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Seite 6.
Mitteldeutsche SonntagsZeitung.
Nr. 27.
Hessischer Landtag.
Zweite Kammer.
Dienstags sitzung. Der Gesetzentwurf über die Erbschafts⸗ und Schenkungssteuer findet ohne
Debatte Genehmigung.— Gegen den Gesetzentwurf über
Urkundenstempel macht Genosse Ulrich prinzipielle Einwände. Speziell polemisiert er gegen den Wirt⸗ schaftsstempel und gegen die Fahrradsteuer, die ungerecht sei, so lange man Luxuswagen und Luxuspfer de nicht besteuere. Die Erhöhung des Fideikommiß⸗ stempels von 3 Prozent auf 10 Prozent, die ein An⸗ trag David verlangt, empfiehlt er. Geh. Staatsrat v. Krug: Mit der Stempelsteuer habe die Regierung zu den Ersatzvorschlägen in der Steuerreform ihr letztes Wort gesprochen. Andere Vorschläge könne sie nun nicht mehr machen und werde auch dieser Entwurf abgelehnt, so müsse sie von der Steuerreform absehen. Die Ein⸗ bringung der Staatsbedürfnisse allein auf direktem Wege, wie es die sozialdemokratischen Anträge bezwecken, sei nicht durchführbar. Abg. Dr. Da vid wird sich durch das„Entweder“—„Oder“ der Regierung nicht von einer sorgsamen Prüfung der Vorlage abhalten lassen. Sympathie bei der groß en Menge des Volkes finde die Erhebung der Gebühren und des Urkunden⸗ stempels nicht. Abg. Metz hält für gar nicht nötig, daß die Steuerreform noch am Ende dieses Landtags, wenige Tage vor dem Schluß, durchgeführt werde. Gegen die Urkundenstempel erhebt er Einwendungen, so z. B. gegen die Fahrradsteuer und gegen die Erhöhung verschiedener Erlaubnisscheine, die die Gewerbefreiheit beeinträchtigen würden. Abg. Heidenreich(ul.) steht auf dem Boden der Regierungsvorlage. Abg. Ulrich(Soz.) will wohl eine Steuerreform, aber nicht eine solche, die die Reichen und Reichsten entlastet und dafür die sch wachen Schultern mit indirekten Abgaben belastet. Der Erlaß der Grund- und Gewerbesteuer müsse durch Er⸗ höhung der Progression der Einkommen⸗ und Vermögens⸗ steuer eingeholt werden.— Abg. Schönberger ist er⸗ staunt, daß die Regierung das Zustandekommen der Steuerreform von der Annahme des Urkundenstempels abhängig macht. Abg. Weidner(christl.⸗soz.) findet die Erhöhung einiger Tarissätze nicht annehmbar und wird die Vorlage reiflich prüfen. Abg. v. Brentano (Ultram.): Angesichts der Erklärung der Regierung werde er der Vorlage zustimmen, um nicht die Reform zum Scheitern zu bringen. Jeden einzelnen Stempelsatz werde er indessen doch nicht in der vorgeschlagenen Form geceptieren.
Schließlich wurde der Entwurf eines Gesetzes betr. den Urkundenstempel gegen 7 Stimmen angenommen, nicht, wie der„Gießener Anz.“ meldet, einst immig.
Mittwochssitzung. Zur Beratung steht der Stempelsteuertarif. Genosse Cramer protestiert gegen den Druck, der seitens der Regierung auf die Kammer auszuüben versucht werde. Bei Position 35, Familienfideikommisse, beantragt Genosse Dr. David eine Erhöhung der Stempelsätze von 3 auf 10 PCt. Die Schädlichkeit der Fideikommißbildung sei von Ange⸗ hörigen aller Parteien anerkannt. Im Odenwald wurde viel Bauerngrundbesitz von den Standesherren aufgesogen. So habe der Graf Erbach-Fürstenau kürzlich große Land⸗ aufläufe gemacht. Es sei daher notwendig, durch Er⸗ höhung der Siempelgebühren die Fideikommißbildung zu erschweren. Justizminister Dittmar: Fragen von so schwerwiegender Bedeutung solle man nicht in Verbindung bringen mit anderen wichtigen Dingen, die schnell er⸗ ledigt werden sollten. Abg. Joutz-Butzbach(Freis. Antis.) greift die Erste Kammer an, vornehmlich den Grafen Solms⸗Laubach, der die allgemeinen landwirtschaft⸗ lichen Interessen wegen der Sorge um seinen Fideikommi ß⸗ benutz vernachlässigt habe. Abg. Dr. Schröder(ul.) sieyt keinen Grund ein, weswegen die Fideitommisse nicht gehörig zu fiskalischen Leistungen herangezogen werden sollen. Er teile hierin die Ansichten des Abg. David. Abg. Freiherr von Köth(Zentr.) hält die Angriffe auf die Fideikommisse für nicht ganz berechtigt. Abg. Köhler⸗Langsdorf(Antis.) tritt für den Antrag Da vid ein. Abg. Dr. Osann nl.) ist auch kein Freund der Fideikommisse, möchte aber nicht so weit gehen wie der Abg. David. Gen osse Dr. David: Wer die Erhaltung des Bauernstandes wolle, der müsse die Fideikommißbildung so viel wie möglich erschweren. Einen Konflikt mit der Ersten Kammer brauche die Zweite Kammer nicht zu fürchten. Der Antrag David wird mit großer Maj rität angenommen, der Fideiko mmißstempel also auf 10 PCt. festgesetzt.
