkmal Goethes vorbei und dann über die Zeil zum Schau⸗ Mainqual, wo der Zug sich auflöste und die Fackeln zusammengeworfen wurden. Auf den Straßen und Plätzen bewegte sich eine gewaltige Menschenmenge. Die Festbeleuchtung der Stadt besonders die des Goethe⸗ platzes mit dem Kuppelbau über dem Goethedenkmale, der in Tausenden von Glühlämpchen erstrahlte, war großartig. Die organisierte Arbeiterschaft hielt am Abend eine imposante Festversammlung ab, in der Wilhelm Bölsche⸗ Frankfurt über Goethe sprach. Er schloß seine Rede mit Ausführungen, die wir als sehr beherzigenswert wiedergeben wollen.Als Arbeiter ist Goethe, führte Bölsche aus,auch heute noch vorbildlich, kein historischer Mensch hat so intensiv nach allen Richtungen gearbeitet wie Goethe. Seine so vieldeutige Gestalt aber sollen wir nicht durch Denkmäler feiern. Im Volk besitzt er noch nicht das ihm gebührende Denkmal. Für eine richtige Volksausgabe seiner Werke mit dem nötigen Kommentar für den schlichten Mann sollte man die Summen ausgeben, die heute für Denkmäler ausgegeben werden sie allein wäre das rechte Denkmal.