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Nr. 7.
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Milteldeulsche Sountags⸗Zeiiung.
Seite. 7
„Uebrigens habe ich jetzt einen Plan ge⸗ faßt,“ fuhr der gesprächige Krämer fort;„Ihr Kollege Morsen soll mir helfen, eine Assekuranz⸗ esellschaft für Güter zu begründen. Eine kleine
rämie, überall Agenten; wenn Sie in einer anderen Stadt wohnten, würde ich fragen, ob Sie auch Agent sein wollen.“
Unglücklicherweise wohnte Werner nicht in einer anderen Stadt, aber er nahm sich vor, seinen Kollegen Morsen an dessen Versprechen in bezug auf seinen Sohn zu erinnern. So. bald er wieder die Akten vor sich nahm, mit welchen er den größten Teil seiner Bureauzeit zubrachte, wollte er mit Morsen über seinen Franz reden und dann— so dachte er, während er auf Taubermanns Aufforderung nach dem Zimmer seiner Tochter ging, und er war so tlef in Nachdenken versunken, daß er an der Hausfrau vorbet lief, ohne sie zu sehen.
Es geschah öfter, daß Werner seine Tochter des Morgens besuchte, denn er war gewohnt, sich in allen schwierigen häuslichen Angelegen⸗ heiten Rat und Hilfe oder wenigsten Trost und Ermunterung bei seinem Liebling zu holen.
Malvine genoß noch mehr Vertrauen als seine Gattin, denn letztere schonte er bei mancher traurigen Erfahrung, um ihren Kummer nicht noch zu vergrößern. Diesmal konnte jedoch auch Malvine wenig Hoffnung geben; beide waren darüber einig, daß sie in keinem Fall die von Taubermann angebotene Wohnung be⸗ ziehen durften, aber was zu tun war, blieb unaufgeklärt. Von dem Krämer Geld leihen ging auch nicht. Und Morsen— der hatte schon einmal abgelehnt. Immerhin— wer
weiß!
„Du solltest doch noch einmal zu ihm gehen, liebes Kind, um den Versuch zu machen,“ sagte Werner plötzlich. Malvine wies diese Idee zurück und fuͤhrte eine Menge Gründe an, aber da sie den wahren Grund für sich behielt, so fiel es ihrem Vater nicht schwer, alle ihre Be⸗ denken zurückzuweisen. Zum Schlusse ver⸗ tröstete ihn Malvine mit der Verstcherung, daß ste noch einmal sich die ganze Sache überlegen wolle. Darauf nahm Werner Abschied.
„Denken sie noch einmal über meine Wohnung nach; in jedem Fall müssen Sie sich dieselbe einmal ausehen. Alle Bequemlichkeiten und ein kleiner Garten dabei,“ rief ihm beim Weggang der Krämer nach. Aber der gute Werner hatte an andere Dinge zu denken: über die Kunst Geld zu machen und je länger er darüber nachdachte, um so düsterer erschien ihm die Zukunft.
Es war jedoch ganz in Uebereinstimmung mit seinem Charakter, daß er gerade dann, wenn die Not am höchsten stieg, am wenigsten tat; er hörte mit dumpfem Gefühle die Bücher aufschlagen und die Blätter umkehren, was sein Amtsgenosse heute mit nervöser Eile tat. Aber er sprach mit ihm über nichts, selbst nicht einmal über seinen Sohn. Beide schienen heute gar keine Eile in bezug auf Schluß der Bureau⸗ zeit zu haben. Morsen blieb eifrig bei der Arbeit und Werner hatte keine besondere Sehn⸗ sucht nach Hause, so daß sie beide erst auf⸗ brachen, als sich überall umher schon die Spuren der verspäteten Tischzeit bemerklich machten.
Als Werner zu Hause anlangte, vermuteten sowohl seine Frau wie die Kinder, daß er ganz besondere Nachrichten mitbringe, und als das Essen vorüber war, blieben Vater und Mutter flüsternd zusammen stitzen. Endlich wurde Franz gerufen und bekam einen Auftrag und suchte die Mütze, um auszugehen.
(Fortsetzung folgt.)
Anton Menger.
