Ausgabe 
25.3.1906
 
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Nr. 12.

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Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 7.

Nun ade doch nicht für immer ade! Denn sie töten den Geist nicht, ihr Brüder! Bald richt' ich mich rasselnd in die Höh', Bald kehr' ich reisiger wieder!

Wenn die letzte Krone wie Glas zerbricht

In des Kampfes Wettern und Flammen,

Wenn das Volk sein letztesSchuldig! spricht,

Dann steh'n wir wieder zusammen!

Mit dem Wort, mit dem Schwert, an der Donau, am Eine allzeit treue Gesellin[Rhein Wird dem Throne zerschmetternden Volke sein

Die Geächtete, die Rebellin

Lebenswert! Von Elisabeth George.

Dämmerung lag über der Erde, jene zaube⸗ rische traumhafte Daͤmmerung eines Hochsommer⸗ abends. Längst schon war die Sonne verglom⸗ men. Tiefblau wölbte sich der Himmel. Und das Zirpen der Heimchen, das leise Gemurmel eines nahen Baches, dazu das monotone, ein⸗ förmige Geschrei der Unken und die nächtliche Stille ringsum war wohl recht dazu angetan, des Tages Last und Mühen vergessen zu machen, das Herz der Stimme der Natur zu öffnen und jenen Frieden einzusaugen, nach dem man in den Wirren und Jagen des lauten Lebens vergeblich sucht.

An den Stamm einer Buche gelehnt, die Arme ineinander geschränkt und den Kopf leicht nach vorne geneigt, stand eine Frauengestalt. Etwas in sich zusammen gesunkenes, müdes und abgespanntes drückte die ganze Haltung des Körpers aus.

Es war ein wunderbares Gemälde, das sich vor ihr ausbreitete. Tief unten die Stadt mit ihren tausend und abertausend Lichtern, droben der klare, wolkenlose Himmel mit seinen funkelnden, glänzenden Sternen und dort über den Wipfeln des dunklen, finsteren Tannenwaldes der Mond in seiner majestätischen Ruhe. Aber sie schien nichts von der zauberhaften Märchen⸗ pracht ringsum zu empfinden. Denn finster und trübe schweifte ihr Blick über das alles hinweg, unbestimmt in die Ferne, gleichsam als weile er in einem Meere von Gedanken.

Da fing ganz in ihrer Nähe leise und klagend eine Drossel an zu schlagen. Sie fuhr zusam⸗ men und mit einer mechanischen Bewegung mit der Hand über die Stirne fahrend, ließ sie langsam ihre Blicke umher gleiten und leise murmelten ihre Lippen: Du bist schön, o Welt, wunderbar schön, so lange man nicht über dich nachdenkt. Aber wenn man angefangen hat, über dich nachzudenken, immer weiter, immer weiter, da seufzt man wohl: Ach, wer doch 7 hätte, dir zu entfliehen, dort hinauf in jene Regionen, wo man nichts von dir hört und sieht und sich in dem unendlichen All ver⸗ lieren kann.

Warum wohl die Menschen solche Angst vor dem Tode haben? Man nennt ihn unbarm⸗ herzig und unerbittlich und doch ich denke es mir so schön, wenn er kommt und seine Hand auf unser Herz drückt, daß es aufhört du ile. und es 0 stille in uns wird, so

anz stille.

8Guten Abend, mein Fräulein! klang da plötzlich eine tiefe Stimme an ihr Ohr und eine Hand streckte sich ihr er a

Herr Ronau, Sie? Haben Sie mich er⸗ schreckt. Ich hatte Sie nicht kommen hören.

Ja, wenn man so in seinen Träumen ver⸗ sunken ist. Woran dachten Sie denn?

Ach, es war nichts. Wenn ich es Ihnen sagen würde, Sie könnten's doch nicht verstehen.

Natürlich nicht. Wir Männer sind ja so dumm. Wir verstehen uns nicht auf die Träume eines Mädchenherzens. 5

Ein leichtes Lächeln huschte über ibr Gesicht.

Aber wissen Sie auch, Fräulein Helgen, daß ich, wenn ich ein Recht dazu hätte, jetzt tüchtig mit Ihnen schimpfen würde? Wie können Sie nur so unvorsichtig sein und sich ohne jeden Schutz so weit wagen?.

Warum soll ich denn nicht? Sie sind ja doch auch hier. O bitte, ich weiß schon, was Sie sagen wollen. Das ist natürlich etwas ganz anderes.

Ein Schatten legte sich über Ronaus Gesicht.

