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Nr. 14.
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Seite 5.
allen Leuten gefürchteter und deshalb ge— miedener Mensch war. Es unterliegt daher keinem Zweifel, daß der Mörder ein erblich belasteter Geistes⸗ kranker war, der von der Sozialdemokratie weiter nichts als wie den Namen kannte und allenfalls noch die Bemerkungen irgend einer blöd⸗ sinnigen Ordnungsstütze, daß die Sozial⸗ demokraten nur rauben und morden wollen. Wenn daher der Mörder im Augenblick des Todes wirklich Hochrufe auf die Sozialdemokratie ausgebracht habe, so ist dieses weiter nichts, wie der Ausfluß eines kranken Gehirns. Und wie würde es den frommen Blättern gefallen, wenn jemand in den zahlreichen Fällen, wo Mörder in der To des⸗ stunde Gott anrufen, die Religionslehre für die Mordthat verantwortlich machen wollte?———
Die von dem klerikalen Blatt ausgeheckte Gemein⸗ heit wird natürlich mit Behagen von dem Organ des Abg. Köhler⸗Langsdorf übernommen und zwar unter der Ueberschrift: Ein zielbewußter„Genosse“. Von dem Blatt wird niemand etwas anderes erwartet haben. Die schofelsten Mittel sind den Antisemiten gerade gut genug im Kampfe für ihre Ziele. Die Antisemitenführer müssen ja wissen, mit welchen Mitteln sie bei ihren Wählern die besten Erfolge erzielen.
Mißhandlung im Armenhaus.
An den„Bruder Heinrich“ des Alexianer-Klosters Mariaberg erinnert lebhaft eine Verhandlung, welche vor dem Leipziger Landgericht gegen die Armenhaus⸗Wärterin Einhorn stattfand. Die würdige Dame stand unter der Anklage der fahrlässigen und vorsätzlichen Körper⸗ verletzung. Sie hat mehrere Insassinnen des Kranken⸗ hauses fortgesetzt geschlagen und auf andere Art miß⸗ handelt. U. a. rieb sie den Frauen mit verunreinigten Bettlaken im Gesicht herum und einer 70jährigen Frau D. goß sie mit den Worten:„Na warte, alter Freund, jetzt kommt eine kalte Douche!“ drei Eimer eiskalten Wassers über Kopf und Körper, als diese im Bade saß, usw. Nach Meinung des Anstaltsarztes hätte der letztere Vorgang den sofortigen Tod der Greisin im Gefolge haben können. Als der Leichnam der schließ⸗ lich an Altersschwäche verstorbenen Frau D. unter⸗ sucht wurde, fanden sich am ganzen Körper blutunter⸗ laufene Stellen. Die Behörden sind sofort mit aller Energie eingeschritten, als ihnen die erste Kunde von dem Thun der Wärterin wurde, denn es besteht die ausdrückliche Ordre, daß niemand geschlagen werden darf. Das Landgericht erkannte auf ein Jahr Ge—
fängnis. Stimmt nicht.
„Wir lesen in verschiedenen Amtsblättern: „Der Rückgang der anarchistischen Bewegung in Deutschland wird jetzt von leitender Stelle selbst anerkannt. Das anarchistische Organ„Der Sozialist“ konnte wegen Geldmangel nicht mehr erscheinen. Die finanzielle Lage ist eine schwierige. Die ganze Anarchisten⸗Bewegung ist durch die fortgesetzten Verfolgungen im Rückgang begriffen.“
Wenn in Deutschland der künstlich auf⸗ gepäppelte Anarchismus nicht Wurzel schlagen konnte, so ist das der Aufklärungsarbeit der Sozialdemokratie zu danken. Die sogenannten „Verfolgungen“ wären ganz dazu angethan, jene Bewegung zu fördern. Aber es fehlte ihr der Resonnanzboden. Und der konnte auch nicht dadurch geschaffen werden, daß ein deutsches Anarchistenblatt in der Schweiz mit polizei⸗ licher Geldunterstützung herausgegeben wurde. Seit dem Bombenschwindel von Alexandria glauben selbst die größten Angstmeier nicht mehr an den polizeianarchistischen Wauwau.