In Rom ist am 7. Februar ein bedeu⸗ tender Gelehrter und mutiger Bekenner des Sozialismus, Anton Menger im Alter von 65 Jahren gestorben. Von 1874 bis 1899 war Menger Universitätsprofessor in Wien. Während dieser Zeit veröffentlichte er zunächst mehrere juristische Schriften, in denen er zwar auf der einen Seite das marxistische System des Sozialismus heftig und leiden⸗ schaftlich bekämpfte, auf der anderen Seite aber die rechtlichen Interessen der besitzlosen Klassen
mit allergrößter Entschtedenheit vertrat. rt den Werken dieser professoralen Zeit gehört „Das Recht auf den vollen Arbeitsertrag“, „Ueber die sozialen Aufgaben der Rechtswissen⸗ schaft“, namentlich aber die berühmte Schrift „Das bürgerliche Recht und die besitzlosen Klassen“. In dieser Schrift wies Menger mit großem juristischen Scharfstnn nach, wie das bürgerliche Recht in allen seinen Bestimmungen ganz auf die Interessen der besttzenden Klassen zugeschnitten sei, und lieferte damit erst recht — fretlich ohne es zu wissen und zu wollen— neue Stützen für die von ihm bekämpfte marxistische Theorie“. Als Kritiker des wer⸗ denden Bürgerlichen Gesetzbuchs für das Deutsche Reich hat er fruchtbare Arbeit geliefert, die bis zu einem gewissen Grade sogar im geltenden Recht lebendig geworden ist, stcher aber der Zukunft unverloren bleiben wird.
Menger hatte sich inzwischen so weit nach links entwickelt, daß ihm die Exlaubnis, ein Seminar an der Wiener Universität zu eröffnen, versagt wurde. Die damaltge österreichische Regierung wollte eine zu enge Verbindung zwischen dem radikalen Theoretiker und seinen Schülern vermeiden. Das und seine Kränklich⸗ keit veranlaßten den Gelehrten, im Jahre 1899 seine Professur niederzulegen und als Schrift⸗ steller frei zu wirken. Jetzt tat er in seinem Buch„Neue Staatslehre“, das er im Jahre 1903 veröffentlichte, den letzten entschei⸗ denden Schritt; denn diese„Neue Staatslehre“ war ein offenes und begeistertes Bekentnis zur Demokratie und zum Sozia⸗ lismus. Unbeirrt von dem törichten Gerede deutscher und österreichischer„Staatsmänner“ entwarf er in diesem Buche— nicht als phan⸗ tasterender Romanzier, sondern als nüchtern und scharfsinnig konstruierender Jurist— das Bild eines sozialistischen Zukunfts⸗ staate s. In einer folgenden kleineren Schrift der„Neuen Sittenlehre“(1905) führte er sein System weiter fort und geißelte mit der volkstümlichen Kraft eines modernen Buß⸗ predigers die heuchlerische Moral der Monarchie und des Kapitalismus. Diesem Buche sollte eine„Volkspolitik“ folgen und schließlich sollte ein viertes über„Erkenntniskritik“ das„ganze philosophische System des Sozialismus“, das er aufzurichten beabsichtigte krönen. Mitten im Schaffen hat ihn der Tod erreicht.
Die„Wiener Arbeiterzeitung“ sagt am Schlusse eines längeren Artikels über Menger: „In allen seinen Büchern schlägt trotz der schüchternen Nüchternheit seiner Sprache die leidenschaftliche Glut des Kämpfers durch, wo er Klage erhebt gegen die Vergewaltigung der Besitzlosen, gegen den Dünkel und den Ueber⸗ mut der Mächtigen, gegen die Lüge und Heuchlet der Herrschenden. Es war ein ergreifender Gegensatz in seiner Persönlichkeit. Es war ein bescheidener, stiller, fast asketisch lebender Mann; er hatte nur eine einzige Leidenschaft, die aller- dings fast zum Fanatismus ausgebildet war: seine Sammlung der sozialistischen Literatur, die an Reichhaltigkeit kaum von irgend einer Bibliothek übertroffen wird. Die einsame Ar⸗ beit in dieser Bücherwelt war sein Leben und doch wurde dieser stille Mann der Studierstube zum Agitator, der mit Flammeuworten zu reden vermochte, zum Agitator des Soztalis⸗ mus, für den Sieg des Rechtes aller Menschen, für endliche Begründung der Macht der Arbeit.
Darum darf die Arbeiterschaft ein beschei⸗ denes Zeichen des Dankes und der Anerkennung auf das Grab Anton Mengers legen, der nicht ihr Parteigenosse, aber ihr Freund und Mit⸗ streiter war.“
Allerlei. Die„Arbeitskraft“ der Besitzenden.
