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Nr. 11. Gießen, den 18. März 1906. 13. Jahrgang. Redaktion: 4. AKebaktionsschtut dae ee Mitteldeutsche
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Den 18. März
feiert heute nur noch die sozialdemokratische Arbeiterschaft. Alljährlich gedenkt ste der Kämpfe, die vor nun 58 Jahren für politische und wirt⸗ schaftliche Freiheit, Gerechtigkeit und Volkswohl⸗ fahr“ geführt wurden und der Tapferen, die sich für die höchsten Menschheitsideale aufopferten. Das Bürgertum geht achtlos an diesem Tage vorüber. Es will daran nicht mehr erinnert sein, es hat sich die Schlafmütze über die Ohren gezogen und die Fre heitsideale verraten und preisgegeben, für die seine Vorfahren ihr Leben einsetzten. Bereichere Dich, mache Profit! Das ist heute die Parole des Bürgertums. Volks⸗ interessen, Volksfreiheit, Volkswohlfahrt? Wer wird sich damit abgeben! Als das höchste Ziel gilt es vielmehr Reichtümer aufzuhäufen, gleichgültig mit welchen Mitteln, mögen auch Millionen anderer Menschen dabei elend zu Grunde gehen. Verächtlich blickt der„liberale“ Plusmacher auf die Arbeiterklasse herab, die unerschrocken und unentwegt für die alten bürger⸗ lichen Ideale und For derungen kämpft und sie verwirklichen wird. Die Arbeiterklasse feiert die Gedenktage der Revolution, während schon dieses bloße Wort dem Spießertum eine Gänse⸗ haut verursacht.
Revolutionen sind reinigende Gewitter, schrieb einmal einer der edelsten Patrioten, Ludwig Börne, und sie sind es, wenn wir die Evolution als das Wesen allen organischen, gesellschaft⸗ lichen Fortschritts ansehen. Insofern sind Re⸗ volutionen Marksteine der Kulturentwicklung, und die Kämpfe von 1848 und 1849 in Deutsch⸗ land verdienen diesen Namen, da damals nicht bloß eine polttische Revolution, wie solche der Liberalismus zu machen glaubte, sondern zugleich auch eine soziale Revolution vor sich ging, die neben der aufkommenden Bourgeoiste auch dem Arbeiter, dem Proletariat, ein „Bahn frei“ zeigte. Damals kämpfte das Bürger⸗ tum in Deutschland und Oesterreich gegen den Feudaladel, wie 1789 das französische Bürger⸗ tum gegen das absolute Königtum. Ablösung der bäuerlichen Lasten, Mobilisterung des Be⸗ sitzes, Gleichheit der Bürger vor dem Gesetz, Gewerbefreiheit, Fretzügigkeit, Wechselrecht, Münzrecht usw. war die Losung, und der Ver⸗ samwlung in der Frankfurter Paulskirche lagen neben Petitionen armer Weber aus Reichenbach im sächsischen Erzgebirge um Brot und Arbeit und Anerkennung des Rechts auf Arbeit, auch 540 Petitionen für die Rettung des Handwerks vor. Nur die Arbeiter gingen leer aus, wie schon 1795 in Frankreich die„Gleichen“ unter Babeuf, nachdem die Bourgeoisie durch die Hauptarbeit des Volkes ans Ruder gelangt war. Am 13. März 1848 erhob sich Wien, am 18. März desselben Jahres Berlin. In Berlin gab es 216 Tote, deren Leiher vom Volk vor dem königlichen Schloß vorbeigetragen wurden, wo der König gezwungen war, vor den Märtyrern der Freiheit das Haupt zu entblößen. Aber die Reaktion kam, weil die Bourgeoiste vor den siegreichen Arbeitern Angst hatte; noch auf den Barrikaden schloß ste mit der Monarchie Frieden und gewährte derselben, sowie dem Feudaladel gegen die Gewährung der Ausbeutungsfreiheit der Arbeiter Pardon, dem ste die Kämpfenden zugleich verriet. Am
1. November 1848 ftel Wien und Robert Blum wurde von Windischgrätz erschossen, in demselben Monate fiel Berlin gegen Wrangels Bajonette.
Lediglich die Bourgeoisie, das besitzende Bürgertum, stegte. In Deutschland wurde der Einfluß der Junker zurückgedrängt und die Ablösung der bäuerlichen Lasten erreicht. Das Bürgertum, politisch unterlegen, blieb dennoch sozial siegreich und sein erstes, was es tat, war, die Throne, die es bisher bekämpft, zu stützen, alle Militärforderungen zu gewähren, die „Solidarität der Besitzenden“ zu verkünden und gemeinsam mit den reaktionären Regierungen verklausulterte Wahlgesetze und eine Volksver⸗ tretung ohne Arbeiter zu schaffen. Unter dem Nimbus des Königstums wurde die Klassen⸗ herrschaft als Parlamentarismus aufgerichtet, nur gegen die Arbeiter blieb vorerst der alte Polizeistaat bestehen.
