Ausgabe 
1.10.1899
 
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Nr. 40.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 3.

Haufen Reiser und Scheitholz ohne Erlaubnis des Oberförsters rechtswidrig aus dem Ge⸗ meindewald sich angeeignet zu haben, um sich einen Vermögensvorteil zu verschaffen. Ferner ist er angeklagt, 6 Anzeigen, die ihm von Seiten der Feldpolizei gemacht worden waren, einfach unbeachtet gelassen und den Angezeigten keinerlei Strafen auf⸗ erlegt zu haben, wie es heißt, um die Denun⸗ zierten, die zum Teil seine Freunde waren, nicht mit sich zu verfeinden. Der Gerichtshof nimmt an, daß der Angeklagte sich der Straf barkeit seiner Handlungen nicht bewußt gewesen sei und erkennt auf Freisprechung. Die Kosten fallen der Staatskasse zur Last.

Nr. 2. Schöffengericht in Wetzlar. Der Schneider A. F. aus Wetzlar hatte eine in Krofdorf abgehaltene sozialdemokratische Ver⸗ sammlung geleitet, an deren Schluß eine Teller⸗ sammlung vorgenommen worden war. Zur Vornahme dieser Sammlung ist jedoch eine behördliche Erlaubnis erforderlich, die F. nicht besaß. Deswegen zur Anzeige gebracht, wird F. zu 30 Mk. Geldstrafe ev. 6 Tagen Haft verurteilt.

Unseres Erachtens geht aus diesen beiden Urteilen hervor, daß an die Rechtskenntnisse eines sozialdemokratischen Schneiders unter Um⸗ ständen weit höhere Anforderungen gestellt werden, als an diejenigen eines von der Re⸗ gierung bestätigten Bürgermeisters. Konnte nicht auch bei dem Schneider angenommen werden, daß er sich der Strafbarkeit seiner Handlung nicht bewußt war? Und das war bei unserem Genossen Fauth, um den es sich handelt, ganz bestimmt der Fall. Denn kein

Mensch sollte doch glauben, daß Fauth auf

Beschluß der Versammlung zur Deckung der entstandenen Kosten die Sammlung in Gegen⸗ wart des Gensdarmen hätte vornehmen lassen, wenn er der Ueberzeugung gewesen wäre, etwas Strafbares zu begehen. Aber einerlei, der Bürger meister wurde freigesprochen von ziemlich schwerer Anklage und der Schneider Fauth wurde verurteilt.

ImW. A. werden Maxmorschleifer nach Berlin gesucht. DemVorwärts zufolge handelt es sich um eine Firma, mit der die Arbeiter in Konflikt stehen. Es ist also Vor sicht am Platze.

Kleine Mitteilungen.

* Gießen. Auf das am Samstag, den 30. September im Café Leib stattfindende Stiftungs- fest des Gesangvereins Eintracht sei hiermit noch einmal ausdrücklich aufmerksam gemacht. Wie uns versichert wird, kommen durchweg neue Lieder zum Vortrag und ein Theaterstück zur Auf führ ung, das sicherlich den Beifall aller Besucher finden dürfte. Der zweite Teil des Festes besteht aus Tanzunterhaltung.

In der Oeffentlichen Lesehahle ist von jetzt ab jedesmal am Freitag(6 bis 8 Uhr) Aus leihetag nur für die Jugend(unter 16 Jahren) und Montags, Mittwochs und Samstags Aus leihetag nur für Erwachsene. Es war not wendig diese Einrichtungen zu treffen, um vor gekommene Unzuträglichkeiten zu beseitigen.

Vom 1. Mai d. J. ab soll auf Station Abend stern der Wetzlar-Lollarer Bahn eine Personen haltestelle errichtet werden.

Der Dünsbergturm wird am 15. Oktober durch eine kleine Feierlichkeit seiner Bestimmung übergeben werden. In Darmstadt haben von 19 Theilnehmern ganze 4 die Einjährig-Freiwilligen Prüfung bestanden. Ein klägliches Resultat, das gewiß nicht zu verzeichnen wäre, wenn die Intelligenz der Prüflinge der Größe des väterlichen Geldsacks entsprochen hätte.

* Marburg. Frl. Westerkamp von hier, eine Tochter des bekannten Professors, hat in Hersfeld das Gymnasial- Abiturientenexamen be st anden.

Hannover. Die Elektrische Straßenbahn hat innerhalb 15 Tagen 4 Menschen totgefahren. Vermutlich hat sich die Bevölkerung noch nicht an den gesteigerten und gefährlicher gewordenen Straßenverkehr gewöhnt.

Vom antisemitischen Parteitag.