Lieb Vaterland kannst ruhig sein.
K. Unter der Spitzmarke„Politische Polizei“ geht durch die„mittelparteiliche“ Presse ein Ar⸗ tikel der Berliner„M. P. C.“, wonach der ins Ministerium des Innern berufene Polizeipräsident Dr. Schütte aus Königsberg speziell ein außer⸗ ordentlich genauer Kenner sei,„der Vereins⸗ Gesetzgebung, und der Handhabung der Maßregeln, welche für die Bekämpfung der Ausschreitungen der Sozialdemo⸗ kratie in Betracht kommen.“
Allzugroß brauch auf diesem Gebiet das Ver⸗ ständnis des Herrn Dr. Schütte nicht zu sein, dieweil die Sozialdemokratie nicht so einfältig ist, Ausschreitungen zu begehen. Not thäte dem preußischen Ministerim des Innern ein Mann, der ihm beibringt, daß„Gleiches Recht für Alle“ die Grundlage eines geordneten Staates ist.
Moderne Burschenschafter.
Der„Vorwärts“ schreibt:„Die Burschen⸗ schafter von 1899 erklären entrüstet, daß sie keinen Kranz auf die Gräber der Märzgefallenen niedergelegt haben. Das hat auch niemand ge⸗ glaubt, denn niemand hat vor den heutigen Herrchen so viel Achtung, daß er sie mit den
Burschenschaftern von 1848 verwechselt. Für die alten Herren freilich, so weit sie noch leben und nicht Renegaten geworden sind, ist es natür⸗ lich, daß sie ihre Ideale und ihre Märtyrer ehren.“— Der Hieb sitzt.
Heimkehr der Bulgaria.
Der Dampfer„Bulgaria“, der am Dienstag wohlbehalten in Plymouth eingetroffen ist, setzte nach kurzem Aufenthalt die Reise nach Hamburg fort. Die Ankunft des Schiffes in der Elbe dürfte am Freitag erfolgen, während die Be⸗ grüßung der Besatzung am Samstag stattfinden wird. Die gesamte Mannschaft der„Bulgaria“ wird am Samstag eintreffen und von dort mit Wagen nach dem Rathhaus gefahren, wo sie vom Senat empfangen wird. Hierauf begiebt sich die Mannschaft auf Einladung der Handelskammer auf die Gallerie der Börse und wird von dort nach dem Ratskeller geführt, wo ihr die Handels- kammer ein Mittagessen darbietet.
Die„freie“ Wissenschaft.
Der Berliner Universitätsprofessor Delbrück, der sich abfällig über die Ausweisungspolitik Köllers geäußert, ist disziplinarisch zu 500 Mk. Geldstrafe und den Kosten verurteilt worden.
Der Kaiser als Kunstrichter.
Aus Kassel wird der„Frankfurter Ztg.“ berichtet: Vom Ortsausschuß für den Wettstreit deutscher Männergesangvereine war eine Kon⸗ kurrenz für Erlangung eines künstlerischen Plakats ausgeschrieben worden. Von den 20 eingegangenen Arbeiten war der Preis dem Entwurfe des Lehrers an der Kasseler königl. Kunstakademie Adolf Wagner einstimmig zuerkannt worden. Zur Vervielfältigung gelangt der preisgekrönte Entwurf indes nicht, weil der Kaiser den Entwurf des Malers Doepler jun.⸗Berlin zur Ausführung bestimmte.
Arbeiterbewegung.
