Ausgabe 
16.9.1906
 
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Der bosen,

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billige Lampe, und sie hatte keinen Schirm.

Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.

Seite 7.

Die Frau löschte die Lampe. Es war eine Der Mond schien hell durch die Fenster, an denen keine Vorhänge waren. Er freute sich an dem stillen Gesicht der alten Frau und ging leise zur Seite und sah sich den Tisch mit der Lampe und der Kaffeekanne an; wie schön die Frau schlief! Man durfte sie doch nicht wecken! Der Mond ging nach einem Weilchen ganz aus dem Zimmer und schien über das kleine, braune Dach des Häuschens und wachte bis an den Morgen.

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Wie Millionäre werden.

In der Wall Street in New⸗ Pork, wo stch die Börse befindet, ist der Geburtsplatz der modernen Krösusse.

Durch die letzte Dividendenerklärung der Union Pacsfic Eisenbahn hat sich die Zahl der New Yorker Millionäre wiederum vergrößert. Eine gewaltige Aufwärtsbewegung der amert⸗ kanischen Eisenbahnwerte hat eine Anzahl Männer, die bisher ein mäßiges Vermögen besaßen, in den letzten zwei Tagen vergangener Woche zu Millionären gemacht. Diese Leute haben nicht durch produktive Arbeit ihre Milltonen verdient, sie haben es einfach verstanden, sich zu den Besitzern des Geldes zu machen, das die weniger glücklichen und betrogenen Spieler an der Börse in jenen Tagen verloren.

Millionäre und Amerika scheinen gleichbe⸗ deutend zu sein, denn in keinem anderem Welt⸗ teile sind in den letzten 20 30 Jahren so viele Vermögen gemacht worden.

Im Jahre 1902 waren nach demAmerican Reference⸗Book 3500 Männer und Frauen in Amerika, welche mehr als 1 Million Dollar besaßen, und von allen diesen waren kaum 12, welche den Reichtum ererbt hatten. Fast jeder von ihnen hat die Schätze mehr oder weniger schwerverdient. Seit jener Zeit hat sich aber die Zahl der Millionäre um hunderte vermehrt.

Die Geschichte der amerikanischen Millionäre veginnt mit Jay Gould. Es waren aller⸗ dings die Astors und Vanderbilts schon da, bevor man von Gould etwas hörte, aber ihre Methoden, Geld anzuhäufen, gehören nun einer vergangenen Zeit an.

Der Reichtum der Astors entstand durch Landankänfe und durch die Wertsteigerung, die das Land von Jahr zu Jahr erfuhr. Der alte Astor hatte eine Vorliebe für Landerwer⸗

bungen und kaufte in großem Maßstabe. Seine Nachkommen konnten die Hände ruhig in den Schoß legen und ihren Reichtum lawinenartig auwachsen sehen. f a

Die Vanderbilts haben ihr Vermögen durch Eisenbahnbauten in der ersten Zeit, alsdann durch Städtebauten und durch Landankäufe verdient. Aber Jay Gould ist offenbar der erste, den der Typ des modernen Krösus darstellt. Seine Gegner nannten ihn den Finanzpiraten. 1

Es ist erwiesen, seine erste Million reprä⸗ sentiert keine produktive Arbeit; ste ist an der New⸗Yorker Börse gewonnen. Später hat er allerdings durch Eisenbahnbauten seinen Reich⸗ tum vermehrt. Sein Sohn, George Gould, ist heute ein konservativer Elsenbahnmagnat. Nach Gould, aber bedeutend hervorragender in der Anhäufung von Millionen, kommt John D. Rockefeller, unzweifelhaft der reichste Mann der

Geld zu verdienen, sind nicht schön zu nennen, aber nicht zu verkennen ist sein Genie, durch welches er alle Geldquellen Amerikas zu dem RiesenunternehmenThe Standard Oel Co. vereinigt hat. Nach seinem Vorbilde haben sich die anderen großenTrusts gebildet. Rockefellers Vermögen wird abweichend auf 2 bis 5 Milliarden Mark geschätzt.

Einige von den anderen amerikanischen Millionären sind: Andrew Carnegie(Stahl) 1600 000 000 Mark; William Rockefeller(Oel) 800 000 000 Mark; W. K. Vanderbilt(Eisen⸗ bahnen) 500 000 000 Mark; George J. Gould (Eisenbahnen) 400 000 000 Mark; D. O. Mills (Bankgeschäft) 300 000 000 Mark; H. M. Flagler Oel) 240 000 000 Mark; J. P. Morgan(Bank) 00 600 000 Mark; Frau Hetty Green(Geld⸗ verleihen) 400 000 000 Mark.

Dies sind nur einige von den vielen. Russel Sage hinterließ mehr denn 600 000 000 Mark. Er begann seine Laufbahn als Ladenjunge in einem Materialwarengeschäft, aber sein Geld hat er durch Wuchern erworben. Der ver⸗ storbene Marshall Field hinterließ 720 000 000 Mark, welche er mit seinem Manufakturwaren⸗ geschäftverdient hat. Die melsten der Ge⸗ segneten haben ihre Millionen an der Börse in Wall Street, New⸗Pork, erspielt.

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Die russischen Morde.

Den Mördern flucht, wer menschlich nur gesinnt,

Wer noch ein Herz im Leibe hat auf Erden

Und flucht mit Recht: nur wer die Mörder sind? Der Frage, dünkt mich, soll erst Antwort werden!