Genosse Ulrich interpelliert die Regierung wegen des Falles Küchler. Er fragt an, ob es der Regierung nicht bekannt gewesen sei, welche Geldgeschäfte der Landgerichtsdirektor Küchler gemacht habe und wie sie den Fall zu erledigen gedenke. Das giebt sicher einen„großen Tag“ in der Kammer, wenn diese An⸗ fragen zur Debatte kommen.
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Unterhaltungs⸗CTeil. — Erinnerung.
Nur deine Hände laß' mich pressen—
Und leise träumen vor mich hin!.
Vielleicht.., vielleicht kann ich vergessen,
Wie ich so müd' und elend bin!
Ich bin bei dir!— Des Abends Schatten
Schleicht schwarz durchs Fenster,— und der Wind
Serrt von dem Baum die letzten matten Herbstblätter, die geblieben sind.. e
Mit dir allein!... und Nacht! und Träumen! Wie lang ist's her, und doch wie schön!
Der Morgentau tropft von den Bäumen— Das glänzt und glitzert, wo wir geh'n! Schon ist des Kuckuks Ruf erklungen,— Weiß prangt des Schlehdorns Blüthenkleid!.. Mein Arm um deinen Hals geschlungen,
Und rings die Waldeseinsamkeit!.
Mit dir allein!... Wir wandeln wieder Den Weg, der vor dem Thore liegt.
Ein Frösteln geht durch deine Glieder,
Eng hältst du dich an mich geschmiegt!
Um uns die Nacht... vom Städtchen spielen Die Lichter her so geisterhaft
Und unter wogenden Gefühlen
Sprichst du von deiner Mutterschaft.
Die Campe brennt... Ein Berg von Flocken Türmt sich vor'm Fenster, weiß und groß!... Ein Stübchen eng, doch warm und trocken, Und unser Kind auf deinem Schooß!—
Ein Tisch... ein Stuhl... so herzlich wenig, Daß jeder Hoffnungstraum zerrinnt!
Und doch so reich wie mancher König:
Swei Menschen, die mein eigen sind!—
Burch Gitterfenster meiner Selle 2 Bricht grau der Tag... Ich bin allein! Die Sorge kauert auf der Schwelle Und von den Wänden grinst die Pein Und alle Träume sind verschwunden,
Das Wort versagt, die Hand gebunden,
Allein in Seit und Einsamkeit.
Hans und Hanne.
Von Remy de Gourmont. Einzig autorisierte Uebersetzung von U. Fricke. I.
Hans war ganz klein. Er ging zur Schule, und auf dem Weg zur Schule verfolgte er die Hohlpfade, übersprang die Zäune, kroch die Hecken entlang, zerstört die Vogelnester, pflückte Erdbeeren oder Haselnüsse, Heidelbeeren oder Pimpinellen. Er war ein gutmütiger und folg⸗ samer Bursche; sobald er sich jedoch allein sah, ward er ebenso urwüchsig und ebenso unzivili⸗ siert wie ein Wiesel oder eine Spitzmaus. Ebenso wenig wie irgend ein anderes menschliches Wesen war er zum Gehorsam geschaffen; ein Blick zähmte ihn. So lange der Eindruck dauerte, beugte er sich demütig dem stärkeren Willen.
Eines Tages nun, da er zur Schule schlen⸗ derte und das Ränzlein, in das seine Mutter ihm ein Stück Brot und einen Apfel gepackt halte, wie einen Kreisel tanzen ließ, begegnete er Hanne, die ganz wie Hans zur Schule ging.
Hanne weinte. Sie gestand, daß sie gestraft worden und ohne ihre Suppe zu essen, zornig davongelaufen sei. Sie hatte Hunger. Hans gab ihr sein Brot und seinen Apfel, und zum Dank dafür umarmte ihn die Kleine. Sie weinte nicht mehr; sie bekam Lust zu spielen. Sie spielien: Auf den Knieen rulschen, sich auf das Gras werfen und manches andere.
