Ausgabe 
10.6.1906
 
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Mitteldentsche Sountags⸗Zeitun g.

Seite 7.

Sie verlangten beide nach Nahrung; da gab es dies und jenes zu tun, was die Mutter doch selbst verrichten mußte. Und als dann die Kleinen zu Bette gegangen waren, saß die Mutter bis spät nachts beim Lampenlicht, flickle und stopfte und weinte sich die Augen rot. So war das Ende jeden Tages.

Wenn sie dann morgens erwachte, fühlte sie sich müder und kraftloser als am Abend zuvor. Aber ste durfte nicht müde sein. Sie machte die Kinder zum Schulgang fertig und verließ die Wohnung. Zwei Häuser weiter suchte sie oben die Fenster ab. Da hinter dem einen ist ihr Kleines, und das ist sehr krank. Ob sie mal hinaufgeht und nach ihm sieht? Vielleicht verlangt es nach der Mutter. Ihren erregten Nerven scheint es gar, als ob sie das Stimmchen rufen hört. Sie rennt, so schnell es nur gehl, die vielen Stufen hinauf aber die Tür ist noch verschlossen. Schweren Herzens entfernte sie sich wieder. Der Gang zur Fabrik wird ihr heute besonders sauer, und als ste ankommt, hat ste sich auch noch verspätet.

Barsch tritt ihr der Werkführer entgegen. Wenn das wieder vorkommt, sind Sie ent⸗ lassen. Die Bummelei fehlte gerade noch. 8 gibt junge und rüstige Kräfte genug!

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Allerlei.

Die Grenzen der meuschlichen Widerstandskraft.

Die Rettung der Ueberlebenden von Courrieres, von denen 13 nicht weniger als 20 und einer sogar 25 Tage unterirdisch begraben gewesen waren, hat nicht nur eine große Aufregung in der ganzen Welt hervorgerufen, sondern auch sachverständige Gelehrte zu Gedanken über den Grad der menschlichen Widerstandskraft ange⸗ regt. Das Journal der Amerikanischen Medi⸗ zinischen Vereinigung macht darauf aufmerk⸗ sam, daß die Erhaltung des Lebens auf so lange Zeit nicht so selten ist, wie man denken möchte. Ein Bergmann in den Kohlengebieten des nordöstlichen Pennsylvanien war sogar noch länger als jene französischen Berglente einge⸗ sperrt gewesen und erholte sich doch vollkommen.

Die amerikanische Zeitschrift hält daher die Vorwürfe wegen der Nachlässigkeit des Ret⸗ tungswerks in Courrieres durchaus für be⸗ rechtigt und ist auch unvoreingenommen genug, den dort anwesend gewesenen Aerzten vorzuhalten, daß sie in ihrem Widerspruch gegen die Verschleppung der Rettungsarbeiten nicht eifrig genug gewesen seien.(Derselbe Vorwurf ist auch bei derBorussia⸗Kata⸗ strophe am Platze!) Sie hätten es wissen und daran denken sollen, daß es nach früheren Er⸗ fahrungen durchaus möglich war, auch nach eiuer Woche oder zehn Tagen oder sogar noch längerer Zeit wenigstens einen Teil der be⸗ grabenen Leute lebendig vorzufinden. Man scheint sich dort allgemein dem Glauben hin⸗ gegeben zu haben, daß ein Mensch notwendig innerhalb von 4 bis 6 Tagen zugrunde gehen müsse, wenn er nichts zu essen bekommt. Die Beobachtungen jedes Arztes dürfen genügen, ihm die Ueberzeugung zu geben, daß der Be⸗ stand des Lebens ohne jede Nahrungszufuhr etwa drei Wochen lang möglich ist, vorausge⸗ setzt, daß eine genügende Menge von Flüssigkeit erhalten werden kann, um die Lebenskraft auf Kosten des Verbrauchs der Gewebe des Körpers aufrecht zu erhalten. Nur bei völligem Wasser⸗ mangel ist der Tod binnen fünf Tagen aller⸗ dings die Regel, während sich andernfalls eine bestimmte Grenze nicht angeben läßt. Gewisse Erfahrungen scheinen zu beweisen, daß mensch⸗ liche Wesen ganz wohl 40 bis 60 Tage ohne Nahrung aushalten können. Eine solche Wider⸗ standskraft ist in hohem Grade abhängig von dem Ausschluß körperlicher Anstrengungen. Bergleute, die durch einen Unfall in einem Teil des Bergwerks eingeschlossen sind, können daher zugunsten ihrer schließlichen Errettung weit mehr dadurch tun, daß ste sich ganz ruhig verhalten, als daß ste erhebliche Anstrengungen zur Selbhülfe anfwenden und sich dadurch er⸗ schöpfen.

Zwei Verbrecher. Wenn einer Millionen stiehlt, Die Welt viel Mitleid mit ihm fühlt. Dle Ansicht gilt ganz allgemein: Der Mann muß tief umnachtet sein.

Vernehmungsfähig ist er nicht,

Man merkt ja, daß er irre spricht.

Der Arzt, von seinem Los gerührt.

Hat draufGehirnschwund konstatiert Und bringt ihn in die Heilanstalt.

Dortheilt man den Geprüften bald. Rach ein paar Monden ist er dann

Der alte biedere Ehrenmann.

In's Zuchthaus kommt der nicht hinein, Das würde ein Justizmord sein!

Doch wenn ein armer Mann aus Not Für seine Lieben stiehlt ein Brot, Da gibt es keinen Milderungsgrund: In's Loch mit dem verruchten Hund! Schelm von Bremen.

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Humoristisches.

Meineid. Ein niederbayerischer Bauer soll vor Gericht schwö'ren. Der Amtsrichter, der den Kunden kennt, ist eben daran, ihm die Eidesformel vorzusagen, unterbricht sich selbst aber plötzlich und sagt zum Amts⸗ diener:Machen's die Feuster auf! Der Bauer stutzt und fragt ängstlich:Warum denn die Fenster auf? No, moanst vielleicht, ist die prompte Antwort,wir wollen uns d' Fenster einschlag'n lassen, wenn der Teufi di holt?

Der Bauer verzichtete auf den Eid.

Der Unterschied. In einem Bahnhofs⸗Warte⸗ zimmer zweiter Klasse sitzt ein einfach gekleideter Mann mit einem Mordsrausch. Der Bahnhofsportier, der die Züge abruft, findet ihn und fragt nach seiner Fahrkarte. Da er nur eine solche dritter Klasse vorzeigen kann, wird er von dem Portier aus dem Wartesaal zweiter Klasse entfernt mit der Begründung:Wenn Sie eine Fahrkarte zweiter Klasse hätten, wären Sie un wohl und könnten hier bleiben; wenn Sie aber nur eine Fahrkarte dritter Klasse haben, sind Sie besoffen und müssen hier raus!(Simpl.)

Von der Metallarbeiter Aussperrung. Dame: Aber, Herr Kommerzienrat scheuen Sie sich denn nicht, Ihre Arbeiter gerade zu Pfingsten, dem Feste der Ausgießung des heiligen Geistes, auszusperren? Kommerzienrat: West alb denn? Wir wollen diesen Proleten ja gerade ihrenheiligen Geist durch eine

kalte Doucheausgießen.(Südd. Postill.)

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