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Nr. 30.
Mitteldentsche Sonutags⸗Zeitung.
Seite 3.
sst bereits auf Freitag, den 27. Juli, angesetzt.
Ob ste für uns günstig ausfallen wird, ist natürlich sehr fraglich, zumal schon alle aus⸗ gefallenen Parteien Unterstützung des Freisinns beschlossen haben. Möglich, daß vielleicht einige hundert Zentrumsleute entgegen der ausge⸗ gebenen Parole für unsern Kandidaten stimmen, ausreichen wird es aber kaum, höchstens, wenn sich die übrigen Zentrumswähler sämtlich der Wahl enthalten würden, was jedoch nicht an⸗ zunehmen ist. Wie aber die Stichwahl immer ausfallen mag, die Sozialdemokratie wird diesen Wahlkreis in nicht zu ferner Zeit aus eigener Kraft erobern!
In Rinteln⸗ Hofgeismar haben wir ebenfalls ein recht günstiges Resultat zu ver⸗ zeichnen: über 500 Stimmen Zunahme. Die Stimmenzahl der Gegner steigerte sich um 400. Das Stimmenverhältnis ist folgendes: Herzog (Antisemit) 6318; Vetterlein(Soz.) 3995; Rocke(natl.) 1189; Helmerich(reformparteilicher Antisemit) 1882; Röhrig(freis.) 935 Stimmen. Auch hier haben die Nationalliberalen wieder einen ganz bedeutenden Verlust, sie büßten fast die Hälfte ihrer Stimmen ein! Dle Stichwahl wird hier jedenfalls zu dem Siege des antise⸗ mitischen Bündlers führen.— Beide Wahlen aber beweisen wiederum, daß die Soztaldemo⸗ kratie unaufhaltsam im Vormarsch begriffen ist. — In diesem Wahlkampfe gings im Uebrigen recht heiter und urwüchsig zu. Die antise⸗ mitischen Brüder— die Liebermänner und Zimmermänner— prügelten sich unter⸗ einander und ein Berliner Freisinniger namens Höpeler wurde vom Landrat v. Buttlar in einer öffentlichen Wirtschaft mit Ohrfeigen bedroht und dann in Gegenwart des Land⸗ rats vom Landratsboten mißhandelt! Ge⸗ bildete Leute!
„Rückgang“ der Sozlaldemokratie.
Als wir nach unserm Dreimillionen⸗Siege von 1903 bei einer Anzahl Ersatzwahlen Stimmenverluste zu verzeichnen hatten, wurde die bürgerliche Presse nicht müde, vom Rückgang der Sozialdemokratie zu schreiben und besonders taten sich die Nationalliberalen und die um Naumann darin hervor. Jetzt, nach den letzten Wahlen lautet das Urteil wieder anders. So schreibt die agrarische„Volksw. Korrespondenz“: „Ein verhäugnisvoller Irrtum, vor dem nicht genug gewarnt werden kann, wäre es, anzu⸗ nehmen, die Sozialdemokratie habe ihren Er⸗ oberungszug bereits volleudet. Schon bei den Hauptwahlen von 1903 verfügte die Partei in zahlreichen Wahlkreisen über so starke Minder⸗ heiten, daß es gewissermaßen nur als Sache des Zufalls angesehen werden mußte, wenn
nicht 20 bis 30 Genossen mehr in den Reichstag
gelangten... Wenn nicht alle Anzeichen trügen, dürfte die Partei ihre bisherigen Mandate bei künftigen Wahlen mit ganz geringfügigen Aus⸗ nahmen behaupten und noch eine ganze Reihe dazu erobern. Das ist der Erfolg der Orgaui⸗ sation und Agitation, denen die bürgerlichen Parteien nichts Gleichwertiges an die Seite zu stellen vermögen.“ Und ähnlich spricht sich die Norddeutsche Allgemeine Zeitung aus. Nun, bet unserer Orgauisation fehlt es noch immer hier und da, das Lob ist also nicht im ganzen Umfange verdient. Aber die beste Organisation nützt nichts ohne die werbende Kraft unserer Sache! Und es zeigt sich, daß trotz aller nur denkbaren Verfolgung und Verleumdung der Sozialdemokratie, sich die Wahrheit doch durch⸗ bohrt und die Erkenntnis von der Richtigkeit unserer Grundsätze und der Notwendigkeit des Sozialismus immer weiteren Kreisen aufdrängt. Daran ändern auch vorüberge ende Stimmen⸗ verluste nichts, ebensowenig wird der vielge⸗ predigte Zusammenschluß der bürgerlichen Par⸗ teien im Stande sein, den Vormarsch der völker⸗ befreienden Sozialdemokratie aufzuhalten.
Das Parteitagslokal verweigert
Für den Parteitag hatten unsere Mann⸗ heimer Parteigenossen den„Rosengarten“, den 925 großen Festsaal, gemietet. Nun hat der Stadtrat die Zusage, das Lokal zum 23. September herzugeben, zurückgezogen.