Brauerstreik in Frankfurt. Der Streik ist auf der ganzen Linie ausgebrochen. Durch den Be⸗ schluß des Brauereibesitzerrings: in sämtlichen Brauereien ein Viertel der Arbeiter zu entlassen, sahen sich die übrigen Arbeiter moralisch gezwungen, ebenfalls die Arbeit niederzulegen, und so streiken jetzt 509 Mann, und zwar bei Henninger 111, bei Binding 150, im Essighaus 54, bei Reutlinger 30, bei Kempff 19, bei den Vereinigten Brauereien 28, bei Henrich 16, in der Röderberg⸗Brauerei 14, bei Jung 51 und bei Stern⸗ Oberrad 36 Mann. Von den 509 sind 286 verheiratet und 223 ledig. Sieben große Volksversammlungen er⸗ klärten sich mit den Brauereiarbeitern solidarisch. In Frankfurt ist also der Bierkrieg proklamiert, da natür⸗ lich niemand, der die Arbeiter zu unterstützen wünscht, 19 55 aus den am Streik beteiligten Brauereien trinken wird.
Weißbinderstreik in Darmstadt. Der Streik der Weißbinder⸗, Lackierer⸗ und Anstreichergehilfen ist beendet. Die Forderungen der Gehilfen sind im großen und ganzen bewilligt. Es werden von nun an folgende Stundenlöhne gezahlt: Ein Junggeselle unter 20 Jahren 20 Pfg., ein Junggeselle über 20 Jahre statt bisher 20—26 Pfg. jetzt 34 Pfg. Ein älterer Gehilfe mit bisher 30—32 Pfg. jetzt 36 Pfg., ein solcher mit bisher 33—34 Pfg. jetzt 38 Pfg., ein solcher mit über 35 Pfg. pro Stunde jetzt je 4 Pfg. mehr.— Ein Erfolg der Organisation!
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Zur hessischen Landtagswahl.
* Zum fünften oberhessichen Landtags⸗ wahlkreis— Gießen⸗Land— gehören die nachverzeichneten Gemarkungen.— Wie viel Wahlmänner die einzelnen Gemarkungen zu wählen haben, ist in Klammern angegeben.
Allendorf a. L.(1), Garbenteich(1), Großen⸗ Linden(3), Hausen(1), Heuchelheim(3), Klein⸗Linden(2), Langgöns(2), Leihgestern(2), Watzenborn und Steinberg(3), Alten⸗Buseck (2), Annerod(1), Daubringen⸗Heibertshausen (1), Großen⸗Buseck(3), Lollar(2), Mainzlar (1), Oppenrod(1), Rödgen und Trohe(1), Ruttershausen mit Kirchberg(1), Staufenberg mit Friedelhausen(1) und Wieseck(5). Wer ist Urwähler?
Urwähler ist jeder 25 Jahre alte Hesse, der spätestens seit Anfang des Jahres, in dem die Wahl stattfindet, zur Steuerzahlung heran⸗ gezogen ift. Hier besteht keine Vorschrift über die Höhe des Steuersatzes. Wenn der Be⸗ treffende auch den niedrigsten Steuersatz zahlt, so ist er wahlberechtigt.
Wer kann Wahlmann werden?
Wahlmann kann werden jeder 25 Jahre alte Hesse, der mindestens vro Ziel 2 Mk. 10 Pfg. direkte Staatssteuer zahlt.
Partei⸗ Nachrichten.
Wahlkreis Gießen⸗Grünberg⸗Nidda. Parteigenossen!
Es ist wohl am Platze, noch einmal ausdrücklich an die Verhandlungen der letzten Kreis-Konferenz in Hausen zu erinnern.
Es wurde dort besonders die von Mund zu Mund empfohlen.
Es wurde betont, wie notwendig es sei, die schlecht oder gar nicht organisierten Nachbardörfer zu besuchen, dort
Einzelmitglieder für den Kreis-Wahl⸗Verein und
nene Abonnenten für die„M. S.⸗Ztg.“ zu werben.
Parteigenossen! Treueste Pflichterfüllung ist die höchste Aufgabe für alle diejenigen, die An⸗ spruch auf den Ehrentitel Sozialdemokrat machen. Für uns arbeiten keine Bürgermeister, keine Pastoren, keine Lehrer. Bei uns heißt es: selbst ist der Mann!