So lohnte der politische Liberalismus, der ökonomisch der Kapitalismus ist, den Arbeitern, die auf den Barrikaden für die Liberalen ihr Blut vergossen hatten. Kein Koalittonsrecht für die Arbeiter, keine politischen Wahlrechte, ein kümmerliches Vereins⸗ und Versammlungs⸗ recht, dagegen schamloseste Ausbeutung der Ar⸗ beitskraft bezeichnen den Weg, den die Bourgeoiste nach Niederwerfung der Revolution gegangen ist. Stück für Stück gaben Demokratie und Liberalismus ihre ehemaligen Ideale preis. Die feudalen Gesindeordnungen sind noch heute nicht beseitigt, wir entbehren noch jetzt der all⸗ gemeinen Geschworenengerichte auch für Preß⸗ angelegenheiten, das Dreiklassenwahlrecht herrscht in Preußen und Sachsen, rückständige, halbfendale Gemeindeverfassungen mit stiefmüt⸗ terlicher Behandlung der Arbeiter in der Ge⸗ meindevertretung, der Mangel jeglichen Frauen⸗ Wahl⸗ und Stimmrechts deuten jene großen Unterlassungssünden jenes Bürgertums an, die sich bis heute in den Majestätsbeleidigungs⸗ prozessen, dem geschwollenen Militär- und Flottenetat, den mangelnden Reichstagsdiäten rächen.
So gingen die Kämpfe von 1848/9 in Deutschland, Oesterreich und selbst in Frank⸗ reich zunächst zu ungunsten für die Barrikaden⸗ männer von damals aus, aber das Proletariat ist der Erbe der Forderungen von 1848 und 1795 geworden. Und wie sehr auch das Unter⸗ nehmertum gegen das„eine gefährliche Rot“ eifert und die Organisationen der Arbeiter zer⸗ sprengen möchte, so halten doch die Arbeiter an den einstigen Idealen des Liberalismus fest, werden Vollstrecker der Forderungen derselben, soweit solche nicht erfüllt sind und erobern sich Schritt für Schritt neues Terrain, indem sie gleichzeitig ihre Organisationen ausbauen und die öffentliche Meinung für den Sozialismus, jene Anschauung der organisierten Arbeiter er⸗ obern. Die Arbeiter sind die Vollstrecker der Volksforderungen von 1848/9, sie sind die Vertreter der neuen proletarischen Ideen; ste allein denken an jedem 18. März jener teuren Toten, die einst im Völkerfrühling für die Freiheit starben.
Heute ist keine Revolution im Heugabelsinne mehr möglich. Mit Säbel und Muskete arbeitet die heutige besitzlose Klasse nicht mehr. Große Arbeitervereinigungen geben heute die Organui⸗
sationsform der Massen an, mit dem Stimm
zettel in der Hand und der Arbeiterpresse, dem Verein und der Versammlung arbeitet das Proletariat von jetzt. Die Eroberung der Parlamentstribüne, die Besetzung der ver⸗ schiedenen einflußreichen Posttionen in Kommune, Staat und Reich ist der organisterten Arbeiter⸗ schaft nächste Tätigkeit und Ziel, um allmählich die politische, Macht zu erobern. Hinter der fromm gewordenen feisten Bourgeoiste erhebt sich das Proletariat riesengroß, der Nationali⸗ tätsgedanke wird verdrängt durch den Inter⸗ nationalitätsgedanken und jede Erfüllung früherer Forderungen aus der politischen Sturm⸗ und Drangperiode des Bürgertums darf das arbeitende Volk als seinen Erfolg für stich in Anspruch nehmen.
So wird die Sozialdemokratie als die politische Vertretung der arbeitenden und besitzlosen Klasse in Wirklichkeit umsetzen, was die besten Geister aller Zeiten erhofften und für was stie wirkten. Unablässiger und ziel⸗ bewußter Kampf für die Menschenrechte ist unsere Parole! Und bei der diesmaligen März⸗ feier protestiert die Arbeiterschaft aufs Neue gegen die preußische Dreiklassenschmach, die es zu beseitigen gilt und gegen die erneut Sturm gelaufen werden muß. Die Arbeiterklasse läßt sich nicht mehr bevormunden, sondern verlangt 1 795 Recht und wird es sich zu erkämpfen wissen!
Arbeiter⸗Massenmord.
„Ueber 1200 Bergarbeiter haben den Tod gefunden.“ Mit Entsetzen las die Welt die Telegramme, die dies aus dem Städtchen Courrieères im nordfranzösischen Kohlen⸗ revier(Departement Pas de Calais) meldeten. Am Samstag ereignete sich in den dortigen Kohlengruben eine furchtbare Explosion. Es waren etwa 1800 Bergleute in die Gruben eingefahren. Da die einzelnen Schächte mit einander in Verbindung stehen, drangen die giftigen Gase überall ein, Tod und Verderben bringend. Nur etwa 500 Bergleute konnten sich retten; ein Teil der Geretteten hat natürlich schwere Brandwunden und sonstige Verletzungen davon getragen. Die Rettungsversuche mußten bald wieder aufgegeben werden, weil die Gase ein Vordringen in die Schächte und Ginge verhinderten und außerdem waren dieselben zum Teil eingestürzt oder durch Gebälk ꝛc. versperrt. g
Ueber die Ursachen der Katastrophe wird berichtet, daß es in dem Schacht Nr. 3 schon seit längerer Zeit gebrannt habe. Um das Feuer zu lokalisteren und zu ersticken, wurden mit Holz und mit Mörtel und Zement verstärkte Holzverschalungen angelegt. Doch dürften dieselben entweder zu weit von dem Feuerherd oder nicht dicht genug gewesen sein. Jedenfalls muß man annehmen, daß das Gruben⸗ gas sich in großer Menge mit der eingedrungenen Luft vermischen konnte und daß infolgedessen die furchtbare Exploston stattfand, welche die Zertrümmerung der Schachtgänge und den Ein⸗ sturz der Decken herbeiführte. Die Staatsan⸗ waltschaft soll festgestellt haben, daß der Brand schon vor ungefähr Monatsfretst aus⸗ gebrochen war. Jedeafalls hatten die
In genteure der Gesellschaft schon vor mehreren
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