und Mr. Blank J. Blank.
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Seite 6. 50 9 Genau, was ich selbst dachte! Ich that in mißhandelte, so ist es nur zu klar, daß keine ——— dieser Nacht kein Auge zu. Aber, alles erwogen, Jury die Thäter schuldig sprechen und kein Ge⸗
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1 uterhaltungs· Teil.
Ein Neujahrsgruß.
Sei die Mauneshand geboten Allen Stolzen allerwegen,
Die im Licht, im morgenroten, Hoch die Stirne tragen mögen! Die noch heben kühn den Nacken, Trotz der hochgeschwung' nen Keule, Die noch ragen aus den Schlacken, Eine hohe Feuersäule.
Sei die Manneshand gedrücket Allen Festen, allen Treuen,
Die noch halten unverrücket
Zur Standarte, sonder Scheuen! Allen festen, treuen Männern In der Zeit des Wankelmutes, Allen offenen Bekennern
Bis zum letzten Tropfen Blutes.
Sei die Männerhand geschüttelt Denen drauß' in fremden Landen; Die da Frost und Hunger rüttelt, Den Verfolgten und Verbannten; Denen, so die Kerker füllen,
Die da lebend sind begraben, Die da um der Freiheit willen Ihre eig'ne Freiheit gaben.
Ruhm und Ehre unsern Toten, Unsern Tapfern, unsern Braven, Die da heiligen den Boden,
Wo sie fielen, wo sie schlafen! Decken Veilchen euch im Märzen! Decken euch im Lenze Blüten! Mög' im Grab ob eurem Herzen Eine Frühlingslerche brüten.
Und so sci auch du gegrüßet, Neues Jahr im Hoffnungsglanze! Was du bringst, was dir entsprießet, Ist es Palme oder Lanze? Wie es komme, wie du ringest, Mit der Palme, mit dem Eisen, Wenn du uns die Freiheit bringest, Sollst du unser Heiland heißen.
f Fr. Stoltze.
ANandidatenfreuden.
Sumoreske von Mark Twain.
Vor einigen Monaten wurde ich in dem woßen Staate Newyork zur Gouverneurwahl oon den Unabhängigen als Kandidat aufgestellt. Meine Gegner waren Mr. John, T. Smith In einer Hinsicht, das fühlte ich, war ich diesen Herren weit über⸗ legen und das war— guter Charakter. Aus den Zeitungen war leicht ersichtlich, daß, wenn sie je gewußt hätten, was es heißt, einen guten Namen zu haben, diese Zeit vorbei war. Es war offenkundig, daß sie in den letzten Jahren mit schändlichen Verbrechen jeglicher Art vertraut geworden waren. In demselben Augenblick
aber, wo ich meine Ueberlegenheit pries und mich im Stillen daran weidete, rührte eine
schlammige Unterströmung die Tiefen meines Glückes auf und das war der Gedanke, daß ich meinen Namen in nächster Beziehung zu dem
solcher Menschen sollte hin⸗ und herzerren hören.
Dies beunruhigte mich mehr und mehr. Schließ⸗ lich schrieb ich deswegen an meine Großmutter. Ihre Antwort war rasch und scha f. Sie meinte: „Du hast Dein Lebelang nicht ein einziges Ding gethan, dessen Du Dich zu schämen brauchtest— nicht ein einziges. Sieh Dir die Zeitungen an,— sieh sie Dir an und begreife, was für eine Sorte von Leuten die Herren Smith und Blank sind und dann frage Dich, ob Du Lust hast, Dich zu ihrem Niveau herab⸗ zulassen und in öffentlichen Wettbewerb mit
ihnen einzutreten.“
schlange vermutet.
konnte ich nicht zurücktreten. Ich war der er⸗ wählte Streiter und mußte in den Kampf. Als ich beim Frühstück meinen Blick achtlos über die Zeitungen gleiten ließ, stieß ich auf folgenden Artikel und ich kann wohl sagen, daß ich noch nie zuvor so bestürzt war.