Warum? Weil im September der Großherzog Mannheim besuchen will und weil der Besuch des Hofes und der sozialdemokratische Partestag zeitlich zu nahe an einander zu liegen kämen! — Doch der Parteitag wird deshalb nicht ob⸗ dachlos sein. Er wird zur bestimmten Zeit am 23. September stattfinden und zwar in dem großen Apollosaale des mitten in der Stadt gelegenen Badischen Hofes. Dieser Saal eignet sich vortrefflich dazu und war vorher bereits dafür ins Auge gefaßt.— Zu all' dem stellte der„liberale“ Herr Bassermann, der im Mannheimer Stadtrat sttzt, dort den Antrag, der Stadtrat solle gegen die„Volksstimme“ wegen des Vorwurfs des Wortbruches Straf⸗ antrag stellen. In der Abstimmung darüber, an der sich die vier sozialdemokratischen Stadt⸗ räte nicht beteiligten, stimmten die nattonal⸗ liberalen Mannen sämtlich mit Bassermann; der Antrag wurde aber doch durch die übrigen Stadträte und die vier Bürgermeister nieder⸗ gestimmt, so daß dem Mannheimer Stadtrat die Schande erspart bleibt, sich den Wortbruch gerichtlich bestätigen zu lassen.
Kapitalisten⸗Interessen in der Gemeindevertretung.
In der Frankfurter Stadtverordneten⸗ Versammlung gab es kürzlich gewaltigen Lärm. Die biederen bürgerlichen Stadtväter warfen unserm Genossen, Stadtverordneten Zielowski, vor, daß er ste, die Stadtväter, schwer beleidigt habe und schließlich beschlossen ste noch, den sozialdemokratischen Sünder beim Kadi zu ver⸗ klagen. Um was es sich bei der Sache dreht, ist kurz das Folgende: Im Mat brachte der Magistrat an die Stadtverordnetenversammlung eine Vorlage, welche die Aufhebung einer städti⸗ schen Straße und deren Verkauf an die Adler⸗ fahrradwerke befürwortete. Die Straße führt durch die Fabrik der Adlerfahrradwerke und verbindet auf eine beträchtliche Strecke als einzige Querstraße zwei miteinander parallel laufende Verkehrsstraßen. Stadt. Zielowskt wandte sich gegen den Verkauf, einmal aus prinzipiellen Gründen, dann aber auch, weil der Preis, den der Magistrat von der Aktiengesellschaft forderte, viel zu niedrig war. Der Magistrat hielt 35 Mk. für den Quadratmeter Straße für einen angemessenen Preis. Der Tiefbauausschuß, an den die Vorlage zur Prüfung überwiesen wurde, fand die Bedenken Zielowskis, soweit die Preis⸗ festsetzung in Betracht kam, gerechtfertigt und erhöhte den Preis auf 55 Mk. per Quadrat⸗ meter. Nun geschah das merkwürdige: als der Tiefbauausschuß berichten wollte, erhob sich der zweite Bürgermeister und erklärte, der Magistrat ziehe die Vorlage zurück. Damit glaubte man die Sache für erledigt. Um so größer war das Erstaunen, als nach einigen Wochen dieselbe Vorlage wieder an die Stadtverordnetenversamm⸗ lung kam und nun vom Magistrat ein Preis von 42 Mk. per Quadratmeter festgesetzt war. Der Tiefbauausschuß prüfte wleder und fand merkwürdigerweise nun auch, daß ein Preis von 42 Mk. per Quadratmeter angemessen sei. Zielowskt protestierte wieder gegen diesen Ver⸗ kauf und sagte dabei u. a.:„Er könne sich des Gedankens nicht erwehren, daß bei diesem Handel geheime kapitalistische Kräfte im Spiele seien.“ Darüber gab's großen Lärm, worauf Zielowski bemerkte:„Na, meine Herren, es ist doch ein offenes Geheimnis, daß einzelne Herren hier offen und versteckt Grundstückspekulation treiben.“ Nun folgte ein großer Entrüstungsrummel und man beauftragte schließlich den Sentoren-Konvent mit Untersuchung der Zielowski'schen Beschuldi⸗ gungen. Bei dieser Untersuchung suchte man das Getechtsfeld insofern zu verschieben, als man von Zielowski verlangte, er möge die Namen derjenigen Stadtverordneten neunen, welche zum Nachteil der Stadt gehandelt hätten, sowie die Tatsachen mitteilen, wodurch dies geschehen sei. Eine solche Behauptung hatte Z. aber gar nicht aufgestellt. Infolgedessen erklärte er, hierzu keine Namen nennen zu können, wohl aber nannte er den Namen eines Stadtverordneten, der nicht ganz einwandfreie Hypothekengeschäfte gemacht hatte. Der Senioren- Konvent hat sich von dem Herrn die Verträge vorlegen lassen und diese für einwandfrei erklärt.