Die Osterfeiertage bieten die beste Gelegenheit, für die Partei thätig zu sein. Zur Werbung neuer Wahlvereinsmitglieder laßt Euch Mitgliedskarten bei dem Gen. Bock, Dammstraße, holen; dort könnt Ihr auch Beitragsmarken in Empfang nehmen.
Zur Abonnentenwerbung für die„M. S.⸗Ztg.“ erhaltet Ihr in der Expedition, Sonnenstraße 25(bei Gen. Schneider) Agitations nummern in beliebiger Anzahl gratis.
Zur Feier des 1. Mai.
Es ist dringend notwendig, daß sich die Genossen derjenigen Orte im 1. hessischen Wahlkreise, welche eine Maifeier veranstalten wollen und einen Redner bean⸗ 1 1 58 sofort an Gen. Bock, Gießen, Dammstraße wenden.
Agitation
Amtlich ermittelte Preise der gewöhnlichsten Verbrauchsgegenstände. Februar 1899.
In Gießen gezahlte Preise 1 70 Durchschnitts pochste drigle tel. 630900 2 Weizen... 100 Kilo. 212919.48 20.44 Roggen„„ 16.9 15.4616.27 Gerte„ 1908 15.7173 Hafer 5„ 18.0 16.17.1710 D 5„ 6.39 5.23 5.79 Stroh„„ 4.79 3.95 4.40 Kartoffelnn.„„ 8.29 5.67 6.95 Erbsen..„„ 31.42 29.67 30.54 Bohnen.„„ O36.42.34.67835.54 Linsen.„„ U 42.42 40.75% 1.58 Weizenmehl. 1 Kilo 0.43 0.37 0.40 Roggenmehl..„„ 0.36 0.34 0.35 Buer;„„ 2.32 1.61 197 Miß; 1 Liter 0.16 0.16 0.16 EieCUCLLL 10 Stück 0.77 0.56 0.67 Brot; gem ils 0.25 Brot, Roggen..„„— 023 mit ohne Beilage Beilage Ochsenfleisch... 1 Kilo 1.40 1.57 Kuh- u. Rindfleisch,„ 1.22 1.37 Kalbfleischh...„„ 1.25 1.32 Hammelfleisch..„„ 1.22 1.35 Schaffleisch...„„ 1.12 1.20 Schweinefleisch.„„ 1.42 1.49 Gießen. Auf dem Wochenmarkte vom 30.
März kostete: Butter per Pfund Mk. 0,90,—1,05, Hühnereier 0 St. 0000 Pfg., 1 Stück 6—7 Pfg., Käse per Stück 5—8 Pfg., Käsematte 2 Stück 5—8 Pfg., Erbsen pro Liter 20 Pfg., Linsen pro Liter 30 Pfg., Tauben pro Paar Mk. 0,90— 1,00, Hühner pro Stück Mk. 1,20— 1,80, Hahnen pro Stück Mk. 1,30— 2,00, Enten per Stück Mk. 1,902, 40, Gänse pro Pfund 0000 Pfg., Ochsenfleisch per Pfd. 687 Pfg. Kuh⸗ und Rindfleisch 62—64 Pfg., Schweinefleisch 60—72 Pfg., gesalzen 76 Pfg., Kalbfleisch 60—66 Pfg., Ham⸗ melfleisch 50— 70 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kilo Mk. 5,50 bis 6,50, Zwiebeln pro Zentner Mk. 8,00 9,00, Milch per Liter 16 Pfg.
cette Nachrichten.
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Paris, 29. März. Der Kriegsminister Freyeinet empfing den Vorstand des Vereins der militärischen Presse, wobei er sagte, die Affaire Dreyfus habe in Frankreich eine Art geistiger Verwirrung ge⸗ schaffen, er hoffe jedoch, daß demnächst ein Urteilsspruch erfolge, der alles wieder an den richtigen Platz stelle.— Man nimmt an, daß der Prozeß Dreyfus anfangs Mai stattfinden wird.