Da wären wir ja glücklich wieder bei unserem alten Streitthema angelangt. Aber, nicht wahr, und er sah ihr bittend in die Augen,wir wollen uns den schönen Sommerabend nicht dadurch verderben. Wollen wir ihn zusammen enießen? Der Zufall, oder ich will lieber fügen eine gütige Vorsehung hat uns doch nun einmal zusammen geführt. Gelt, Sie gestatten mir, daß ich bei Ihnen bleibe?

Ich hätte keinen Grund, Sie fortzuschlcken, entgegnete sie kühl.

Ich danke Ihnen! Ein wundervolles Plätzchen hier, das Sie sich ausgesucht haben zum Träumen. Ach, Fräulein Helgen, nicht wahr, die Welt ist wunderschön! Wenn man so durch Gottes Natur wandert und man in vollen Zügen ihre ganze große Schönheit ge⸗ nießt, da lehrt einem jeder Baum und jeder Strauch, daß das Leben wert ist, gelebt zu werden, daß man dem Schöpfer Dank schuldet, hundertfältigen Dank dafür schuldet.

Das Leben wert, gelebt zu werden! wieder⸗ holte sie leise wie im Traume,und dankbar dafür sein! Das hab' ich nie empfunden. Was ist denn an unserem Leben lebenswertes? Etwa, daß man seinen Beruf hat, um sein tägliches Brot zu erwerben und man nicht zu hungern braucht, daß man sich hin und wieder ein Ver⸗ gnügen erlauben kann, auf das viele andere verzichten müssen? Kann das für Sie einen Lebenswert bedeuten? Kann Sie das mit dem Leben aussöhnen?

Ein erstaunter, fragender Blick traf ste aus seinen Augen. Seine Stimme lang innig und bewegt, als er sagte:Fräulein Helgen, es ist das erste Mal, daß Sie mich einen Blick in Ihre Seele tun lassen. Ich bin Ihnen dankbar dafür. Ich habe Sie bisher nur heiter und fröhlich gesehen. Ich liebte das so an Ihnen. Ich ahnte ja nicht, was stch darunter verbarg. Er faßte ihre Hand.Und doch meine ich, wenn Sie wollen, Sie können sich Ihres Lebens freuen. Ich wollte, ich könnte Sie so recht davon überzeugen. Wenn Sie auf die Stimme der Natur achten und Ihr Herz nicht vor ihr verschließen, so müssen Sie empfinden, was sie Ihnen predigt und glauben Sie mir, Ihr Herz wird und muß ihr zustimmen, daß die Welt doch wunderschön ist!

O ja, die Welt ist wunderschön. Aber man muß gut lernen und gut acht geben, daß man zur rechten Zeit und am rechten Ort Augen und Ohren schließt. Wenn man das gelernt hat, ja, dann ist die Welt wunderschön.

Ich verstehe Sie nicht, Fräulein Helgen.

Kann denn ein Mensch, wenn er nicht taub und blind an all den Elend vorübergeht, das einem Tag für Tag, Schritt auf Schritt ent⸗ gegen tritt, von einer schönen Erde reden?

Sehen Sie sich das Bild an, das da vor Ihnen liegt. Betrachten Sie's lange und lassen Sie's auf sich einwirken. Nicht wahr, das er- hebt, das ist wunderbar! Nur dürfen Sie nicht dabei denken. Ganz dem Scheine müssen Sie sich hingeben.

Was ich sehe, ist kein Schein. Das ist etwas, was nie und nimmer eine Menschenhand erschaffen könnte. Das vermag eben nur ein Gott zu gestalten.

Er sagte das ernst und feierlich. Fräulein Helgen sah ihn an mit einem spöttischen, hohn⸗ vollen Lächeln. Mit hastiger Bewegung faßte ste fat Arm und sie sprach leidenschaftlich erregt:

Und das, was dieses Bild verbirgt, gleichsam wie ein Schleier verhüllt? Heben Sie einmal diesen Schleier. Macht es Sie nicht entsetzen, was Sie da sehen und hören? Hunger, Not, Elend, Niederträchtigkeit und Gemein⸗ heit, ein Ringen und Jagen nach dem Glück und ein tausendstimmiger Schrei unbefriedigter Seelen! Vermag das auch nur ein Gott zu gestalten? Ist nicht die ganze große Schönheit der Natur Hohn, fürchterlicher Hohn für das, was sich in ihr abspielt?

Er war blaß geworden.

Mein Gott, Fräulein Helgen, Sie find krank, entschtieden krank.

Ach nein, nur müde, so unendlich müde.

Sie schweigen beide eine ganze Weile. Mit einem tiefen Seufzer, den Blick zu Boden ge⸗ richtet, begann er dann stockend und zögernd:

Fräulein Helgen, und haben Sie nie daran

edacht, daß, wenn Sie einen Mann durch hre Liebe beglücken könnten, dies einen Wert in Ihr Leben bringen würde?