* Das Offenbacher Lügenblatt der Anti⸗ semiten leistet sich den famosen Witz, uns zu unterstellen, wir wären über denaußerordent⸗ lich gut besuchten Parteitag der Antisemiten ganz aus dem Häuschen. Nein, so haben wir lange nicht gelacht! Alle Welt ist sich einig darin, daß der antisemitische Parteitag in Ham⸗ burg ein Bild der größten Zerfahrenheit und Rüpelhaftigkeit zeigte und wir sollten darob aus dem Häuschen sein?!

Ueber die Zerfahrenheit haben wir schon kurz in voriger Nummer berichtet. Ueber die Rüpelhaftigkeit nur ein Beispiel. Der Antisemit Dr. Giese hatte beantragt, eine Resolution anzunehmen, in der unter Punkt 2 gesagt wird, daß die Antisemiten die Aus⸗ scheidung des Alten Testaments aus dem christlichen Religionsunterricht fordern. Der Abg. Bindewald verglich dann die Juden mit Maden in der Kirsche und Fliegen auf der Kuh und äußerte sich laut dem Pastoren⸗ blattDer Reichsbote folgendermaßen: Bedauerlich ist es, daß einst Luther das alte Testament nicht beseitigt hat und daß daher noch heute das alte Testament dazu beitragen muß, die Verjudung in unser Volk zu tragen. Der Antisemit v. Huth⸗ Hamburg sagte:

Ich weiß nicht, wie Leute das Alte Testament als göttliche Offenbarung ansehen können! Da wird zum Beispiel er⸗ zählt, wie Abraham seine Frau als seine Schwester an Pharao verkuppelt hat. Na, ich danke für solche Offenbarung! Um Gottes Willen keine Schulbibel! Sonst wird in ihr Geschichtsfälschung geschrieben und womöglich der Schweinehund Abta⸗ ham als Heiliger hingestellt.

Diese eine Scene möge genügen, um zu zeigen, auf welcheHöhe von Teutschtum, Sitte und Christentum der Parteitag der Antisemiten sich hinausschwang.

Der frommeReichsbote und dasVolk des Hofpredigers Stöcker letzterer ist be kanulich der Vater des neuzeitlichen Antisemi⸗ tismus äußern sich sehr abfällig über den Antisemitentag. Stöcker schreibt von den mitSchlagwörtern trivialster Art gespickten Reden, von derUnfähigkeit des Parteitags und stellt fest, daß Herr Biudewald durch seine Aeußerungender christlichen Welt anschauung als Grundlage für seine Partei entsagt habe.

Es wäre uns gar nicht eingefallen, über den Parteitag der Antisemiten noch ein Wort zu verlieren. Aber wenn die Hirschel und Köhler der Ansicht sind, wir hätten Ursache, un⸗ zufrieden zu sein mit dem von ihrer Partei in Hamburg aufgeführten Hokuspokus, so wollen wir ihnen wenigstens noch den Gefallen thun, das zu berichten, was die antisemitische Sachsenschau in Magdeburg, also ein Parteiblatt der ũPfgs.⸗Eierpolitiker, über den so graußartig verlaufenen Tag in Hamburg vermeldet:

Haben sie schon gelesen, vom Parteitage? Die Wurstel ei soll also in der bisherigen Weise weiter⸗ gehen, mit diesen Worten traten verschiedene Gesinnungs⸗ genossen in diesen Tagen in unsere Geschäftsstelle. Und wir glauben kaum, daß man eine bessere, treffendere Form zur Charakterisirung der Ham⸗ burger Ergebnisse finden kann. Das Resultat fiel so aus, wie wir es vorausgesagt haben. Die große Mehrzahl derer, welche klar erkannt haben, daß die deutschsoziale Reformpartei eine völlige Reorganisation an Haupt und Gliedern dringend nötig hat, wenn sie nicht zu Grunde gehen soll, alle diese sind zu Hause geblieben. In Hamburg war bis auf wenige Ausnahmen von Aus⸗ wärts und die Hamburger Gesin nungsgenossen die kleine hurrahwütige Begeisterungsschaar anwesend, welche nach den vielen Vermerkungen im Bericht: donnernder Beifall u. s. w. ihre Schuldigkeit als Cla⸗ queur wieder besorgt zu haben scheint.

Ein klares Bild kann man von den Verhandlungen überhaupt nicht gewinnen, da die internen Sitzungen den Außenstehenden nicht bekannt werden und die Be⸗ richte sicher vieles unterdrückt haben. Das Ver⸗ tuschungssystem hat also noch einmal gesiegt, ob⸗ wohl das Beispiel»nderer Parteien zeigt, daß eine offene rücksichtslose Aussprache die Mißstände eher be⸗

seitigt als alle Schönfärberei und Unterdrückung. Aus dem Wenigen aber, was durch die Berichte zu uns ge⸗ langt ist, ist mit Sicherheit zu entnehmen, daß

1) starke persönliche Fragen nach echt deutscher Art wieder einmal statt sachlicher Meinungsverschiedenheiten die Hauptrolle gespielt haben,

2) daß das Parteigebäude große Risse zeigt. Es bröckelt überall und es ist nur noch eine Frags der Zeit, wann Zimmermann und Raab ab⸗ gehen. Nur Liebermann steht noch einigermaßen.

