Ausgabe 
2.7.1899
 
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Nr. 27.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 3.

in der Presse so zu sagen mit dem Monar⸗ chen diskutiert wird; aber die Folge kann nur mit der Ursache, kaiserliche Kund⸗ gebungen wie die in der Rede von Oeyn⸗ hausen, ausbleiben. Das europäische Kriegslager.

Wenn den in Haag versammeltenFriedens⸗ boten Europas ab und zu einmal die Ueber zeugung der Notwendigkeit, daß eine n auf dem Gebiete der seitherigen Rüstungen un der Kriegsführung dringend geboten ist, ab⸗ handen kommen sollte, dann dürfen sie sich nur in die Zahlen vertiefen, die die Kriegsstärke der europäischen Heere angeben, um diese Ueber⸗ zeugung sofort wieder zu gewinnen. Rufen wir uns aus dem Anlaß der Friedenskonferenz wieder einmal ins Gedächtnis, wie daseuro⸗ päische Kriegslager in Bezug auf die beteiligten Krieger zusammengesetzt ist!

Es beträgt die Präsenzstärke Kriegsstärke

in Deutschland 579,828 5,000,000 Frankreich. 572,290 4,053,000 Rußland 887,000 4,556,000 Oesterreich-Ungarn 354,300 1,872,000 259,668 1,509,000 hend 309,774 870,711 id 606,149 220,000 Dein 51,063 229,384 Dänemark 60,000 Rumänien 49,200 200,000

Serbien 12,700 337,500

7.

Aus diesen Zahlen geht Verschiedenes hervor. Einmal, daß Deutschland die höchste Kriegs⸗ stärke hat, und daß sein stehendes Heer nur von dem Riesenreich des Zaren an Zahl über⸗ troffen wird. Und das nur auf dem Papier. Es geht aber auch daraus hervor, daß der nächste Krieg, in den, nehmen wir einmal an, nur der Dreibund und der Zweibund verwickelt wären, circa 17 Millionen Menschen auf dem Schlachtfeld sehen würde!.. EinWeltbrand überhaupt, d. h. ein Europa umfassender Krieg, würde ca. 19 Millionen Ebenbilder Gottes gegen einander hetzen zum blutigen Mord und Tot⸗

schlag... Wie sollen diese Massen geleitet,

wie sollen sie ernährt werden?!

Der Kulturarbeit sind in Europa jahraus jahrein ständig entzogen ca. 3,142,000 Männer. Und verloren geht dem Nationalvermögen der Völker nicht nur die Arbeitskraft, sondern auch der Aufwand zur Unterhaltung dieser 3 Mil⸗ lionen kräftiger Männer, abgesehen von den Erfordernissen der Ausrüstung Kleidung und Bewaffnung.

Bei einer Betrachtung dieser Zahlen wird man sich so recht klar der Größe des weltge schichtlichen Verdienstes, welches dasjenige Zeit⸗ alter für sich beanspruchen darf, dem es gelingt, die Welt von Krieg und Kriegsgewitter und damit auch von dem ständigen Kriegslager zu befreien.

In Pension!

Pensioniert wurden in der deutschen Armee seit 13. Mai c.: 8 Generalleutnants, 14 General⸗ majore, 18 Oberste, 2 Oberstleutnant, 12 Majore, 12 Hauptleute, 11 Oberleutnants und 5 Leut⸗ nants. In Summe 82 Offiziere. Kosten per Jahr: 410 000 Mark! Auf Preußen treffen von den Verabschiedeten: 7 General- leutnants, 12 Generalmajore, 15 Oberste, 8 Majore, 9 Hauptleute, 7 Oberstleutnants, 2 Leutnants; auf Bayern 1 Generalleutnant, 1 Generalmajor, 1 Oberst, 1 Oberstleutnant, 1 Major, 3 Hauptleute, 3 Oberleutnants, 1 Leut⸗ nant; auf Sachsen 1 Generalmajor, 2 Oberste, 1 Oberstleutnant, 2 Leutnants; auf Württem⸗ berg 3 Majore, 1 Oberleutnant. Ferner schieden ohne Pension aus: 5 Oberleutnants (4 preußische und 1 württembergischer) und 17 Leutnants(15 preußische!!, 1 sächsischer und 1 württembergischer)y. Im Ganzen gingen also in dem kurzen Zeitraum von 6 Wochen 104 Offiziere ab. Der Gesamtverbrauch an Offizieren im ersten Halbjahr 1899 beläuft sich auf 360, die jährlichen Kosten hierfür be⸗ tragen die Kleinigkeit von 1100 000 Mark. In Preußen wurden insgesamt 275, in Bayern 49, in Sachsen 16, in Württemberg 20 Offiziere verabschiedet bezw. ausgeschieden. Verhältnis⸗

mäßig am wenigsten wurde in Sachsen pensioniert.