„Meineid.— Vielleicht wird Herr Mark Twain jetzt, da er als Kandidat für den Gou⸗ verneurposten vor dem Volke steht, sich herbei⸗ lassen, zu erklären, wie es zuging, daß er im Jahre 1863 zu Wakawak in Cochinchina durch vierunddreißig Zeugen des Meineids überführt wurde, den er geleistet hatte, um einer armen, eingeborenen Witwe und ihrer hilflosen Familie ein mageres Bananenfeld, ihre einzige Nahrung und Stütze in ihrer Verlassenheit und Ver⸗ zweiflung, zu rauben. Herr Twain ist es sich selbst sowohl, wie dem großen Volke, um dessen Stimme er wirbt, schuldig, diese Sache auf⸗ zuklären. Wird er es thun?“
Ich war starr vor Staunen! Eine so grau⸗ same, herzlose Beschuldigung. Ich hatte Cochin⸗ china nie gesehen! Ich hatte von Wgkawak nie etwas gehört! Ich konnte ein Bananenfeld nicht von einem Känguruh unterscheiden!— Ich wußte nicht, was ich thun sollte; ich war nieder⸗ geschmettert und hülflos. Ich ließ den Tag verstreichen, ohne überhaupt etwas zu thun. Am nächsten Morgen brachte dieselbe Zeitung das nachstehende— nichts weiter—:
„Bezeichnend.— Man bemerke, daß Mr. Twain über den Cochinchina⸗Meineid ein bedeutsames Stillschweigen beobachtet:“ g
(NB. Während des übrigen Wahlkampfes nannte mich dies Blatt nie anders als„den infamen Meineidigen Twain“.)
Darauf kam die„Gazette“ mit folgendem:
„Um Antwort wird gebeten.— Wird der neue Kandidat für den Gouverneurposten die Güte haben, gewissen unter seinen Mitbürgern zu erklären, wie es kam, daß seine Hausgenossen in Montana von Zeit zu Zeit kleine Wertsachen vermißten, bis sie sich, da diese Dinge unverändert an Herrn Twains Person oder in seiner„Truhe“ (Zeitungspapier, worin er seine Habseligkeiten einwickelte) gefunden wurden, zuletzt gezwungen sahen, ihm in seinem eigenen Interesse eine gute Lehre zu erteilen, ihn also theerten und federten und ihm dann rieten, auf dem Platz, den er im Lager gewöhnlich inne hatte, fortan einen leeren Raum zu lassen. Wird er das thun?“
Konnte etwas von ausgesuchterer Bosheit sein, als das? Denn ich war in meinem Leben nicht in Montana. f
(Hiernach sprach dies Blatt regelmäßig von mir als„Twain, dem Montana ⸗Dieb“.)
Ich fing an, die Zeitungen mit Zagen in die Hand zu nehmen— ungefähr, wie jemand eine Bettdecke lüftet, unter der er eine Klapper⸗ Eines Tages fiel mein Auge auf folgende
Die Lüge ist festgenagelt.— Durch die beschworenen Zeugenaussagen von Michael O' Flanagan, Esquaire aus Five⸗Points, sowie Mr. Snub Rafferty und Catty Mulligan aus Water⸗Street, ist festgestellt, daß Mr. Mark Twains gemeine Behauptung, der betrauerte Großvater unseres edlen Bannerträgers Blank J. Blank sei wegen Straßenraubes gehängt
worden, eine brutale, aus der Luft gegriffene
Lüge ist, der auch nicht die Spur einer That⸗ sache zugrunde liegt. Für redliche Menschen ist es ein trauriges Schauspiel, daß zur Erzielung politischer Erfolge zu so schändlichen Mitteln gegriffen wird, wie Tote in den Gräbern an⸗ zugreifen und ihre unbescholtenen Namen in den Schmutz zu ziehen. Wenn wir an den Kummer denken, welche diese elende Niedertracht den un⸗ schuldigen Verwandten und Freunden des Dahin⸗ geschiedenen bereiten muß, so fühlen wir uns beinahe versucht, das empörte und beleidigte Publikum zu einer summarischen und ungesetz⸗ lichen Vergeltung an dem Verleumder aufzu⸗ fordern. Doch nein! Qualen seines gefolterten Gewissens!(Freilich, wenn die Leidenschaft die Oberhand bekäme und die Menge in blinder Wut den Verleumder
Ueberlassen wir ihn den
richtshof sie bestrafen könnte.)“ Deer sinnreiche Schlußsatz hatte den Erfolg, daß ich in der folgenden Nacht schleunigst aus
dem Bett und zur Hinterthür hinaus sprang,
während das„empörte und beleidigte Publikum“ an der Vorderseite schäumte, bei seinem Kommen in gerechter Entrüstung Möbel und Fenster⸗ scheiben zerschlug und bei seinem Gehen so viel
Sachen mitnahm, wie es schleppen konnte. und
gleichwohl kann ich die Hand auf die Bibel legen und sagen, daß ich niemals Herrn Blanks Großvater verleumdet, so noch mehr, daß ich bis zu jenem Tage überhaupt nie von ihnen gehört oder gesprochen hatte.