Er beugte sich über sie. Durch seine Stimme klang tief verhaltene Leidenschaft.

Ich liebe Sie, Else, liebe Sie so tief und wahr. Ist es vermessen, wenn ich denke, daß ich Ihnen etwas sein könnte, das Sie bei mir das finden, was Sie suchen, Friede und Ver⸗ gessen? Kommen Sie, werden Sie mein! Lassen Sie mich das Glück kosten, nach dem ich mich so lange gesehnt.

Sie hatte sich hoch aufgerichtet und war einen Schritt zurückgetreten. Was war es was sich ihr da bot, war das Glück? Sie sah seine schöne, hohe Gestalt, sein Auge mit unend⸗ licher Zärtlichkeit auf sich gerichtet in banger

Frage. (Schluß folgt.)

e Humoristisches

Beim Reichskanzler.Durchlaucht, es ist eine Arbeiterdeputation draußen soll ich sie herein⸗ lassen?Na, meinetwegen! Aber bring' mir vor⸗ her meine Rhinozeroshaut.

Politische Wetterregel. Wird auf den Konferenzen geredet viel Mist, Aendert sich die Lage oder sie bleibt wie sie ist! (W. Jak.)

1 ndet jeder Konfirmationsgeschenke aan aalen Preislagen und in großer Auswahl in dem Jlhren-, Gold- und Seeg von D. Kaminsia, Markt⸗ platz 11, am Kriegerdenkmal. Man verl. Rabattmarken.

Liter arisches

Der Zukunftsstaat. Thesen über den Sozia lismus, sein Wesen, seine Durchführbarkeit und Zweck⸗ mäßigkeit. Unter diesem Titel gibt die Buchhandlung Vorwärts, Berlin, eine Arbeit von J. Stern heraus. Fürst Bülow, der schon so oft den Reichstag mit seinen Plaudereien über den Zukunftsstaat amüfierte, mag an dieser Schrift seine Freude haben. Oder auch nicht; denn er kann daraus ersehen, daß seine Geistreicheleien nichts weniger waren als geistreich. Nicht ein Guckkasten will die Schrift sein, worin zu sehen, wie man in der sozialistischen Gesellschaft lebt und leibt, sondern die landläufigen Vorurteile und Einwürfe gegen unser Endziel entkräftigen und widerlegen und die glän⸗ zenden Vorzüge der soztalistischen Produktions weise zeigen. Sie wird der sozlaldemokratischen Aufklärung und Agitation gute Dienste leisten. Die Broschüre ist in der Expedition der Mitteldeutschen Sonntagszeitung für 60 Pfg. zu haben; eine Agitattonsausgabe kostet 30 Pfg.

Wie sollen wir uns kleiden? Diese Frage behandelt Dr. Paul Bernstein in dem eben erschienenen Heft 9 der Arbeiter⸗Gesundheits⸗ Bibliothek. Welche gesundheitlichen Anforderungen wir an die Klei⸗ dung zu stellen haben, an Kleiderstoffe und ihre Ver- arbeitung, an Unter⸗ und Oberkleidung, Männer⸗, Frauen, Kopf⸗ und Fußbekleldung ꝛc. ꝛc., all das ist der Gegen⸗ stand der vorliegenden Arbeit, welche besonders die Vet⸗ hältulsse, Bedürfnisse und Gewohnheiten des Arbeiters bei der Darstellung berücksichtigt. Die Abbildung eines Reformbeinkleides für Frauen, Sohlenmaße ꝛc. erhöhen den Wert der kleinen Schrift, deren Anschaffung wir hiermit empfehlen. Das Heftchen ist in unserer Expe⸗ dition für 20 Pfg. zu haben.

Geschichtskalender.

25. März. 1898 Christlicher Bergarbelterstreik am Piesberg. 1872 Bebel und Liebknecht werden in Leipzig zu 2 Jahren Festung wegen Hochverrats ver⸗ urteilt.

26. 1827 Beethoven, Komponist, f. 1793 Revo⸗ lutlonärer Sicherheitsausschuß eingesetzt.

27. 1897 Kardorff's Gründerbrief wird im Reichs⸗ tage verlesen.

1905 Erster preußische'r Bergarbeltertag in Berlin. 1849 Kalserposse im Frankfurter Parlament.

29. 1888 Max Kayser, soz. Reichtagsabg., F. 1882 Soztloldemokratischer Kongreß in Kopenhagen. 1826 W. Liebknecht,. N

30. 1903 Bauarbeitersckutzkonferenz in Berlin. 1882 Attentat auf General Strelnikow in Odessa.

31. 1881 Erste Verlängerung des Sozdalisten⸗

gesetzes.