Dem brauchen wir nichts mehr hinzuzufügen.

Aber eine Frage an die Hirschel und Köhler noch:

Warum sind Sie denn in Ihrer Volks⸗ wacht bis auf den heutigen Tag ihren Lesern den ausführlichen Bericht über Ihren eigenen Parteitag, der im vorigen Jahre in Cassel stattfand, schuldig ge⸗ blieben? War der Verlauf desselben nach Ihrer eigenen Ansicht noch kläglicher, wie der Hamburger Tag? Oder haben Sie deshalb nicht berichtet, weil Ihnen beiden so gründ⸗ lich die Köpfe gewaschen wurden und weil speziell von Ihrem Spezialfreund Bindewald gesagt wurde:

Der Parteitag muß den Abg. Köhler in sehr bestimmter Form an den Eid er⸗

innern, den er der Partei geleistet hat?

Partei⸗Nachrichten.

Samstag, 30. September Arb.⸗B.⸗V. Heuchelheim. Abends halb 9 Uhr bei L. Steinmüller. Dienstag den 3. Oktober: ei Cartell Abends 9 Uhr Uhr bei Orbig.

Eingesandt. Heuchelheim, 28. Sept. 1899.

Seit ungefähr 8 Wochen befindet sich die Bach straße in unserem Ort in einem geradezu skan dalösen Zustand. Anfangs August wurde bereits die Straße aufgerissen, später wurden Steine und Schutt angefahren, alles Vorarbeiten zur Ueber brückung des Bieberbachs. Nun schreitet die Ar beit aber derart langsam fort alle paar Tage sind 23 Arbeiter in Thätigkeit, daß, wie oben bereits gesagt, die Straße in einem kaum noch passierbaren Zustande ist. Das ist in jetziger Zeit um so schlimmer, als doch jedermann ge zwungen war, seine Frucht einzufahren und jetzt notwendigerweise Kartoffeln u. s. w. eingebracht werden müssen. Leider giebt es keine Menschen schutzvereine, aber wir sind überzeugt, daß sich ein Tierschutzverein sofort in's Mittel legen würde, wenn ihm zur Kenntnis käme, daß sich infolge des Zustandes der Bachstraße das Vieh in wahr haft unverantwortlicher Weise abrackern muß.

Einer für Viele.

Leise Anfrage.

In der Rodheimerstraße liegen seit langer Zeit eine Anzahl Steinhaufen gerade auf dem Bankett. Vom Schlachthaus bis zu der nach Heuchelheim abzweigenden Straße sind es 17 wohlgezählte Haufen. Abend für Abend fallen zahlreiche Leute über die Haufen. Das ruft dann stets, da es meist ohne Verletzungen abgeht, große Heiter keit unter den übrigen Passanten hervor. Da nun aber nicht anzunehmen ist, daß die Haufen lediglich zur Belustigung der Fußgänger dorthin geschafft wurden, so erlaube ich mir hiermit im Auftrag vieler Arbeiter, die täglich auf der Rod heimerstraße infolge der dort lagernden Steinhaufen im Zickzack laufen müssen, die ergebene Anfrage, ob die Steine den ganzen Winter dort liegen bleiben sollen.

K.-G. N

Briefkasten der Expedition.

Quittungen. Volkm. Hchhm. 26.60. Z. Ndh. 4.. Str. G. Z. 5.20. W. Lbch. 6.. Opf. Lbg. 4.. M. Eckh. 3.. Wtzlr. Fth. 25.. Gge. Hobgn. 8.40. Kr. G. 10.. M. Obsch. 5.. Th. R. 4.75. R. G. 1.20. Rbch. Alb. 1.40. Z. Ndh. 5.. Kerg. Eschw. 8.80. Siegf.⸗Altb. 10.40. Sch. Noda. 9.. M. G. 47.30. fl. Frdbg. 20.. Kr. Mbg. 34.. Splg. Esch 5.. F. Dbzn. 10.. VB. G. 4.. Frlch. Gbg. 3.. Kch. Kfd. 9.20. L. Wak. 24.80. Opf. bg. 4.. Lcht. Gbg. 6.20.

N. Tr. 1.80. B. Roͤgn. 4.60. Kr. Ang. 20.. Get. B. 5.75. H. Obg. 2.. Krft. W. 7.80. Sg. Hchst. 2.20.

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