Ausgabe 
1.10.1899
 
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stattung der Gestorbenen.

Nr. 10.

Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 3.

suchte durch spitzfindig abgefaßte Erklärungen

den v. Zedlitz zu decken. Denn es war keines wegs einerlei, wer z. B. die kanalfeindlichen Artikel in der Post geschrieben hatte. Nach⸗ dem gewöhnliche Landräte gemaßregelt wurden, weil sie nur gegen den Kanal stimmten, mußte dann nicht auch der weit höher stehende Re gierungsbeamte Zedlitz fliegen, wenn ihm nach⸗ gewiesen werden konnte, daß er der Haupt⸗ kanalfeind war, der in der Post erst die Land⸗ räte scharf machte? DerVorwärts ist jetzt in der Lage, aktenmäßig nachzuweisen, daß der Präsident der Scehandlung, Freiherr v. Zedlitz, einer der fleißigsten Mitarbeiter der Stumm schenPost, des Hauptscharfmacherorgans und der heftigsten Gegnerin der Kanalvorlage ist. Herr von Zedlitz hat für diePost geschrieben, Juni 1899: 13 Leitartikel à 25 Mark und 35 Entrefilets à 12,50 Mk., Juli 1899: 4 Leit⸗ artikel à 25 Mk. und 9 Entrefilets à 12,50 Mk., August 1899: 12 Leitartikel à 25 Mk. und 18 Entrefilets à 12,50 Mk. Im Ganzen hat Herr v. Zedlitz, der als Präsident der Seehandlung 15000 Mk. und freie Dienstwohnung bezieht, von derPost an Honoraren erhalten 1897: 10,590 Mk. und 1898: 8650 Mk. Frei⸗ herr v. Zedlitz-Neukirch wird also für sein Wüten gegen die Arbeiterrechte und für seine Kanalgegnerschaft von den Hintermännern der Post gut bezahlt. Unternehmer Terrorismus.

Der Firma Heiden u. Sohn in Köln war von dem Ringe der Tapetenfabrikanten eine Konventionalstrafe von 100 Mark auferlegt worden, weil sie unter den um mehr als das Doppelte hinaufgeschraubten Verbandepreisen verkauft hatte, obgleich sie dem Ringe nicht an⸗ gehörte. Der Ring hatte ihr zugleich angedroht, daß sie, falls sie die Strafe nicht zahlen sollte, von dem Verbande keine Ware mehr er⸗ halten werde. In ihrer Bedrängnis hatte sich die Firma an das Ober- Landesgericht der Rheinlande gewandt, und dieses hat jetzt auch gegen den Fabrikanten Langhammer in Chemnitz als den Vorsitzenden des Tapetenrings die An⸗ klage wegen Erpressung eingeleitet.

Derartigen wahrhasten und maßlosen Ter⸗ rorismus nicht nur gegenüber Fachgenossen, sondern gegenüber dem gesamten kaufenden Pub- likum treiben die Unternehmer⸗Vereinigungen vielfach und seit langem, ohne daß je ein Gericht ihrem frechen Gebahren zu nahe ge treten wäre. Wir zweifeln noch, ob jetzt ein Exempel statuiert werden wird.

Kapitalistische Schamlosigkeit.

Die SchweinburgschenBerliner Neuesten Nachrichten schleudern im Anschluß an den Jahresbericht der deutschen Sozialdemokratie folgenden Gedankenblitz:

Diese Einnahmen der Sozialdemokratie stammen von den Löhnen, die wie aus der obigen Thatsache zu entnehmen die deutschen Arbeitgeber weit über das Bedürfnis der Arbeiter hinaus be⸗ zahlen; ein großer Teil der abgetrotzten Lohnerhöhungen ist nur für die Füllung der sozialdemokratischen Kriegskassen be⸗ stimmt.

Wenn also Arbeiter für ihre idealen Zwecke brüderliche Hilfe beisteuern, so beweist das, nach Schweinburg, daß sie zu hohe Löhne bekommen. Wenn aber Kapitalisten aus den Mitteln, die ihnen die Ausbeutung der Arbeiter verschafft, ihren Luxusgelüsten fröhnen, wenn sie die von den Arbeitern verdienten Summen an Cham⸗ pagner, Dirnen, Karten, Zuchthausagitationen, Flotten vereine u. s. w. verschwenden beweist das nicht, daß die Arbeiter ihnen noch bei weitem

nicht genug Lohn abgetrotzt haben?