(Ich will im Vorbeigehen bemerken, daß das oben zitierte Journal mich seitdem stets„Twain, den Leichenschänder“ titulierte.
Der nächste Zeitungsartikel, der meine Auf⸗ merksamkeit auf sich zog, war folgender:
Ein netter Kandidat. Mr. Mark
Twain, der auf der großen gestrigen Volks⸗
versammlung der Independenten(Unabhängigen) eine so große vernichtende Rede halten sollte, erschien nicht zur angesetzten Zeit! Ein Tele⸗ gramm seines Arztes teilte mit, er sei von einem durchgegangenen Gespann überfahren worden und
habe das Bein an zwei Stellen gebrochen. Der Patient stehe große Schmerzen aus u. s. w. u. s. w.
und eine Masse ähnlichen Schwindel. Und die Independenten gaben sich alle Mühe, diese elende
Ausflucht für bare Münze zu nehmen und zu
thun, als hätten sie keine Ahnung von dem wahren Grunde des Ausbleibens jenes verwahr⸗ losten Geschöpfes, das sie ihren Bannerträger nennen. Man sah gestern Abend einen gewissen Menschen im Zustande viehischer Betrunkenheit in Mr. Twains Haus taumeln. Die gebieterische Pflicht der Independenten ist es, zu beweisen,
daß dieser vertierte Patron nicht Mark Twain
selbst war! Endlich haben wir sie! Das ist ein Fall, der kein Ausweichen gestattet. Don⸗ nernd fragt die Stimme des Volkes:„Wer war dieser Mann?“
Es war im ersten Augenblick unglaublich, rein unglaublich, daß es wirklich mein Name war, der mit diesem häßlichen Verdacht in Ver⸗ bindung gebracht wurde. Drei lange Jahre waren über meinem Haupte dahingegangen, seit
Nr— 1.*
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ich Wein, Bier, Schnaps oder irgend welchen
Likör gekostet hatte
(Es ist bezeichnend für die Wirkung der Gewohnheit, wenn ich sage, daß es mich kalt ließ, als die nächste Nummer dieses Journals mich dreist zum„Delirium⸗Tremens⸗Twain“ be⸗ fördert:— obgleich ich wußte, daß das Blatt mit eintöniger Beharrlichkeit fortfahren würde, mich bis ans Ende so zu nennen.)
Um diese Zeit begannen anonyme Briefe einen erheblichen Teil meiner Postsachen zu bilden. Gewöhnlich war folgende Form:
„Wie wahrs doch mit die alte Frau, die um eine Gabe baht, die haben Sie so geschlagen!
Pol Pry.“ Oder auch so: 5
„Sie haben Sachen gemacht, die keinem be⸗
wußt sein, außer mir. Ich rate Ihnen, lassen
Sie ein Pahr Dollars springen, sonst sollen Sie
in den Zeitungen zu hören kriegen von e Hanby Andy.“ Das ist so die Art und Weise. Ich könte auf Wunsch damit fortfahren, bis der Leser übergenug hätte. 832 5 In Bälde„überführte“ mich das hervor⸗ ragendste Blatt der Republikaner der Bestechlich⸗ keit en gros,
weitere Namen:„Twain, der filzige Korruptions⸗ mann“ und„Twain, der widerliche Beamten⸗ bestecher“.) 0 87 Um diese Zeit war das Geschrei nach einer „Antwort“ auf all' die furchtbaren Anklagen, die gegen mich erhoben waren, so mächtig ge⸗ worden, daß die Redakteure und Führer meiner
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und das leitende Organ der Demokraten„nagelte“ einen erschwerenden Fall fest, wo ich Straflosigkeit zu erkaufen gesucht hätte. 0 ü.* (Bei dieser Gelegenheit erwarb ich zwei
Partei erklärten, ein längeres Stillschweigen
8. 1 =
E 2 2 = E
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2
D —
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meine D Schte
0 D Onkel und 6