Nachwahl in Pforzheim.

Aus Pforzheim kommt die Nachricht, daß unser Parteigenosse Agster sein Reichstags⸗ mandat aus Gesundheitsgründen nie⸗ dergelegt hat. Dieser Schritt unseres von schwerem Nervenleiden befallenen Genossen war schon seit längerer Zeit zu erwarten.

Der neunte badische Reichstags⸗Wahlkreis Ett⸗ lingen⸗Durlach Pforzheim wurde bei der vor⸗ jährigen Wahl zum erstenmal fur die social⸗ demokratische Partei gewonnen. Im ersten Wahlgang erhielten wir 10 880 Stimmen, der nationalliberale Kandidat 7272, der Centrums⸗ kandidat 4254, ein konservativer Kandidat 1509 Stimmen. In der Stichwahl siegten wir mit 12 972 gegen 10 530 gegnerische Stimmen. Wir hoffen zuversichtlich, daß unsere Parteige⸗ nossen im dortigen Kreise sich der Mühewaltung einer Nachwahl mit gewohntem Eifer unterziehen und daß der Wahlkreis unserer Partei erhalten bleiben wird.

Freiherr von Hammerstein, der frühere Leiter derKreuzzeitung und konser vative Parteiführer ist am Montag aus der Strafanstalt Moabit entlassen worden. Das gegen ihn am 22. April 1896 nach 113tägiger Untersuchungshaft wegen Betruges und Urkunden⸗ fälschung gefällte Urteil, lautend auf 3 Jahre Zuchthaus, 1500 Mk. Geldstrafe oder noch 100 Tage Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust, wurde erst am 26. Juni 1896 rechtskräftig, da an diesem Tage die Revision vom Reichsgericht verworfen wurde. Um dem Freiherrn von Hammerstein die Verbüßung der 100 Tage Zuchthaus zu ersparen, ist derStaatsb. Ztg. zufolge von Freunden seiner Familie die Summe von 1500 Mk. aufgebracht worden. v. Hammer⸗ stein soll sich während seiner Strafzeit muster⸗ haft geführt haben. Gemaßregelter Pastor.

Aus Braunschweig wird berichtet: In dem Urteil gegen den wesentlich seinersozialpoliti⸗ schen Thätigkeit wegen seines Amtes entsetzten Pastor Schall heißt es:Es ist anzuerkennen der Fleiß, die hervorragende theologische Tüch⸗ tigkeit und die gewissenhafte Treue, mit dem Pastor Schall sein Amt geführt hat, und es ist deshalb zu bedauern, daß der Disciplinarhof gleichwohl auf Dienstentlassung erkennen mußte. Zwingend dabei waren die zahlreichen Verunglimpfungen, die Schall sich gegen seine Vor⸗

gesetzten hat zu schuldeu kommen lassen, sowie

der unüberwindliche Widerspruchsgeist gegen die Anordnungen seiner Vorgesetzten, der, wie die 5 gezeigt hat, auch jetzt noch derselbe 01 05

Dr. Sigl über Sozialdemokraten.

Der Thätigkeit der sozialdemokratischen Ab⸗ geordneten in der bayrischen Kammer stellt Sigl'sVaterland folgendes Zeugnis aus: Man hat Herrn v. Vollmar in der Kammer oft mit Recht demHecht im Karpfenteiche verglichen. Er und die Abgeordneten Segitz und Ehrhart haben auch in der außerordentlichen Session diesem Rufe alle Ehre gemacht. Sie brachten Leben in die Bude, und wenn sie auch nicht im Stande waren viel Positives zu er reichen, und das viele Unangenehme zu verhindern, so haben sie durch ihr gerades Auftreten große moralische Erfolge, die Achtung auch ihrer politischen Gegner errungen. Das ist viel wert. Dasselbe gilt von unseren Genossen im hessi⸗ schen Landtag.

Ausländisches.