Die Verteidiger der kapftalistischen Ordnung sagen: Das Privateigentum ist heilig, heilig als ersparter, im Schweiße des Angesichts er⸗ arbeiteter Besitz. Wenn man sich aber nur die Riesen vermögen vorstellt, die einzelne Leute, nicht durch Arbeit, sondern durch Ein⸗ streichung von Zinsen ansammeln konnten, dann wird die Verlogenheit von der Rechtmäßigkeit
des Privateigentums ohne weiteres klar. Daß ein einziger Mensch nicht für Milliarden Werte schafft, bedarf gar keiner weiteren Darlegung; wenn es trotzdem Milliardäre gibt, so müssen die Reichtümer von anderen geschaffen sein, denen sie vorenthalten wurden. Und Riesen⸗ schätze sind es, die sich in wenigen Händen, zu⸗ sammenhäufen. Bisher galt als reichster Mann der Welt John D. Rockefeller. Wie die New⸗ Yorker„World“ mitteilt, hat Alfred Beit, der Besttzer von Gold und Diamantengruben in Südafrika, doch noch etwas mehr als Rockfeller — erspart. Sein Vermögen wird nämlich auf 20 000 600 000 Mark, sein jährliches Ein⸗ kommen auf 105000 000 Mark geschätzt. Das ist so viel Einkommen aus dem Kapital, als zirka 105 000 gut bezahlte Arbeiter im Jahre verdienen. Ob die Arbeitsleistung eines Beit 170 55 von über 100000 Lohnarbeitern auf⸗ eg
Splitter. (Aus Schillers Prosaschriften.)
Die Kultur soll den Menschen in Freiheit setzen und ihm dazu behilflich sein seinen ganzen Begriff zu erfüllen.
Bei der Natur ging der erste Mensch in die Schule und ihr hat er alle nützlichen Künste des Lebens abgelernt.
*
Die Natur zeichnet uns in ihrer physischen Schöpfung den Weg vor, den man in der mora⸗ lischen zu wandeln hat.
Unsere Kultur soll uns, auf dem Wege der Vernunft und der Freiheit, zur Natur zurück⸗ führen.
* Nichts führt zum Guten, was nicht natür⸗ lich ist.
*
Der höchste Geuuß ist die Freiheit des Gemüts in dem lebendigen Spiel aller seiner Kräfte.
Dr. Strecker.
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Humoristisches
Wahre Geschichtchen. Ein Chemieprofessor erörterte kürzlich in einem populären Vortrage die neueste Entdeckung Prof. Fischers(Berlin), dem es ge⸗ lungen ist, Eiweiß künstlich herzustellen. Der Reduer bemerkte, es sei nicht unmöglich, daß später einmal auch lebende Wesen, vielleicht sogar Menschen, auf ähnlichem Wege hergestellt würden. Da ertönt von den letzten Bänken eine Stimme:„Ick bleibe bei dat alte System!“
Stimme aus der Unterwelt. Ich warne dringend davor, an die Soldaten scharse Patronen aus⸗ zuteilen! Der selige Rittmeister v. Krosigk.
(W. Jakob)
Kaisers Geburtstag in einer kleinen sächsischen Stadt. Die Spisen der Behörden und die gutgesinnte Bürgerschaft sind des Nachmittags zum Festmahl vereinigt. Gegen Ende der Tafel fühlte ein Teilnehmer das Bedürfnis, den heißen Kopf an der frischen Luft zu kühlen. Er tritt vor die Haustüre auf die kleine nach der Straße führende Freitreppe. Diese findet er von einem Schwarm offenbar auf etwas war⸗ tender Kinder umlagert. Erstaunt betrachtet er sie, als plötzlich ihm der Ruf entgegentönt:„Här'n Se, wenn komm'n die Besuff'nen?“(Stmpl.)
Die Firma D. Kaminka, Marktplatz 11, am Kriegerdenkmal, hält sich als anerkannt reelles und leistungsfähiges Geschäft am Platze, zum Bezuge von Uhren⸗Gold⸗ und Silberwaren auf das Angelegent⸗ lichste empfohlen. Reparaturen und Gravpierungen
prompt und preiswert. W—.——.——
5 Geschichtskalender.
18. Februar. 1886 Dritte Sozialistenges.⸗Ver⸗ läng.⸗Deb. i. Reichstag. 19. 1473 Kopernikus, bedeutender Astronom“ 20. 1890 Reichstagswahl. Kartellvernichtung. 21. 1887 Faschingswahlen. Kartellsieg. 1677 Spinoza* 22. 1879 Attentat auf den Charkower Polizei⸗ chef Krapotkin. 23. Wilhelm II. nennt Antrag Kanitz„Brotwucher“. 24. 1905 Durchstich des Simplon⸗Tunnels.