Die mutigen Ausreißer. Als vor mehreren Jahren in Hamburg die Cholera wütete, da rissen die Geldprotzen aus/ wie Schafleder und überließen den Ar- beitern die Pflege der Kranken und die Be⸗ Dazu waren die Arbeiter gut genug. Erst als die Seuche über⸗ wunden war, kehrten die feigen Protzen wieder

heim. Diese Aufopferung des Proletariats ist längst vergessen; es ist ja auch ein unan⸗

genehmes Gefühl jemandem Dank schuldig zu sein. Als einige Jahre darauf der große Ham⸗ burger Hafenarbeiterstreik ausbrach, da waren die Herren Protzen wieder obenauf. Und in einer der neuesten Nummern giebt dieKreuz- zeitung einen Beschluß des berüchtigten Ham⸗ burger Arbeitgeber-Verbandes bekannt, in dem sie brünstig nach Annahme des Zuchthaus gesetzes schreien, weilsie fast bei jeder Lohn bewegung Zeuge arger Ausschreitungen gewesen seien. Mit Zuchthausstrafen das Prole tariat niederzuknütteln ist allerdings leichter als Cholerakranke zu pflegen und Choleraleichen zu bergen.

Vom Dresch⸗Grafen Pückler.

Das Reichsgericht verwarf am 22. September die Revision des Staatsanwalts gegen das Urteil des Landgerichts Glogau vom 12. Mai d. J., durch das der Rittergutsbe⸗ sitzer und Amtsvorsteher Graf Walther Pückler auf Klein⸗Tschirne von der Anklage der Auf⸗ reizung verschiedener Bevölkerungsklassen zu Gewaltthätigkeiten gegen einander, begangen durch eine antisemitische Rede, die er in Klein⸗ Tschirne gehalten hit, sowie der Geschäftsführer des Druckereivereins in Glogau, Joseph Schliebs, von der Anklage der Beihilfe dazu freige- sprochen sind. Der Reichsanwalt beantragte selbst die Verwerfung, da der Mangel des Bewußtseins der Rechtswidrigkeit in ausreichender Weise von dem Landgericht festgestellt worden sei. Einem Amtsvorsteher wird hier ais Eutschuldigung angerechnet, daß er der Tragweite seiner Handlung sich nicht bewußt war. Zu hoffen steht, daß diese liebe⸗ volle Judikatur für die Folge auch anderen Parteien zu Gute kommt. Bis jetzt war das 3. B. bei den Sozialdemokraten nie der Fall. (Siehe unter N. u. F. in heutiger Nummer die Notiz aus Wetzlar.)

Ein Unschuldiger hingerichtet?

Die DortmunderTremonia bringt die Aufsehen erregende Meldung, daß eine Frau ihren Ehemann jetzt eines im Jahre 1890 verübten Mordes bezichtigt. Es handle sich um einen in Rauxel bei Castrop an einem Bergarbeiter verübten Raubmord, als dessen Thäter damals der Arbeiter Michalski vom Schwurgericht zum Tode verurteilt und hin- gerichtet worden sei. Michalski habe fort⸗ esetzt seine Unschuld beteuert, doch seien die

ndizienbeweise zu belastend gewesen. Das Todesurteil wurde gesprochen, vom Reichsgericht bestätigt, die Begnadigung abgelehnt. Kurz vor seiner Hinrichtung habe Michalski nochmals be⸗ teuert, den Mord nicht begangen zu haben, und dies auch seinem Beichtvater gesagt, der ihn absolviert habe. Die Staatsanwaltschaft soll die Angelegenheit bereits aufgegriffen haben.

Einer späteren Nachricht zufolge soll die Frau, welche ihren Ehemann des Mordes be zichtigte, gelogen haben, um ihrem Gatten Un⸗ annehmlichkeiten zu bereiten. Muß die ihren Mann lieb haben!

Ausländisches.

In Brünn fand diese Woche der Gesamt⸗ parteitag der österreichischen Sozialdemo⸗ kratie statt. Derselbe war gut besucht. Als Vertreter der deutschen Sozialdemokratie war Gen. Frohme anwesend.

Serbische Bluturteile.

Bekanntlich war vor Kurzem auf den Exkönig Milan geschossen worden. Verletzt war der Tingeltangelkönig nicht. Das Attentat wurde sofort zum Anlaß genommen, eine Verfolgung der sogenannten Radikalen in Serbien zu in⸗ scenieren. Ein Hochverratsprozeß wurde an⸗ gestrengt. Der Attentäter wurde zum Tode, viele andere zu 20jährigem Kerker verurteilt.

