Mitteldentsche Sountags⸗Jeitung.
Soll 5.
dn Nr. 38. 8 an den man sich wegen Probenummern dc. ö n wenden wolle. ds ch. Christliche Agitatton. In Lauter⸗ er ah bach fand am Freitag eine von der Ortsgruppe des rotz christlichen Textilarbeiterverbandes einberufene Versamm⸗ an I lung im Felsenkeller zum„Johannesberg“ statt. Sie 5 war von etwa 20 Mann von den Christlichen besucht, rde 4 meistens ganz jungen Menschen. Von unsern Genossen n 0 hatten sich ebenfalls eine Anzahl eingefunden, die neu⸗ denn gierig auf die Dinge waren, die ihnen der Referent Rümmler dll g* aus Meißen erzählen würde. In ihrer Hoffnung, etwas 1 905 für Arbester Nützliches und Interessantes zu hören, sahen ihm 0 sie sich jedoch getäuscht. Rümmler sprach über die Zwecke wu und Ziele der Organisation und stellte die christlichen e Organisarlonen als die besten hin, denen sich die Arbeiter l anschließ en und innerhalb derselben sie nach Höherem 5 1 und Besserem streben müßten. Daß die christliche Orga⸗ 6 155 nisatlon die beste sei, beweise ihre große Mitglieder⸗ 0 1 zunahme. Sie wollten auch den Arbeitern die Religion Don 1 erhalten und erreichten friedlich mehr als die freien h Gewerkschaften mit ihrem Streik. Das war ungefähr n bn das Wesentliche seiner Ausführungen.— Gen. Rausch ng din trat den Ausführungen des Referenten entgegen. Gewiß se ewas sei die gewerkschaftliche Organisation notwendig und es N sei bedauerlich, wenn die Arbeiter sich ihr gegenüber m Le gleichgültig verhielten. Die sogenannten christlichen weiden, Gewerkschaften sind aber nicht in der Lage, die Interessen bunen. der Arbeiter zu vertreten. Viele verlorene Streiks sind Genosen ihnen auf das Konto zu setzen; Redner hielt dem Refe⸗ Nrosgin„ renten vor, wie in vielen Fällen die freien Gewerkschaften suldens die größten Opfer brachten, um eine Besserung der der Nib Arbeitsbedingungen zu erreichen, während die Christlichen ib Klan Streilbrecher lieferten, wie es in Köln geschehen sei Reit b. und das sei eine Schande. Graulich beschäftigte sich er Bü besonders mit der Frage der Neutralität der Gewerk⸗ beram schaften und wies nach, daß davon gerade bei den les dur Christlichen gar keine Rede sein könne. Er führte weiter zott!— aus, daß heutzutage sich ein denkender Arbeiter unbe⸗ Wir ud dingt um die politischen Fragen bekümmern müsse und Gleit. wies auf die heutige Reichs politik hin, die durch Lebens⸗ — Gegen mittelwucher und indirekte Steuern die Lage des Arbeiters bt: M verschlimmere. Hierauf nahm der Vorsitzende der Christ⸗ 20 P lichen das Wort und erklärte u. a., daß sie der Reichstag 1d gegn gar nichts anginge. Politik wollten sie nicht treiben, zuchhat⸗ meinte er, aber hoffte doch, daß sie bei den nächsten „ae Reichstagswahlen gute Fortschritte machten! Er bestritt 3 weiter, daß die Christlichen Streilbrecher gestellt hätten 1h über, und verlangte Beweise.— Diese zu bringen waren wir er wid gerne bereit, doch bekam Gen. Graulich, der sich meldete, e Turn. das Wort nicht, es hieß, die Versammlung sei geschlossen. un ac f Trotzdem gab Gr. noch einen Fall christlichen Streik, n 5 bruchs bekannt, den die Christlichen zum Gaudium der een andern mit auhören mußten. Allerdings, die Wahrheit sei. g hören sie nicht gern, die Herren Christlichen! un 17 1 Aus dem Nreise Wetzlar. Tchel, u warel. II h. Ein Volksbad soll in Wetzlar er. kin a! richtet werden. In mehreren Artikeln, die im Arbeitet]„Wetzl. Anz.“ über diese Angelegenheit ver- saßstäde! öffentlicht wurden, sprachen die Einsender den mise“ durchaus berechtigten Wunsch aus, daß eine 5 Jalil 1 Badeanstalt nicht ohne Schwimmbassin ub. d. geschaffen werden solle. Besonders trat Herr 1 Kreisarzt Dr. Braun in längeren Ausfüh-
1 d rungen dafür ein, w iber Wert des Schwimmens nachwies. Arbe nur zuzustimmen. f vertretung, dafür mit ihren finanziellen Mitteln
sie empfohlen werden, 5 fraglich erscheinen.
