Ausgabe 
24.6.1906
 
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Taglöhnerin.

Nr. 25.

Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 7.

Unter ihnen befand sich auch das Kind der Seine Mutter war zurückge⸗ blieben und wollte erst später nachkommen.

Lustig und guter Laune, nichts Schlimmes ahnend, marschierte Adolf Dörfler flott mit. In dem Pfarrdorf hatten sich auch der neue Vormund und ein Gensdarm eingefunden.

In der Kirche angelangt, wurde ein Kind nach dem anderen vor dem Beichtstuhl vorge⸗ lassen, zuerst die Mädchen und dann die Knaben. Nach der Beichte sollten die Kinder gemeinsam die Kommunion empfangen.

Als der elfjährige Adolf Dörfler seine

Sünden gebeichtet hatte, erschien sein Vor⸗ mund in der Kirche, trat zum Beichtstuhl und wechselte mit dem Pfarrer einige Worte. Die Unterredung dauerte nur wenige Minuten. Gleich darauf ergriff der Vormund sein Mündel und wollte es aus der Kirche hinaus zu einem be⸗ reitstehenden Bauernwagen führen.

Dem Kinde der Taglöhnerin dämmerte nun plötzlich auf, was man mit ihm vor hatte. Er leistete dem Vorhaben des Vormundes ver⸗ zweifelten Widerstand. Die weihevollen Räume des Gotteshauses von den Beichtkindern und deren Angehörigen ausgefüllt durch⸗ hallten von dem ängstlichen Schreien und jämmerlichen Weinen des vergewaltigten Kindes. Der Vormund machte kurzen Prozeß. Er packte mit kräftiger Gewalt den schreienden Knaben und schleppte ihn mit roher Gewalt aus der Kirche hinaus. Der Pfarrer aber hatte mit den vielenSünden der Schulkinder zu tun. Er protestierte nicht gegen das widerliche Schauspiel, er ließ die Schändung des ernst⸗ esche weihrauchduftenden Raumes ruhig geschehen.

Draußen an dem Kirchentor stand ein Wagen bereit. Auf diesen Wagen lud der zärtliche Vormund sein erschrockenes Mündel. Er wehrte sich vergeblich mit seinen schwachen Kräften.

In diesem Augenblick erschien die Mutter. Sie stürzte auf die Hilferufe ihres Kindes auf den Wagen zu und kletterte, ohne daß es ver⸗ hindert werden konnte, auf das Gefährte. Sie wollt den Knaben befreien. Weinend fiel dieser

der Mutter um den Hals und schrie unausge⸗ setzt:Mutter, hilf mir! Mutter, hilf mir!

Rings um den Wagen standen die Ange⸗ hörigen der Beichtkinder, die das Gotteshaus verlassen hatten, um Zeugen der Szene zu

sein.

Nun trat der Gensdarm in Aktion. Er forderte die Umstehenden auf, die Taglöhuerin, die ihr Kind verteidigte, zu halten. Niemand leistete der Aufforderung Folge. Da zerrte der Gensdarm die Mutter vom Wagen, drückte ihr die Kehle zusammen, damit ste nicht schreien konnte, und hielt sie fest. Inzwischen fuhr der Wagen mit dem Kinde davon. Das jämmer⸗ liche Weinen und Schreien des Knaben konnte man noch lange aus der Ferne vernehmen.

Der Wagen fuhr zur nächsten, etwa eine Stunde entfernten Eisenbahnstation. Dort nahm der Personenzug den kleinen Adolf Dörfler auf und brachte ihn nach Brünn.

Das ist die Geschichte von der Taglöhnerin und ihrem Kinde. Nicht lange ist es her. Noch heute weint die Mutter um den Knaben. Die frommen Bauern aber sagen sich:Wir haben ein gutes Werk vollbracht. Ein gutes Werk zwischen Beichte und Kommunion.

Splitter.

Nicht die Freiheit, sondern, was scharf zu unterscheiden ist, die individuelle Willkür, hat ihre Grenze, eine Grenze, die gerade durch das posttive und substantielle Wesen der menschlichen Freiheit an ihr gesetzt wird. Lassalle.

**

* Einmal grüßt das Sonnenlicht Jedes Blatt im grünen Hain; Ist es auch am Morgen nicht, Wird es doch am Abend sein.

Einmal sonnt sich in dem Tal

Jedes Blümchen, noch so klein; Ist es nicht im Morgenstrahl,

Ist es doch im Abendschein.

Humoristisches.

Mißverständnis. Kolonialschwärmer: Sie sind doch gewiß auch für die Kubub⸗Eisenbahn in Süd⸗ westafrika? Bauer: Noa! Wenn in Südwestafrika scho jeder Kuhbub sei b'sondre Eisenbahn hab'n soll dös is mir z'vill!

Erkannt. Fabrikant: Ich bin ein frommer Mann. Ich halte es noch mit dem guten alten Spruche: Bete und arbeite! Arbeiter: O, das stimmt doch nicht ganz! Das beten besorgen Sie schon, aber das arbeiten, das überlassen Sie vorsichtigerweise uns!

Offenherzig. Richter:Sie sind wegen Vaga⸗ bundierens ergriffen und eingebracht worden. Wie haben Sie Ihre Nächte zugebracht?! Vagabund:Danke, abgesehen von einem Alpdrücken hie und da, habe ich stets gut geschlafen.

Unüberlegt. Vorsitzender:... Sie lächeln, wenn ich Sie nach Ihren Vorstrafen frage, Angeklagter? Ich finde das sehr sonderbar!... Ich würde nicht lachen, wenn man mich nach meinen Vor⸗ strafen fragen würde!

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Geschichts kalender.

24. Juni. 1905 Matrosen⸗Revolte auf dem russischen KriegsschiffePot mkin(Odessa).

25. 1849 Einzug der Preußen in Karlsruhe. 1792 Manifest des Herzogs von Braunschweig gegen die 80. 1 Revolutionäre.

London. 1893 Gouverneur Altgeld begnadigt Chicagoer Anarchisten Schwab, Fielden und Neebe.

27. 1900 Rede Wilh. II. an die nach Ostasien gehenden Truppen in Bremerhafen(Hunnenrede). 1896 DerSozialrerorm-Minister Berlepsch wird entlassen.

23. 1874 J. B. v. Schweitzer, Präsident des allgem. deutschen Arbeitervereins, f. 1794 Robespierre guillotiniert. 1719 Jean Jacques Rousseau,*.

29. 1900 Attentat Bresci auf den ital. König Humbert. 1577 Peter Paul Ruberns,*.

30. 1896 Soz. Wahlsieg in Halle. Dortu in Rastatt standrechtlich erschossen.

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