Die nenn' ich Opfer, die verzweiflungstoll In grausen Tate selbstvernichtend toben, Und Mörder heiß ich jene, die den Groll, Den fürchterlichen, aufgewühlt von oben!

Die stets noch hoffen, mit der Peitsche Zucht

Und frechem Trug die Ruh' im Land zu fördern,

In Selbstsucht und in Dünkel denen flucht, Dann flucht ihr sicher auch den wahren Mördern!

Hurra Byzanz!

Kaiserstraßen, Kaisersäle,

Kaiseralleen und Kanäle.

Kaiserauen drauf zu schauen,

Kaiserstatuen, fein behauen.

Kaiserseifen, Kalserschleifen,

Kaiserkakes und Kaiserreisen,

Kaiserpudding, Margarine,

Schön geschmückt mit Kaisers Miene,

Kaisersekt und Kaiserkümmel,

Kaiserschnaps für deutsche Lümmel,

Kaisermäntel, Kaiserhüte,

Kaiserkäse und Biskuite,

Kaisersänge schwere Menge,

Kaiserlieder klingen wieder

Aus der Untertanen Munde,

Ihm zum Preis zu jeder Stunde.

Kaiserjachten, Kaiserlande

Fern im afrikan' schen Sande,

Kaiserbärte, Kaiserschwerte

Von dem zweifelhaften Werte,

Schokolade und Pomade

All empfohlen Kaisers Gnade,

Kaiserhölzer ohne Schwefel

Für Hausgebrauch und Brandstiftfrevel,

Kaiserwichse für die Stiebel,

Auch im Graubart wirkt's nicht übel

Ja, sogar'ne Kaiserpeitsche

Hat der biedre, fromme Deutsche. Samson imVorwärts.

Welt; er selbst hat gesagt, daß er nicht genau weiß, wie viel er wert sei. Auch seine Methoden,

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Ob du wenig tust, oder viel, Daraus kommt's nicht an; Ich seh' nur auf dein Ziel; Die Richtung macht den Mann! 5 Bauernfeld. ** Wem zu glauben ist? redlicher Freund das kann ich dir sagen; Glaube dem Leben Er lehrt besser als Redner und Buch. Goethe.

Humoristisches.

In der Kolonialabteilung meldete sich ein verdächtiges Individuum. Es uurde mißtrauisch em⸗ pfangen:Gouverneur von irgend einer Kolonie wollen Ste werden? Wie wollen Sie das begründen?Ich bin wegen Urkundenfälschung vorbestraft, bin Speztalist für Körperverletzungen und außerdem Quartalssäufer. Meine Marie hab' ich gleich mitgebracht. Wat krieg ich Gehalt?(W. Jak.)

Drohung.Här'n Se, wenn Se sich so was noch ämal erlob'n, da gäun Se doch ämal von mir Ausdricke zu här'n begomm', wie m'rsche sonst bloß in d'r Familie gebraucht.

Eine Entschuldigung.Meine Tochter Lisbeth konnte gestern nicht zur Schule kommen; meine Frau liegt nämlich in den Wochen und Fräulein werden ja wissen, wie das ist. Hochachtungs voll A. Schmidt

(Lust. Bl.)

Der Herr Ortspfarrer inspiztert die Schule und läßt sich von den Kindern verschiedene Vögel auf⸗ zählen. Der Pfau ist noch nicht genannt worden. Er sucht daher die Kinder darauf zu bringen:Nun, wie mag dieser Vogel heißen? Er geht immer sehr stolz umher und kümmert sich um niemand. Na? Ueberlegt Euch, wer ist denn das, der immer so aufgebläht herum⸗ läuft? Ihr kennt ihn alle. Er läuft oft über den Gutshof und tut, als wenn er der liebe Herrgott selber wär? Na, seht, der kleine Karl wirds Euch sagen. Der kleine Karl(der den Finger erhoben hat): Das it der Herr are

Das letzte Mittel. Versicherungsagent. Scheußlich! Kein Mensch will bei diesen schlechten Zeiten sein Leben versichern lassen! Wenn alle Stränge reißen, gehe ich nach Rußland und mache den Min istern mal Offerte!

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Literarisches.

Sozialdemokratie und Antisemitismus. Unter diesem Titel ist eine Broschüre von August Bebel im Verlage desVorwärts in neuer Auflage erschienen. Es ist der Sonderabdruck der Rede, die Bebel über dieses Thema auf dem Parteitage in Köln gehalten hat. Die Broschüre war seit längerer Zeit vergriffen. Die empö⸗ renden Judenverfolgungen in Rußland und die Haltung der deutschen antisemitischen Presse zu diesen Schandtaten der russischen Reaktton gaben dem Verlag Veranlassung, die Schrift neu herauszugeben. Bebel legt zunächst den prinzipiellen Gegensatz zwischen Sozialdemokratie und Antisemitismus fest und erklärt die antisemitische Be⸗ wegung aus den historischen Ursachen und den sozialen Verhältnissen. Im Anhang weist Bebel nach, daß die Junker die wirklichen Feinde des Klein⸗ bauern sind, und in einem, der neuen Ausgabe bei⸗ gefügten Nachtrag berührt er die russischen Zustände, die zu den dortigen Judenhetzen geführt haben. Die Broschüre kostet 30 Pfg. in der Agitationsausgabe und ist von der Expedition der Mitteldeusschen Sonntags

Zeitung zu beziehen.

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