Oesterreich. Die angeführte Polizei. Die Sozialdemokraten in Wien wollten eine größere Anzahl von Flugblättern gegen die Lueger'sche Wahlreform zur Verteilung bringen, ohne dabei von der Polizei durch Konfiskation 2c. gestört zu werden. Um dies zu erreichen, ließ man dem Herausgeber des antisemitischen Deutschen Volksblattes einen nur in einem einzigen Exemplar hergestellten Aufruf zukommen, in welchem die Arbeiterschaft auf⸗ gefordert wurde, an einem bestimmten Abend vor dem Rathause und gleichzeitig vor der Re⸗ daktion desDeutschen Volksblattes Massen⸗ Demonstrationen zu veranstalten. Der Heraus⸗ eber desDeutschen Volksblattes übersandte furt den an ihn gelangten Aufruf an die

Polizei, die gleichfalls in die Falle ging und alle nur verfügbaren Geheimagenten und Wach⸗ leute bei dem Rathause und der Redaktion des Deutschen Volksblattes versammelte, um der angeblichen Demonstration vorzubeugen. Während die Polizei vergeblich der Arbeiter massen harrte und die benachbarten Bezirke von Sicherheitswachen entblößt waren, ließ die sozial⸗ demokratische Partei in aller Eile Tausende und Tausende der gefährdeten Flugblätter ver teilen, und entging auf diese Art der polizeilichen Beobachtung.

Belgien. Das neue Wahlgesetz ruft einen Sturm der Entrüstung im Lande und in der Deputiertenkammer hervor. In der Kammer kam es dieser Tage wieder zu heftigen Zwischen⸗ fällen. Der Sozialist Vandervelde erklärte das Gesetz für schamlos. Der Sozialist Smeets er klärte, der König sei der Mitschul dige des Ministeriums. Der Vorsitzende forderte den Redner auf, die Person des Königs zu respet tieren. Der Sozialist Demblon erklärte darauf, man achte, was zu achten sei. Demblon erklärte:Wir hatten nicht erwartet, daß man ein skandalöses Gesetz einbringen wird. Sie hatten nicht das Recht, ein solches Gesetz vor zulegen. Sie spotten damit der Konstitution! Sich an die Regierung wendend rief Redner: Sie sind Aufrührer! Die Regierung muß die Vorlage zurückziehen. Der Fortschrittler Lorand protestierte ebenfalls gegen die Vorlage. Da bei der Abstimmung über das Datum für die Erörterung der Vorlage die Linke den Saal verlassen hat, ist die Kammer beschlußunfähig. Die Sitzung wird infolgedessen aufgehoben.

Die Bewegung gegen das Wahlgesetz der Regierung dehnt sich über ganz Belgien aus und wird eine nationale Kundgebung aller Oppo sitionsparteien zur Folge haben.

Frankreich. Das neue, aus so wider spruchsvollen Elementen zusammengesetzte Ministerium hatte am Montag seine Feuerprobe zu bestehen und es hat sie bestanden, wenn auch unter heftigen Stürmen und mit knapper Not. Aber die neue Regierung hat sich vor der Volksvertretung behaupten können und das Volk scheint in seiner Mehrheit damit einver⸗ standen zu sein. Der Senat erteilte dem neuen Kabinet mit großer Majorität das Vertrauens⸗ votum; aber die Kammer gab dasselbe nur mit der knappen Mehrheit von 26 Stimmen, nach⸗ dem während der ganzen Verhandlung, den Berichten zufolge, eine gewaltige Aufregung tobte. Erst als der sozialistische Handels⸗ minister Millerand zum Schlusse auf die Notwendigkeit der Arbeiterschutzgesetzgebung hin wies, sollen sich die Wogen besänftigt und der Redner einen jubelnden Beifall geerntet haben. Das muß als eine schöne Vorbedeutung erachtet werden, daß der Gedanke ächter Sozial⸗ reform das Medium der politischen Gesundung Frank eichs bilden kann.

Pon nah und Fern.

Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind jederzeit willkommen. Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich streugste Gewissen⸗

haftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten. Wir bitten alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben.

Protestversammlung in Gießen.

r. Trotz des recht zweifelhaften Wetters hatten sich am Sonntag Nachmittag im Garten der Pulvermühle wohl an 600 700 Männer und Frauen eingefunden, um Protest zu erheben gegen die Zuchthausvorlage. Referent war Genosse Scheidemann. In großen Zügen schilderte er zunächst die heutige Schleifstein⸗ politik, beleuchtete dann die häßlichste Blüte der selben, die Zuchthausvorlage, eingehend, und forderte am Schlusse seines 1½stündigen Vor⸗ trags zu festem Zusammenhalten und treuer Pflichterfüllung auf. Langanhaltender Beifall folgte den leichtverständlichen Ausführungen. Eine Diskussion wurde nicht beliebt. Folgende Resolution fand einstimmige Annahme:

Die heutige, im Garten der Pulvermühle tagende Volks-Versammlung protestiert auf das Entschiedenste gegen die Zuchthausvorlage und erwartet vom Reichstage, daß er auch in zweiter Lesung das kulturfeindliche Ausnahme