ll. 10 10 h. Ein schweres Unglück hat die 10% Familie des in Arbetterkretsen allgemein ge⸗ fr 1 achteten und beliebten Stadtverordneten Casp. aal, Michael! betroffen. Sein ältester, 17 jähr. 1 Sohn, der in Löhlbach bei Frankenberg als 4 10 Kaufmann lernte, ist infolge einer Schußver⸗ an letzung gestorben. Sein Prinzipal hatte olle d den Lehrlingen Jagdgewehre zum Reinigen ge-
sereß 0
ins derselben war Veulic geben, eins selben
als einer der jungen Leute tigte, ging der Schuß los
e 1 jungen Michaeli tötlich. Er starb bereits auf g 1 105 i alt 1 ge„ Marhurger Klinik Der Ver⸗[ Emm 1 1271781 Se! mente, die es damals noch v rhöhnte, gen an dem Wege zur Morburge tlic a e 1155 Empfehlenswerte sozialistische Schriften t Sura beo. Das G 6 N 101 e war ein außerordentlich anstelliger unk 5. 1 J En eee ende 0 eee 7 5 der 11 be Hoff⸗ 1 Die Neue Zeit. Wochenschrift der deutschen J zerpflückte unser R eb 10 N itelligenter ee 5 ee 1 1 15 die Sozialdemokratie. Allwöchentl! Heft. Preis 25 Pfg. Behauptung, die Flottenverstärkung 4 nungen berecht Me. An 5 0 1 115 1 0 l Grundsätze und Forderungen der Sozie ö ug des Handels un 5 10* N Familie Der schwere 4 e lösch ag u 1 Au demokratie. Von Karl Kautsky und Bruno der kolossale zerung de utsch bir 50 gemeines Beileid wird ihr entgegengebracht. Schönlank. Preis 10 Pfg. bon 880 ne 5 1896 auf über ol 1 h. Schon wieder Fleischaufsch bag! Die Ve ule, wie sie sein soll. Von Otto] 13 000 Millionen J 05 aungewachsen it, hat ata Erst vor etwa 14 Tagen wurden die Preise Rühle. eis 30 Pfg. die Flotte ga teust e überhaupt Mllitarismus 1 ah für Rind⸗ und Ochsenfleisch um 8 Pfg. prof: Hand lspolitit und Sozialdemokratie und Marinismi i der wirtschafklichent 10 0 Pfund höher gesetzt und jetzt macht die Von Karl Kautsky. Eine populär Darstellung de Entsosckelung ha könn ohne Rüstungen gran g ft Metz zerinnu 9 nen weiteren Aufschlag be handels pol itischen Streitfragen. Preis 30 Pfg. dere, vor allen Dingen segen here Erfolge auswesen 0 20
indem er den gesundheitlichen
einzutreten, denn ob private Sammlungen, wie Erfolg haben, will uns
noch geladen und sich damit beschäf-
Dem ist Es wäre Aufgabe der Stadt⸗
kannt und zwar gleich um 10 Pfg. das Pfund für Fleisch und Wurst. Ob 1950 dienen Arbester, die den wirtschaftlichen und politischen Dingen gleichgültig gegenüberstehen, bald zur Einsicht gelangen werden?
h. Ein gräßlicher Unfall ereignete sich am Mittwoch Abend wieder in der Röhren⸗ gießerei des Buderus'schen Eisenwerkes. Aus einer Gießpfanne ergoß sich plötzlich flüssiges Eisen— wie es heißt infolge Gasentwickelung— auf vier in der Nähe befindliche Arbeiter, die furchtbar verletzt und in's Krankenhaus gebracht werden mußten. Drei der Verletzten sind ver- helratet und zwar Haus aus Hermanstein, Althaus aus Oberohmen und Dörr aus Wettsaasen. Der vierte, Rehm aus Wetzlar, ist ledig.
