Ausgabe 
1.1.1899
 
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Briefe en zu

Nr. 1.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 7.

würde meinen politischen Ruin bedeuten. Wie, um ihrem Appell noch mehr Nachdruck zu geben, erschien gleich am nächsten Tage in einer der Zeitungen folgendes:

Seht den Mann an! Der Kandidat der Independenten(Unabhängigen) beobachtet noch immer Stillschweigen. Weil er nicht zu sprechen wagt. Alle gegen ihn erhobenen An⸗ klagen sind reichlich bewiesen, und sie werden bestätigt und wieder bestätigt durch sein eigenes, beredtes Schweigen, sodaß er zur Stunde für alle Zeit überführt dasteht. Blickt auf Euren Kandidaten, Ihr Independenten! Blickt auf den infamen Meineidigen! Den Montana⸗-Dieb! Den Leichenschänder! Betrachtet Euren ein⸗ gefleischten Delirium-Tremens! Euren filzigen Korruptionsmann! Euren widerlichen Beamten⸗ bestecher! Staunt ihn an messet ihn recht und dann sagt selbst, ob Ihr Eure Stimme einem Geschöpfe geben könnt, das diese traurige Reihe von Titeln durch jene scheußlichen Ver⸗ brechen verdient hat und nicht wagt, den Mund aufzumachen, um auch nur eins davon abzu⸗ leugnen!

Es war keine Möglichkeit, davon loszukommen, und so schickte ich mich denn, tief gedemütigt, an, einen Haufen grundloser Anklagen und ge⸗ meiner, boshafter Falschheiten zubeantworten. Aber ich kam nicht damit zu Ende, denn schon am nächsten Morgen kam ein Blatt mit einer neuen Schändlichkeit, einer frischen Niedertracht zum Vorschein und beschuldigte mich ernstlich, ich hätte ein Irrenhaus mit allen Insassen niedergebrannt, weil es mir die Aussicht aus meiner Wohnung versperrte.

Das versetzte mich in eine Art von panischem Schrecken.

Darauf kam die Anklage, ich hätte meinen Onkel vergiftet, um in den Besitz seines Hab und Gutes zu gelangen, nebst einer dringenden Aufforderung, sein Grab zu öffnen.

Das trieb mich an die Grenze des Wahnsinns.

Sodann wurde ich beschuldigt, als Vorstand des Findelhauses zahnlose und ungeeignete alte Verwandte mit der Bereitung der Nahrung be⸗ traut zu haben. Ich war im Wanken im Wanken.

Und zuletzt, als würdige und angenehme Krönung der schamlosen Verfolgung, die der Parteihaß mir auferlegte, wurden neun kleine, watschelnde Kinder von allen möglichen Farben⸗ schattierungen und Abstufungen der Zerlumptheit, abgerichtet, bei einer Volksversammlung auf die Rednerbühne zu stürzen, meine Beine zu um⸗ klammern undPapa! zu rufen!

Ich gab es auf. Ich holte meine Flagge nieder und ergab mich. Ich war den Anforde- rungen einer Gouverneurswahl im Staate New⸗ vork nicht gewachsen, und so zog ich denn meine Kandidatur zurück und unterzeichnete meine Er⸗ klärungen bitteren Herzens: ergebenst, ein st⸗ mals ein anständiger Mann, doch nun

Mark Twain, J. M., M. D., L. Sch,

D. T., F. K. und W. B.

* Abkürzungen für: Infamer Meineidiger, Montana⸗ Dieb, Leichen Schänder, Delirium-Tremens, Filziger Korruptionsmann, Widerlicher Beamtienbestecher.

Fortschritte in der Chirurgie.

In der Wiener Gesellschaft der Aerzte führte Stabsarzt Dr. Habart zwei Personen vor, die dadurch gerettet wurden, daß ihnen der Brust⸗ korb geöffnet und der inneren Verblutung Einhaltung gethan wurde. Im ersten Falle handelte es sich um einen jungen Mann, der vier Schrotschüsse gegen sich abgefeuert und sich überdies das Handgelenk durchschnitten hatte. Dr. Habart erweiterte die Schußwunde, öffnete den Brustkorb, wobei er die fünfte Rippe ent⸗ fernen mußte, legte zwischen Herz und Lunge Jodoformgaze in der Länge eines halben Meters, und der Mann, der im sterbenden Zustande in das Garnisonsspital gebracht worden war, ist heute vollkommen gesund. Der zweite Fall be⸗ trifft einen Mann, den einige Nebenbuhler über⸗ fallen und in die Achselhöhle gestochen hatten. Auch hier öffnete Dr. Habart behufs Stillung der Blutung den Brustkorb, applizierte auf die⸗ selbe Weise die Jodoformgaze und rettete so das Leben des Schwerverletzten. Aus den gemachten Erfahrungen, erklärte der Vortragende, resultiere, daß die Chirurgie in Zukunft auch in jenen Fällen werde eingreifen müssen, wo durch Schuß

oder Stichwunden das Leben des Verletzten durch die innere Blutung in Gefahr kommt.

. Sprüche zur Lebensweisheit.

Arbeit ist des Blutes Balsam, Arbeit ist der Tugend Quell.

*.

In der Urzeit war die Arbeit eine Not, im Alterthum eine Last, im Mittelalter eine Kunst(ein Privilegium, ein Vorrecht), in der Neuzeit ist sie ein Recht, in Zukunft wird sie eine Pflicht sein; das Ideal ist, daß sie eine Lust werde.

Herder

Weichold,Gesch. d. Arbeit. * Liegt dir gestern klar und offen, Wirkst du heute kräftig frei, Darfst du auf ein morgen hoffen, Das nicht minder glücklich sei. Goethe.

Humoristisches. Donnerwetter! Herr Abrahamsohn(im Restau⸗ rant): Kellner, zahlen! Geh'n Se an mainen Iberßieher und hol'n Se mer aus der Klaingeldtasche ä Hun⸗ dertmarkschain! *

Ermutigend. Bräutigam(zum kleinen Bruder der Braut):Nun, Willy, wie gefalle ich dir?

Willy(dessen Schwester schon einmal verlobt war) Ganz gut, aber das sage ich dir, wenn du die Lina auch sigen läßt, dann dreht dir der Vater den Hals um, hat er gesagt!

*

Student(stark benebelt zum Nacht⸗ Nicht wahr, edler Mensch,

Im Rausch. wächter, der ihn heimschafft): wir sagen du zu einander.

Neu eingelaufene Schriften. Besprechung wichtigerer Erscheinungen behalten wir uns vor.

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