Der Schullehrer, der vor Beginn des Unter— richts spazieren ging, begegnete den beiden und ermahnte sie strengen Tones:
„Ihr seid zwei kleine Spitzbuben! Ist das ein Spielen? Man muß ernsthaft spielen. Warum spielt ihr nicht, wer von Euch die Namen aller Unterpräsekturen, oder die Namen der Nebenflüsse der Loire, oder die Regeln des metrischen Systems besser kennt? Ich fürchte, ich fürchte, Ihr nehmt ein schlechtes Ende...
r .
(Er schüttelte den Kopf.) Und dann, und dann.., Was? Knabe und Mädchen! Die kleinen Jungen sollen auf einer Seite gehen und die kleinen Mädchen auf der anderen. Hans, Du gehst hier, und Du, Hanne, gehst dort.“
Dann setzte er selbstzufrieden seinen We zur Schule fort; allmählich aber sträubten si ihm die Haare auf dem Kopfe, denn er sah das unselige Schicksal voraus, dem diese Kinder entgegengingen.
Er murmelte:
„Autorität, Disziplin, Geographie, Ortho⸗ graphie... Autorität, Disziplin
II
Es war Kirchweihfest. Als der Abend kam, zündete man die Kerzen an, und der Tanz be⸗ gann. Hans, der achtzehn Jahre, und Hanne, die fünfzehn Jahre zählte, waren da in ihren schönsten Kleidern und hatten sich bei den ersten Geigenstrichen engverschlungen in das Gewühl der Tanzenden gestürzt, unter den Augen der Familien, die behaglich den Ciderwein tranken und dabei von vergangenen Zeiten, von der künftigen Ernte und von den Steuern sprachen, die schrecklicher waren, als der Hagel.
Als der erste Tanz zu Ende war, kam Hanne zu ihrer Mutter, die sie durch ein stummes Zeichen herbeigerufen hatte:
„Hanne, mein liebes Kind, ich bitte Dich, tanze nicht mit Hans. Sein Vater ist ein ruinierter Mann, und er selbst ist nichts, als ein armer kleiner Jungknecht. Laß Dir von diesem Burschen nicht den Hof machen, denn Du kannst ihn nicht heiraten, wir würden das nie zugeben. Geld gehört zu Geld, und Du hast Geld meine Hanne, und Hans hat keins.“
An dem Abend tanzten sie nicht mehr mit⸗— einander.
III.
Hans traf das Los, er wurde Soldat. In diesem Beruf erst lernte er ernstlich, was man thun muß, und was man nicht thun darf. Als die vier Jahre um waren, besaß er eine voll⸗ kommene höchst ehrenwerte Moral; er wußte, daß es zwei Menschenklassen gibt: die Vor⸗ gesetzten und die Untergebenen, und daß man die Vorgesetzten an dem Gold erkennt womit ihre Aermel gestickt sind. Diese Kenntnisse waren ihm auch noch von Nutzen, als er schon die Kaserne verlassen hatte, denn auch im ge⸗ wöhulichen Leben giebt es zwei Sorten Menschen: die Vorgesetzten und Untergebenen, diejenigen, die arbeiten, und diejenigen, die andere arbeiten fehen. Und da Hans, wohl infolge seiner in⸗ stinktiven Philosophie, diese Unterscheidung ganz naturgemäß fand, arbeitete er.
Hanne hatte nicht geheiratet. Ihre Eltern hatten in einem mißglückten Prozeß Hab und Gut verloren, sie selbst mußte als arme Kuh⸗ magd in aller Morgenfrühe die Kühe melken und bedauernd daran denken, wie traurig es doch für ein Mädchen sei, ohne Liebhaber leben zu müssen.
Als Hans diese Nachricht vernahm, freute er sich. Er gestand seinem Vater seine alte Liebe und seine Pläne.
„Hanne heiraten“, sagte der alte Bauer, „ein Mädchen, das vielleicht nicht einmal drei Hemden besitzt und sich seine Strumpfbänder aus einer Hand voll Hanf zusammenknüpft! Du bist freilich nicht reich, aber wir haben eine kleine Erbschaft gemacht, das Korn ist uns heuer gut geraten, und wenn du mir eine Schwiegertochter bringst, die keine Magd ist, will ich Dir gern ein eignes Heim gründen. Zu Geld gehört wieder Geld, mein Sohn; dieser Wahrheit darf 1 nicht spotten.“
Jahre vergingen. Hans verlor seine Eltern, und anstatt des wohlgefüllten Wollstrumpfes fand er nur Schulden. Jeder Mut war ver⸗ geblich, wie aller Fleiß. Wie die Mäuse nagten die Männer des Gesetzes an dem kleinen Erbe, und als während eines Tages sein Häuschen verkauft wurde, ergriff Hans enien Stock und wanderte fort, weit fort, so weit er konnte, um sein Brot zu suchen. Aber so weit er auch ging, immer floh das Leben vor ihm her, und er wanderte so weit und so lange, daß er, nachdem er die Erde durchwandert, sich endlich auf dem
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