„Opfer der Arbeit. Der Bergmann Müller aus Steindorf erlitt kürzlich bei der Arbeit einen schweren Unfall, durch den er das Rückgrat brach. Aufangs der Woche ist der Verunglückte in der Gießener Klinik seinen Ver⸗ letzungen erlegen. Er stand noch verhältnis⸗ mäßig in jugendlichem Alter, war verheiratet und hinterläßt Frau und drei kleine Kinder. Wegen Bigamie(Doppelehe) ver⸗ urteilte die Wetzlarer Strafkammer einen Fuhr⸗ mann aus Dorlar zu 9 Monaten Gefängnis. Er hatte seine erste Frau, mit der er nicht gut auskam, einfach verlassen und eine zweite ge⸗ heiratet, ohne daß die erste Ehe geschieden war. Und das wird bestraft. Anders ist die Sache, wenn etwa ein Fürst oder Geldprotz sich türkisch einrichtet und eine oder mehrere Mattressen hält.
Aus dem Rreise Marburg-Rirchhain.
— Schlimmer Jugenderzieher. Am Freitag verurteilte die Marburger Straf- kammer den Lehrer Heinrich Hufnagel aus Wangershausen wegen Sittlichkeitsverbrechen, begangen an mehreren Schulmädchen, zu 1½ Jahren Gefängnis.
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2 ersammlungskalender..
Samstag, den 22. September. Gießen. Wahlverein. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung bei Orbig. Vortrag des Genossen G. Schreiber: Die englische Revolution bis zur Hinrichtung Karl's J. Wetzlar. Wahl verein. Abends 9 Uhr Ver⸗ sammlung im Gasthaus„Zur Glocke“. Sonntag, den 23. September. Heuchelheim. Gesangsabtellung des Arb, B.⸗Vereins. Nachmittags 3 Uhr Zusammenkunft bei Wirt Fr. Steinmüller. Nieder⸗Eschbach. Wahl verein. Nachmittags ½4 Uhr Mitgliederversammlung bei Wilh. Holz. Dienstag, den 25. September. Gießen. Gewerkschaftskartell und Gewerk⸗ schaftsvorstände. Abends ½9 Uhr Sitzung
bei Orbig.
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Zur Nachricht!
Die nächste(letzte) Nummer der„Mittel- deutschen Sonntags-Zeitung“ gelangt am Frei⸗ tag, den 28. September in der Expedition der „Oberhesstschen Volks⸗Zeitung“, Neustadt 14, zur Ausgabe.— Unsere Spediteure werden freundlich ersucht, die Zeitungen dort in Em— pfang zu nehmen und im weiteren für baldige Abrechnung Sorge tragen zu wollen.
Militarismus, und ein Hindernis für die frefheitliche Entwickelung
Tätigkeit der Sozialdemokratie im Reichstage.