Nunmehr kam die Sache in der öffentlichen Sitzung zur Verhandlung. In dem Bericht des Untersuchungs⸗Ausschusses waren die von Zielowski angeführten Tatsacken als belanglos hingestellt, die Mehrheit konnte nichts Schlimmes entdecken. Genosse Dr. Quark erstattete einen Minderheitsbericht, in dem er eingehend Hartat, daß selbst vom bürgerlichen Standpunkt aus das Ergebnis der Untersuchung ande ns zu würdigen sei, wie es geschehen war. Aber da⸗ mit predigte er tauben Ohren. Die bürgerliche („freisinnige“!) Mehrheit wollte ein„Exempel statuieren“. Und so sagte einer nach dem andern sein Entrüstungssprüchlein herunter. Und schließ⸗ lich hielt der Freisinnsheld Dr. Helff eine große Pauke gegen Zielowskt, verlangte, diesem die schärfste Mißbilligung auszusprechen und im Uebrigen die Sache zur weiteren Verfolgung an den Staatsanwalt zu überweisen. Und so geschah es. Die„freisinnige“ Frankfurter Stadt⸗ väter⸗Mehrheit zitiert den unbequemen Kritiker vor den Kadi und blamiert sich damit vor aller Welt. Schöne Gemeindevertreter, die sich unter den Schutz des Staatsanwalts flüchten! Und das will noch frei 100 und demokratisch sein, will die Bürger⸗Freiheit und ⸗Selbständigkeit hochhalten! Zielowski erklärte, daß er der Klage mit Ruhe entgegensehe und es wird sich ja zeigen, wer bei der Affaire am schlechtesten abschneidet.
Eine interparlamentarische sozialistische Konferenz
wurde vorige Woche in London abgehalten. Vertreten waren die sozialdemokratischen Parteien von England, Deutschland, Oesterreich, Rußland, Frankreich, Holland und Belgien. Beschlossen wurde zunächst, auch die russischen parlamenta⸗ rischen„Gruppen der Arbeit“ zur Konferenz mit zuzulassen. Nach einer längeren Diskusston über die Kompetenzen der interparlamentarischen Kommission wurde beschlossen, diese Frage ge⸗ legentlich des internationalen Kongresses zu Stuttgart zu verhandeln. Auf Antrag Vaillant (Frankreich) wird beschlossen, die interparla⸗ mentarische Konferenz zu einer außerordentlichen Sitzung im November ds. Is. nach Brüssel zu berufen und gleichzeitig mit dem Internationalen, Sozialistischen Bureau, das ebenfalls im No⸗ vember zusammentritt, über die Frage zu ver⸗ handeln, welche Mittel in Anwendung gebracht werden können, um den Frieden in Europa zu sichern.
Kleine politische Nachrichten.
Der einzige Däne im deutschen Reichstage, Jessen, ist am Sonntag in Kopenhagen gestorben. Er vertrat den schleswig⸗holsteinschen Wahlkreis Haders⸗ leben⸗Sonderburg, der den Dänen sicher ist.
Wahlrechtsdemonstration in Serbien. Am Sonntag fand in Belgrad auf einem weiten Platze hinter dem königlichen Palaste eine große Versammlung zu Eunsten des allgemeinen Wahlrechts statt, an der auch drei ungarische Genossen teilnahmen. Nach einem demonstrativen Umzug durch die ganze Stadt gingen die Manifestanten in bester Ordnung auseinander.
5—— Bon Nah und Lern. Hessisches.
—„Falsche Wage ist dem Herrn ein Greuel“— dieses Bibelwort soll für die sonst doch so bibelgläubigen Bauern keine Geltung haben. Das Bündler⸗Organ verkündete neulich mit freudiger Genugtuung ein Erkenntnis des hessischen Oberlandesgerichts, das den Land⸗ wirten gewissermaßen die Erlaubnis gibt, falsches Maß und Gewicht zu führen. Der Sachverhalt ist folgender:
In Vilbel wurde bei dem Landwirt Gg. Kalbhenn ein Milchmaß und bei dem Landwirt Jam in eine Wage durch den Eichmeister beschlagnahmt, und die beiden mit 2 Mk. Geldstrafe belegt, weil Wage wie Maß den gesetzlichen Anforderungen nicht entsprachen. Die Gießener Strafkammer bestätigte auf die erhobene Beschwerde die Strafe, das Oberlandes⸗ 1 hat jedoch als Revisions⸗Instanz die eiden Landwirte freigesprochen.
Das Gießener Gericht hatte sestgestellt, daß Landwirt Bernhard Jamin außer Gastwirtschaft und Backsteinbrenneret auch umfangreiche Land⸗