Der gekrönte Lüderjahn Milan und sein verkommenes Söhnchen haben also ihren Willen durchgesetzt. Beide wollten Blut sehen und verlangten absolut ein Opfer, das ihnen nun auch das Standgericht in der Person des zum Tode verurteilten und bereits hingerichteten Knezevic geliefert hat. Der ganze wochenlange

Prozeß war das Musterbild halbasiatischer Ju

stiz. Die Angeklagten wurden, wenn man von Knezevie absieht, nicht verurteilt, weil sie ein Verbrechen begangen, sondern weil sie die Miß wirtschaft des dicken Milan und seines idiotischen Sohnes, dere! Trabanten das serbische Bauern volk ausrauben und ausplündern, mit gesetz lichen Mitteln bekämpft hatten. Ob Milan und Alexauder durch dieses Bluturteil ihren wackeligen Thron befestigt hben, wie sie es glauben und wünschen, wird die Zukunft lehren.

Von Nah und Fern.

Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind jederzeit willkommen

Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich stre ante Gewiffen

haftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten. Wir bitten alle

zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben.

Ein braver Genosse erstochen.

i. Aus Launsbach kommt eine Schreckens⸗ kunde. Ein braver Genosse, der Cigarren macher Ludwig Winter, ist in der Nacht vom Montag zum Dienstag das Opfer eines feigen Mordbuben geworden. In Launsbach fand Kirchweihfest statt. Winter verdiente sich dabei als Aushilfskellner einige Mark. Als nun in der Montagsnacht ein auswärtiger Metzge: bursche, der sich ungebühelich betragen hatte, von zwei Kollegen Winters aus dem Wirts⸗ zimmer entfernt war, kim Winter gerade aus dem Garten zurück, wo er die Tische abge räumt hatte. In dem Augenblick, als er das Wirtszimmer betrat, erhielt der von dem Vor gefallenen gar nichts Ahnende von dem Metzger einen Stich in den Rücken, der den sefortigen Tod des Uaglücklichen herbeiführte. Der Mord⸗ bube heißt Speyer und ist von Wißmar, er wurde noch in derselben Nacht verhaftet.

Unser Genosse Ludwig Winter war überall geachtet und gerg gesehen. Wegen seines ruhigen Wesens erfreute er sich der größten Beliebtheit. An seiner Bahre trauern die treue Gattin und zwei unmündige Kinder. Sie beweinen den sorgsamen Gatten und Vater. Mit ihnen trauern die Sozialdemokraten des Wetzlarer und Gießener Kreises. Sie verlieren in Ludwig Winter einen wackeren Genossen, der allezeit seine Schuldigkeit gethan, allezeit seinen Kame raden die Treue gehalten hat. Ein gutes An⸗ denken ist dem unglücklichen Genossen für alle Zeit gesichert. Er ruhe in Frieden.

Ortskrankenkasse Gießen.

r. Zu Anfang dieses Jahres berichteten wir daß die Arbeiterschaft Gießens sich nach hart näckigem Kampfe der Führung der Ortskranken kasse bemächtigt habe, um ein für allemal die se ther au das Tageslicht getretenen skandalösen Vorgänge unmöglich zu machen. Wir gaben auch damals der Hoffnung Ausdruck, daß nunmehr mit der Zeit die Leistungen der Kasse sich über das gesetzliche Mindestmaß erheben würden. Uusere Hoffnungen haben uns nicht getäuscht, denn der Vorstand hat in seiner Sitzung vom 23. l. M. beschlossen, der am 7. Oktober zusammentretenden Generalversammlung vorzuschlagen, daß im Statut ein Tag Karrenzzeit gestrichen, sowie daß das statutarische Krankengeld um 5pCt. erhöht werde. Obwohl die Geschäftsleitung erklärte, daß man nach der Vermögenslage sehr wohl im Stande sei, das Krankengeld um 10 pCt. zu erhöhen, so sah man hiervon doch vorläufig ab, da man befürch tete, daß die in aller Kürze erscheinende neue Novelle zum Krankenversiche rungsgesetz vielleicht schon in mauchen Punkten eine Erweiterung der Leistungen der Kasse mit sich bringe. Auf alle Fälle kann jetzt schon gesagt werden, daß die Kasse nächstes Jahr wiederum in der Lage ist, ihre Leistungen zu erweitern. In derselben Sitzung hat der Vorstand außerdem noch beschlossen, an die Angehörigen aller in einer Heilaustalt be findlichen Mitglieder die Hälfte des statutarischen Krankengeldes auszuzahlen. Gewiß auch ein sehr erfreulicher Fortschritt. We überall, so zeigt es sich auch in Gießen, daß die Ortskrankenkasse von dem Augenblick an einen Aufschwung nahm, als organisierte Arbeiter die Leitung übernahmen.

Von den Flunkersozialen. * In der Nauma anschen Hilfe werden Post karten mit Ansichten angeboten, die extra für den nationalsozialen Parteitag angefertigt

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