(Schluß.) Etat des Reichsheeres. Die prinzipielle Bekämpfung des kulturwidrigen
der schwer auf dem Volke lastet
bildet, hat die Sozialdemokratie stets als eine ihrer parlamentarischen Hauptaufgaben betrachtet. Das heutige Militärsystem steht nicht zuletzt im Dienste der herr⸗ schenden und ausbeutenden Klasse, der es auch vielerlei Privilegien bietet, während die schaffende und darbende Volksmasse in der Hauptsache die ungeheuren finanziellen Opfer tragen muß, die der alles überwuchernde Milita⸗ rismus erfordert, der auch ein Förderer des engherzigsten und schädlichsten Kastengeistes ist und eine stete Gefahr für den Frieden darstellt. Die Sozialdemokratie be⸗ kämpft aber auch den Militarismus, weil er die Quelle zahlreicher Mißhandlungen und Schinderetien ist und von der herrschenden Gesellschaft gegebenenfalls auch dazu benutzt werden soll, mit Waffengewalt blutig die Arbeiterbewegung niederzuschlagen, wenn sie sich gegen politische Unterdrückung und ökonomische Ausbeutung wehrt, wie die Bereitstellung und Verwendung des Militärs selbst bei friedlichen Demonstrationen gezeigt hat. Wir fordern Einführung der allgemeinen Volks⸗ bewaffnung, sinn⸗ und vernunftgemäße Erziehung zur Wehrhastigkeit von Jugend auf, die auch einen großen nationalen Gesundheitswert hat, während der heutige Kasernen⸗ und Paradedrill nur zu ost gesundheits⸗ schädigend wirkt. Diesen prinzipiellen Forderungen und Anschauungen verliehen unsere Redner beredten Ausdruck, ebenso auch der Tatsache, daß die gesunden Prinzipien, die der größte deutsche Militärreorganisator, Scharnhorst, vor hundert Jahren zu praktizieren begann, als die gedrillte preußische Paradearmee elend und jämmerlich zusammengebrochen war, längst wieder verlassen sind, dem Prunk⸗ und Paradesoldatentum weichen mußten. Der Kampf gegen die Soldatenschindereien, den die Sozialdemokratie seit Jahrzehnten mit aller Energie führt, und sich dadurch in hohem Maße um alle die Hundert⸗ tausende verdient gemacht hat, die den bunten Rock tragen müssen, ist auch im verflossenen Sesstonsabschnitt kräftig fortgesetzt worden; gleichzeitig wurde auch auf die schweren Mängel in der Militärjustiz— die wir grundsätzlich verwerfen— hingewiesen, ebenso auf das mehr als mangelhafte Beschwerderecht der Soldaten. Eine recht lebhafte Auseinandersetzung zeitigte die von unserer Seite an den Zuständen in den Militärwerkstätten geübte Kritik, die, weil stets mit einer Fülle von Tar⸗ sachen belegt, von der Militärverwaltung außerordentlich unangenehm empfunden wird. Flottengesetznovelle— Etat der Marine.
Den beiden Milliarden-Flottenforderungen der Jahre 1898 und 1900 ist im Berichtsjahr eine neue Forderung gefolgt: sechs große Kreuzer, davon einer als Materlalreserve, die insgesamt 165 Millionen Mark verschlingen werden; außerdem forderte die Regie⸗ rung den Ausbau der Torpedoflottille auf 24. Boots⸗ divistonen. Dadurch wird der ohnehin ungeheuerlich in die Höhe getriebene Marineetat abermals gesteigert. Bis zum Jahre 1917 sollen nunmehr gebaut werden(ein⸗ schlleßlich der früher bewilligten Forderungen) 18 Linien⸗ schiffe a 36,5 Millionen, 13 große Kreuzer à 27,5 Millionen, 24 kleine Kreuzer A 6,3 Milltonen. Dazu kommen noch für 212,8 Millionen Torpedoboote, für 60 Millionen Unterseeboote, für 148.8 Millionen Re⸗ serven, so daß allein für Neubauten bis 1917 ein⸗ schließlich von 118,7 Millionen Restraten 18 7 8 Millionen erforderlich sind. Insgesamt wird die Marine bis zum Jahr 1917 nicht weniger als 3711, Millionen erfordern; vorausgesetzt, daß nicht bis dahin neue Flottenforderungen kommen und in⸗ zwischen die Baukosten der Schiffe sich abermals enorm erhöhen. Noch vor wenigen Jahren kostete ein Linien⸗ schiff„nur“ 25— 30, ein großer Kreuzer 18—20 Mil⸗ lionen, heute aber 36,5 bezw. 27,5 Millionen.
Mit größter Schärfe bekämpfte unser Redner die Flottenforderung und beleuchtete dabei schonungslos den
Die Expedition.
und verletzte den
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Umfall des Zentrums, das noch im Jahre 1898 mit hochtön enden Worten, in denen es ja Meister ist, gegen die uferlosen Flottenpläne sich gewendet hat, heute aber unter Benutzung derselben un ahren und schäbigen Argu⸗
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